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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2013

Von Wertheim über Miltenberg nach Buchen.
Der Fränkische Radachter bietet mit dem Westring auch einen Ausflug in den Odenwald an. Es geht durch das reizvolle Madonnenländlichen rund um Buchen. Stille Täler und reizende Städte wie Amorbach und Buchen liegen auf dieser Route. Teil 1 - Teil 2 - Video-Trailer

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Fränkischer Rad-Achter (3):
Main und Odenwald


Vom flachen Main-Radweg ins Hügelland.

 
Der vierte Tag unserer Tour auf dem Fränkischen Rad-Achter beschert uns nach dem "Warmlaufen" auf der Strecke von Wertheim nach Miltenberg einige Anstiege, die uns jedoch in wunderbar ruhige Landschaften wie das idyllische Morretal bringen.

Übernachten am Fränkischen Radachter

4. Tag: Main und Odenwald

Sonntagmorgen genen 9.30 Uhr. Von unserem Quartier in Wertheim-Hofgarten müssen wir über die Brücke nach Kreuzwertheim (Bayern) wechseln, um auf den Main-Radweg zu gelangen, der lange Zeit parallel mit dem Fränkischen Rad-Achter verläuft. Nun radeln wir fast immer mit Sichtkontakt zum Main in Richtung Miltenberg, das etwa 34 km entfernt ist. Nach 12 km passieren wir das Sperrwerk Faulbach, radeln an dem von der Henneburg überragten Stadtprozelten und Dorfprozelten vorbei. Noch sind nur wenige Radler unterwegs, die den super tollen Radweg mit uns teilen. Nach mehreren Mainschleifen mit schönen Blicken in die Landschaft erreichen wir das idyllisch gelegene und ebenfalls von einer Burg überragte Freudenberg, wo der Radweg die Mainseite wechselt. Sehenswert ist hier das Fachwerkrathaus im Stil der Renaissance.  

In flotter Fahrt geht es weiter gen Miltenberg, das wir gegen 12 Uhr erreichen. Angesichts mehrerer Schiffsladungen an Touristen ist es schwierig, das voll bepackte Fahrrad durch die Fußgängerstraße zu schieben. Vorbei am „Riesen“, Deutschlands ältestem Gasthof, schlagen wir uns durch, genießen für einen kurzen Augenblick den „Malerblick“ auf die Miltenberg überragende Burg und kehren beim Gasthaus Kalt-Loch-Bräu zu einer kleinen Stärkung mit u.a. Leberknödelsuppe ein. Die freundliche Bedienung erzählt, dass die Hausbrauerei vor drei Jahren geschlossen worden ist. Beim bayerischen Lokal nebenan gab es die Tagessuppe dagegen nur bei Bestellung eines Hauptgerichts. Radfahrer auf Tour sind dort also anscheinend nicht gern gesehen.

Die Kalt-Loch-Brauerei wurde 1580 gegründet und galt als ältestes Brauhaus in Miltenberg. Sie war bis zum Schluss im Familienbesitz und wurde von 1995 bis 2010 von den Brüdern Axel und Markus Schohe geleitet. Zu deren Angebot zählten nebst zahlreichen Bierspezialitäten auch alkoholfreie Getränke, inklusive Tafelwasser aus der eigenen Quelle. Am 24. November 2009 kaufte die Brauerei Eder & Heylands aus Großostheim die Markenrechte der Kalt-Loch-Bräu, die Ende März 2010 ihren Betrieb einstellte.
Mehr über Miltenberg und die Kalt-Loch-Brauerei sowie die Brau-Geschichte in Miltenberg. Noch existent ist die Faust-Brauerei nur ein paar Schritte weiter.

Der Fränkische Rad-Achter biegt hinter dem westlichen Stadttor Miltenbergs links ab und führt uns, noch auf ebenem Terrain, nach Amorbach. In dem 400-Seelen-Städtchen wird das Kloster gerade renoviert. So brechen wir bald auf, um die Steigungen des Odenewalds kennen zu lernen. In Schneeberg mit seiner Wallfahrtskirche besteht die Möglichkeit, auf die Variante über Walldürn abzubiegen. Wir bleiben jedoch auf der Hauptstrecke. In Zittenfelde, im idyllischen Tal der Morre gelegen, brauchen wir eine Atempause zur Ergänzung des Flüssigkeitshaushalts und kehren im Landgasthof Morretal (mit angeschlossener Pension) ein. Das Brötchen aus dem letzten Quartier muss auch dran glauben. In diesem schön gelegenen Dorf herrscht eine erholsame Stille. Nicht mal das Handy funktioniert. Ideal also für alle, die mal so richtig abschalten wollen.

