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Autor: Dieter Hurcks Copyright 11/2005

Eine Radtour auf dem Saale-Radweg von Hof bis zur Elbe erfordert gute Kondition, bietet ab auch jede Menge landschaftlicher Genüsse.

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Saaleradweg  

Fährt man den Saaleradweg nun von der Mündung zur Quelle oder umgekehrt? Das war die Grundsatzfrage, als wir zu dritt unsere Sommer-Radtour entlang der Saale planten. Trotz der langen und beschwerlichen Bahnanreise von Lehrte bei Hannover nach Hof (7.09 Uhr bis 15.21 Uhr), die Umsteigen in Braunschweig, Dessau, Leipzig und Plauen erforderlich machte, entschieden wir uns, den ersten sommerlichen Reisetag überwiegend in Bahnwaggons zu verbringen.

Was waren das für schöne Zeiten, als es noch die Interregios gab und man mitsamt Fahrrad mit ein- oder zweimal Umsteigen die ganze Republik durchqueren konnte!

Inzwischen haben die meisten von uns ihre Bahncards gekündigt, da wir uns entschlossen haben, künftig mit PKW und Fahrradanhänger bzw. Fahrradbus anzureisen. Wenn das mehr Leute tun, wird die Bahn vielleicht eines Tages doch wieder fahrradfreundlicher.

Lange Bahnfahrt aus dem Norden 
Machen wir einen Zeitsprung:  15.21 Uhr Bahnhof Hof in Bayern. Nach so langem Sitzen brauchen wir endlich Radwege unter den Reifen. Der Saaleradweg ist schon ab dem Bahnhof - wie fast auf der gesamten Strecke - hervorragend ausgeschildert, so dass wir den Fluss bald neben uns haben. Im Fernweh-Park, an dem der Radweg vorbeiführt, gibt es Ortsschilder aus ganz Deutschland und der Welt und noch viel mehr zu bestaunen.

1. Tag: Von Hof nach Saaldorf-Mühlberg (44 km)

Bald sind wir mitten in der herrlichen Natur entlang der Saale. Bei Unterkotzau und nach der Fattigsmühle sind die ersten, noch kurzen Anstiege zu bewältigen. Von nun an folgen diese mit großer Regelmäßigkeit, was allerdings manch schönen Ausblick ins Saaletal und über die Höhen der Mittelgebirge beschert. Rechter Hand Richtung Vogtland und Erzgebirge, zurück blickend über das Fichtelgebirge.

Bei Saalenstein geht’s auf einem Steg mit steilem Anstieg über die Saale nach Joditz. Hier schaut ein Jean-Paul-Bild aus dem Fenster eines privaten Museums. Es erinnert an den am 21. März 1763 in Wunsiedel geborenen Dichter (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter), der von 1765 bis 1776 in Joditz als Pfarrerssohn aufwuchs. Von 1804 bis zu seinem Tod am 14. November 1825 lebte und wirkte er in Bayreuth. An ihn erinnert der 10 km lange Jean-Paul-Wanderweg, der von Hof nach Joditz führt. Das Sägewerk und der einladende Gasthof Frank sowie die schmucke Dorfkirche setzen in Joditz die Akzente.

Mehr über Jean Paul  hier

 

Anstiege und Ausblicke
Hinter Joditz schlägt die Saale mehrere Schleifen, was immer wieder teils heftige Anstiege nach sich zieht. In Hirschberg stehe ich nachdenklich auf der Brücke, von der ich 1979 einen Blick über die zerstörte Brücke und die Zonengrenze auf die vor einigen Jahren abgerissenen Lederwarenfabrik werfen konnte. Eine kurze gelbe Linie markiert den Grenzverlauf. Heute stoßen dort Bayern und Thüringen aneinander, wo früher Ost und West voneinander getrennt waren.

In Rudolphstein geht es ab der Autobahn A 9 wieder bergan. Wir wählen die Alternativroute und haben den Aufstieg nach Pottiga zu bewältigen.

