Radtouren A bis Z - Fahrradbücher - Fahrrad-DVDs - FahrradwitzeLinks - Bahn + Rad - Recht + Gesetz - E-Bike - Home

Autor: Dieter Hurcks Copyright 9/2013

Von Burgdorf über Lehrte nach Lengede. 
Am 24. Oktober 1963 rückte das damalige Dorf Lengede in den Blickpunkt der Öffentlich. Bei einem Bergwerksunglück kamen zahlreiche Kumpel ums Leben. Elf Bergleute wurden nach 14 Tagen gerettet: Das Wunder von Lengede. Eine Radtour zur Gedenkstätte und weiter nach Wolfenbüttel.

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Von Lehrte nach Lengede

Eine Radtour von Burgdorf nach Wolfenbüttel
 
Wer in der Region Hannover lebt und gerne radelt, dem sei bei Westwind eine Radtour nach Wolfenbüttel angeraten. An der Strecke liegt unter anderem die Gedenkstätte an das Grubenunglück in Lengede, bei dem am 24. Oktober 1963 zahlreiche Kumpel nach einem Wassereinbruch durch einen gebrochenen Klärteich ihr Leben ließen. Fünf Jahre später, am 26.1.1968, folgte ein Explosionsunglück. Von Burgdorf aus radelten wir 50 Jahre nach dem "Wunder von Lengede" an den Ort des Geschehens, wo eine Gedenkstätte an beide Ereignisse erinnert.

Wir starten unsere gut 70 km lange Tour an einem trüben Septembermorgen gegen 10 Uhr in Burgdorf und radeln über den Lehrter Ortsteil Arpke und durch den Hämelerwald über Schwicheldt bis zum Mittellandkanal, den wir bei Rosenthal queren.  

Weites Land

Die Region östlich von Lehrte, wo übrigens im Schacht "Bergmannssegen Hugo" Szenen des Films "Das Wunder von Lengede" gedreht wurden, weil am eigentlichen Ort des Bergwerkunglücks keine wesentlichen Gebäude mehr stehen, ist weitgehend flach. Zum Glück haben wir Rückenwind, denn Wind brechende Vegetation ist hier selten. Dafür sind geschotterte Wege zahlreich anzutreffen, auf denen das Fortkommen recht mühsam ist, weil das Vorderrad auf spitzen Steinen häufig versetzt. Windparkbetreiber nutzen die freie Landschaft intensiv.

Bei Handorf, das eine kleine Seenlandschaft bietet, radeln wir durch ein Wäldchen, in dem laut unserer Karte Hügelgräber sein sollen. Einen Hinweis darauf finden wir leider nicht und somit auch nicht die Gräber. Hinter Groß Bülten führt uns der Radweg Richtung Adenstedt, wo wir an einem ziemlich großen See eine erste Pause einlegen. Die Gegend des ehemaligen Tagebaus wurde zum Naturschutzgebiet erklärt.

Aldi in Ilsede

Zunächst radeln wir entlang des Seeufers auf Sandwegen und anschließend auf einem holprigen Aspahltstreifen durch ein Wäldchen. Aus dem Wald herausrollend, sehen wir Ilsede schon vor uns. Von der Zeit des Bergbaus kündet das ehemalige Gelände der ehemaligen Ilseder Hütte (1853 bis 1995). Der Aldi-Markt residiert, nur ganz dezent als solcher kenntlich gemacht (Denkmalschutz!), in einem ehemaligen Betriebsgebäude. Groß Ilsede, ehemals Sitz der Hütte und heute Verwaltungssitz der Gemeinde Ilsede, hat heute rund 2.700 Einwohner.

Quelle und mehr: Wikipedia

 

Schacht Mathilde - der Förderturm wurde am 20.9.1976 gesprengt

Über Oberg, wo wir beim NP-Bäcker eine Kaffeepause einlegen, rollen wir weiter, queren die Bundesstraße 1 und passieren Klein Lafferde. Hinter den Bahngleisen führt uns ein Wegweiser nach links und entlang den Gleisen bis nach Lengede. Der Weg zur "Gedenkstätte Grubenünglück" ist, wenn auch ein wenig lückenhaft, ausgeschildert. Der Unglücksschacht befand sich nahe des heutigen Bahnhofs Broistedt. Einige Gedenktafeln und drei Stelen erinnern an die Ereignisse des Jahres 1963. Auf großen Bronzetafeln sind die Namen der ums Leben gekommenen Bergleute zu lesen.

Bei Wikipedia lesen wir: "Bei dem Grubenunglück von Lengede handelt es sich um eine Bergwerkskatastrophe, die sich am 24. Oktober 1963 in der niedersächsischen Eisenerzgrube Lengede-Broistedt der Ilseder Hütte ereignet hat, die zwischen Peine und Salzgitter lag. Die kaum noch für möglich gehaltene Rettung von elf verschütteten Bergleuten nach 14 Tagen ist als Wunder von Lengede in die Geschichte eingegangen. Von 129 Männern, die sich zur Zeit des Unglücks unter Tage befanden, kamen 29 ums Leben."

