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Autor: Dieter Hurcks Copyright 10/2009

Auf den Spuren der DDR-Zeit in Berlin 
28 Jahre trennte die Mauer Berlin West von Ost. Auf dem Mauerradweg findet man auch heute noch Spuren.
Teil 2 - Teil 3 - Teil 4

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland


Mauerradweg (1)
 
2014 jährte sich am 9. November der Tag der Maueröffnung zum 25. Mal. Auf dem ausgeschilderten Mauerradweg rund um Berlin West kann man auch heute noch - zunehmend weniger werdende - Spuren dieses Terrorbauwerks sehen, das den Menschen so viel Leid und der DDR schließlich das Ende brachte. Video Berliner Mauer 1971-1993 - Teil 2

Zwischen 2000 und 2006 wurde der Mauerradweg offiziell in Betrieb genommen, der während unserer Tour noch unbeschildert war. Auf der Berlin-Homepage lesen wir:

"Der Berliner Mauerweg ist ausgeschildert; in regelmäßigen Abständen helfen Übersichtspläne bei der Orientierung. Außerdem erhält man an mehr als 40 Stationen mehrsprachige Informationen über die Teilung Deutschlands, den Bau und den Fall der Berliner Mauer."

Vom Berliner Ostbahnhof nach Rudow, 21 km

Die Mauer, die Berlin 28 Jahre lang trennte, hat mich schon immer angezogen und zugleich abgestoßen. Vermutlich lag es an der Absurdität eines solchen Bauwerks an sich. Denn welcher normal denkende Mensch käme schon auf die Idee, Nachbarn, Freunde und Verwandte von einem auf den anderen Tag durch Beton, Stacheldraht und Minen voneinander zu trennen.

Doch wie die meisten Touristen bekam auch ich als Berlin-Besucher damals nur wenige Meter Mauer zu sehen: Bernauer Straße und Nordbahnhof, Brandenburger Tor, Potsdamer Platz, Zimmerstraße und Checkpoint Charlie - das waren und sind wohl die berühmtesten dieser Orte mit tragisch verlaufener Biografie.
So war es im Jahre 2003 an der Zeit, die ehemalige Grenze mit dem Fahrrad abzuradeln und zu sehen, was davon noch übrig ist. 
Kurzum: wenig Mauer, aber trotz der vergangenen Zeit noch gelegentlich erkennbarer Grenzstreifen, in dem sich die Natur häufig immer noch völlig frei entfalten kann.

Wie meistens, dient uns die Bahn als Zubringer. So steigen wir sechs Radler an einem nebligen und kalten, aber trockenen Märztag in einen der Regionalexpresszüge von Burgdorf nach Hannover, steigen um in den zuschlagpflichtigen IC, wechseln in Magdeburg wiederum in einen Regionalexpress und erreichen schließlich nach gut vier Stunden Berlin.

Direkt am Ostbahnhof, dem ehemaligen Ost-Berliner Hauptbahnhof, der auch schon Frankfurter und Schlesischer Bahnhof hieß, beginnt die berühmte Eastside Gallery, ein gut 800 Meter langes, von Künstlern bemaltes Mauerstück. Die Hälfte davon wurde restauriert, der andere Teil der vielfach beachtlich gelungenen Kunstwerke verfiel dem blassen Farbentod. 

So radeln wir gemütlich entlang der Mauer, passieren das berühmte Bild des Mauer-durchbrechenden Trabant 600 und gelangen an die in neuer Pracht erstrahlende Oberbaumbrücke. Jahrelang hat dieser imponierende Backsteinbau im Dornröschenschlaf gelegen. Jetzt ist er wieder Bindeglied zwischen S-Bahnstation Schlesisches Tor, 28 Jahre lang Endstation (Linie 1!), und dem S-Bahnhof Warschauer Straße. Entlang der verkehrsreichen Schlesischen Straße führt die Fahrt über Landwehrkanal und Flutgraben, danach gleich rechts ab in die gleichnamige Straße.

