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Autor: Dieter Hurcks Copyright 6/2009

Radtour an Mosel, Saar, Nahe und Rhein (4)
Auf dem Naheradweg geht es bis Idar-Oberstein ganz schön zur Sache. Dann folgt die Genießertour.

Teil 1 - Teil 2 - Teil 3 - Teil 4 - Teil 5

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Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Naheradweg - von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein bei Bingen 
 
Die Nahe ist zwar nur ein kurzer Fluss, bietet aber dennoch von der anstrengenden Klettertour bis zum Genussradeln durch die Weinberge allerhand Abwechslung. Die Nahe entspringt 460 Meter ü. d. Meeresspiegel im Saarland und mündet nach gut 110 Flusskilometern bei Bingen in den Rhein. Das Gesamtgefälle beträgt etwa 380 Meter.

Von der Nahequelle nach Idar-Oberstein

Dieser Tag sollte eigentlich eine recht kurze Etappe bringen. Und Berge, so erzählten uns die „Kenner“ aus der Region, gebe es auch so gut wie gar nicht. Nach dem anstrengenden Saar-Nahe-Höhenradweg SNH schwangen wir uns also frohgemut in den Sattel. Gleich nach der ersten Kurve ging es schon 3,66 km lang bergauf. Und das mit den Anstiegen sollte bis Idar-Oberstein auch in regelmäßigen Abständen so bleiben. Über die Mombergstraße in Oberthal radelten wir also – zunächst aufwärts – gen Selbach. Dort folgten wir dem Schild zur „Nahequelle“, die nicht weit vom Ortskern entfernt und leicht zu erreichen ist.

Nun ging es Richtung Neunkirchen, nicht zur verwechseln mit der größeren Stadt im Saarland. In diesem Ortsteil von Nohfelden wohnt die Sängerin Nicole Seibert ("Ein bisschen Frieden", 1982).
Kurz vor dem Ort bogen wir rechts ab nach Nohmühle, wo wir wieder auf den SNH stießen. Eine wunderschöne Radstrecke, die sich bis zum mit 120 ha erstaunlich kleinen Bostalsee fortsetzte. Angesichts der Superlative in unserem Reiseführer hatten wir einen wesentlich größeren See erwartet.

Bald passieren wir Türkismühle, wo wir die Eisenbahnstrecke queren. Hier steigen viele Radler von der Bahn in den Naheradweg ein. Es gibt eine direkte Verbindung von Türkismühle nach Trier.

Nach 25 km – inklusive der etwa vier Kilometer wegen Verfahrens bei der Quellensuche in Selbach - erreichten wir Nohfelden. Sehenswert in Nohfelden ist die Burg Veldenz. Sie liegt auf einem Bergsporn und wurde im Jahre 1286 erstmals urkundlich erwähnt. Der 21m hohe Bergfried ist noch vorhanden. Quelle

Die leckere Erdbeertorte und der Pott Kaffee beim Bäcker hatten uns neue Kraft gegeben, so dass wir die folgenden Anstiege halbwegs überstanden. Vor allem der dritte war sehr steil und forderte viel Kraft. In unserem Reiseführer war nur ein schwarzer Pfeil eingezeichnet. Mindestens drei hätten es sein müssen – aus der Gegenrichtung waren es sogar vier Pfeile, die ja bekanntlich bei Radwanderkarten für stärke Steigungen stehen.

Als wir die große Autobahnbrücke erblicken, ist das Ende des Saarlands erreicht. Doch ehe wir auf den Boden von Rheinland-Pfalz gelangen, müssen wir einen steilen Abstieg auf losem Schotter meistern – nicht ganz ungefährlich! Der Weg nach Birkenfeld verläuft mit moderater Steigung auf einer alten Römerstraße. Ein kurzer Tripp durch die Altstadt ist nataürlich Pflicht.

