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Autor: Dieter Hurcks Copyright 5/2015

Auf dem Meerweg vom Steinhuder Meer zur Nordseeküste. 
Der unter Tourenradlern noch nicht so bekannte Meerweg führt vom größten Binnensee Niedersachsens über rund 300 km nach Wilhelmshaven und bietet eine ganze Menge Abwechslung. Leider soll die Route eingestellt werden.
Teil 1 mit Übersicht - Videotrailer

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Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Meerweg - auf zur Nordsee

Kaum Steigungen, aber bisweilen viel Wind
 
Dies ist ein Erfahrungsbericht über eine Radtour vom Steinhuder Meer über Dümmer See und Zwischenahner Meer nach Ostfriesland mit dem Ziel Wilhelmshaven.

Das erste Stück vom Bahnhof in Neustadt am Rübenberge bis Winzlar ist ja bereits in Teil 1 des Meerweg-Reports beschrieben. In dem schnuckeligen Dorf gibt es einen Gasthof sowie die Bio-Bäckerei Honeck, wo man einkehren kann. Der Bäcker hat seine Terrasse allerdings nur an Wochenenden und Feiertagen geöffnet.

Von Winzlar, wo wir das Steinhuder Meer verlassen haben, steigt der bis dahin lückenhaft oder mit verblichenen, kaum noch erkennbaren Wegweisern ausgeschilderte Meerweg stetig hinauf auf die Rehburger Berge nach Bad Rehburg. Dort lohnt sich ein Blick in die historischen Kuranlagen des ehemaligen Kurbades, das auf 85 m über Meereshöhe liegt und rund 800 Einwohner hat.

In den einhundert Jahren von 1750 bis 1850 zog der als „Madeira des Nordens“ bekannte Kurort den Adel des Königreichs Hannover nach Bad Rehburg. In dieser Zeit entstanden die Kuranlagen Bad Rehburg mit Badehaus, Brunnenhaus, Wandelhalle, Kurhotels und der Friederikenkapelle (1841/42) sowie dem Kurpark. Nachdem die Kuranlagen im 20. Jahrhundert unter anderem als Pflegeheim und Waisenhäuser genutzt wurden, verfielen sie seit den 1970er Jahren zunehmend. Zum Ende des 20. Jahrhunderts war das gesamte Areal kaum noch betretbar, da es nahezu vollständig verwuchert war. Anfang des 21. Jahrhunderts entschied man, die Kuranlagen aus ihrem „Dornröschenschlaf“ aufzuwecken und zu sanieren. Im Januar 2003 fand die Eröffnungsfeier statt. Bad Rehburg besitzt neben Hofgeismar das einzige noch erhaltene Badeensemble Deutschlands aus der Zeit der Romantik. Quelle und mehr: Wikipedia

Dino-Park: Eingang

Weiter geht es bergauf, bis die Straße auf dem Kamm Richtung Münchehagen mit dem berühmten Dino-Park abzweigt. Von dort führt die Route wieder abwärts und erreicht nach rund 5 km Loccum. Hier lohnt es sich, durch die Klosterpforte das riesige Gelände des Klosters Loccum zu betreten, das zu den Attraktionen des Pilgerweges Loccum-Völkenroda zählt.

Ab Loccum radeln wir durch das Waldgebiet Loccumer Heide. Die Wege sind durch den Regen, der uns neben starkem Gegenwind aus Westen an diesem Tag begleitet und zu schaffen macht, zum Teil ziemlich aufgeweicht. Doch bald haben wir wieder Asphalt unter den Reifen, die Sonne kämpft sich durch die dunklen Wolken und die Radlerwelt sieht wieder freundlicher aus.

Im Ort Wasserstraße, vor dem rechter Hand eine flügellose Windmühle die Kulisse mit zahlreichen Windenergieanlagen bildet, queren wir die Bundesstraße 482 und gleich darauf eine Eisenbahnlinie. Ein Abstecher zum Rittergut Schlüsselburg mit stattlichem Herrenhaus, die Weserquerung an der Schleuse Schlüsselburg und ein Besuch des Scheunenviertels in Schlüsselburg sind weitere Höhepunkte dieses Radeltages. Bis zum Quartier in Stolzenau liegen nur noch gut fünf Kilometer vor uns. Der Ort liegt sowohl am Spargelradweg Niedersächsische Spargelstraße als auch am Weserradweg, so dass sich in der Hochsaison eine Vorbuchung des Quartiers empfiehlt.