Bemerkenswert: Der Waldweg, der aus Zittenfelde hinauf führt, wird plötzlich zu einer autobahnähnlichen breiten Straße, für deren Schöpfer sogar ein Denkmal errichtet wurde (Bau 1974-75). Ein Auto kam uns auf dieser Luxuspiste, die immerhin auch zum Ferienlager der Stadt Miltenberg führt, allerdings nicht entgegen.

Aufgemalter Wegweiser

Weiter geht es auf und ab über das von mächtigen Tabakscheunen geprägte Hettigenbeuern nach Buchen. Wieder muss eine Stärkung her. Gleich neben dem Alten Rathaus lädt ein Café zum Verweilen ein.

Buchen liegt an der Siegfriedstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Die Stadt liegt mit dem Kleinkastell im Stadtteil Hettingen zudem an der Deutschen Limesstraße bzw. am UNESCO Welterbe Obergermanisch-Rätischer Limes. mehr über Buchen

Die Strecke von Buchen nach Rosenberg fordert vollen Einsatz. Manch herbe Steigung ist zu bezwingen. Bei Eberstadt kommen wir an einer laut Prospekt „märchenhaften Tropfsteinhöhle“ vorbei, die auf 600 Metern Länge begehbar ist und den Eingang zum UNESCO-Geopark Bergstraße-Odenwald bildet. Anschließend geht es steil hinauf in den Wald. Eine weitere starke Steigung liegt auf der Abkürzung nach Rosenberg vor uns.

Wegegabel: Hier geht es nach Osterburken; bleibt
man auf der Straße, gelangt man auf kürzerem Weg
- allerding zunächst bergauf - nach Rosenberg.

Hinter dem blumenreichen Bofsheim muss man aufpassen: Links geht es auf der Straße, die wir nehmen, sehr steil nach Dörrhof und weiter nach Rosenberg. Rechts ab, wo neben dem Grünkern-Radweg auch der Deutsche Limes-Radweg verläuft, führt die Hauptroute erst nach Osterburken. Dort sind Reste eines zum Limes gehörenden Römerkastells zu sehen. Von dort geht es dann zurück entlang der Bahnstrecke (trotzdem einige Steigungen) ebenfalls nach Rosenberg.

Nach der starken Steigung oben angekommen, erholen wir uns an dem dort eingerichteten Pausenplatz und radeln dann weiter. Von Rosenberg aus führt der Radweg über Hirschlanden zu unserem Tagesziel Eubigheim zwar entlang der Bahnstrecke, hält aber trotzdem noch manchen kürzeren Anstieg für uns bereit. Nach 93 km ist das Quartier erreicht. Ein Gasthof im Ort bietet italienischen Küche an, so dass wir uns gut stärken können für den nächsten Tag, der uns zurück an den Main führen soll.  

  

"Germania" - Kriegerdenkmal in Eubigheim

Übernachten am Fränkischen Rad-Achter Ahorn-Eubigheim 

 

5. Tag: Zurück zu Tauber und Main

Nach einer erholsamen Nacht in dem überaus ruhigen Eubigheim und dem tollen Frühstück unserer Gastgeberin machen wir uns zeitig auf den Weg zurück zu Tauber und Main. Es soll wieder sehr warm werden, und ein wenig schwül ist es dabei auch noch. Gleich im Ort Eubigheim, dessen Rathaus in einem ehemaligen Wasserschloss untergebracht ist, biegen wir rechts ab und haben die erste Steigung vor uns. Schnell sind wir wieder in der inzwischen schon gewohnt hügeligen und dabei sehr reizvollen Landschaft des Odenwaldes. Die Region um Bofsheim, Rosenberg, Hirschlanden, Eubigheim, Boxberg und Oberschüpf nennt man übrigens das Bauland oder auch das Grünkernland, das ist die Gegend zwischen Odenwald und Taubertal.

