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Autor: Dieter Hurcks Copyright 8/2012

Von Winterberg nach Schwerte. 
Die Ruhr entspringt auf den Höhen des Sauerlandes in 666 Meter Höhe nahe Winterberg und fließt bei Duisburg-Ruhrort in den Rhein. Dieser Bericht schildert die Erfahrungen auf dem Weg von der Quelle bis zur Mündung durch eine Region, der dieser Fluss den Namen gegeben hat: das Ruhrgebiet. Eine Radreise, die die schroffen Gegensätze hautnah erleben lässt. Teil 2: Zum Rhein

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Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Ruhr-Radweg (1)

Von der Quelle bis nach Schwerte
 
Hier die Stille der Natur, dort das Brodeln des Verkehrs. Wer Ruhe sucht, dürfte auf dem Weg durchs Ruhrgebiet bisweilen Probleme bekommen. Dennoch bietet der Ruhr-Radweg trotz der Richtung Rhein immer aufdringlicher werdenden Verkehrswege auch stille Etappen, wo man durchaus die Seele einmal baumeln lassen kann.

Die Bahnfahrt nach Winterberg gibt schon einen guten Vorgeschmack auf das, was den Radler auf dem Ruhrradweg erwartet: eine idyllische Landschaft mit engen Tälern und steil aufragenden Höhen, zwischen denen aus dem Rinnsaal Ruhr allmählich ein Bächlein, dann ein Bach und später ein Fluss werden soll.

Winterberg, der Wintersportort Nummer 1 des Landes NRW, hat auch im Sommer einiges zu bieten. Wer am Bahnhof auf fast 700 Metern Höhe aus dem in Dortmund gestarteten Dieseltriebwagen klettert, sollte zumindest einen kleinen Abstecher in die Innenstadt unternehmen, sich in einem der vielen Cafés stärken und vielleicht noch kurz in den Weg oberhalb des Kurparks hineinfahren.

Bescheidene Beschilderung im oberen Teil

Doch dann kann es losgehen. Zurück zum Bahnhof und entlang der Straße aufwärts fahren, bis der Radwegweiser nach rechts zeigt. Bergauf und bergab führt der mit vielen Schildern gespickte Weg zur Ruhrquelle auf dem Ruhrkopf. Leider ist der Ruhrtalradweg vor allem in diesem oberen Teil weder einheitlich noch durchgehend und schon gar nicht eindeutig beschildert. Bisweilen treten Lücken auf, so dass der Radler raten muss, wo es denn nun weitergeht. Zur ein wenig versteckten Ruhrquelle führt anscheinend nur ein Wanderweg, die Radwegebeschilderung leitet um das Quellgebiet herum. Allerdings könnte man es dann auch von unten her noch anfahren - dort, wo das Rinnsal Ruhr den Weg quert. Doch wer weiß oder ahnt das schon, wenn er die Quelle und den Wanderweg vor sich hat?

Riesenrummel an der Quelle

Obwohl Dienstag ist, herrscht rund um die Quelle großer Andrang, so dass es großer Geduld bedarf, ein Foto ohne Touristen zu schießen. Bald radle ich weiter, vorbei an einem Waldlehrpfad mit aufgestelzten Blockhütten, bis zu einem Lift. Wo im Winter Skiläufer hochgezogen werden, hängen jetzt dreirädrige Geländeflitzer am Haken. Nach einer kurzen Pause an der Skihütte, wo ich auch meine Wasserflasche auffülle, fahre ich weiter. Der Pfeil zeigt über die Straße hinaus, die folglich zu kreuzen ist. Bald schwenkt der Radweg wieder zur Straße zurück und führt zu einem Kreisverkehr.

Dort habe ich die Orientierung verloren, da das Schild nach Bigge-Olsberg dorthin zeigt, wo ich gerade hergekommen bin. Also folge ich dem Schild „Meschede 36 km“, was ja mein Tagesziel ist. Doch führt dieser Weg über Siedlinghausen und nicht an der Ruhr, sondern an der Neger entlang. Immerhin geht es meistens flott bergab. Ich will zurück zum Ruhrradweg und biege hinter Brunskappel rechts ab gen Wiemeringhausen. Es geht über 2 km mächtig bergauf und ebenso flott - im Ort links abbiegend - wieder ins Tal der Ruhr.

Mit Gepäck nur schwer zu Durchfahren: Umfahrsperre in Bigge-
Olsberg. Man muss sich voll auf sein Fahrrad konzentrieren. 

