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Autor: Dieter Hurcks Copyright 10/2015

Von Soest bis Hameln an der Weser. 
Wer von der alten westfälischen Hansestadt Soest aus an die Weser radeln möchte, findet in der Bahnradroute Hellweg-Weser einen rund 275 km langen Radfernweg, der auf meist guten Wegen durch viele sehenswerte Städte in Westfalen und Niedersachsen führt. Allerdings gibt es einige Schilderlücken, vor allem im Raum Bielefeld, die uns manchmal Rätsel aufgegeben haben. Das Fahrrad-Navi hilft in solchen Fällen meistens weiter.

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Bahnradroute
Hellweg-Weser

Von Westfalen nach Niedersachsen
 
Die Bahnradroute Hellweg-Weser verläuft von Soest in Westfalen streckenweise auf alten Bahntrassen und bietet daher nur geringe Steigungen. Am Rande des Teutoburger Waldes allerdings und ab Lemgo sind einige Anstiege zu bewältigen. Wer ein E-Bike fährt, ist dort fein raus.

Gestartet wird am Bahnhof der alten westfälischen Hansestadt Soest. Sie liegt am historischen Hellweg, einer einst bedeutenden Handelsstraße - längste Salzhandelsstraße des Mittelalters -, die vielfach deckungsgleich mit dem Verlauf der (alten) Bundesstraße 1 ist. 

Die Bahnradroute Hellweg-Weser führt zunächst entlang des Hellwegs ostwärts. Dabei durchquert sie die Bäder Sassendorf, Westernkotten und Waldliesborn sowie die Städte Erwitte und Lippstadt. Im Gütersloher Land sind die Fachwerkstädte Rietberg (Abstecher!) und Rheda-Wiedenbrück sehenswert.

Von Bielefeld mit seinem Wahrzeichen, der Sparrenburg, geht es ins hügelige Lipperland, wo Hermann der Cherusker vom Teutoburger Wald, hoch über Detmold, mit seinem Schwert grüßt. Lemgo, Blomberg und Schieder mit ihren historischen Altstädten und das Schloss Brake lohnen ebenfalls eine Besichtigung. Entlang des Schiedersees - offiziell heißt es Emmerstausee - gelangt der Radler nach Lügde. Von dort sind es nur wenige Kilometer bis zum niedersächsischen Staatsbad Pyrmont. Anschließend folgt die Route dem Emmertal bis zur Weser. In der Rattenfängerstadt  Hameln endet die Tour auf dem Bahnhofsvorplatz.

Von Soest nach Lippstadt

Unsere Anreise erfolgte per Fahrrad von Hamm in Westfalen, das per Bahn sehr gut erreichbar ist, über rund 35 km nach Soest. Natürlich kann man auch direkt nach Soest die Bahn nehmen. Denn direkt am Bahnhof beginnt dort die Hellweg-Weser-Tour. Der Bahnhofsvorplatz wurde inzwischen komplett modernisiert und zu einem würdigen Eingangstor der alten Stadt umgebaut.

Ehrensache ist natürlich ein Stadtbummel durch die teilweise sehr malerischen Gassen Soests, dessen Altstadt zu etwa drei Vierteln von einer Wallmauer umgeben ist. Als einziges von ehemals zehn Stadttoren (acht Haupttore und zwei Nebentore) ist noch das innere Osthofentor komplett erhalten, das heute eines der städtischen Museen beherbergt. In der denkmalgeschützten Teichsmühle, der ältesten urkundlich belegten Mühle der Stadt, befindet sich die Touristeninformation. Der mächtige St.-Patrokli-Dom („Inbegriff der Romanik in Westfalen“) und die filigrane, gotische Wiesenkirche (14. Jh.), eine der schönsten gotischen Hallenkirchen Deutschlands, sind ebenfalls einen Besuch wert. Die Stadt mit ihrer weit über 1000-jährigen Geschichte zählte im Mittelalter zu den bedeutendsten Hansestädten Europas und hat heute rund 48.000 Einwohner, wovon in der Altstadt innerhalb der Wälle etwa 6.500 leben. Soest besitzt nach Bamberg das zweitgrößte historische Geläut in Deutschland. Herausragend hierbei ist hier vor allem der Patroklidom, in dessen Turm sich 11 der 34 Glocken befinden.
Eine besondere Attraktion Soests ist die Allerheiligenkirmes mitten in der Altstadt. Im November 2012 fand die größte Altstadtkirmes in Europa zum 675. Mal statt (Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als größte Innenstadtkirmes Europas). Sie beginnt immer am ersten Mittwoch nach Allerheiligen und dauert insgesamt fünf Tage. Quelle und mehr: Wikipedia + Stadt Soest