 Nach Querung der Autobahn 81 erreichen wir bald Uiffingen. Hinter dem Ort verläuft der Radweg wieder mit nur geringen Steigungen neben der Bahnlinie.

Über Dörfer mit so markanten Namen wie Angeltürn, Boxberg, Wölchingen und Schweigern steuern wir Unterschüpf an. Bei Sachsenflur geht´s über die Gleise hinüber, ehe Königshofen in Sicht kommt. Hier, an der Tauberbrücke, treffen wir wieder auf den Ostring des Fränkischen Rad-Achters, den wir ja erst zwei Tage zuvor befahren hatten. So ist uns die folgende Strecke über Lauda nach Tauberbischofsheim und weiter die rund 30 km nach Wertheim schon bekannt. Bei Distelhausen liegt der Brunnen der örtlichen Brauerei, aus dem wohl das Wasser für das in der Region weit verbreitete „Distelhäuser“ stammt, gleich neben dem Radweg.

In Tauberbischofsheim - Kfz.-Kennzeichen TBB - sind die restlichen Aufräumarbeiten des Stadtfestes noch in vollem Gange. Bei Bäcker am Marktplatz gönnen wir uns das zweite Frühstück, denn aus Erfahrung wissen wir ja, dass uns vor Wertheim noch einige stärkere Steigungen fordern werden. Wir wissen aber auch, dass wir bei Niklashausen im Radler-Stüble noch einmal die Ruhe der Natur bei einem Wasser oder Eiscafé genießen können. Schließlich radeln wir gerade auf dem Radweg „Liebliches Taubertal“. Dieses Mal besuchen wir auch das am anderen Tauberufer gelegene Kloster Bronnbach, eine ehemalige, 1151 gegründete Zisterzienserabtei. Das romanisch-gotische Kloster kann von April bis Oktober besichtigt werden.

Kurz vor Wertheim führt der alte Tauber-Radweg als „Umleitungsstrecke“ über eine Bahnbrücke. Da wir zwei Tage vorher die andere Route geradeaus genommen hatte, kann ich nur diese Route über die Bahn empfehlen. Sie führt an die Tauber, die man auf einer Stahlbrücke für Fußgänger und Radler überquert. Dann findet man auch den wunderschönen Rosengarten neben dem Kloster und ist, sich links haltend, ruckzuck in der Altstadt.  

Die Acht schließt sich

Nach einer weiteren kräftezehrenden Steigung wieder in Wertheim angekommen, machen wir uns bei herrlichem Sommerwetter nun daran, die letzte Lücke in der Acht zu schließen. Auf dem Mainradweg, zu dem es in diesem Web eine ausführliche Beschreibung gibt, passieren wir - zunächst neben einer lauten Landstraße radelnd - die Mainschleife von Urphar, das von einer Wehrkirche aus der Romanik überragte wird. Ab Bettingen wird es dann endlich ruhiger, weil die Straße sich vom Mainufer entfernt. Überall duftet es nach Heu. So muss Urlaub riechen ...

Bald taucht Homburg mit seinem Fachwerkschloss auf, das auf einem riesigen Kalksinterblock errichtet wurde. Die Route führt direkt durch Homburg, das zu Markt Triefenstein gehört. Auf dem Höhenzug gegenüber lugen die Türme des Klosters Triefenstein durch das Grün der Bewaldung ins Tal hinunter.

Immer schön am Ufer des heute von zahlreichen Lastkähnen befahrenen Mains entlang finden wir kurz vor Marktheidenfeld einen sehr schönen Biergarten mit Blick auf den Strom, der als Grenzfluss zwischen Nord- und Süddeutschland gilt und liebevoll als „Weißwurstäquator“ tituliert wird. Ein Abstecher in die Altstadt von Marktheidenfeld sollte sich jeder Radler gönnen, der noch nicht hier war. Bald sitzen wir wieder im Sattel und lassen die stolz hoch über dem Fluss thronende Burg Rothenfels an uns vorüber ziehen. Von Erlach aus blicken wir auf das zweitürmige Münster von Neustadt am Main, eine ehemalige Abteikirche.