Wegen der schon späten Stunde fragen wir Passanten, ob man direkt nordwärts durch den Wald nach Mühlberg gelangt. Das ältere Ehepaar nickt freundlich und beschert uns damit ein richtiges Abenteuer. Denn der Waldweg endet auf einer Lichtung, von wo drei Wege bergab führen. Laut Kompass und GPS muss unser Ziel, der Gasthof Saaletal in Mühlberg am Beginn der Bleilochtalsperre, direkt unterhalb unseres Standorts liegen. Der mittlere Weg verläuft nach rund 200 m anscheinend im Grase, der rechte ist gar nicht Vertrauen erweckend. Also schlagen wir uns auf leicht abschüssiger Piste links durch, bis wir in hüfthohem Gras stecken bleiben. Rechts führt eine breite Brandschneise durch den Wald steil hinunter. Die Richtung stimmt. Über Stock und Stein holpern wir rund 25 Minuten abwärts bis zu einer von einem Elektrozaun umgebenen Wiese - Zeugnisse, dass hier Menschen womöglich mit Fahrzeugen hergekommen sind und wir einen Ausweg aus unserer misslichen Lage finden.

Ich scherze noch mit einer Art Galgenhumor: „Passt auf, gleich stehen wir direkt vor unserer Pension!“ Und in der Tat, wir gelangen auf den Feldweg aus Harra, auf dem die Hauptroute verläuft, und erblicken nach der nächsten Kurve unser Ziel. Erschöpft und erleichtert lassen wir uns auf die Bank vor dem Haus sinken und bestellen erst mal drei Hefeweizen.

2. Tag: Von Mühlberg nach Saalfeld (88 km)
 
„Was, nach Saalfeld wollt ihr?“ staunt unser Wirt und fügt hinzu: „Wisst ihr denn nicht, dass dies das schwerste Stück des ganzen Saaleradwegs ist?“  Das wussten wir natürlich, da wir vorher im Internet diverse Radtourenberichte gelesen hatten. Aber so schwer hatten wir uns diese Etappe dann doch nicht vorgestellt. Hinzu kam die manchmal fehlende, manchmal verwirrende Beschilderung. Anscheinend ist die Wegeführung in den letzten Jahren des öfteren verändert worden. Und Hauptroute und Varianten zu unterscheiden, fällt bisweilen schwer oder ist gar unmöglich.

Da wir nicht unbedingt zehn Kilometer schlechten Waldweg fahren wollen, vor dem uns jemand ausdrücklich gewarnt hatte, radeln wir über das Moorbad Lobenstein und Ebersdorf - vorbei am Bellevue mitten auf einem Straßenkreisel - nach Saalburg, um dort wieder auf die Hauptroute zu stoßen. Hier „tobt“ der Tourismus, hier kann man sogar ein Fahrgastschiff besteigen, wenn man vom Radeln die Nase voll hat ...

 

Eine ganze Zeit rollen wir nun am Ufer der Bleilochtalsperre entlang, durchqueren einen Campingplatz, wo wir an der Trinkwasserentnahmestelle die Flaschen auffüllen, und werden dann hoch zur Straße geführt. Der Weg wird beschwerlicher. An der Staumauer steht ein mobiler Bratwurstverkäufer mit Trabi als Zugwagen, der auch Getränke anbietet. Nach einer „Thüringer“ für 1,30 Euro geht es aufwärts durch den Wald. Ein Schild warnt uns vor der gesperrten „Eisbrücke“ - kein Hinweis, ob Radler durchkommen! Ein Motorradfahrer kehrt gerade von dort unten zurück und fragt nach dem Weg zur Staumauer. Die Brücke sei zwar gesperrt, aber der Bauzaun offen, so dass man durchkönne, berichtet er. Also sausen wir den Berg hinab bis zur nagelneuen Brücke, die über die Saale nach Burg führt.

Wir wollen natürlich nicht Verbotenes tun und nehmen daher den Fußweg unter die Räder, auf den eine große Tafel hinweist. Er führt uns in die Saaleschleife hinein bis Burgkammer und über eine nagelneue Fußgängerbrücke an den Fuß des Schlosses. Mit großer Kraftanstrengung schieben wir den steilen Berg hinauf zur Burg, deren Innenhof wegen Dreharbeiten des MDR-Fernsehens verschlossen ist. Das Hotel Schlossterrassen hat im Schlosshof Tische und Stühle aufgestellt. Die Bedienung ignoriert uns allerdings mehr als eine Viertelstunde lang, so dass wir ohne Geldausgabe weiterfahren.

