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Autor: Dieter Hurcks Copyright 5/2008

Von dieser Tour ist eine vertonte Diaschau auf DVD erschienen: weitere Infos 

Teil 1: Von Hamm nach Münster 
Teil 2: Von Münster nach Haltern

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland


Im Radelparadies

Münsterland (Teil 3)

Von Haltern nach Münster und Versmold 

Der dritte Tag unserer Münsterland-Radtour führt uns über Dülmen zurück nach Münster. Am Morgen darauf geht es dann über Handorf und Westbevern nach Versmold, wo leider keine Eisenbahn mehr verkehrt. Der nächste Bahnhof ist Borgholzhausen - ca. 12 km entfernt.

Morgens um 9 Uhr starten wir, gut ausgeschlafen, in Lippramsdorf und radeln wieder nach Haltern, weil wir am Abend zuvor dort noch keine Besichtigungsrundfahrt unternehmen konnten.



Sofort fällt uns der Siebenteufelsturm ins Auge. Er ist der letzte Rest der im 18. und 19. Jahrhundert niedergelegten Stadtbefestigung. Der runde Ziegelbau mit Spitzbogenfries und Schießscharten ist mit der Jahreszahl 1502 bezeichnet.

Das Rathaus der Stadt Haltern am See wurde 1575 - 1577 an der Nordseite des Marktplatzes mit Renaissancegiebeln erbaut. Nach erheblichen Schäden durch den letzten Weltkrieg wurde es 1948 bis 1952 in vereinfachter Form wiedererrichtet.

Haltern hat knapp 39.000 Einwohner und liegt zwischen Ruhrgebiet und Münsterland an der Römer-Radroute, die Detmold und Xanten verbindet. Bis zum Rhein bei Wesel sind es nur noch rund 50 km.

Von der hervorragend gemachten Homepage erfahren wir:
Haltern am See kann auf eine über 2000-jährige Geschichte zurückblicken, deren Anfänge in die Römerzeit reichen: Als während der Germanienfeldzüge unter Kaiser Augustus römische Truppen die Lippe aufwärts marschierten mit dem Ziel, Germanien zu einer römischen Provinz zu machen, wurde auch die Gegend um Haltern zu einem militärischen Stützpunkt. 

Haltern besitzt das größte Wasserwerk Europas, das über 2 Mio. Menschen mit frischem Trinkwasser versorgt.
Um 1930 wurde der Halterner Stausee mit einem Fassungsvermögen von ca. 20 Mio. cbm angelegt. Eine weitere Talsperre mit einem Stauinhalt von 10 Mio. cbm bei Hullern wurde 1985 fertiggestellt. Mit dem Halterner Wasser werden inzwischen viele Gemeinden von Duisburg bis Münster versorgt. mehr zu Haltern

Haltern hat ein 280 km langes Rundwegenetz zum Radeln. Kein Wunder, dass die Stadt im Jahr 2006 den Titel "Fahrradfreundliche Stadt" verliehen bekommen hat - übrigens auch die Nachbarstadt Dülmen, die wir als nächstes anpeilen.

Von Dülmen nach Münster 
Dank der ausgezeichneten Beschilderung des Radwegenetzes in Nordrhein-Westfalen stößt man immer wieder auf Radwegweiser. So ist der Weg nach Dülmen, der durch Feld und Wald führt, leicht zu finden. Als wir den Mühlenbach überqueren, entdecken wir einige Spargelfelder, auf denen das weiße Stangengemüse gerade gestochen wird.
Dülmens Stadttor, das Lüdinghauser Tor, sieht sehr einladend aus und führt uns zur Fußgängerzone.

Dülmen bietet zwölf gekennzeichnete Radwandertouren mit einer Streckenlänge von insgesamt rund 630 km. Die dynamische Stadt hat immerhin 46.500  Einwohner und ist damit größer als Haltern.

