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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2009

Im Grünen rund um die City der niedersächsischen Landeshauptstadt

In Hannover gibt es seit 2009 einen Radrundweg von 25 km Länge, der rund um die City führt - und dabei meistens im Grünen

Julius-Trip-Ring
in Hannover
 
Eine Radtour durch den Stadtwald Eilenriede, durch Parks, Grünanlagen, entlang der Leine, der Ihme, vieler Kleingartenkolonien und des Maschsees. Rund 20.000 Kleingärten soll es in Hannover geben, die rund 5 Prozent der Stadtfläche bedecken.

Hannover hat viel Grün zu bieten, darunter die grüne Lunge, die Eilenriede. Und darauf ist der Hannoveraner zu recht stolz, wie der Homepage der Stadt zu entnehmen ist: "Mit rd. 640 Hektar verfügt Hannover über den größten Wald Europas im Herzen einer Großstadt - selbst der Hydepark in London und der Pariser Bois de Bologne können da nicht mithalten." Also ein ideales Radelrevier. 



Aus Anlass des 100. Todestages des hannoverschen Gartenbaumeisters Julius Trip (1857-1907) wurde ein Radweg angelegt, der meist im Grünen auf 25 km Länge rund um die City Hannovers führt und mit einer viereckigen Plakette ausgewiesen ist, die unter den normalen Radwegweisern hängt. Im April 2008 wurde er eröffnet.

Start am Maschsee  
Der Maschsee ist Hannovers Naherholungsmagnet Nr. 1. Er wurde in den 1930-er Jahren künstlich angelegt. Am Südwestufer befindet sich, ein wenig versteckt, die 1935 in Betrieb genommene Maschseequelle. Wer Zeit hat, sollte den See einmal ganz umrunden, obwohl diese Umrundung nicht zum Julius-Trip-Ring gehört. Der Maschsee ist auch der Ausgangspunkt des regionalen Radwandernetzes der Hannover Region.

Dieser Ring wurde benannt nach Julius Trip (1857–1907), der von 1897 bis 1907 erster Stadt-Gartendirektor von Hannover war. Wie der Homepage der Stadt zu entnehmen ist, begründete er eine eigenständige Gartenverwaltung, die bis heute Bestand hat. Während seiner Amtszeit schuf Julius Trip zahlreiche neue Gartenanlagen unterschiedlicher Art. mehr und Quelle

Wir radeln also vom modernisierten Strandbad ganz im Süden am Westufer nach Norden, umrunden den Sportpark, wo unter anderen die Bundesligisten Hannover 96 (Fußball) und TSV Hannover-Burgdorf (Handball) ihre Heimspiele austragen und einige Bundesleistungszentren angesiedelt sind. Auch eine Freilichtbühne ist dort zu finden.

Herrenhäuser Gärten
Nun folgen wir der Leine nach Linden, früher Sitz des Weltunternehmens Hanomag und eine traditionsreiche Arbeiterstadt mit heute multikultureller Bevölkerung und noch vielen kleinen, inhabergeführten Läden.
Am Wege liegt, direkt mit Flussblick, das seit 1875 bestehende "Dornröschen", ein idyllischer Biergarten. Ein Stückchen weiter treffen wir bei einem kleinen Abstecher auf das 1913 errichte Wehr Herrenhausen. Es sorgt, wie der Broschüre zu entnehmen ist, für die Schiffbarkeit von Leine und Ihme im Stadtgebiet und dient dem Hochwasserschutz. Seit 1999 erzeugt es Strom.
"Die Anlage, die im Sinne des Landschaftsschutzes geschickt in das Leinewehr integriert wurde, besteht aus dem Wasserkraftwerk und der Fischaufstiegsanlage, die erstmalig den schwimmenden Leinebewohnern den Weg flussaufwärts ermöglicht. Das Wasserkraftwerk Herrenhausen ist bereits das zweite dieser Art im Kraftwerkspark der Stadtwerke Hannover und nutzt gemeinsam mit der aus dem Jahre 1922 stammenden Anlage Am Schnellen Graben 50% des technisch nutzbaren Wasserkraft-Potentials in Hannover." Quelle und weitere Infos zum Leinewehr und dem als Expo-Projekt angelegten Wasserkraftwerk lesen Sie hier.