Auf dem Platz vor dem Rathaus von Birkenfeld steht ein Denkmal, das an den Beruf des Schellenmannes erinnern soll. Früher wurden öffentliche Bekanntmachungen durch Ausschellen unters Volk gebracht. Der Künstler der Skulptur ist Eberhard Linke aus Saulheim.
Die Burg Birkenfeld war die Stammburg der Wittelsbacher. Das Schloss war das Residenzschloss des Großherzogs von Oldenburg.
Das älteste erhaltene Wohngebäude von Birkenfeld ist das Haus Kussler. Es steht in der ältesten Straße des Städtchens und stammt aus dem Jahr 1590. Im Sandsteinbogen über der Haustür ist ein Brezelmotiv zu sehen, was darauf schließen lässt, dass sich in dem Gebäude einstmals eine Bäckerei befunden hat.
Quelle: www.hunsrueck-nahereise.de 

Nach dem Besuch Birkenfelds geht es weiter nach Elchweiler
Eine anmutige Landschaft, kleine Orte wie Niederbrombach und Kronweiler machen diesen Streckenteil zum schönsten auf dem SNH. Dann die Frauenburg mit den zwei imposanten Brückenbauwerken darüber. Weiter zwischen Eisenbahn und Nahe, durch ein wunderschönes Tal auf einer alternativen Route mit zwei Behelfsbrücken. Trotzdem werden wir uns immer an die vielen Steigunen vor Idar-Oberstein erinnern, das nun nicht mehr weit ist. Ein Tag fast so anstrengend wie der zuvor. Zum Glück bei einer geringeren Tagesdistanz.

Kurz vor Idar-Oberstein, kurz: IO, kehren wir beim Biergarten am Wehr ein. Weiter geht es entweder, wie zwei Schilder ausweisen, auf einer Straße mit kurzem, aber steilem Anstieg, oder über Treppen mit Schieberinnen. Nach der Besichtigung letzterer entscheiden wir uns wegen unserer Gepäcktaschen dann doch für die Straße.

Zu unserem Quartier nach Tiefenstein, einem Ortsteil von IO, müssen wir noch etwa sieben oder acht Kilometer im dichten Verkehr radeln. Radwege gibt es nicht. Aber anders als im Saarland sind die Leute hier rücksichtsvoll Radfahrern gegenüber, halten ausreichend Seitenabstand und versuchen auch nicht, noch kurz vor einer Verkehrsinsel oder Kurve zu überholen. Danke!

Am Abend fahren wir mit dem Bus in die Stadt - sprich: in den Ortsteil Oberstein - erklimmen Felsenkirche und Burgruine und schlendern noch ein wenig durch die inzwischen fast menschenleere City. Die dichte Bebauung und der Lärm von Straßenverkehr und Bahn in dem engen Tal geben uns doch zu denken. Die Nahe ist ganz unter einer vierspurigen Schnellstraße verschwunden. „Das hat eine Milliarde Mark gekostet“, erzählt uns der aus Berlin stammende Taxifahrer, den "die Liebe", wie er sagt, in Idar-Oberstein gehalten hat, wohin er als junger Mann zur Bundeswehr abkommandiert worden war.

Ein anstrengender, abwechslsreicher Tag mit unendlich vielen Eindrücken geht zuende. Morgen wollen wir die Flachetappe der Nahe genießen und am Abend in Bingen den Rhein erreichen.

 

Nach Bingen an den Rhein

Endlich ein Radeltag für Genießer. Nur ein Anstieg stand diesmal auf dem Programm. Und der wurde belohnt mit einer wunderschönen Aussicht über Oberhausen und das Nahetal, und das bei einem erstklassigen trockenen Rieslang vom Anbaugebiet nebenan.

Vom Quartier in Tiefenstein ging es zunächst 7 km flott bergab. Wir radelten durch die Fußgängerzone und verließen IO unterhalb von Burgruine und Felsenkirche. Straße und Eisenbahn verschwanden oberhalb der wieder sichtbaren Nahe im Berg. Lange Zeit fuhren wir in Sichtweite oder direkt durch ein Gewerbegebiet, ehe der Verkehr ab Weierbach langsam immer mehr in die Ferne rückte.

Ein Besuch in Kirn
Natürlich besuchen wir die Altstadt von Kirn, wo gerade Markttag ist. So landet ein bisschen Obst in den Packtaschen. Vitamine braucht ja gerade der Radler auf anstrengender Tour dringend. 
Einen Stadtrundgang durch Kirn gibt es übrigens hier als Broschüre im PDF-Format zum Ausdrucken. Sehr bekannt ist die in einem Gewölbekeller der Kyrburg untergebrachte Whiskysammlungen, eine der größten  Deutschlands. Mit den in der Bar ausgestellten Sorten sind auf der Kyrburg insgesamt rund 2.500 verschiedene Whiskyflaschen zu bestaunen. Aber auch ein anderes Getränk hat hier Tradition: Bier. In ganz Rheinland-Pfalz bekannt ist die Stadt durch die örtliche Brauerei und deren Bier: Kirner Pils.