Der übersichtlichen Homepage www.duelmen-marketing.de entnehmen wir, dass es, bedingt durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, nur noch wenige historische Zeugnisse und Sehenswürdigkeiten einer 1200-jährigen Stadtgeschichte gibt.
Dafür kann die Region mit ihrer Natur punkten, die der Radtourist natürlich hautnah erlebt. Der Dülmener Wildpark ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Radfahrer und bietet, neben der Nähe zum Stadtkern, eine große Anzahl an frei lebenden Wildtieren und verschiedensten Bildern der münsterländischen Parklandschaft.

Hinter Dülmen wird es wieder richtig ländlich. Wir fahren auf der 100-Schlösser-Route nach Buldern und weiter nach Appelhülsen. Der Frenking-Hof - heute Gemeindezentrum - ist schmuck herausgeputzt, die auf der Karte verzeichnete Frenkingsmühle können wir jedoch nicht finden. Über Bösensell, einem kleinen Ort mit einer imposanten Kirche, nähern wir uns allmählich unserem Tagesziel: Münster.

Münster: Studenstadt, Kirchenstadt, Radelstadt 
Über Mecklenbeck erreichen wir bald den Aasee. Im Studentenheim Mecklenbeck habe ich zwei Jahre als Student gewohnt. Es liegt an der Boeselagerstraße, deren Namensgeber Philipp Freiherr von Boeselager kurz zuvor, in der Nacht zum 1. Mai 2008, gestorben ist. Er war einer aus dem innersten Kreis der Hitler-Attentäter.

Kurz hinter dem Studentenheim beginnt der Aasee. Die Wege direkt am Ufer sind den Fußgängern vorbehalten.
Der Aasee ist etwa 40 Hektar groß, hat eine Länge von etwa 2,3 km und ist bis zu zwei Meter tief. Den Bau des neueren Teils, an dem Münsters Allwetter-Zoo liegt, habe ich in den 1970-er Jahren noch selbst verfolgen können.
Auf dem Aasee verkehrt der „Wasserbus Professor Landois“, der nach Hermann Landois, dem Gründer des Zoos in Münster), benannt ist. Das Schiff steuert den Allwetterzoo mit dem Westfälischem Pferdemuseum und das Westfälische Museum für Naturkunde mit Planetarium sowie das Mühlenhof-Freilichtmuseum an. (Quelle: Wikipedia)

Die Geschichte vom Schwanenweibchen "Petra", das sich in ein Schwanen-Tretboot verliebt hatte, ging monatelang durch die Presse.

Am älteren Teil des Aasees liegt auch unser Quartier: das Jugendgästehaus des Deutschen Jugendherbergswerkes, eher ein Hotel als eine Jugendherberge. Von dort ist die Altstadt rund um den Prinzipalmarkt zu Fuß leicht zu erreichen.

Dom St. Paulus, Ludgerikirche, Lambertikirche und Rathaus - Münster hat jede Menge Sehenswürdigkeiten zu bieten. Auf der Homepage der Stadt wird ein virtueller Stadtrundgang angeboten, der vieles davon zeigt.
Giebelhäuser mit Bogengängen bilden den Prinzipalmarkt - sozusagen das Wohnzimmer der 300.000-Einwohner (inkl. der 30.000 Studenten) zählenden Stadt. Der Prinzipalmarkt, die älteste Marktstraße Münsters, ist seit Jahren nahezu autofrei (nur Taxen und Busse). Kein Wunder, dass an diesem schönen Tag überall Menschen die Außengastronomie der Kneipen und Restaurants nutzen.

Schon seit etwa 1280 - so berichtet die Homepage der Stadt - bilden die Häuserzeilen den langgestreckten, geschlossenen Platz.
Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurden die Häuser in Anlehnung an die alten Formen wieder aufgebaut.
Der gotische Giebel des Rathauses (zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts) und die Renaissance-Fassade des Stadtweinhauses (1615/16) wurden mit geringen Veränderungen rekonstruiert.


Rund um Münster erstreckt sich ein Grüngürtel: die Promenade. Mit dem Fahrrad kann man so im Schatten der Baumalleen die Altstadt bequem umrunden. Überall laden Bänke zum Verweilen ein. Wasserflächen locken das Grün auf. Über die Lugeristraße oder die Salzstraße ist man schnell in der quirligen Fußgängerzone.