Vorbei an Pflochsbach erreichen wir die Mainbrücke von Lohr. Der Blick auf die Stadt wird durch einen riesigen Parkplatz direkt am Main verschandelt. Lohr beherbergt etwas in Deutschland wohl Einmaliges: ein Isolatorenmuseum, das allerdings nur am ersten Sonntag eines Monats geöffnet hat. mehr über Lohr

Die letzten Kilometer bis zum Ausgangspunkt unserer Radtouren führen über Steinbach und Hofstetten, meist ufernah, nach Gemünden, wo Sinn und Fränkische Saale ihre Wasser in den Main ergießen. Unser Auto steht unversehrt auf dem Parkplatz. Fahrräder „absatteln“, umziehen und Gepäck verstauen, dann geht es vor der Abfahrt noch in die Altstadt von Gemünden: Ein letzter Fränkischer Bratwurst-Teller bildet die kulinarische Grundlage für die mehr als vierstündige Heimfahrt.

Fazit: Der Fränkische Rad-Achter an Main, Tauber und im Odenwald bietet jede Menge Abwechslung, leichte wir anspruchsvolle Passagen, interessante Dörfer und Städte, gibt einen Einblick ins Frankenland und seine immer freundlichen Bewohner. Er verläuft, überwiegend gut beschildert, meistens auf separaten Wegen, nur selten auf nicht asphaltierten Feld- und Waldwegen und auf wenig befahrenen Straßen. Und vor allem eines bietet er: Hier kann man noch Urlaub zu zivilen Preisen machen und erhält durchweg ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, bei den Übernachtungen ebenso wie bei Essen und Trinken.

 

 

Radwanderführer  
Den benutzten Bikeline-Radwanderführer von Esterbauer von 2009 (3. Auflage) habe ich bis zum Schluss nicht ganz durchschaut. Weder ist die Fahrtrichtung erkennbar noch steht am Rand die Nummer der Anschlusskarte. Da wir auch nicht die vorgesehene Reihenfolge eingehalten, sondern die Tour nach Länge der gut zu schaffenden Tagesetappen unter Berücksichtung der attraktivsten Übernachtungsetappen geplant haben, ist ständiges Blättern und Suchen die Folge. Zusätzliche Ausflüge wie der nach Rothenburg o. d. Tauber, sind schön, verwirren aber manchmal ganz gehörig. Hinzu kommen Abkürzungen und Alternativstrecken (Varianten) wie die unangekündigt äußerst steigungsreiche von Ochsenfurt über Aub. Auch fehlen häufig die Namen kleinerer Flüsse wie etwa der Morre, die ein wunderschönes, stilles Tal durchfließt.  

Etappen/Entfernungen siehe "Spickzettel" Teil 1 - Teil 2

benutzter Radwanderführer 

 

Viele weitere Radtouren-Videos bei YouTube hier

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Wertheim im Abendlicht.

Wertheims langgestreckter Marktplatz.

Rückblick auf Wertheim von der Brücke nach Kreuzwertheim, wo wir auf den Main-Radweg gen Miltenberg gelangen.

Hier bietet der Main mit den bewaldeten Buntsandsteinabbrüchen einen besonders schönen Anblick.

In Freudenberg geht es auf die andere Mainseite.

Berühmtes Motiv der filigranen Miltenberger Fachwerkarchitektur.

Amorbach: eine kleine Stadt mit langer Geschichte.

Zittenfelde liegt im idyllischen Tal der Morre.

Morretal: Ein stilles Tal wie aus dem Bilderbuch.

Schönes Städtchen: Buchen im Odenwald.

Zurück am Main, passieren wir die Grenze zwischen Baden-Württemberg, das eine winzige Ecke vom Main abzwackt, und Bayern.

Schloss Homburg liegt hoch über dem Main.

Steile Weinberge säumen den Main-Radweg.

Mächtiger Bergfried: Burg Rothenfels.

Am Ausgangspunkt angekommen: Gemünden an Main, Sinn und Fränkischer Saale.

Anschluss-Touren
Main-Radweg
Tauber-Altmühl-Radweg
oder
entlang der Sinn nach Fulda

Die DVD zur Tour: