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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2012

Von der Eder durch den Taunus zur Bergstraße 
Der Hessische Fernradweg R 8 beginnt an der Eder und verläuft mit Hauptrichtung Süden bis Weinheim an der Bergstraße, von wo aus es nur wenige Kilometer bis an den Neckar sind. Also eine ideale Route für alle, die vom Norden Deutschlands in den Süden radeln wollen. Teil 2

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Fernradwegen in
Deutschland

R8 - der westlichste
Fernradweg Hessens (1)

Von Frankenberg/Eder nach Idstein/Taunus

Der Hessische Fernradweg R8 verbindet Frankenberg an der Eder mit Heppenheim an der Bergstraße - mit Verlängerung nach Heidelberg. An ihm liegen so reizende Städte wie Limburg an der Lahn, Idstein und Heppenheim. Da ich den Ederradweg schon gefahren bin, stieg ich in den R8 erst in Wallau bei Bad Laasphe ein - etwa 32 km Radtour-Strecke von Marburg aus.

 

Dieser rund 310 km lange Fernradweg, Hessens westlichster übrigens, ist wie die meisten anderen in diesem wald- und hügelreichen Bundesland oft ziemlich anspruchsvoll, was die Kondition des Radlers betrifft. Denn er verläuft durch das Gladenbacher Bergland, den Westerwald, den Taunus, durch den Stadtwald vorbei an Frankfurt am Main und entlang des Odenwaldes schließlich an die Bergstraße hinter Heppenheim. Wo Hessen endet, bricht die Beschilderung urplötzlich ab! Immerhin: Ab hier kann man der Beschilderung des Radweges "Bergstraße" folgen, der bis Heidelberg führt.

Bahnanreise nach Frankenberg oder Wallau

Die Bahnanreise nach Marburg kann per IC oder per Nahverkehr erfolgen. Von dort besteht eine Verbindung zum Kopfbahnhof in Frankenberg. Von diesem Städtchen mit seinem famosen Rathaus aus geht es entlang der Eder auf dem Ederradweg vorbei an Battenberg und über Dodenau nach Hatzfeld, einem idyllischen Ort mit Übernachtungsmöglichkeit. Anschließend verläuft der Weg mit kräftigen Steigungen nach Wallau.

Da der IC keine Fahrradstellplätze mehr vorrätig hatte, musste ich ab Hannover Nahverkehrszüge nehmen und in Göttingen und Kassel umsteigen. Die Fahrt dauerte entsprechend lange. In Marburg angekommen, regnete es. Der Bahnhof wurde gerade umgebaut (Juli 2012), es lärmte und staubte. Treppab und wieder treppauf erreichte ich den Bahnhofsvorplatz, stockte meinen Proviant auf und radelte nach Cölbe. Weil der Regen sich verstärkte, stieg ich in den nächsten Zug und fuhr nach Wallau, die erste Station hinter Biedenkopf. Der Himmel zeigte sich gnädig, es hörte auf zu regnen.

 

1. Etappe: Wallau-Schönbach 

Am Bahnhof in Wallau fand ich keinen Hinweis auf den R8, der laut Karte gegenüber der Kirche Richtung Dillenburg führen soll. Drei Leute, die ich fragte, wussten in Sachen Radwegweisung von nichts - Autofahrer halt. So fuhr ich zunächst ein Stück Straße und fand dann schließlich in Breidenstein den ersten R8-Wegweiser. Dort kam auch der Weg aus Richtung Kirche Wallau an - eine schöne Asphaltpiste. Nun ging es gleich zur Sache: Das wellige Land hielt immer wieder Steigungen bereit, die den Fahrer ständig aufs neue fordern. Mein E-Bike lief zur Höchstform auf. Zum Glück gab es nur ganz wenige nicht so gut befahrbare Wege, und auch die Beschilderung erwies sich als „mit Augenmaß“ angebracht. Nur gelegentlich tauchten Schilder erst auf, wenn man direkt davorstand.

Von nun an ging es mal durch Wald und Feld, dann wieder durch einen kleinen, manchmal malerischen Ort, dann wieder entlang einer viel befahrenen Straße nach Dillenburg. In Frohnhausen zackte der R 8 durch ein Wohngebiet. Da war es wesentlich ruhiger, denn auf der B 253 herrschte dichter Feierabendverkehr. Umso schöner dann, in die kleine, von einer mächtigen Burg überragte Fachwerkstadt Dillenburg einzubiegen und, nach der Fahrt unter einer langen Autobrücke und über die Dillbrücke, vorsichtig durch die Fußgängerzone mit den vielen kleinen Geschäften, dem Bäcker, einem Café und diversen anderen Ausschänken zu rollen. Der Kirschenmarkt wurde gerade abgebaut, so dass ich nach dem genüsslichen Aufenthalt in Dillenburg langsam weiterfahren konnte.  

Dillenburg 
Die Geschichte Dillenburgs ist eng mit der des Niederländischen Königshauses verknüpft: Der 1533 im Dillenburger Schloss als Graf Wilhelm von Nassau-Dillenburg geborene Prinz von Oranien ist der Stammvater des Niederländischen Königshauses, der Linie Oranien-Naussau! Aber nicht nur Geschichtsinteressierten bietet Dillenburg etwas. Quelle und mehr

Der Weg aus Dillenburg hinaus führt zunächst ein ganzes Stück neben der Lärmschutzwand der Bundesstraße her, ehe der R8 in ruhigere Gefilde abzweigt. Zu meinem Ziel in Schönbach ging es nun fast kontinuierlich bergan auf meist ruhigen Wegen. Auf der Straße, neben der der Radweg angelegt ist, war so gut wie kein Autoverkehr. So erreichte ich kurz vor 19 Uhr mein Quartier - reichlich geschafft und ein wenig entnervt wegen der vielen Unzulänglichkeiten an diesem Tag wie Regen und Treppen in Marburg, ein defekter Fahrkartenautomat in Cölbe, ein lahmes Bähnle mit enorm hohem Einstieg, und mit einem Radlerpärchen, das sich im Fahrradabteil breit machte und auch nicht weichen wollte, als die beiden Herrschaften sahen, dass ich mein Rad nirgends anlehnen konnte. Und beim Rein- oder Rausheben von Rad und Gepäck halfen sie auch nicht.

Zweimal wurde ich zudem heftig angehupt, weil ich am Straßenrand angehalten hatte, um mich zu orientieren. Der Grund war ein verstecktes Schild, das aus der Ferne signalisierte, hier die Straße zu überqueren und nach links in die Feldmark einzubiegen. Nur war nicht gleich ersichtlich, wo es denn weiterging.

In Schönbach, wo ich im Gasthof ein Quartier gebucht hatte, nutzte ich die Möglichkeit, mich mangels anderer Angebote im Döner-Imbiss zu verköstigen. Ein Hotel etwas außerhalb war wohl auch noch im Angebot ... Bei einem kleinen Bummel durchs Dorf sah ich am Ortsende, dass es am nächsten Morgen gleich kräftig bergauf gehen würde. Drei Versuche, in Herborn ein Privatzimmer für eine Nacht zu buchen, wurden übrigens abschlägig beschieden. So blieb dieser, wie ich hörte, auch sehr schöne Ort leider unbesichtigt.

Tagesfazit: Eigentlich kann jetzt alles nur noch besser werden!

 

2. Etappe: Nach Idstein - 85 km

Den am Abend vorher ausgekundschafteten Weg schaffte ich schnell und gelangte am Ende von Schönbach auf eine ehemalige Bahntrasse, die mit nur geringem Anstieg über Heiligenborn bis Driedorf führte. Der anfängliche dichte Nebel war ab dem Waldausgang hinter Driedorf schlagartig verschwunden. Es ging weiterhin bergauf - insgesamt zehn Kilometer. Die Aussicht von der Trasse in die Landschaft entschädigte ein wenig für die Anstrengungen. Ein Windpark kam mir ganz nahe. Auch vor Mengerskirchen, das mir bis dahin unbekannt war, aber bei der Wegweisung als Fernziel angegeben wird, ging es noch einmal ziemlich steil hinauf, so dass ich das E-Bike schob, um Strom zu sparen und die Muskeln einmal anders zu strapazieren und zu strecken als nur durch das Treten in die Pedale. Das tut immer wieder gut! Nach 15 km Gesamtstrecke war ich obenauf.

Damit war der anstrengendste Teil des Tages geschafft. Bis in den Marktflecken Mengerskirchen im Westerwald mit seinem Schloss ging es nun, nach einer kurzen Pause in absoluter Stille, bergab. Wen es interessiert und wer Zeit hat: Das Turmmuseum im Schloss Mengerskirchen stellt schwerpunktmäßig ausgestorbene Handwerksberufe sowie Gebrauchs- und Kunstgegenstände aus Ton dar.

Vorbei an einem See, dem Seeweiher, radele ich flott nach Waldernbach. Das Wasser des Seeweihers wurde übrigens schon 1452 aufgestaut. Zwischen Waldernbach und Mengerskirchen bedeckt das blaugraue Gewässer eine Fläche von 13 ha.

Gute Wege und eine ausgezeichnete Beschilderung machen die Fahrt zum Vergnügen, auch wenn es ab Waldernbach nochmal hinauf geht bis zum Kreisel. Rechts quälen sich die LKWs den Berg hinauf, während der Radweg geradeaus weiterführt und nach etwa einem Kilometer rechts von der Straße abzweigt. Eine Bank am Wege läd zur Pause ein, was ich dankend annehme.

Der doppelspurige Weg führt nach Fussingen. Hinter dem Dorf muss nochmal 100 Meter den Berg hinauf geschoben werden. In Ellar fülle ich bei einer Tankstelle meine Wasserflasche auf. Doch der Lebensmittelladen im nächsten Ort hat eisgekühltes Mineralwasser zu bieten, weshalb ich das Leitungswasser nochmals austausche gegen Selters aus der Region. Noch 14 km bis Limburg.

Während es im Westerwald bisweilen ziemlich kalt war, obwohl der Wind nicht pfiff, wie in dem bekannten Volkslied, wurde es immer wärmer, je näher ich dem Lahntal kam. Und auch flacher. Der nächste Ort, den ich erreiche, heißt Hadamar, liegt an der Deutschen Fachwerkstraße und hat ein paar Sehenswürdigkeiten zu bieten wie das von weither sichtbare Schloss und die Steinerne Brücke.

Hadamar liegt landschaftlich reizvoll zwischen Lahntal und Westerwald. Seine historischen Bauwerke bewahren die fürstliche Vergangenheit. Allen voran die prächtige Renaissanceschloss-Anlage, die spätgotische Liebfrauenkirche (14./15. Jh.), die barocke Stadtpfarrkirche und das Rathaus im Renaissance-Fachwerk. Das Duchscherer-Haus ist eines der bedeutendsten Fachwerkbauten Hessens aus der Zeit des Frühbarocks mit aufwendiger Ornamentik (Schulstraße 17). mehr: Wikipedia

Nach Limburg an der Lahn

Nach 45 km Tagesstrecke erreiche ich dann die tolle Fachwerkstatt Limburg mit dem die Lahn überragenden Dom, der gerade eingerüstet ist. In den engen Gassen wimmelt es vor Touristen, darunter auch viele Tourenradler. Auf dem R8 dagegen hatte ich bis dahin nicht einen einzigen mit großem Gepäck gesehen.

Nach einer langen Pause in Limburg nahm ich die letzten 36 km bis zu meinem Tagesziel Idstein in Angriff. Wunderschön das Stück entlang der Lahn bis Dietkirchen mit seiner stolz auf einem Felssporn thronenden Kirche, der St. Lubentius-Basilika.

Um 580 herum wurde auf dem Kalkfelsen in Dietkirchen  eine hölzerne Kapelle errichtet, die um 750 von einer ersten steinernen Kirche abgelöst wurde. Das Stift ist höchstwahrscheinlich zwischen 830 und 838 errichtet worden. Bei der Festlegung des christlichen Glaubens im Lahngau hat das Stift eine bedeutsame Rolle gespielt, wurde es doch zum Sitz des Trierer Archidiakons, der das ganze rechtsrheinische Gebiet Triers leitete, bestimmt. Das blieb so bis zur Auflösung des Stiftes 1803. Der Bau der heutigen einzigartigen romanischen Kirche wurde vor dem ersten Jahrtausend begonnen und in den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts vollendet. Quelle und mehr

Bei Tageskilometer 57 verlockt der Biergarten an der idyllisch gelegenen Lindenmühle vor Lindenholzhausen zur Pause: Zum Kaffee gibt es einen erstklassigen Rhabarberkuchen. Anschließend verläuft der gut geführte R8 weitgehend steigungsfrei parallel zur Eisenbahnlinie Limburg-Frankfurt.

Erst hinter Walsdorf geht es nochmal lange bergauf gen Idstein - auf einem breiten Radweg neben der Autostraße und abschließend durch die Feldmark mit einer rasanten Abfahrt in den schönen Ort im Taunus. Am Hexenturm erreicht der R8 die Altstadt.

Idstein

Idstein liegt im Rheingau-Taunus-Kreis nördlich von Wiesbaden und hat rund 23.000 Einwohner. Wahrzeichen der Stadt ist der weithin sichtbare Hexenturm aus dem 12. Jahrhundert. Quelle: Wikipedia

Idsteins Schatz ist seine alte Bausubstanz: Fachwerkhäuser vom 15. bis zum 18. Jahrhundert, teilweise mit reichem Schnitzwerk, Adelssitze wie der Stockheimer Hof aus dem 16. Jahrhundert und die ehemals herrschaftliche Gebäudegruppe in der oberen Schloßgasse mit Hexenturm und Schloss. Reizvoll auch die schlichten, aber gepflegten und neuerdings wieder sehr begehrten Handwerkerhäuser aus der Zeit der ersten Stadterweiterung um 1700.

Der König-Adolf-Platz ist das Zentrum der Stadt und ihre gute Stube. Er ist umgeben von Fachwerkhäusern, die größtenteils um 1600 datieren. Neben dem Rathaus (1698) steht linkerhand das Schiefe Haus, das sich 1728 der Major der Stadtmiliz Nicolay erbauen ließ. Rechts vom Rathaus das mächtige „Kanzleitor“, das seit 1497 den Zugang zum Schlossbezirk bildet. Quelle und mehr

Fazit: Außer vor Walsdorf, das ich unterhalb der hoch gelegenen Kirche umfuhr, gab es keine Probleme mit der Beschilderung. Und auch die Wege waren meistens einwandfrei zu befahren. Im Vergleich zum ersten Tag meiner Tour eine erhebliche Verbesserung. So macht das Radeln richtig Spaß.

Fortsetzung - Teil 2: Von Idstein nach
Heppenheim und Hirschhorn


Etappen und Entfernungen
Wallau-Schönbach 54
Idstein (Taunus) 84 km
Darmstadt 88 km
Neckar: Ladenburg/Neckar 74 km
Hirschhorn 38 km
Stuttgart 140 km
siehe auch den Bericht zum Neckarradweg und HR6

 

 

Radwanderführer

 

 

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Spickzettel
Route:
Hessischer Fernradweg R 8
Start/Ziel:
Frankenberg/Eder bis Weinheim (Bergstraße) 
Bahnanreise:
Frankenberg oder Wallau
Länge:
295 km bis Landesgrenze Baden Württemberg;
Schwierigkeit: diverse Steigungen im oberen Teil und im Taunus (siehe Bericht) 
Übernachten: Quartiere siehe Bericht(e)
Internet: Wikipedia - Karte
Radwanderführer: keinen brauchbaren gefunden;
verwendete Karten (siehe unten)



Der R8 beginnt in Frankenberg an der Eder, das für sein zehntürmiges Rathaus berühmt ist.

Dillenburg mit dem Schloss.

Ab Schönbach geht es zunächst steil bergan, dann aber gemütlich auf einer alten Bahntrasse weiter.

Durchweg gut ausgeschildert: der Fernradweg R8.

Dichter Nebel nach dem Regen der Nacht - auf der anderen Bergseite ist er verschwunden.

Blick zurück auf Driedorf.

Hadamar hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Diese enge Gasse führt hinauf zum Limburger Dom.

Limburg: Blick über die Lahn auf den Dom.

Hoch über der Lahn thront auf einem Kalkfelsen die St. Lubentius-Basilika in Dietkirchen.

Die Lindenholzmühle mit wunderschönem Biergarten.

Walsdorf - nach dem Ort geht es gen Idstein nochmal mächtig bergauf.

Schöne Fachwerkarchitektur macht Idsteins Altstadt zu einem echten Schmuckstück Hessens.