Überbleibsel in Lengede

Es lässt einen schon erschaudern, wenn man sich die beiden Bohrlöcher anschaut, die dokumentieren, wo genau sich vor 50 Jahren das "Wunder von Lengede" zugetragen hat, wo aber auch 60 Meter unter der Erdoberfläche die Leichen der nie gefundenen Bergleute liegen. 5,8 cm Durchmesser hat die Versorgungsbohrung, durch die die Bergleute nach dem zehnten Tag in der Dunkelheit mit Taschenlampen und Nahrung versorgt worden sind. Wenige Meter daneben erkennt man die Rettungsbohrung: Durchmesser 60 cm. Die Kumpels wurden damals in einer "Dahlbuschbombe" nach oben befördert, die nur 40 cm Durchmesser hatte.

Erinnerungen

Auch Siegfried Ebeling wurde durch diese Bohrung gerettet. Der 2012 verstorbene Zeitzeuge, den ich persönlich Anfang der 1990er Jahre beim Tischtennisspielen kennen gelernt habe, äußerte sich aus Anlass des Bergwerksunglücks in Chile im Jahre 2011 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk über die damaligen Ereignisse und begründete, warum er danach zu VW nach Wolfsburg ging. Ein Interview, das wirklich nahe geht.

Zum Transport mit der Dahlbuschbombe erzählte er: "Wenn sie mit dem rechten Fuß zuerst reingingen, mussten sie mit der rechten Schulter rein und dann sich richtig reindrehen. Wer das nicht konnte? Die wollten ja schnell wieder raus, die Rettungssteiger. Die haben dann Gewalt angewendet und denjenigen reingepresst. Der Lüpke zum Beispiel, der war am Jaulen bis nach oben hin, ihr habt mir alle Rippen gebrochen. Aber die Rippen waren nicht gebrochen, nur es hat wehgetan. Es sollte alles schnell gehen. Es ist ja auch rasend schnell gegangen, bis alle elf raus waren."

Mehr über die Grubenunglücke in Lengede bei Wikipedia - Video bei YouTube

 

Schachtgelände

 

Weiter nach Wolfenbüttel

Nach diesem bedrückenden Ausflug in die Geschichte führt die Radtour über Broistedt, Bleckenstedt und Beddingen weiter in die rund 52.000 Einwohner zählende Kreisstadt Wolfenbüttel. Die Stadt ist als Bischofsstadt Sitz der Kirchenregierung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Braunschweig. Die ehemalige Residenzstadt und Festung der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg (1432–1753) lohnt einen längeren Aufenthalt: Das Schloss, das Fachwerkviertel "Klein Venedig", das "Jägermeister-Stammhaus", der malerische Marktplatz und der schöne Stadtpark sowie das Lessing-Haus bleiben im Gedächtnis haften. Wolfenbüttel hat eine lange militärische Tradition als Garnisonsstadt, die sich in teilweise erhaltenen Verteidigungsanlagen im Stadtgebiet widerspiegelt. Sie gilt als eine der ältesten und beständigsten Garnisonen im norddeutschen Raum.

In Wolfenbüttel hat sich infolge der vergleichsweise geringen Kriegsschäden ein nahezu geschlossenes historisches Stadtbild erhalten.

Quelle und mehr: Wikipedia

Schloss Wolfenbüttel

Die Rückfahrt kann man nun entweder vom Bahnhof Wolfenbüttel aus antreten oder noch die rund zwölf Kilometer entlang der Oker bis zum Hauptbahnhof Braunschweig radeln.

Verwendete Karte

zurück zur Hauptseite

In diesem Schacht in Lehrte wurden Teile des Films "Das Wunder von Lengede" gedreht.

Auf dem Weg nach Osten: Weites Land: viele Windparks, wenig Wald.

Ehemaliges Tagebaugebiet bei Adenstedt, heute ein Naturschutzgebiet.

Der Landkreis Peine hat inzwischen auch ein gut ausgeschildertes Radwegenetz.

Straßennamen erinnern in Lengede an die Zeit des Bergbaus, die 1977 endete.

Gedenkstätte Grubenunglück Lengede.

Zwei Schuhe breit, 60 cm Durchmesser: die Rettungsbohrung.

Durch dieses Bohrloch bekamen die Eingeschlossenen am zehnten Tag Kontakt mit der Außenwelt.

Am Stadtmarkt in Wolfenbüttel.

Herzog-August-Bibliothek.

Das Lessinghaus in Wolfenbüttel.

 

 

Touren in der Region Hannover

 

Radtouren-DVDs - ideal für Beamerschauen
Info und bestellen hier