Nach dem hervorragend illustrierten und mit detailreichen Beschreibungen glänzenden Bikeline-Radwanderführer ist es meistens kein Problem, den rechten Weg zu finden. Zudem sind am ehemaligen Mauer-Standort auf fast 50 km des Stadtgebietes Pflastersteine in den Boden eingelassen. 

Im Schlesischen Busch stoßen wir auf den ersten Wachturm, einer der wenigen, die stehen geblieben sind.
Bald gelangen wir auf die Kiefholzstraße, die uns aus Treptow hinaus führt. Ein neuzeitliches Mauerdenkmal signalisiert: Hier rechts abbiegen. Entlang des Heidekampgrabens fahren wir auf dem meistens ziemlich holprigen und im März mangels Grün trostlos erscheinenden Mauerstreifen bis zur Sonnenallee. Der gleichnamige Film von Detlev Buck entstand allerdings nicht am Originalschauplatz, sondern vollständig im Studio Babelsberg. Die umfangreichen Bauten gehören heute zur Studiotour der Touristen.
Nun führt der Weg um ein paar Ecken auf die Britzer Allee. Den Weg durch die Siedlung Dalheim finden wir nicht, sondern radeln die Britzer bis zum Ende. Rechts über die Späthstraße, wie von der Karte gefordert, geht nicht, weil hier kräftig gebaut wird. So weichen wir nach links aus und biegen bald rechts in den Ligusterweg ein, der durch eine Kleingartenkolonie führt. 
An der Johannisthaler Straße geht's nach rechts bis zur Brücke und dann südostwärts entlang des Teltowkanals über Neukölln nach Rudow, wo wir unser Quartier gebucht haben. An der Ecke Rudower Straße/Neudecker Weg bietet sich ein Stück übrig gebliebener, aber teilweise gelöcherter Hinterlandmauer für ein Foto regelrecht an.

Wird dieses Relikt einer unseligen Zeit bald dem Neubau der Teltowkanal-Autobahn A 113 weichen müssen? 
Baustellen gibt es in Berlin übrigens noch jede Menge, auch auf der Route des Mauerradweges, so dass man flexibel sein muss und ein bisschen Karte lesen können sollte.
Am Abend dieses ersten Tages haben wir schon einen kleinen Eindruck gewonnen, wie hier im von der Grenze einst halb umschlossenen Rudow das Leben einst gewesen sein muss: ziemlich in eine Richtung orientiert - nämlich einseitig nach Norden.

Informationen über Rudow

 

Radwanderführer Berliner Mauer





Teil 2: Von Rudow nach Geltow

Teil 3:  Von Geltow nach Hohen Neuendorf

Teil 4:  Von Hohen Neuendorf zum Ostbahnhof


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Spickzettel
Route:
Mauerradweg Berlin (Rundkurs)
Start/Ziel:
viele Einstiegsmöglichkeiten an S-Bahnhöfen und Bahnhöfen der DB 
Bahnanreise:
z.B. Berlin Haupt- o. Ostbahnhof
Länge:
ca. 160 km
Schwierigkeit: flach (siehe Bericht), verläuft oft auf dem ehemaligen Zollweg (West-Berlin) oder auf dem so genannten Kolonnenweg 
Übernachten: Quartiere siehe Bericht(e)
Internet: offizielle Homepage mit Karte
Radwanderführer: siehe unten



East Side Gallery: der Mauern brechende Trabant 600.

Zwischen Mauern in die Freiheit - ein anderes berühmtes Motiv aus der East Side Gallery.

Die Oberbaumbrücke war 28 Jahre lang unpassierbar.

Wachturm im Schlesischen Busch.

Mauerrest bei Rudow (fotografiert vor dem Schnellstraßenbau).


Links
Diaschau zur Berliner Mauer mit historischen Fotos 
Video Berliner Mauer 1971-1993
Berliner Mauer
 
Mauerradweg 
Tourenbericht 
Berliner Mauerweg (Wiki)
Mauer in Berlin Übersicht



Radtouren-DVD hier