Wir verlassen die Stadt auf der alten B1 gen Osten und kreuzen nach Durchfahren eines Wäldchens die B 475. Bis ins erste Kurbad dieser Tour, nach Bad Sassendorf sind es nur schlappe vier Kilometer. In den Westfälischen Salzwelten dreht sich alles um Salz. Die Ausstellung ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Zum einen wird gezeigt, wie Salz entsteht, wie es abgebaut wird, wie seine Struktur ist und wie man es früher aus Sole gewonnen hat. Zum anderen erhält der Besucher einen Blick auf Anwendungen von Salz und Sole, die viele überraschen. Dass Salz das wohl wichtigste Würzmittel ist, das dürfte allen klar sein. Doch wie viel sich in den einzelnen Lebensmitteln versteckt, das ahnen die wenigsten. Genauso wie die Tatsache, dass Waschmittel, PVC, Glas oder Seife auch mit Hilfe von Salz als Rohstoff hergestellt werden. Seit 1834 läuft in Bad Sassendorf der Kurbetrieb. mehr

Weiter geht's: Die fruchtbare Soester Börde ist meistens tellereben. Hat man dazu noch Rückenwird (Westwind), dann radelt es sich fast wie von selbst. 
Unterwegs treffen wir auf die Braumühle Schmerlecke, wo sich ein Aufenthalt lohnt. Dort wird tatsächlich mit einer sehenswerten Ausstattung Bier gebraut. Und zu essen gibt es dort auch was.
Nach langer Zeit des Verfalls gelangte die Mühle Anfang der 1960er Jahre in den Besitz der Familie Claes aus Paderborn, die sie rund 20 Jahre lang restaurierte. Zum 150. Geburtstag der Mühle wurden die Arbeiten abgeschlossen. Seit Anfang des Jahres 2000 wird die Mühle als Brauerei und Restaurant genutzt. Quelle und mehr

Von der Braumühle ist es nicht mal mehr eine halbe Radelstunde bis nach Erwitte, dessen mächtiger Kirchturm bei Annäherung auf der B1 aus Richtung Soest oder Paderborn eine unübersehbare Landmarke darstellt. Plötzlich stehen wir direkt davor!

Über St. Laurentius erfahren wir auf der Homepage der Stadt Erwitte: "Der älteste Teil der romanischen Kirche, der Wehrturm, hat ein Alter von über 800 Jahren. Bemerkenswert sind die kunstgeschichtlich wertvollen Tympana über 2 Kirchenportalen, ferner im Innern der Kirche die seltene und in Kunstkreisen weithin bekannte "Jakobsleiter". In einer grundlegenden Renovierung wurde die romanische Basilika wiederhergestellt. Das wertvollste Stück der Erwitter Pfarrkirche ist ein sogenanntes Gnadenkreuz, etwa aus dem Jahre 1200. Im November des Jahres 1971 wurde die Kirche von einer schweren Brandkatastrophe heimgesucht, bei der die barocke Turmhaube mit allen Glocken sowie das Kirchendach ein Opfer der Flammen wurden." Quelle  