Dabei wäre eine Stärkung dringend notwendig geworden, denn es geht gleich heftig bergauf, zunächst auf Asphalt, dann auf Schotter. Ein wunderschöner Ausblick ins Saaletal entschädigt für die Strapaze. Zum Glück führt der Weg oft durch Wald, weshalb uns die mit aller Macht scheinende Sonne dort nicht allzu viel anhaben kann. 31 Grad sind’s im Schatten dennoch!

Über Grochwitz radeln wir nach Dörflas steil hinauf. Das letzte Wegestück ähnelt einem ehemaligen Flussbett. Bald erreichen wir das Saaleufer und rollen auf halbwegs passabler Piste, die allerdings viel Aufmerksamkeit erfordert, immer gut beschattet und mit Blick auf die Saale gen Ziegenrück.

Rast in Ziegenrück
Die meisten Radler übernachten hier, wo die Saale in einem engen Tal einen 180-Grad-Bogen schlägt. Wir kehren im Gasthaus „Zum Scheunengarten“ ein und ducken uns in den Schatten eines Sonnenschirms. Die Sonne brennt unbarmherzig, das Hefeweizen kostet hier nur 1,90 Euro und schmeckt daher doppelt gut. Es ist bereits 15.15 Uhr, und wir wollen ja noch nach Saalfeld. Nach einem kurzen Abstecher zum Wasserkraftmuseum nehmen wir gut gestärkt den 3,5 km langen Aufstieg nach Liebschütz unter die Räder, stürzen uns in wilder Abfahrt ins Tal, um gleich darauf - den Schlenker nach Altenbeuthen schenken wir uns -nochmals 3,1 km nach Drognitz zu klettern. Zwischendurch mal zu schieben ist gut für die Muskulatur. In Drognitz löschen wir in der Flößerstube unseren Durst. Die Qualität der Toilette soll hier kein Thema sein ...

Wir erreichen das Dorf Reizgenschwenda. Dort führt die Hauptroute nach Neidenberga. Wir wählen, dem Bikeline von 1996 vertrauend, aber die alte, viel kürzere Route, biegen bei Kirche und Bauernmuseum nach links und gleich wieder rechts ab, an der nächsten Wegegabelung halbrechts, und rollen auf schlechter werdendem Asphaltweg talwärts. Bald geht der Weg in das schon bekannte „Flussbett“ über. Steil hinab holpern wir der Hohenwartetalsperre entgegen. Damit haben wir das Schlimmste geschafft und genießen - die Lothramühle passierend - die Fahrt um die Talsperre, der wir bis Kaulsdorf folgen. Von dort nach Saalfeld nehmen wir angesichts der späten Stunde und der Warnungen eines Entgegenkommenden vor den linksseitigen Waldwegen die Bundesstraße. In Fischersdorf kehren wir nochmals ein und erreichen schließlich gegen 20 Uhr, vorbei an der steil aufragenden Felswand Bohlenblick und den Thüringa-Schokoladenwerken, unser Quartier in Saalfeld. Da es am 19. Juni traditionsgemäß lange hell ist, bleibt nach dem Duschen noch genug Zeit zum Abendessen und für eine Stadtbesichtigung.

3. Tag: Von Saalfeld nach Naumburg (108 km)

Endlich haben wir die Berge hinter uns, auch wenn es natürlich auf dem Weg bis Naumburg noch manchen Anstieg zu bewältigen gibt. Der Beginn der Tour ist gemütlich. Entlang Saale und Eisenbahn radeln wir über Remschütz nach Schwarza, wo am Radweg gerade eine Asphaltdecke aufgetragen wird und wir deshalb bei der Paierfabrik eine Umleitung nehmen müssen. Der Betonplattenweg führt Richtung Preilipp und weiter nach Rudolstadt. Hier ist natürlich eine Stadtrundfahrt angesagt, denn es gibt viel zu sehen. Das beginnt schon im rechtsseitigen Heinrich-Heine-Park mit den Thüringer Bauernhäusern, einem der ältesten deutschen Freilichtmuseen, und setzt sich in der Altstadt fort mit dem Barockschloss Heidecksburg und der Rudolstädter Elle am alten Rathaus sowie dem unscheinbaren, aber äußerst traditionsreichen Theater der Stadt.  