Übernachten am Meerweg
 

Tag 2: Zum Dümmer See

Tag 2 führt uns zunächst auf dem Weserradweg zurück zum Meerweg. Ziel an diesem Tag ist der rund 85 km entfernte Dümmer. Über den Weserradweg erreichen wir schnell wieder das Scheunenviertel in Schlüsselburg und damit den Meerweg. Über das Dörfchen Müsleringen geht es bis kurz vor Buchholz, wo uns der Weserradweg verlässt. Raddestorf, Höfen und Lohhof liegen bald hinter uns. Die Landschaft ist abwechslungsreich mit imposantem Baumbestand. Bei Gösloh mit seiner Torffabrik haben wir schon die Hälfte unserer Passage durch das Große Moor, das größte zusammenhängende Moorgebiet Niedersachsens, hinter uns. Die Abbaufläche soll laut Pressebericht um 170 h erweitert werden, wogegen sich viele Bürger wehren.

Kurz hinter Oberauerort erreichen wir den Tierpark Ströhen, wo man in schöner Kulisse einkehren kann. Der Rhododendronpark gegenüber vom Tierpark erwacht gerade zu einer ersten Blüte in Weiß. Über Ströhen führt die Route auf überwiegend hervorragenden Wegen und kleinen Straßen nach Haßlingen und Wagenfeld. Unterwegs schauen wir uns kurz hinter Querung der Trasse der Museumseisenbahn Uchte den Nordpunkt NRW an. Hier liegt, durch eine in den Boden eingelassene Steinplatte markiert, der nördlichste Punkt dieses Bundeslandes.

Zwischen Niedersachsen und NRW wechseln wir des Öfteren auf dieser Tour. Unser Quartier in Marl-Hagenwede, das Hotel zur Eiche, finden wir mit Hilfe unseres Fahrrad-Navigationsgerätes und Eingabe der Adresse ohne Probleme. Es liegt wunderbar versteckt unter Bäumen und bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das bayerische Essen und Trinken in diesem Landgasthof mundet. Ein abendlicher Abstecher führt uns bei Abendsonne noch nach Lemförde und zum Dümmer See. Ab Wagenfeld war die Landschaft zwar etwas weiter und eintöniger, aber an der Radelpiste gibt es an diesem Tag nicht viel zu mäkeln. Das soll sich schon am nächsten Tag ändern …

 

Tag 3: Nach Oldenburg

Heute geht es nach Oldenburg. Wir finden schnell zurück zum Meerweg, der auf der Ostseite neben einer lauten Straße um den Dümmer führt. Den See sehen wir allerdings nur noch aus der Ferne. Ab Dümmerlohhausen haben wir den kräftigen Westwind zum Glück nur noch ganz selten von vorne, da die Route jetzt weitgehend strikt nach Norden führt. Beim Abzweig nach Lohnde (bei km 25) fehlt das Meerweg-Schild. Aber da zur Kontrolle das Fahrrad-Navi mitläuft, bleiben wir auf dem richtigen Kurs. Immer wieder drohen schwarze Wolken mit Regen. Doch wir haben Glück und bleiben bis zum Erreichen des Ziels nach 113 km trocken.

Eigentlich sollte die Tour an diesem tag „nur“ 95 km lang sein. Doch einige Kursänderungen in der Beschilderung und Umwege haben uns 13 zusätzliche Kilometer beschert. Hinzu kamen die vielen Waldwege und Sandwege sowie die Pflasterstraßen im Oldenburger Land, die das Fortkommen erschwerten. Am Abend waren wir echt geschafft ... Beispiel: Rund 800 m Sandwege führen zum Kloster Ehrendorf in Kroge-Ehrendorf, wo man gleich nebenan beim Bäcker pausieren kann. Auch vor der Kreisstadt Vechta sind die Wege zum Teil grottenschlecht. Eine Straße endet plötzlich in einer Baustelle. Kein Hinweis, wo der Radfahrer nun weiter kommt. Wir franzen uns durch den Wald über schmale Pfade, bis wir wieder auf die Straße zurück gelangen. Eine Unmöglichkeit!