Bald erreiche ich Assinghausen, das „Golddorf“, wo der Radler per Schild ins Dorf hineingeschickt, aber schon an der nächsten Wegegabelung allein gelassen wird. Es darf wieder mal geraten werden! Weiter geht´s, hinter Ruhr und Bahn zunächst steil bergauf, nach Olsberg, wo eine enge Umfahrsperre an der Bahn zu bewältigen ist, was mit Gepäck äußerst viel Mühe macht und sogar zum Umsetzen des fast 50 Kilo schweren Fahrrades zwingt. Ein Unding, solch eine Schikane auf einem Fernradweg zu platzieren!

Immer wieder Irritationen 

Gegenüber dem Café Hagemeister weist ein Schild nach Brilon, trägt aber zugleich das Logo des Ruhrtalradwegs. Die Bedienung kennt sich nicht aus, ihre Chefin meint, ich sollte doch besser die Straße benutzen. Ein Radler, den ich frage, gibt Grünes Licht: Ja, der Weg führe nach Bestwig. Eigentlich wollte ich die ruhigere Strecke über Ostwig nehmen, die auch in meinem Radwanderführer von 2005 verzeichnet ist. Doch ich finde die Abzweigung nicht und muss deshalb auf dem Radweg neben der verkehrsreichen B7 fahren. Eine Strafe!

Endlich verlässt der Weg die Straße und führt oberhalb des Ortes Bestwig steigungsreich weiter gen Meschede. Besonders der Anstieg bis kurz vor der A 46 hat es in sich. Gegen 18.30 Uhr erreiche ich Meschede auf der Kolpingstraße. Die Suche meines Quartiers gestaltet sich trotz ausgedruckter Lageskizze aus Google Maps schwierig, da manche Straßen keine Namen zu haben scheinen. Jedenfalls gibt es keine entsprechenden Schilder. So bringt es einige Umwege mit sich, bis ich endlich mein Quartier erreicht habe. Schön ruhig gelegen und nicht weit von den „Fresstempeln“ der ansonsten nicht besonders anheimelnden Innenstadt. Immerhin wird daran gearbeitet: Die für Parkplätze zubetonierte Henne, die den gleichnamigen See speist, wird für künftiges Erleben des Wassers wieder freigelegt.

Statt der geplanten 40 km habe ich 52 km zurück gelegt. Und die hatten es wahrlich in sich.

 

Tag 2: Nach Schwerte

Punkt 9 nach einer ruhigen Nacht Abfahrt aus Meschede. Der Weg führt links der Ruhr entlang bis Laer und wechselt dann das Ufer. Wennemen wird entlang der Hauptstraße durchfahren. Anschließend geht es bergauf und bergab nach Freienohl, das ich nach knapp 9 km erreiche und auf dem RW neben der lauten Durchgangsstraße passiere. Am Ortsausgang ist das Schild Richtung Eisenbahntunnel (links) leicht zu übersehen, da es schräg steht. Ab dem Tunnel beginnt ein idyllisches Stück Ruhrtal-Radweg.

Wohngebiete und Gewerbegebiete, unter anderem mit den für diese Gegend typischen Leuchtenfirmen, passiere ich ebenso wie, gut beschattet, schöne Waldstücke. Die Ufer der Ruhr sind mit rötlich blühenden Pflanzen dicht bewachsen, die nach meinem Wissen aus Amerika eingeführt worden sind und nun die heimische Pflanzenwelt auch an anderen Flüssen zu verdrängen drohen. Seit meinem letzten Tripp auf dem Ruhr-Radweg im Jahre 2007 ist der Bewuchs erheblich dichter und weitläufiger geworden. Dennoch: Diese Passage, vorbei am Segelflugplatz Oeventrop, wo die Radler durch Netze gegen möglicherweise herabfallende Flieger geschützt werden, bis zur Brücke nach Rumbeck ist ein echter Radelgenuss.

Arnsberg: Unbedingt die Altstadt besuchen!

Nun naht Arnsberg. Man kann die Stadt in einer großen Ruhrschleife umfahren oder an der ersten Brücke in die Altsdtadt abbiegen und zum Schloss hochfahren. Es lohnt sich. Biegt man auf dem Rückweg durch die Fußgängerzone rechts ab, gelangt man (fast) automatisch wieder an die Ruhr und hat sich die Schleife gespart. Links geht eine Fahrradstraße ab und führt, gegenüber dem Autotunnel, direkt zur Ruhrbrücke. Auf der anderen Seite gleich rechts abbiegen gen Wickede.

Nächstes Zwischenziel ist der laute Ort Niedereimer. Zum Glück biegt der Radweg am Ortsende nach links ab zur Ruhr, wo man am Wehr eine Pause einlegen und sich von dem Verkehrslärm erholen kann. Sieben Kilometer weiter stehen anscheinend alte Gemäuer neben dem Radweg. Die Erläuterungstafel hat keinen Text mehr. Auf einer Säule steht etwas von einer Kinderstadt. Ein Findling erinnert an den Hüstener Schnatgang von 2010, dem Jahr des Stadtjubiläums, ohne weiter ins Detail zu Gehen.

Hundert Meter neben der Möhnemündung, die umgangen werden muss, wobei ein kurzer Blick auf Neheim-Hüsten und den Sauerländer Dom freigegeben wird, mache ich auf einer Bank Pause: den Fluss vor mir, die A 46 hinter mir. Der dauernde Autolärm dieser lange Zeit parellel verlaufenden Piste, stellenweise ohne Lärmschutzwand, nervt. Wer möchte, sollte einen kurzen Abstecher in die Innenstadt unternehmen, wo eine Skulptur an die lange Tradition der Stadt in Sachen Leuchten und Lampen erinnert. Zahlreiche Firmen sind hier angesiedelt, die für Licht sorgen.

Möhnemündung in Neheim-Hüsten.

Bis zum Haus Füchten rechter Hand lässt der Ruhrtal-Radweg den Fluss links liegen. Grasende Kühe sorgen mal für Abwechslung, der Blick geht weit ins Land. Vorbei an Wickede erreiche ich nach 62 Tageskilometern Fröndenberg. Natürlich kann man beiden Städten einen besuch abstatten, was ich schon auf früheren RTRW-Touren gemacht hatte. Zum Kettenschmiedemuseum in Fröndenberg, direkt links vom Weg gelegen, biege ich dann doch noch einmal ab. Dort gibt es auch Toiletten, u.a. zum Nachfüllen des Wasservorrats.

Rund um Halingen radele ich zwischen Maisfeldern, in Langschede wechselt der Weg über eine blaue Brücke das Flussufer. Anschließend zackt er hin und her durch die Landschaft, führt mal an der Eisenbahnlinie entlang, mal an der Ruhr und am Ruhrfeldgraben, bis er die Brücke der B 236 erreicht, die nach Schwerte hineinführt. Mein Tagesziel ist nach 82 km schon gegen 15.30 Uhr erreicht. So bleibt genügend Zeit für einen Bummel durch die kleine Stadt, die immerhin ein paar schöne Fachwerkhäuser aufzuweisen hat. Und auf dem Marktplatz kann man ruhig sitzen und speisen, was in meinem unglücklich gewählten Quartier nahe der Ruhrbrücke kaum möglich ist. Nichts für lärmempfindliche Menschen wie mich ....

Teil 2: Von Schwerte nach Duisburg-Ruhrort

siehe auch: Route der Industriekultur

 

Etappen/Entfernungen

siehe Spickzettel oben rechts

 

 

Radwanderführer

    

 

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Spickzettel
Route:
Ruhr-Radweg (auch Ruhrtal-Radweg)
Start/Ziel:
Winterberg am Fuß des Kahlen Astens
Bahnanreise:
Dortmund-Bestwig-Winterberg
Länge:
ca. 275 km; Entfernungen: Winterberg-Meschede 55 km, Schwerte +82, Mülheim +103, Duisburg-Ruhrort +32
Schwierigkeit: im oberen Teil und bei Meschede einige kräftige Steigungen, danach durchweg leicht (siehe Bericht) 
Übernachten: Quartiere siehe Homepage Ruhrtal-Radweg
Internet: offizielle Homepage
Radwanderführer: siehe unten - Routenverlauf



Ein Besuch der Winterberger Fußgängerzone lohnt sich nach der langen Bahnfahrt ganz besonders. 

Typisch fürs Sauerland: Mit Schiefer gedeckte Häuser in Winterberg.

Die Ruhrquelle einmal fast menschenfrei.

Die Beschilderung ist vor allem im Oberlauf nicht immer eindeutig und manchmal lückenhaft.

See bei Bigge-Olsberg.

Kirche in Velmede.

A46-Zubringer bei Bestwig. 

Ruhr bei Freienohl.

Blick über die Ruhr auf Freienohl.

Oft idyllisch: Ruhr bei Schwerte.

Kirche in Schwerte mit ortstypischem Fachwerkhaus.



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