Rudolstadt adé

Rudolstadt verlassen wir, indem wir vom mit alten Bäumen bestandenen Damm hinterm Bahnhof die Unterführung nehmen, die uns gen Cumbach führt. Über Catharinau und Kolkwitz erreichen wir die Weißenburg, die nach längerem moderaten Anstieg durch den Wald einen schönen Ausblick und eine flotte Abfahrt nach Weißen bietet. Der Wirt vom Floßanger gleich an der Brücke, hat zwar noch geschlossen, bringt uns aber dennoch unsere drei Radler, ehe er mit dem Auto davonbraust. Ein flussaufwärts fahrender Radler quält sich unterdes den steilen Weg zur Weißenburg hinauf. Hinter dem Flößerdorf Uhlstädt müssen wir auch noch mal rund 400 m mächtig klettern.

Beim winzigen Bahnhofsgebäude von Freienorla überqueren wir die Bahngleise und rollen vorbei an der Untermühle (www.pension-untermuehle.de) neben den Bahngleisen her, in der Ferne schon die Leuchtenburg erkennend. Der Weg führt auf und ab, bei Rothenstein müssen wir die Saale auf einem schmalen Steg neben den Bahngleisen überqueren. Gut, dass gerade kein Zug kam. In Maua verfahren wir uns, weil wir zunächst nicht gleich hinter dem Sportplatz rechts abgebogen sind, um die Saale gen Lobeda zu überqueren. Dort wartet eine riesige Autobahnbaustelle auf uns - Beschilderung Fehlanzeige! Der normale Saale-Radweg ist blockiert, aber ein Radfahrer zeigt uns den Weg, der durch zwei Unterführungen die alte und die neue Autobahnbrücke unterquert und durch den Sportpark führt. Über die Paradiesbrücke rollen wir nach rund 5 km ins Stadtzentrum von Jena.

Der Verkehrslärm dort nervt ungemein, und es dauert uns viel zu lange, ehe wir beim Studententurm eine ruhigere Zone finden und vor der obligatorischen Stadtrundfahrt die  verdiente Pause einlegen. Der Himmel ist strahlend blau und die Sonne brennt - da zieht es uns bald wieder in die Natur. Über die Brücke fahren wir zurück auf die andere Saaleseite und folgen dem Fluss über mehrere Wohnstraßen. Jena zieht sich ungemein in die Länge. In Kunitz folgen wir dem Schild nach Golmsdorf und bleiben recht des Flusses, um Dorndorf-Steudnitz anzusteuern. Links am Berg sind bald die drei Dornburger Schlösser im abendlichen Gegenlicht zu erkennen. Bei Golmsdorf ist der Weg bestens asphaltiert und erlaubt zügiges Fortkommen. Auf den Gleisen der Zementfabrik stehen zwei Loks der WAB, der Westfälischen Almetalbahn (Sitz: Altenbeken bei Paderborn).

Unterhalb der Schlösser überqueren wir auf einer stählernen, ziemlich rostigen Brücke die Saale und erreichen bald das Rittergut Döbritschen. Erstmals erwähnt wurde der 2 km südlich von Camburg liegende Ort 1219 und 1244 als Döberscen. Die stattliche Saalemühle wird ebenfalls schon 1219 genannt, gehörte zum Gut und wurde 1907 zum Elektrizätswerk umgebaut, das 77 Ortsnetze mit Strom belieferte. 1982 wurde der Betrieb geschlossen und zehn Jahre später durch einen privaten Investor erworben und wieder in Funktion gesetzt. Die alten Turbinen von damals liefern seit 1992 wieder Strom.

Bei der Durchfahrt durch Camburg erblicken wir auf der Anhöhe die Burganlage. Von der alten Burg steht allerdings nur noch ein runder, etwa 40 m hoher Turm mit flachem Kugeldach.

Nachdem wir Camburg und seine gut 3.000 Einwohner hinter uns gelassen haben, weist das Weindorf Kaatschen mit seinem Weinrosenweg und dem Terrassenweinberg auf den Beginn des Saale-Unstrut-Gebiets hin.