Vom Leinewehr ist es nun nicht mehr weit zu den Herrenhäuser Gärten, in die man allerdings nicht mit dem Rad hinein darf. Dort soll demnächst das im Krieg zerstörte Hauptgebäude des Schlosses wieder aufgebaut werden. Mehr dazu auf dieser Internetseite.

Links und rechts des Radweges befinden sich zahlreiche Attraktionen wie das Wilhelm-Busch-Museum, das Hauptgebäude der Universität sowie der herrliche Berggarten mit seiner Blütenpracht und den wohltemperierten Gewächshäusern, die sich im Winter ideal als Besuchsziel eignen.
Der Berggarten wurde 1666 auf einem abgetragenen Sandberg nördlich des Schlosses als Küchengarten angelegt. Er entstand gleichzeitig mit dem Großen Garten und ist damit einer der ältesten Botanischen Gärten Deutschlands. Quelle und Infos zur Geschichte des Berggartens. Schöne Bilder und einen Flash-Film gibt es hier.

Schulbiologiezentrum
Wir radeln weiter nordwärts, rechts am Berggarten vorbei. Ein großes Schild weist, kurz nach der Unterquerung der Bahnlinie Hannover-Minden-Ruhrgebiet, auf eine Attraktion der besonderen Art hin, die besonders Familien mit Kindern ansprechen dürfte: Links der Straße Vinnhorster Weg liegt im Wald das über 80 Jahre alte Schulbiologiezentrum Hannover mit seinem 6,5 Hektar großen Waldgelände.

Gegründet wurde es, wie der Homepage des Vereins zu entnehmen ist, von Dr. Gerhard Winkel, der am 10. Februar 2009 im Alter von 83 Jahren verstarb. "Er entwickelte seit 1961 die Schulgartenarbeit unter seinem ganzheitlichen Ansatz hin zur Naturschutzerziehung und Umweltbildung. Vielfältige und Weg weisende Veröffentlichungen begründeten seinen Einfluß auf Theorie und Praxis im Biologieunterricht.  Mit dem didaktischen Ansatz einer forschenden Schulbiologie gab er dem naturwissenschaftlichen Unterricht in Hannover und weit darüber hinaus viele Impulse, durch die er auch die Gründung zahlreicher weiterer Umweltzentren unterstützte.
Bis zuletzt gab er unseren Fördervereinen Anregungen für die Weiterentwicklung des Schulbiologiezentrums."

So ist dort ein großer Steingarten zu sehen, es gibt Tiergehege und ein Tropenhaus. In großen und kleineren Kübeln ist nachzuvollziehen, wie sich Materialien wie Zeitungspapier, Stroh, Laub oder Plastik im Laufe der Jahre zersetzen.

Mehr zu dieser sehenswerten Anlage unter schulbiologiezentrum.info.

Hainholz und Vahrenwald
Gelegentlich geht die Tour auch mal durch städtisches Gebiet, werden Schnellstraßen unter- oder überquert. Aber schnell liegt der Lärm der Großstadt wieder hinter uns. So am Knick des Niedersachsenrings, wo wir auf einem Grüngürtel radeln, der in den 1970-er Jahren einmal als Verbindungsstraße von West- und Messeschnellweg geplant war aber, für uns Radler und die Anwohner ein Glück, nie gebaut wurde.
In Hainholz dokumentiert eine acht Meter hohe Stele die kulturelle Stadtteilarbeit. Diese Säule spiegelt die aus über 80 Nationalitäten bestehende Vielfalt der Hainhölzer Bevölkerung wieder.


Die "Hainholz Stele" ist auch Titelbild einer Dokumentation über ein inregriertes Handlungskonzept zur Stadtentwicklung von 2005. 
Darin steht u.a. (ab Seite 33): "Das Projekt wurde initiiert, organisiert und durchgeführt von dem in Hainholz lebenden und arbeitenden ehemaligen Kunstprofessor Siegfried Neuenhausen, der viele Jahre an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig gelehrt hat. An der Gestaltung waren Anwohnerinnen und Anwohner verschiedenen Alters, verschiedener sozialer Herkunft und unterschiedlicher Nationalitäten beteiligt." PDF-Download 

Mehr über die Geschichte von Hainholz und der angrenzenden Stadtteile lesen Sie hier.