Ein paar merkwürdige Trommeln fielen uns ins Auge, die mein Kollege, der bei Miele arbeitet, gleich richtig einordnete. Bestätigt wird er (jedenfalls annähernd) durch die Homepage der Stadt unter www.kirn.de: "Walkfässer kamen viele Jahre lang auch in der Kirner Lederindustrie zum Einsatz. In den rotierenden Fässern wurden die Felle zur Enthaarung aufgewelkt, gegerbt und nach weiteren Arbeitsgängen zu fertigem Leder verarbeitet und gefärbt. Während Walkfässer erst in der industriellen Lederproduktion zum Einsatz kamen, wurden die Felle in den Jahrhunderten zuvor in mit Eichenbalken und -bohlen ausgekleideten Lohgruben gegerbt. Beim Bau des Feuerwehrhauses wurden hier mehrere Lohgruben gefunden."
Und bei Wikipedia ist zu lesen: Kirn hat als "Stadt des Leders" deutschlandweit Berühmtheit erlangt. Heute sind von den ehemals großen Lederfabriken zumeist nur die Firmensitze vor Ort verblieben. Infolge von Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer sind in der Lederproduktion und -verarbeitung in Kirn nur noch wenige Arbeitnehmer beschäftigt. Quelle

In Hochstetten bietet sich gleich an der Nahebrücke eine Sitzgruppe zum Rasten an.

Richtig lauschig wurde die Tour ab Martinstein. Das Tal hatte sich geweitet. Rechts Kornfelder mit Mohn und Kornblumen, links entfernt die Hänge mit den Weinbergen. Über Meddersheim erreichten wir Bad Sobernheim, dessen Altstadt wir einen Besuch abstatteten. Sobernheim ist das einzige Felkeheilbad in Deutschland.

Was sich hinter "Felke" verbirgt, verrät die Homepage der Stadt Bad Sobernheim: "Die Naturheilweise der Felkekur basiert auf den Naturheilmitteln Licht, Luft Wasser und Lehm. Dabei ist der Lehm, die „heilende Erde“, der Mittelpunkt dieser Therapie.

Die Felkekur mit den Naturheilmitteln Licht, Luft, Wasser und Lehm kombiniert mit viel Bewegung und Entspannung und einer vitaminreicher Ernährung werden in Bad Sobernheim von drei privat geführten Kur- und Wellnessbetrieben angeboten. Die traditionelle Felkekur gepaart mit Medical Wellness bittet dem modernen Wellnessgast ein vielfältiges Angebot." 
Quelle: www.bad-sobernheim.de  

Vorbei am bekannten Barfußpfad von Bad Sobernheim radeln wir danach in Sichtweite der Nahe und der Eisenbahnlinie gen Bingen
In Staudernheim schauen wir uns die Draisinenstation an, in Boos einen alten Römerkeller. Im winzigen Rathaus sind der Ortsbürgemeister und ein paar kommunikationsfreudige Herren gerade mit der "Entkernung" beschäftigt. Aus dem ehemaligen Rathaus soll ein Gemeindezentrum werden. Nette Leute hier!

Hinter der Abzweigung nach Schloßböckelheim kommen die Weinberge immer näher und der Weg führt mitten hinduch auf die Anhöhe. Von der ehemaligen staatlichen Weinbaudomäne genießen wir den unvergesslichen Ausblick über den Fluss und die Landschaft bei einem guten Wein. Keiner will so recht weiter und von diesem Bilderbuchbilck lassen...

In Bad Münster am Stein-Ebernburg staunen wir über die zahlreichen Gradierwerke. In diesem Mineralheilbad und heilklimatischen Kurort stehen Heilbehandlungen mit Sole und Radon sowie spezialisierte Reha-Angebote auf dem Programm. Baden im warmen Solewasser oder Meer atmen im größten Freiluftinhalatorium Europas stärken Körper und Wohlbefinden.
Mitte des 19. Jhs. nahm der Ort einen raschen Aufschwung zum viel besuchten Kurort, dem 1905 die Bezeichnung „Bad“ zuerkannt wurde.
Seit 1729 sind die Gradierwerke, auch Salinen genannt, zur Salzgewinnung in Bad Münster am Stein historisch belegt. Durch Verdunstung des über die Schwarzdornwände herabtropfenden Solewassers wurde der Salzgehalt vor dem nachfolgenden Eindampfen (Kochen) erhöht.
Die Ebernburg wurde ab 1338 an der heutigen Stelle von dem Grafen von Sponheim und dem Raugrafen erbaut
Quelle: www.bad-muenster-am-stein.de 

Als wir Bad Kreuznach erreichen, wo gerade ein Fest läuft, beginnt es zu regnen. Zum Glück nur ein kurzer Schauer. Meistfotografiertes Motiv der Weinstadt sind die malerischen Brückenhäuser über der Nahe. In Gensingen rasten wir beim Sportplatz, wo es Bratwurst und Getränke auch für Radler gibt, plauschend überstehen wir einen Regenschauer und radeln dann über Grolsheim und Dietersheim nach Bingen.

Unser Quartier liegt auf dem Schlossberg, was den Radeltag mit einem langen Anstieg "krönt". Positiv: Am nächsten Morgen geht es erstmal nur bergab.

 



Altstadtbummel in Bad Sobernheim.



Spaß für Alt und Jung: der Barfußpfad in 
Bad Sobernheim.



Trockener Riesling direkt über den Weinbergen
genießen: am Naheradweg bei Oberhausen.



Ruine Rheingrafenstein über Bad Münster am Stein
Ebernburg.



Eines der vielen Gradierwerke in Bad Münster am 
Stein Ebernburg.



Brückenhäuser in Bad Kreuznach.



Blick vom Schlossberg über Bingen auf den Rhein.



Angler an der Nahemündung.



Blick über die Nahemündung auf Bingen.

Trailer zur DVD "Naheradweg"


Teil 1: Moselradweg
- von Hatzenport zur Saarmündung bei Konz


Teil 2:  Saar-Radweg - von Konz nach Saarbrücken und Güdingen

Teil 3:  Saar-Nahe-Höhenradweg - von Güdingen nach Oberthal an der Nahequelle

Teil 4: Der Naheradweg - von der Quelle zur Mündung in Bingen

Teil 5: Der Rhein von Bingen bis Koblenz

Spickzettel
Route:
Nahe-Radweg
Start/Ziel:
Quelle bei Selbach/Bingen am Rhein
Bahnanreise:
Türkismühle
Länge:
127 km; Entfernungen: Selbach 0 km, Idar-Oberstein 50 km, Bad Sobernheim 85 km, Bingen 130 km
Schwierigkeit: im oberen Teil mittel, wenige schwere Anstiege, im unteren Teil leicht (siehe Bericht) 
Übernachten: Quartiere siehe Bericht(e)
Internet: offizielle Homepage
Radwanderführer: siehe unten



Tafel an der Nahequelle bei Selbach.

Hier entspringt die Nahe.

Bei Nohmühle endet der 
Saar-Nahe-Höhenradweg.

Der erste Teil des Naheradweges birgt manche starke Steigung - vor allem kurz vor Idar-Oberstein und bei Türkismühle.

Am Bostalsee, einem Wassersportzentrum der Region..

Naheradweg-Emblem bei Türkismühle.

Burg Nohfelden. Beim Bäcker an der Brücke gab es leckeren Erdbeerkuchen und Kaffee.

Grüner Teich am Naheradweg.

Nachgebaute Römerstraße bei Birkenfeld.



Die Nahe kurz vor Idar-Oberstein.

Neben der bisherigen schweren Strecke  wird
gerade eine leichtere Route eingerichtet, die dennoch einige schweißtreibende Anstiege beinhaltet.

Wehr bei Idar-Oberstein. Gleich nebenan gibt es einen schönen Biergarten.

Die Weiherschleife in Idar-Oberstein, wo sich (fast) alles um Edelsteine dreht.



Felsenkirche über dem Museum Idar-Oberstein.



Blick von der Burgruine auf Oberstein.



Ein Dorado für Schmuckliebhaber. 



Apotheke in Kirn.



Wettergeschützter Brückenheiliger.



Die DVD zur Nahe-Tour



Radtouren-DVDs - ideal für Beamerschauen 
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Radreiseführer
Nahe-Radweg BVA

 

Ebenfalls hilfreich ist der Bikeline:



 

Infos zum Naheland und Naheradweg 


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