Saale-Unstrut-Gebiet
Südlich von Halle, im nördlichsten Anbaugebiet Europas, gedeihen Reben nur noch an ausgesuchten Standorten, zumeist an den Uferhängen von Saale und Unstrut mit ihren verwitterten Muschelkalkböden. Ausnahmen sind einige Rebflächen am Süßen See, noch etwas weiter nördlich, zwischen Halle und Eisleben, der Werderaner Wachtelberg als nördlichste eingetragene Lage in Deutschland, sowie das Weingut Hanke mit rund 10 Hektar Rebfläche in Sachsen.
Die beschauliche Landschaft mit ihren sanften, bewaldeten Hügeln und zahlreichen Schlössern und anderen Baudenkmälern ist ein beliebtes Ausflugsziel für die Bewohner der Industriestädte Halle und Leipzig. Der Besucherstrom sichert in dem kleinen Weingebiet mit gerade einmal 610 Hektar, von denen über die Hälfte zur Winzergenossenschaft Freyburg-Unstrut gehören, auch kleineren Betrieben ein gutes Auskommen, zumal der „Exotenstatus“, der in den neuen Bundesländern liegenden Anbaugebiete höhere Preise zulässt, als diese anderswo bezahlt werden würden.

Rudelsburg und Burg Saaleck
In Saaleck, einem Ortsteil von Bad Kösen, grüßen rechter Hand die Rudelsburg und die zweitürmige Burg Saaleck. Beide gehören zu den schönsten Burgen an der Saale und liegen, zu Sachsen-Anhalt gehörend, nur 230 m auseinander. Die Rudelsburg, 1172 erstmals urkundlich erwähnt, ist die bekannteste Burg der Saalelandschaft und wurde zum Schutz des Saaletales und der hier verlaufenden alten Verkehrswege errichtet. Am Ende ihrer wechselhaften Geschichte stand das Niederbrennen der Burg. Von ihr blieben nur die beiden Bergfriede erhalten. Franz Kugler schrieb hier das bekannte Gedicht "An der Saale hellem Strande...".

In Kleinheringen rasten wir kurz beim Museumsguthof Sonnekalb (www.sonnekalb.de). Dort kann man „naturnah“ und ruhig in einem preisgünstigen Heuhotel nächtigen. Nicht ganz so preiswert sind die Zimmer auf dem orginellen Hof.

 

Bad Kösen
Weiter geht die Tour im mitteldeutschen Burgenland gelegenen zur Kur- und Weinstadt Bad Kösen (5.600 Einwohner) mit ihrem heimeligen Kurpark und dem Gradierwerk hoch über dem Kurmittelhaus. Durch die seit der Mitte des 13. Jahrhunderts nachgewiesene Flößerei auf der Saale gelangte Kösen im Mittelalter zu überregionaler Bedeutung und war eine der bekanntesten Flößersiedlungen und bis 1870 Langholzumschlagplatz an der Saale.

Pforta

Ein weit über die Grenzen der Stadt und Region bekanntes Besucherziel im heutigen Stadtgebiet von Bad Kösen ist das ehemalige Kloster Pforta im Ortsteil Schulpforte, das wir nach wenigen Pedaltritten erreichen. Der eigentliche Stifter des Klosters ist Bruno von Pleißen. Der sehr vermögende Graf stiftete bei Schmölln ein Nonnenkloster, das später von Zisterziensermönchen aus dem im Harz übernommen wurde. Als die Existenz des Klosters durch Auseinandersetzungen mit slawischen Stämmen immer wieder bedroht wurde, bekamen die Zisterzienser von Bischof Udo von Naumburg den Platz "an der Pforte" zur Errichtung einer neuen Anlage. Die Gründungsurkunde des Klosters St. Marien zur Pforte vom 30. Oktober 1137 ist unterzeichnet von Papst Innozenz und Kaiser Konrad III.

Man kann mit dem Rad das Klostergelände durchqueren. Eine kleine Pforte führt in einen Wald. Neben einem Bach gelangt der Radler fast wie von selbst gen Naumburg. Wir fragen uns zur Jugendherberge durch, die (natürlich) hoch über der Stadt liegt und nochmals manchen „Ritt“ über Kopfsteinpflaster erfordert. Der heutige Stadtbummel wird zu Fuß erfolgen, darin sind wir drei uns einig! In Naumburg hat der Reformator Martin Luther Spuren hinterlassen - wie an so vielen "Luther-Radrouten".