Durch die Eilenriede
An den Stadtteil List stößt der Stadtwald Eilenriede, den wir nun durchqueren. Ein wahrer Genuss - vor allem an sehr heißen Tagen. Zunächst radeln wir am Steuerndieb vorbei, queren den Messeschnellweg und erreichen bald den Stadtteil Kleefeld.
Der Name Steuerndieb erinnert übrigens an die einstige Funktion des Ortes als Wachstation der Landwehren. Mehr dazu und zur Geschichte Hannovers bei Wikipedia.



Beliebtes Ausflusziel: das Knusperhäuschen beim
Bischofshol.

Beim Bischofshol, nahe des Messeschnellwegs gelegen, konkurrieren gleich zwei Biergärten um Radler und Spaziergänger. Hier kehrt der Hannoveraner traditionsgemäß gerne ein, ehe er weiter durch den Wald und zurück zum Maschsee radelt oder wandert. In der Eilenriede befinden sich einige Denkmäler und andere Relikte aus längst vergangenen Zeiten wie der Schiffgraben.

Bei Wikipedia lesen wir u.a.: "Der erste Teil des Names Eilenriede (Eilen) leitet sich ab von den dort früher hauptsächlich vorkommenden Erlen (Ellern). Der zweite Teil des Namens (Riede) ist eine alte Bezeichnung für sumpfigen Boden. ... Es wird vermutet, das die Eilenriede einst der westliche Teil des Nordwaldes war. Dieses große, zusammenhängende Waldgebiet bedeckte bis ins späte Mittelalter große Teile Niedersachsens zwischen Braunschweig und Hannover. Ab 1241 erhielt die Stadt Hannover ein Mitbenutzungsrecht an den Waldungen der Eilenriede. 1371 wurde sie den Bürgern Hannovers von den Herzögen Wenzeslaus und Albrecht von Sachsen geschenkt als Dank für die Unterstützung in einem Erbfolgekrieg. Dies gab den Bürgerinnen und Bürgern das Recht, das Waldgebiet als ihr Eigentum zu nutzen und zu pflegen. Gleichzeitig bestand die Verpflichtung, das Waldgebiet zu erweitern."

Mehr wirklich interessante Fakten über die Eilenriede finden
sich bei Wikipedia!



Fazit: Eine schöne Tour ohne Steigungen auf durchweg ausgezeichneten Wegen mit viel Grün und wenig Verkehrshektik, die einem ganz neue Perspektiven von Hannover vermittelt. Leider haben wir manchmal den Weg verpasst, weil die kleinen Plaketten leicht zu übersehen sind und wir an manchen Stellen (z.B. in Hainholz) gar keine fanden. Man sollte also immer mal wieder auf die recht brauchbare Karte schauen, die es z.B. im ADFC-Laden in der Rambergstraße oder beim Touristenbüro Hannover gibt.
Selbst wer glaubt, Hannover gut zu kennen, findet auf dieser Tour zu neuen Erkenntnissen. Rauf aufs Rad!


Radwanderführer herunterladen 
von hannover.de

Mehr Touren in der Region Hannover


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Klein und unscheinbar: die Radwege-Plakette.

Hannovers Altstadt ist einen Besuch wert.

Das Solarboot verkehrt auf dem Maschsee.

Herrenhäuser Gärten



Das Gebäude steht am Eingang zum Berggarten.



Fantastische Blumenpracht im Berggarten im Mai.

Attraktion für die Kinder: Tiere und Pflanzen und Gelegenheit zum "Selber-was-machen".

Schöne Blüten, putzige Tiere.

Haupthaus des Schulbiologiezentrums.

Prachtblüte und Vogelscheuche.

Viele unterschiedliche Steine aus Niedersachsen.

Im Schulbiologiezentrum Hannover können auch Erwachsene eine Menge lernen.



Man darf auf dem Gelände sogar Fahrrad fahren.



"Hainholz-Stele": Bunt bemalte Säule an der Fenskestraße, Ecke Voltmerstraße und Melachtonstraße in Hainholz.



Prachtvolle Kirche in Hainholz.



Abstecher zum Pelikan-Gelände an der Podbielskistraße.