Münster gilt auch als Stadt der Kneipen. Viele traditionsreiche Gaststätten lohnen allein schon wegen ihrer Ausstattung einen Besuch - etwa das Alte Gasthaus Leve am Steinweg.

Münster ist schon häufig als fahrradfreundliche Stadt ausgezeichnet worden. Überall stehen Hunderte von Rädern; am Bahnhof gibt es das größte Fahrradparkhaus Deutschlands, wo mein sein Vehikel sogar durch eine Fahrrad-Waschanlage schleusen kann, wie sie es auch am Bahnhof in Osnabrück gibt. Beide Städte haben noch eines gemeinsam: den Westfälischen Frieden. 

Der Westfälische Friede 1648  
Bei Wikipedia ist zu lesen: Als Westfälischer Friede wird die Gesamtheit der zwischen dem 15. Mai und dem 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück geschlossenen Friedensverträge bezeichnet, die den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland beendeten. ...

Die reichsrechtlichen Regelungen des Westfälischen Friedens wurden zu Bestandteilen der Verfassungsordnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bis zu dessen Ende im Jahr 1806. Zugleich trug der allgemeine Friede - die pax universalis - von Münster und Osnabrück zur gesamteuropäischen Stabilität bei, da sich spätere Friedensschlüsse bis zur Französischen Revolution immer wieder an ihm orientierten.

Wer Münster besucht, stattet auch dem Kneipenviertel rund um Kuhstraße und Jüdefelder, nahe der Überwasserkirche gelegen, einen Besuch ab. Das Antiquariat Solder, gleich gegenüber des mächtigen Gotteshauses, ist durch die Krimiserie "Wilsberg" zu Fernsehruhm gekommen.

In diesem Viertel sind nicht nur das berühmte Brauhaus Pinkus Müller mitsamt seinen Ausschank-Lokalen, sondern auch traditionsreiche Studentenlokale wie das Blaue Haus und die Cavete in der Kreuzstraße angesiedelt.
Letztere besteht seit dem 28. April 1959. Die "akademische Bieranstalt" ist, wie ein Text auf der Speise- und Getränkekarte verrät, "das erste von Studenten für Studenten betriebene Bierlokal Deutschlands". Neben den Studenten Bevölkern aber auch jede Menge Touristen dieses Lokal, das immer noch fast genau so aussieht wie zu meinen eigenen Studentenzeiten (bis 1977). Nur die Preise sind nicht mehr ganz studentengemäß ...

Pinkus Müller nennt sich übrigens auf seiner Homepage die "älteste Bio-Brauerei der Welt". Sie ist von den einst 150 Altbierbrauereien der Stadt als einzige übrig geblieben.

Nach dem ausgiebigen Altstadtbummel werden die Beine langsam müde. Und wir müssen schließlich noch zurück zum Aasee ...

Nach Versmold 
Am nächsten Tag weht uns der Wind genau entgegen. Wir radeln auf der Promenade fast bis zur Warendorfer Straße und folgen der Beschilderung über Mauritz nach Handorf. An der Schleuse vorbei geht es zum Haus Dyckburg im malerischen Boniburgwald, durch den die Werse fließt. Damit schließt sich quasi der Kreis. Den Werseradweg wollen wir auf jeden Fall noch einmal in seiner ganzen Länge befahren.

Aber nun ist das Ende des viertägigen Fahrradurlaubs schon absehbar. Der Wind hemmt die Fahrt, wir kommen nur langsam voran und rasten ausgiebig am Haus Langen, das zu Westbevern gehört. Haus Langen ist ein altes Rittergut mit einer Wassermühle und ein beliebtes Ziel für Radtouren.

Die Bever, ein Nebenfluss der Ems, schmiegt sich malerisch in die Landschaft. Der Bach entsteht durch Zusammenfluss von Salzbach und Süßbach östlich von Schloss Harkotten, bei Füchtorf. Die Bever fließt dann durch Füchtorf - unser nächstes Ziel - am Kloster Vinnenberg vorbei, entlang des Beverstangs durch Ostbevern, dann durch Westbevern und mündet bei Haus Langen in die Ems. Quelle: Wikipedia 

Über Füchtorf erreichen wir schließlich Versmold. Dort leben rund 21.000 Menschen. Bedeutende fleischverarbeitende Betriebe machen Versmold zu einem wichtigen Standort der deutschen Lebensmittelindustrie. Auch der größte Frischelogistiker Europas hat seinen Hauptsitz in dieser Stadt.