In der Innenstadt von Vechta, die wir nach Passieren des Kaponiers erreichen, wo vor über 900 Jahren die Gefängnistradition der Reiterstadt begann, treffen wir auf das berühmte Olympiapferd Warwick Rex, mit dem der in Vechta lebende Springreiter Alwin Schockemöhle bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal eine Goldmedaille in der Einzelwertung errang.

Durch das Gebiet von Vechta verlaufen die Ferienstraßen Boxenstopp-Route, die Niedersächsische Spargelstraße und die Niedersächsische Mühlenstraße.Durch Vechta verläuft ebenfalls der Pickerweg, der zum Netz der Jakobswege gehört. Dadurch ist der Pickerweg Teil der ältesten europäischen Kulturstraße. Auch ein Abschnitt der westlichen Variante des Brückenradwegs Osnabrück–Bremen durchquert Vechta. Quelle: Wikipedia

In der Fußgängerzone machen wir Pause bei einem Imbiss und stärken uns erst einmal. Mangels Schildern hilft uns unser Navi wieder zurück auf den Meerweg. Vechta wird uns daher nicht in guter Erinnerung bleiben.

Hinter Visbeck, kurz hinter der Bullmühle, einer imposanten Hotelanlage, weist ein Schild in den Wald zu prähistorischen Besonderheiten: dem Großsteingrab Heidenopfertisch und dem Visbeker Bräutigam, dem mit 104 Metern längsten Hügelgrab Niedersachsens. Die Anfahrt dorthin ist schon eine Zumutung, und der weitere Weg durch den Wald und über die lärmende Autobahn 1 hinweg toppt das Ganze noch. Eines Fernradweges jedenfalls ist dieser "Weg" unwürdig.

Vorbei an Großenkneten, das ebenfalls am Spargelradweg liegt, führt die Route nun vielfach auf schlechten Wegen nach Wardenburg und zieht sich dann, zum Teil neben einer lauten Straße, bis nach Oldenburg hinein, wo wir in einer ziemlich miesen Ferienwohnung am Melkbrink übernachten. An einem Korbstuhl schauen Nägel heraus, an denen man sich verletzen kann, und das Kopfkissen stinkt dermaßen, dass mir schlecht wird und ich mir aus meiner Bekleidung selber eines „baue“. Den Oldenburg-Rundgang haben wir abgeblasen, da ein aufziehendes Unwetter es ratsam erscheinen ließ, diesen Abend im Hause zu verbringen. Immerhin: Beim Griechen schräg gegenüber des Quartiers schmeckte das Essen ganz passabel. 
Sehenswertes in Oldenburg

 

Tag 4: nach Wilhelmshaven

Nach dem gestrigen Tag kann es eigentlich nur noch besser werden. Die Ferienwohnung war mau und das Frühstück beim Bäcker samt Unterwegsration (eineinhalb belegte Brötchen) mit 9,80 Euro nicht gerade ein Schnäppchen, dennoch starten wir frohen Mutes in den neuen Tag. Zwar weht uns der morgendliche Wind noch frisch ins Gesicht, doch zum Abend hin wird er immer schwächer und die Sonne zeigt sich länger.

In Oldenburg finden wir mit Navi-Hilfe schnell zum Meerweg zurück. Zunächst radeln wir neben der Bahnstrecke nahezu westwärts dem Wind und Bad Zwischenahn entgegen. Es ist Sonntag und die Busse spucken jede Menge Tagestouristen aus - überwiegend ältere Menschen, die sich in die zahlreichen Cafés des kleinen Ortes ergießen. Da ich von einer früheren Radtour das wunderschön am Nordufer gelegene Gasthaus Fährkroog kenne, machen wir uns nach einem kurzen Abstecher zum „Spieker“, einem Ensemble mit Reetdachhäusern und einem Pfahlbau, bald auf den Weg. Durch Wald führt uns der schmale Radweg schnell ans Nordufer nach Dreibergen, wo ich den traditionellen friesischen Tee mit Kluntjes und Rahm genieße.

Bei der Weiterfahrt verheddern wir uns zunächst in einem Waldgebiet, weil die Beschilderung des Meerwegs hier äußerst dürftig bis nicht vorhanden ist. Man muss der Beschilderung Richtung Wiefelstede folgen!

Wir finden nach einigen Irrungen und Wirrungen trotzdem zurück auf den richtigen Pfad und radeln vorbei an Wiefelstede auf zackigem Kurs zum Klosterhof Jührden (Foto), wo sich eine Einkehr wirklich lohnt. Ab Jührdenerfeld heißt die Hauptrichtung nun fast nur noch Norden, so dass uns der abflauende Westwind bloß von der Seite trifft. Vor Zetel geht es wieder auf Waldwegen etwas zäher voran. Dann liegt das tellerebene Marschland vor uns. Friesland wie aus dem Bilderbuch!

Marschland

Reizvoll ist das Örtchen Neustadtgödens, von wo wir in einem Rechtsschwenk über die Autobahn 28 hinweg Sande erreichen. Unser originell eingerichtetes Hostel im ehemaligen Bahnhofsgebäude ist sehr zu empfehlen. Wenn schon am Bahnhof residierend, dachten wir uns, dann nutzen wir für unseren Abendausflug auch die Bahnverbindung nach Wilhelmshaven. Klar, dass in der mit rund 76.000 Einwohnern drittgrößten Mittelstadt Niedersachsens, die immerhin größter Standort der Bundeswehr ist, ein Hafenbummel zum Pflichtprogramm zählt.

So bleibt der Fahrradtacho bei 80 Tageskilometern stehen. Am Ende des Meerweges wandern wir eine Runde durch die teilweise etwas verlassen wirkende Hafenstadt, kehren im vornehmen Restaurant Bavaria (empfehlenswert!) ein und lassen diesen Radeltag genüsslich ausklingen. Man gönnt sich ja sonst nichts ...

Fortsetzung: Ems-Jade-Weg und Emsradweg

Die DVD zur Tour - Trailer

Etappen/Entfernungen + Karte siehe Bericht Teil 1

Radwanderführer

Übernachtungen 
Stolzenau: Privatzimmer Bänsch, Tel. 05761 - 2619 
Dümmer: Marl-Hagewede Zur Eiche, Tel. 05443 - 444
Oldenburg: nicht empfehlenswertes Quartier am Melkbrink
Sande bei Wilhelmshaven: Nordseehostel am Bahnhof, 04422 - 6931022 
Emden Borßum: Haus Katharina Tel. 04921 - 56766 
Haren/Ems: Pension Balcke Tel. 05932 - 504322 
Rheine Elte: Splenterkotten Tel. 05975 - 285
Fazit: preiswerte Quartiere mit zwei Einzelzimmern haben wir auf dieser Tour nur wenige gefunden

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Spickzettel
siehe Teil 1 des Meerweg-Reports 

Von Winzlar geht es hinauf auf die Rehburger Berge.

Miserabel: Das Meerweg-Schild ist in diesem Bereich verblichen, und auf der anderen Straßenseite gibt es nicht einmal einen Zugang zum Radweg.

Historische Kuranlagen von Bad Rehburg

Kloster Loccum

Aalfänger bei Schlüsselburg

Torfabbau im Großen Moor

NRW-Nordpunkt 

Abendstimmung am Dümmer See

Schönes Radeln zwischen Baumalleen und Rapsfeldern

Typisch fürs Oldenburger Münsterland: Rhododendron-Hecken

Heidenopfertisch bei Vechta

Oldenburg: Hafen-Ansicht

Zwischenahner Meere

Wilhelmshaven: Kaiser-Wilhelm-Brücke

Der Meerweg verläuft streckenweise parallel
zum Radweg Niedersächsische Spargelstraße.

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