4. Tag Von Naumburg nach Bernburg (135 km)

Die längste Etappe liegt vor uns. Aber erst soll noch der Dom besichtigt werden. Angesichts des „Kopfgeldes“ von 9 Euro fürs Fotografieren der Stifterfiguren verzichten wir gleich ganz auf eine Besichtigung, denn Wucher können wir überhaupt nicht leiden. So rollen wir also gemächlich zur Saale hinunter und machen uns auf den Weg gen Weissenfels. Burg und Schleuse Schönburg sowie Schloss Goseck liegen bald hinter uns. Die Fähre Leißling verkehrt nur an Wochenenden, so dass wir rechts der Saale bleiben.

Vor Weißenfels verfahren wir uns. Anstatt dem Saale-Unstrut-Elster-Radweg zu folgen, der anscheinend hier mit dem Saaleradweg identisch ist, hecheln wir bergauf und durchqueren ein Wohngebiet. Die Durchfahrt von Weißenfels ist wegen der Wegebeschaffenheit kein Vergnügen, die Beschilderung unvollständig. Fast wäre ich eine Treppe hinunter gefahren - Warnschild: Fehlanzeige! Bald haben wir den Ort hinter uns und radeln nun links der Saale.

Nun liegt ein idyllisches Stück Radweg vor uns, auch wenn es bisweilen auf Kopfsteinpflastern nur zögerlich voran geht. Am Schleusenkanal, der Schleuse Beuditz und dem Kirchlein in Krichau vorbei nähern wir uns Bad Dürrenberg mit dem berühmten Borlachensemble. Der Turm wurde 1765 erbaut und ist nach dem Entedecker der Solequelle benannt. Das Museum widmet sich der Geschichte der Salzherstellung. Sehenswert sind hier das mit rund 700 m Länge größte zusammenhängende Gradierwerk in Europa, der gepflegte Kurpark und die herrliche Saaleaue. Am Gradierwerk wird gerade feste gebaut, es soll auf seine ursprüngliche Länge (je nach Quelle 800 oder 900 Meter) erweitert werden.

Jährlich Ende Juni findet das Brunnenfest mit dem Borlachspiel und der Solemessung statt. Hierbei wird der historische Augenblick des Durchbruchs der Hauptsolequelle - sie liegt in 223 m Tiefe - in historischen Kostümen und mit überliefertem Originaltext nachgespielt.
Bis in die 60er Jahre war Bad Dürrenberg eine Kurstadt. Hier fanden jährlich Tausende Heilung von Krankheiten der Atmungsorgane und der oberen Luftwege. Das Salzluft spendende Gradierwerk bietet heute für die Besucher und Einwohner der Stadt prophylaktisch Wohlbefinden. Muße und Entspannung findet man im Kurkpark, wo im Sommerhalbjahr sonntags regelmäßig Kurkonzerte veranstaltet werden.

Wir verlassen Bad Dürrenberg und sehen in der Ferne schon die Leunawerke. Am Freibad von Leuna, das über eine bogenförmige Brücke zu erreichen ist, gibt’s Thüringer Bratwurst für einen Euro. In der Nähe steht ein „Mahnmal für die März-Gefallenen“: In den letzten Märztagen des Jahres 1921 fielen die Truppen der Reaktion über die revolutionäre Arbeiterschaft in den südlichen Regionen der Provinz Sachsen her. "Bei Leuna sind viele gefallen ...", heißt es in einem Arbeiterlied, "... bei Leuna floss Arbeiterblut". Doch nicht nur in den Chemieregionen Leuna und Bitterfeld, auch in der Bergbau- und Hüttenregion des Mansfelder Landes waren viele Tote zu beklagen.

Nun ist es nicht mehr weit bis Merseburg, die Stadt der berühmten Zaubersprüche. Als erstes historisches Gebäude begrüßt uns südöstlich des Gotthardteiches die Ruine der Kirche St. Sixti. 1045 gegründet, ist sie 1327 zur Stiftskirche erhoben worden. Der im 16. Jahrhundert begonnene Neubau zur spätgotischen Hallenkirche wurde nicht vollendet. Seit dem 30-jährigen Krieg ist St. Sixti eine Ruine. Den romanischen Turm baute man 1888/89 zum Wasserturm um.