Markantestes Bauwerk der Stadt ist die Ev. Pfarrkirche, die Petrikirche. Die jetzige Kirche war ursprünglich ein einschiffiger, dem hl. Michael geweihter Gewölbebau des 13. Jh., der später zur zweischiffigen spätgotischen Hallenkirche mit dreiseitigem Chor umgebaut wurde. Quelle: Wikipedia

Die in unserem Radwanderführer eingezeichnete Eisenbahn ist leider nur eine Museumsbahn. Der Bahnhof Versmold an der Teutoburger Wald Eisenbahn ist seit 1977 stillgelegt, so dass wir noch mehr als zehn Kilometer gegen den Wind anzukämpfen haben, ehe wir endlich den Bahnhof von Borgholzhausen erreichen. Er liegt in der "Prärie" und lässt in uns Assoziationen an Western-Filme wie "Spiel mir das Lied vom Tod" aufkommen. Immerhin gibt es dort eine Bahnhofskneipe, wo wir unseren Durst löschen und die letzten Essensvorräte vertilgen können, ehe um 15.45 Uhr der von der Nordwest-Bahn betriebene "Haller Wilhelm" einläuft und uns nach Bielefeld bringt.
Die Eisenbahnstrecke mit dem Namen Haller Willem wurde 1886 eröffnet. Im Jahr 1984 wurde der Personenverkehr zwischen Osnabrück und Dissen-Bad Rothenfelde eingestellt. Seit dem Jahr 2000 fährt der Haller Wilhelm jedoch wieder von Osnabrück nach Bielefeld.

Dieter Hurcks, im Mai 2008

Teil 1: Von Hamm nach Münster 
Teil 2: Von Münster nach Haltern

Links 
Münsterland bei Wikipedia
Drensteinfurt: www.drensteinfurt.de und http://de.wikipedia.org/wiki/Drensteinfurt  
Werseradweg: www.werseradweg.de


Verwendetes Kartenmaterial: 100 Schlösser Route, Bielefelder Verlagsanstalt, ISBN 3-87073-051-X, 9,95 € - bestellen

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Die DVD zu dieser Tour

 

Radtouren-DVDs hier

Weitere Radtourenbücher  hier

 

Schlösser-Tour (2001)

Münsterland - nördlicher Teil (2004)

Siebenteufelsturm: Letzter erhaltener Stadtturm
in Haltern.

Das Alte Rathaus von Haltern

Der Mühlenbach bei Dülmen.

Eine Auszeichnung, die vielen Städten gut zu Gesicht stünde.

Historisches Überbleibsel in Dülmen: das Lüdinghauser Tor.

Tolle Wege, duftende Rapsfelder.

Kleiner Ort, große Kirche: Bösensell bei Münster.

Markant: die Ludgerikirche in Münster.

Münster: Der Dom mit den beiden mächtigen Türmen ist eine von unzähligen Kirchen in der Bistumsstadt.

Im Rathaus von Münster wurde 1648 der Westfälische Friede geschlossen.

Im Boniburgwald bei Handorf: Dyckburg-Kirche.

Haus Langen an der Bever (bei Westbevern).

Spitzkirche in Versmold.

Bahnhof Borgholzhausen..

Übernachtungen

Haltern: Pevelings Hof in Haltern OT Lipramsdorf Info 

Münster: Jugendgästehaus Aasee (Jugendherberge),  Bismarckallee 31, 48151 Münster, Tel: 02 51 / 53 02 8 - 12, komfortabel, stadtnah

Etappen  
Hamm-Münster 83 km  
Münster-Haltern (Lipramsdorf) 89 km  
Haltern-Münster 58 km  
Münster-Versmold- Borgholzhausen Bf. 61 km  

Zur anderen Münsterland-Radtour ist ebenfalls eine mit Musik vertonte Diaschau auf DVD erschienen.

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