Erwitte hat fast 16.000 Einwohner und ein Wasserschloss (Foto oben), in dem heute ein Hotel untergebracht ist. 1273 wurde das Schloss Erwitte erstmals urkundlich erwähnt. Das heutige Wasserschloss wurde gegen Anfang des 17. Jahrhunderts für Jobst von Landsberg zu Erwitte in unmittelbarer Nähe zu den Vorgängerbauten errichtet. Einflüsse der Weserrenaissance sind spürbar an der Westseite durch die mit Ziergiebeln versehenen Erkervorbauten. Die Freitreppe des Barockportals an der Westfront lag in der Achse einer Kastanienallee, die 1965 abgeholzt und durch eine Lindenallee ersetzt wurde.

Bekanntestes Unternehmen Erwittes ist wohl die Firma Theodor Heimeier Metallwerk, Weltmarktführer für Heizkörperventile.
Quelle und mehr

Über Bad Westernkotten, einem weiteren der kleinen westfälischen Kurorte im "Bäderdreieck", wo wir in einer der zahlreichen Privatpensionen sehr gut und vor allem ruhig geschlafen und beim preiswerten Italiener bestens gegessen haben, gelangen wir am nächsten Morgen flugs nach Lippstadt, laut ansehnlichem PR-Video auf YouTube das "Venedig Westfalens" genannt. Dieses Prädikat rührt von den insgesamt sage und schreibe 750 km Wasserläufe, die zum Markenzeichen detr Stadt geworden sind.
Lippstadt verfügt zudem über eine Vielzahl von Parks und Grünanlagen in den Stadtteilen. Im Zentrum von Lippstadt befindet sich der Grüne Winkel, er wird von der Lippe und dem Schiffahrtskanal durchzogen. Der Park beinhaltet einen Kinderspielplatz am Laumannshügel und an der alten Post. Der Park ist geprägt durch Feuchtwiesen, Weichholzauen, Cafe, verschiedene Teichanlagen und eine Anlagestelle für Kanuten. Quelle und mehr

Bis 1975 Kreisstadt, gehört das rund 67.000 Einwohner zählende Mittelzentrum heute zum Kreis Soest. Lippstadt wurde 1185 als Planstadt gegründet und ist damit die älteste Gründungsstadt Westfalens. Durch die Stadt fließt die Lippe, die am 16./17. Juli 1965 mit der Heinrichsflut eine Katastrophe in weiten Teilen der Kernstadt und einigen Vororten anrichtete. Auf dem Marktplatz fällt der Bürgerbrunnen ins Auge. Mit seinen neun beweglichen, geschichtsträchtigen Figuren bildet die bronzene Brunnenanlage einen Blickfang auf dem Rathausplatz. Es lohnt sich, mal einen genauen Blick darauf zu werfen. Dann entdeckt der Betrachter etwa Friedrich den Großen, König von Preußen, oder die hessische Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel.
Mehr über Lippstadt: Wikipedia

Bad Waldliesborn, nur wenige Kilometer hinter Lippstadt gelegen. stellt aufgrund des Heilbades den bekanntesten Ortsteil Lippstadts dar. Dort erinnert der Rest eines Bahnhofs an die ehemalige Bahnstrecke. Über Langenberg führt die Route nun weiter nach Rheda-Wiedenbrück - oder wahlweise nach Rietberg. Langenberg hat nur rund 8000 Einwohner. Der Bahnhof Langenberg wurde im Jahr 1887 erbaut. 1979 wurde der Personenverkehr, 1995 auch der Güterverkehr auf der Strecke eingestellt. Das Bauwerk steht seitdem unverändert. Langenberg ist Sitz der regional bekannten Privat-Brauerei Hohenfelde.

Über Rietberg und Gütersloh nach Bielefeld

Kurz hinter der Ortschaft Langenberg bietet sich die Möglichkeit eines lohnenden Abstechers nach Rietberg. Durch die  Landesgartenschau NRW hat die zum Kreis Gütersloh gehörige Kleinstadt ungemein gewonnen. Sie wird von der Ems durchflossen, die die Landschaft und den Stadtkern prägt. Auch der Emsradweg führt logischerweise durch Rietberg. Altstadt und Gartenschaupark lohnen einen Besuch. Im Stadtkern befinden sich viele erhaltene Häuser, die im 16. und 17. Jahrhundert entstanden, weshalb sich Rietberg selbst auch „Stadt der schönen Giebel“ nennt. mehr

Die knapp 10 km entfernte Doppelstadt Rheda-Wiedenbrück, die von der Autobahn 2 getrennt wird, war ebenfalls Ausrichter einer Landesgartenschau und zählt rund 47.000 Einwohner. Die Radroute führt vorbei an der Flora Westfalica und durch beide Altstädte. Ebenso am Schloss Rheda - die Wasserburg steht auf einem künstlich aufgeworfenen Hügel. Der Schlosspark ist eingebunden in das European Garden Heritage Network.

Das für seine Geschlossenheit einst berühmte Stadtbild Wiedenbrücks wurde durch Abbrüche und Neubauten vielfach empfindlich gestört. Jedoch ging die Abriss- und Neubautätigkeit in den siebziger Jahren nicht so weit wie in Rheda, wo einheitliche und geschlossene Straßenbilder kaum noch vorhanden sind. Besonders schmerzlich ist der Verlust des für die Stadtgeschichte so bedeutenden Schönhofes, der 1968 dem Ausbau der Wasserstraße weichen musste. Er wurde anschließend im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold wiederaufgebaut. In der jüngeren Vergangenheit hat man sich bemüht, Stadtreparatur zu betreiben und es ist durchaus gelungen, erforderliche Neubauten besser einzupassen. Quelle und mehr

Idyllischer Kirchplatz in Gütersloh.

Durch die flache Emsaue führt die Bahnradroute Hellweg-Weser nun nach Gütersloh. Die für Unternehmen wie Bertelsmann und Miele (mit eigenem Museum) bekannte Stadt mit rund 97.000 Einwohnern.
Schöne alte Häuser stehen am und um den Kirchturm: So ist das Veerhoffhaus von 1708/1790 ein ansehnliches Giebelhaus mit großer Diele und Torbogen. Das Obergeschoss kragt weit vor. Das dreigeschossige, mit Fächerrosetten verzierte Hinterhaus wurde wohl bereits von 1647 bis 1649 als Speicher errichtet. Heute dient das Haus als Galerie des Kunstvereins Kreis Gütersloh. Quelle und mehr

Von Gütersloh geht die Fahrt durch flaches Gelände weiter nach Marienfeld. In der Ferne sind schon die Erhebungen des Teutoburger Waldes zu sehen. Das Kloster Marienfeld ist ein ehemaliges Zisterzienserkloster und liegt im Harsewinkeler Stadtteil Marienfeld. Es wurde 1185 von Mönchen aus dem Kloster Hardehausen gegründet und 1803 aufgelöst.

In der ehemaligen Klosterkirche befinden sich eine Kreuzigungsgruppe aus den späten 30er Jahren des 16. Jahrhunderts sowie eine Mondsichelmadonna aus der Zeit um 1545/50. Der historisch bedeutendste Altar der Kirche war der Marienfelder Altar, ein Flügelaltar mit sechzehn Gemäldetafeln von Johann Koerbecke. Er entstand zwischen 1443 und 1457 und wurde am 6. Februar 1457 im Chorraum der Kirche aufgestellt. Im Chorumgang befindet sich heute eine Kopie des Altars. Die Originale der noch 15 erhaltenen Tafeln hängen in Museen von Chicago bis Moskau.
Quelle und mehr

Von Marienfeld zackt die Radroute nun hin und her durch eine vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Region und führt über Isselhorst und Brackwede, vorbei an Niemöllers Mühle in Quelle, die letzte noch funktionstüchtige Wassermühle der Stadt, nach Bielefeld

Schon von weitem ist bei der Annäherung an die ostwestfälische Metropole die Sparrenburg (Foto) zu erkennen. Auf dem Weg ins Zentrum sind viele verkehrsreiche Straßen zu queren, wobei wir häufig viel Geduld beim Warten auf eine Verkehrslücke aufbringen mussten.

Bielefeld ist mit 325.000 Einwohnern ist die größte Stadt der Region Ostwestfalen-Lippe und deren wirtschaftliches Zentrum. Bielefeld war lange Zeit das Zentrum der Leinenindustrie. Aufgrund seiner Lage an der Kreuzung mehrerer alter Handelswege und an einem wichtigen Pass über den Teutoburger Wald entwickelte sich Bielefeld schnell zum Wirtschafts- und Finanzzentrum der Grafschaft Ravensberg. Um 1240 begann der Bau der Sparrenburg, die nach ihrer Fertigstellung als Wohnsitz des Landesherrn und seines Gefolges diente. Außerdem sollte die Burg die Stadt und den Pass über die Berge des Teutoburger Waldes schützen. Ab 1293 entstand die Neustadt. Bei den Bewohnern, überwiegend Kaufleute und Handwerker, wuchs der Wohlstand, nicht zuletzt durch den Beitritt zur Hanse im 15. Jahrhundert.

Der Alte Markt bildet das Herzstück der Bielefelder Altstadt. An seiner Nordseite befindet sich das Theater am Alten Markt. Der äußerlich unscheinbare Bau lässt kaum erahnen, dass in ihm noch umfangreiche Reste des mittelalterlichen Rathauses stecken. Das Altstädter Rathaus wurde 1424 erstmals urkundlich erwähnt. Der erste Rathausbau ist an dieser Stelle vermutlich bereits im 13. Jahrhundert entstanden.
Heute ist die Stadt vor allem Standort der Nahrungsmittelindustrie, von Handels- und Dienstleistungsunternehmen, der Druck- und Bekleidungsindustrie und des Maschinenbaus. Überregional bekannt sind ihre Universität, die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die Dr. August Oetker KG sowie der Fußballverein Arminia Bielefeld. Quelle und mehr

Von Bielefeld nach Hameln

Auf der weiteren Tour verlassen wir Bielefeld gen Norden. Wegen schlechter Beschilderung verfehlen wir den direkten Weg zum Obersee, sondern landen ab dem Ravensberger Park auf Umwegen nach Schildesche zum Obersee. Dort schlägt die Radroute beim Eisenbahnviadutk wieder die Ostrichtung ein.
Rund um den im Stadtteil Schildesche gelegenen Obersee befindet sich eine 80 Hektar große Grünanlage. Die aus historischen Gebäuden bestehende Gaststätte Seekrug ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Hügelig und dünn besiedelt: das von der Landwirtschaft 
dominierte Lipperland

Über Brake und Leopoldshöhe führt die Radtour nach Lemgo. Dort übernachten wir in einem lauten, zwischen Kirche mit viertelstündigem Dauergeläut und Ortsdurchgangsstraße mit viel Verkehr gelegenen Gasthof, bei dem die Fenster dem Lärm von außen nichts entgegenzusetzen haben. Dafür ist ein Abendessen im Übernachtungspreis inbegriffen, das Frühstück in Ordnung und die Bedienung sehr freundlich.

Sehenswert sind in Lemgo neben dem direkt an unserer Route liegenden Schloss Brake mit Weserrenaissance-Museum und Wassermühle vor allem das berühmte Hexenbürgermeisterhaus und das aus Holz geschnitzte Junkerhaus. Schon zu Junkers Lebzeiten zählte das ein wenig abseits der Route liegende Junkerhaus zu den Sehenswürdigkeiten Lemgos. Bis zum heutigen Tag übt es eine eigenartige Faszination auf seine Besucher aus. Es ist Ausdruck eines unermüdlichen und eigenwilligen künstlerischen Schaffens. Außen wie innen wurde es von Karl Junker bis ins kleinste Detail bearbeitet und gestaltet. Selbst die Möbel stammen von seiner Hand. Das Junkerhaus befindet sich seit 1962 im Besitz der Stadt Lemgo. Es liegt an der Hamelner Straße (Hausnummer. 36). Das Haus wurde gerade renoviert und war nicht von innen zu besichtigen. Informationen: www.junkerhaus.de - Lemgo-Video

Nächstes Ziel ist nach einer doch recht anstrengenden Passage durch das lippische Hügelland das auf einem Berg angelegte Städtchen Blomberg.

Blomberg hat rund 16.000 Einwohner und besitzt eine gut erhaltene historische Altstadt. Die erste Besiedlung des Stadtgebiets fand zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert n. Chr. im Zuge der altsächsischen Zuwanderung statt. Die Stadt war nach dem traditionellen Dreistraßensystem errichtet worden, bei dem drei parallel verlaufende Längsstraßen an den Enden vor einem Stadttor zusammentreffen. Die Kernstadt befindet sich im Zentrum des Blomberger Beckens, das etwa 150 m über NN liegt und sich deutlich vom umliegenden Gebiet abgrenzt.

Die Burg Blomberg (Foto) wurde im 13. Jahrhundert errichtet und nach weitgehender Zerstörung in der Soester Fehde als zweigeschossige Dreiflügelanlage wieder aufgebaut. Sie diente danach zeitweise als Residenz der Edelherrn zur Lippe. Die Burg wird heute teilweise als Hotel und Restaurant genutzt.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Holzindustrie zum wirtschaftlichen Schwerpunkt. Im Jahr 1805 wurden bereits 5.000 Stühle hergestellt und auf auswärtigen Märkten verkauft. 1880 wurde die Stuhlfabrik Krone gegründet und 1893 errichtete Bernd Hausmann das erste Sperrholzwerk in Deutschland. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen Friedrich Vöchting und Carl Gronemann mit ihrer Nelkenzucht auf dem ehemaligen Meiereigelände. Schließlich gab es über 1.500 Nelkensorten, die bis zum Ersten Weltkrieg weltweit exportiert wurden. Damit erhielt Blomberg den Beinamen Nelkenstadt.

Die Firma Phoenix Contact ist Weltmarktführer für elektrische Verbindungs- und Interfacetechnik. Sie wurde 1923 in Essen gegründet und verlegte nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Sitz nach Blomberg. Hier entstanden 1957 die ersten beiden Werke am Flachsmarkt. Im Jahr 2007 überstieg der Gesamtumsatz erstmals die Marke von einer Milliarde Euro. Phoenix Contact beschäftigt zur Zeit weltweit 12.800 Mitarbeiter, davon 4.000 in Blomberg. Ein weiteres Werk ist in Bad Pyrmont und liegt ebenfalls an unserer Route. Quelle und mehr

Von Blomberg aus führt der Hellweg-Weser-Radweg nun merklich auf einer ehemaligen Bahntrasse bis nach Schieder, das am Emmerstausee (volkstümlich Schiedersee genannt) liegt. Sehenswert ist der Schlosspark, durch den man vom südlichen Seeufer hinter einer langen Allee das Hauptgebäude des Schlosses sieht: ein besonderes Kleinod barocker Architektur und Landschaftsgestaltung in Lippe. Schloss und Schlossgarten, die ehemalige Sommerresidenz der lippischen Fürsten, warten darauf, entdeckt zu werden. Baumgruppen und offene Räume mit Ausblicken in die Umgebung prägen das Bild der Parkanlage - typisch für einen Landschaftsgarten im englischen Stil. Südlich des Schlosses blieben Terassen und Kaskaden als wesentliche Elemente des alten Barockgarten erhalten.
Der rekonstruierte Barockgarten im Schlosspark Schieder wurde im Mai 2009 festlich eröffnet. Quelle und mehr

Am Ende des Schiedersees stellen die beiden u.a. Radwanderführer eine Bergroute als Alternative vor. Wer mit Gepäck unterwegs ist und kein Mountainbike dabei hat, sollte besser die Talroute über Harzberg wählen. Am besten fährt es sich (und ist sogar erlaubt) direkt auf dem nördlichen Uferweg. An schönen Tagen, besonders am Wochenende, kann es dort jedoch von Spaziergängern nur so wimmeln. Die Emmer, die den See einst verschlammte, hat nach aufwendigen und langen Bauarbeiten ein eigenes Bett bekommen. Der Steindamm trübt allerdings den früher anheimelnden Blick übers Wasser ein wenig. Zwei Bier- und Kaffeegärten am Anfang und Ende des nördlichen Uferwegs laden zum Verweilen ein.

Eine halbe Stunde später erreichen wir schon die Fachwerkstadt Lügde mit historischem Ortskern und Stadtmauer. Rechts des Ortseingangs grüßt von hoher Warte die romanische Kirche St. Kilian. In der Ortsmitte wurde der Marktplatz komplett umgestaltet. Ihn schmückt nun der Ziegenbrunnen. Lügde liegt übrigens im Tal der Emmer, die in Langeland bei Bad Driburg entspringt und der unsere Route nun bis Emmerthal an der Weser folgt. Festlicher Höhepunkt eines jeden Jahres in Lügde ist übigens der Osterräderlauf, der Besucher aus großem Umkreis anzieht. Dieses Ereignis beruht auf einem alten und heute noch praktizierten Brauch, mit Stroh ausgestopfte, zuvor mit Wasser getränkte brennende Eichenräder zu Ostern die umliegenden Berge herunterrollen zu lassen.

Bald darauf erreichen wir das niedersächsische Staatsbad Pyrmont, das rund 20.600 Einwohner zählt. Bekannt wurde der Ort 1556/57, als 10.000 Menschen aus ganz Europa herbeikamen („großes Wundergeläuf“), um Heilung zu finden und die wundertätige Quelle zu erleben. Der Ort beherbergt einen der schönsten Kurparks Deutschlands mit einem berühmten Palmengarten, der größten Palmenfreianlage nördlich der Alpen. Einmalig ist auch die „Dunsthöhle“, wo natürliche Kohlensäure an die Oberfläche steigt.
In Bad Pyrmont sollte der Radler zeitig eintreffen und übernachten, denn es gibt eine Menge zu sehen. Quelle und mehr

Ab Löwensen steil hinauf nach Thal und nach einigen weiteren kleineren Steigungen erreichen wir Amelgatzen und bald darauf auf Waldwegen mit kurzem, steilem Anstieg die Hämelschenburg (leichter, aber nicht so schön ist die Alternativroute entlang der Straße). Diese im Stil der Weserrenaissance errichtete Wasserburg befindet sich in Privatbesitz und ist nicht zu besichtigen. Die Hämelschenburg gilt als das Hauptwerk der Weserrenaissance und bildet mit ihren Kunstsammlungen, Gartenanlagen, Wassermühle, Wirtschaftsgebäuden und der Kirche eine der schönsten Renaissanceanlagen Deutschlands. Die Wasserburg ist wesentlicher Bestandteil der Straße der Weserrenaissance und liegt am Niedersachsenweg. Quelle und mehr

Von der Hämelschenburg radeln wir nun zügig auf dem straßenbegleitenden Radweg nach Emmern. Eine ruhigere, aber steigungsreiche Alternativstrecke führt übrigens zurück ins Tal und unter der Bahnlinie hindurch, dann den Kleinen Scharfenberg ein Stück hinauf und nordostwärts gen Emmerthal. Dort queren wir die Weser gen Hagenohsen und biegen direkt hinter der Brücke links steil hinab ans Weserufer. Auf dem Weserradweg rollt es sich nun entspannt bis nach Hameln - es sei denn, der Wind bläst (wieder mal) von vorne.

Vorbei an der Mühle Tündern erreichen wir bald die durch die Sage vom Rattenfänger weltberühmte Stadt, die auf jeden Fall eine Übernachtung und einen längeren Aufenthalt wert ist. Alles Wichtige über Hameln finden Sie HIER.

Am Bahnhof Hameln endet die Bahnradroute Hellweg-Weser - für manchen beginnt sie hier auch.

Etappen/Entfernungen
Soest-Erwitte 22, Rheda-Wiedenbrück + 30, Gütersloh + 28, Bielefeld + 55 km = gesamt ca. 135 km; Lemgo + 45, Blomberg + 30, Bad Pyrmont + 30, Hameln + 25 km = 265 km

   DVD zur Tour

Trailer auf YouTube ca. 7 Min.

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Radwanderführer 

 

   

 

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Spickzettel
Route:
Bahnradroute Hellweg-Weser
Start/Ziel/Bahnanreise:
Soest bis Hameln/Weser 
Länge:
275 km; Entfernungen
Beschilderung in beide Richtungen: Richtung Hameln weißer, Richtung Soest schwarzer Pfeil
Schwierigkeit: anfangs leicht, in Ostwestfalen ab Bielefeld und in Niedersachsen (bes. Raum Bad Pyrmont) einige Steigungen, für E-Biker ideal
Übernachten: Quartiere siehe Websites der Orte
Internet: offizielle Homepage - Karte - GPS-Track - Land des Hermann (Fernradwege durch Lippe) 
YouTube-Video

Streckenverlauf auf der Radwanderkarte des Bielefelder Verlags BVA - Radwanderführer: siehe unten

Gut sichtbar schon von weitem: die Ausschilderung.

Beginn der Hellweg-Weser-Route: Bahnhof in Soest.

Soest: Blick über den Großen Teich auf St. Patrokli.

Tellerflach: Soester Börde bei Schallern

Braumühle bei Schmerlecke

Ortsmitte Bad Westernkotten - mehr zur "Sälzer"-Figur

Der Bürgerbrunnen in Lippstadt.

Bad Waldliesborn: frühere Bahnstrecke

Rietberg hat durch die Ausrichtung der Landesgartenschau sehr gewonnen.

Das alte Rietberger Rathaus mit dem ganz speziellen Treppengiebel.

Drei Mühlräder, die nach dem historischen Vorbild rekonstruiert wurden, erinnern am Wiedenbrücker Mühlenwall an die „Neue Mühle“, eine Getreidemühle, die hier von 1250 bis 1969 stand. Die Kombination von drei Mühlrädern war und ist äußerst selten..

Der Marienfelder Altar ist "nur" eine Kopie, aber sehenswert.

Oberhalb des lauten Ostwestfalendamms radeln wir Richtung Bielefeld-Innenstadt.

Für die Produktion von Fahrrädern und Nähmaschinen ist Bielefeld bekannt. Die Dürkoppwerke AG stellte sogar Autos und Motrorräder her. Heute ist sie unter dem Namen Dürkopp Adler AG ein Hersteller von Industrienähmaschinen. Der Produktionszweig von Förderanlagen produziert unter dem Namen Dürkopp Fördertechnik Förderanlagen für die Textil- und Automobilindustrie und gehört seit Mitte 2010 zur österreichischen Knapp AG. Quelle und mehr

Eisenbahnviadukt am Bielefelder Obersee

Das reich verzierte Junkerhaus in Lemgo

Das Niederntor in Blomberg

Schloss in Schieder mit Barockgarten

Pause am schönen Schiedersee

Ziegenbrunnen im westfälischen Lügde

Die Hämelschenburg bei Amelgatzen wurde im Stil der Weserrenaissance errichtet. Sie ist in Privatbesitz. Links die Schlosskirche St. Marien.

In Emmern queren wir die Weser gen Hagenohsen.

Windmühle an der Weser bei Tündern.

Hameln lebt touristisch von der Ratte.

In Hamelns heimeliger Altstadt ist Touristenauftrieb.



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