Merseburg zählt zu den ältesten Städten im mitteldeutschen Raum. Von der einstigen Größe der Residenz- und Regierungsstadt künden zahlreiche Baudenkmale, steinerne Zeugen einer reichen Historie. Oberhalb der Saale überragt das vieltürmige, in seiner komplexen Architektur einmalige Dom- Schlossensemble weithin sichtbar die Stadt. Der Dom zählt zu den beeindruckendsten Baudenkmalen an der „Straße der Romanik“, der bedeutendsten Touristikroute in Sachsen-Anhalt. Mehr unter www.merseburg.de

Halle/Saale
Über eine Eisenbahnbrücke führt bei Schopkau der Weg auf die andere Saaleseite, worauf allerdings kein Schild hinweist, sondern nur unser Gespür. Die Fahrt durch Halle, die über 1000 Jahre alte Salinenstadt, ist mit vielen Fallen gespickt. Wegen des Zeitverlustes durch fehlende Beschilderung fahren wir nicht erst ins Zentrum hinein. Am Ortsausgang verabschiedet uns Burg Giebichenstein, die älteste Burg an der Saale. Die jüngste steht übrigens ebenfalls in Halle: die Moritzburg. Auch das Geburtshaus Händels, in dem heute das Musikmuseum untergebracht ist, muss auf unseren Besuch leider verzichten.

Vor Trotha haben irgendwelche Banausen ein Schild umgeworfen, so dass wir vor einer Kläranlage landen. Wir stellen das Schild wieder provisorisch auf. In Brachwitz fahren wir mal wieder Fähre und erreichen bald Wettin mit seiner stattlichen Burg. Wettin war seit Mitte des 12. Jahrhunderts Stammburg der Wettiner Markgrafen und späteren Fürsten. Um mal schnell ein paar Kilometer zu schaffen, fahren wir mit der „Wappen von Wettin“ wieder auf die andere Saaleseite und anschließend in flotter Fahrt auf hervorragenden Straßen bis Rothenburg.

Dort in der Gegend fallen die roten Häuser auf, die aus dem hier vorkommenden und an den Saaleufern in der Abendsonne leuchtenden Karbonsandstein gebaut sind. Hinter Rotenburg erinnert der Saaleradweg an die Donau: optimale Asphaltoberfläche, geringe Kurvenradien, kaum Steigungen, da geht die Post richtig ab. Ist auch nötig, denn der Himmel lässt nichts Gutes ahnen: Gewitter zieht auf! Also strampeln wir, was das Zeug hält, und erreichen um 20.40 Uhr unser Quartier in Bernburg. 20 Minuten später öffnet der Himmel seine Schleusen. Ein preiswertes Restaurant (Grieche) ist nur 20 m entfernt. Dusel gehabt!

Unterwegs haben wir trotzdem noch Zeit für einen Blick auf das Renaissanceschloss Plötzkau gefunden, das auf die äußerste östliche Spitze eines Felsvorsprunges gebaut wurde und eindrucksvoll die Saaleaue beherrscht. Es kündet seit über 400 Jahren von einer Zeit, als hier das Fürstenhaus Anhalt-Plötzkau souverän herrschte. Nur wenig später radeln wir über eine moderne Fußgänger- und Radwegbrücke zum hübschen Dorf Gröna hinüber. Auf dem gut ausgebauten Radwanderweg rollen wir durch die von Wäldchen und Wiesen bestimmte Auenlandschaft bis zum Ziel: hinauf in die alte Residenzstadt Anhalt-Bernburg.

Bernburg (Sachsen-Anhalt)
Bernburg, eine alte Residenz in Anhalt mit vollständig erhaltenem Renaissanceschloss, erste Erwähnung im Jahr 961, hat knapp 35.000 Einwohner. Das Renaissanceschloss "Krone Anhalt" (1538-1570) und das Museum Schloss Bernburg im Alten und Krummen Haus sind die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten.

Sehenswert ist auch die jetzt sanierte Altstadt von Bernburg (erstmals 1205 urkundlich erwähnt). Mittelpunkt bildet hier die Breite Straße mit der frühgotischen Basilika von St. Nikolai und dem Augustiner-Eremitenkloster. Ein Abstecher zum Ortsteil Waldau führt zu einem Musterexemplar an der Straße der Romanik, zur Dorfkirche St. Stephanie aus dem 12. Jahrhundert. Weitere Infos: www.bernburg.de

5. Tag: Von Bernburg nach Barby (65 km)

Die letzte Etappe führt uns zur Mündung der Saale in die Elbe. Bernburg liegt schnell hinter uns und wir radeln mit Blick auf den Fluss an Nienburg mit seiner berühmten Klosterkirche, einem der Hauptwerke deutscher Hochgotik, vorbei nach Calbe. Hinter der Brücke steigt die Straße an, und rechts abbiegend rollen wir (wegen des groben Straßenpflasters auf dem Bürgersteig, wienerisch: Gehsteig) ins Zentrum. Da Calbe die Partnerstadt unseres Heimatortes Burgdorf ist, verweilen wir dort natürlich etwas länger und schießen ein Erinnerungsfoto vor dem Roland.

Leider verkehrt die Fähre in Calbe nicht, so dass wir wieder zurück zur Brücke fahren. Wir hätten besser gleich die Straße nach Barby nehmen sollen, denn von Groß Rosenburg nach Tornitz muss man eh wieder per Fähre den Fluss überqueren, um dann von Werkleitz gen Barby zu radeln. Da wir den richtigen Abzweig verpasst haben (kein Schild gesehen!), fahren wir um einen großen See, wo Sand und Kies abgebaut wird, herum nach Barby und erreichen bald die Fähre an der Saalemündung. Diese bringt uns ans andere Ufer, von wo aus wir zum Bahnhof Zerbst radeln. Auch Güterglück eignet sich zum Einsteigen gen Braunschweig. Die Rückfahrt mit der Bahn ist nur noch „Formsache“.

Zu dieser Radtour ist eine mit Musik vertonte Diaschau auf DVD erschienen:

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Alle DVDs im Überblick und Bestellmöglichkeit

Thüringer Städtekette

Unstrut-Radwanderweg 

Radtouren von A bis Z

Saale in Thüringen 

Der Europaradweg 1 (D-Route 3) verläuft zwischen Nienburg und Bernburg ein Stück
entlang der Saale

Trailer zur DVD "Saale-Radweg"

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Spickzettel
Route:
Saale-Radweg 
Start/Ziel:
Hof bis Barby/Elbe 
Bahnanreise:
Hof
Länge:
440 km; Entfernungen: Hof 0 km, Saaldorf Mühlberg 44, Saalfeld 132, Naumburg 240, Bernburg 375, Barby 440 km
Schwierigkeit: im oberen Teil z.T. sehr starke Steigungen, ab Rudolstadt leicht (siehe Bericht) 
Übernachten: Quartiere siehe Bericht(e)
Internet: offizielle Homepage
Radwanderführer: siehe unten

Die Beschilderung des Saaleradwegs ist durchweg gut, hat aber wegen Lücken doch ab und zu ihre Tücken.



Fernweh-Park in Hof.



An der jungen Saale in Hof.

Joditz in Bayern.

Hirschberg 1979 mit Grenze.



Hirschberg: Lederwarenfabrik ohne Grenze - und ohne Fabrik.



Blick über die Grenze auf die Lederwarenfabrik.

Hirschberg 2005.

Blick auf das Dorf Sparnberg über die im Oberlauf noch ungezähmte Saale.

 

Blick auf die Bleilochtalsperre.



Abstecher ins Moorbad Lobenstein.



Am Hohenwartestausee.

Schloss Burgk, wo im Jahre 2005 die MDR-TV-Serie "Mittelalter" gedreht wurde.



Steile Anstiege werden mit schönen Ausblicken belohnt.



Die Saale bei Ziegenrück.



Die Burg hoch über Ziegenrück.



Das Energiemuseum in Ziegenrück ist einen Besuch wert.



Schokoladenfabrik in Saalfeld.



Das Rathaus von Saalfeld.



Rudolstadt lohnt einen längeren Aufenthalt.

Blick zurück auf Rudolstadt.



Die Stadtmauer von Jena ist in Teilen erhalten.



Burgen säumen zahlreich das Ufer der Saale.

Die Rudelsburg bei Saaleck ist sozusagen die „Königin“ unter den vielen Saale-Burgen.

 

Merseburg.

Saale-Blick zum Genießen.

Wettin mit Saale-Schiff.

Plötzkau kurz vor Bernburg.

Blick vom Bernburger Schloss auf die Saale.

Kurz vorm Ziel: Kirche in Barby.

Mündung der Saale in die Elbe.

Radwanderführer