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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2014

Von der Müritz bis zur Elbe. 
Der Havel-Radweg zählt zu den schönsten Fernradwegen in Deutschland. Auch 2014 wird noch an ihm gebaut, um auch die letzten Lücken zu schließen. YouTube-Video

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Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Havel-Radweg: Für
Radler ein Hochgenuss

Erfahrungsbericht über eine Radreise von 
Waren/Müritz bis zur Mündung in die Elbe
 

Der Havelradweg zählt zweifelsohne zu den schönsten und beliebtesten Flussradwegen Deutschlands. Die 372 km verlaufen häufig auf bestens ausgebauten Pisten, auf denen es sich teilweise fast von alleine rollt. Allerdings gibt es vor allem im oberen Teil, in Mecklenburg, eine ganze Reihe Steigungen zu bewältigen. Kommen Sie mit auf die Tour durch „Preußens Landschaft und Kulturerbe“. Berlin und Potsdam liegen am Wege.  

1. Tag: Anreise per Bahn

Die Anreise zum Havel-Radweg erfolgt am besten nach Waren/Müritz. Entweder über Berlin oder über Büchen bei Lüneburg. Ab Büskow war der kleine Zug rappelvoll mit jungen Leuten, die mit Sack und Pack zum Festival nach Neustadt/Glewe wollten. Die Luft zum Ersticken. Lange Wartezeit in Ludwigslust. Dann endlich wieder Platz und Luft zum Atmen. Nach fast sechs Stunden Fahrt Ankunft in Waren. Dort tummeln sich an diesem warmen Donnerstag schon viele Touristen. Das Musik-Gedröhne an der Fischbude am Hafen nervt nicht nur uns und konterkariert den Slogan von Ruhe und Erholung, die man an der Müritz finden soll. Schade!

 

Wir verlassen Waren. Die Fahrt nach Ankershagen, zu unserem Quartier, führt über den Fernradweg Berlin-Kopenhagen, da die Havelquelle und damit der Beginn des Havelradwegs sich rund vier Kilometer hinter unserem Tagesziel befinden. Ein wunderschöner Asphaltweg schlängelt sich durch Buchenwald, auf kleinen Straßen radeln wir in hügeligem Gelände durch reife, duftende Kornfelder. Viele sind schon abgemäht. Hügeliges Land, in dem im Hochsommer die Farbe Braungelb dominiert. Pause in Federow bei der Bunten Kuh, einem Café gegenüber der Adlerbeobachtungsstation. Die Wege sind in Ordnung. Nur die Ausschilderung ist lückenhaft.

Mehr über die Müritz und Waren finden Sie HIER.

In Ankershagen befindet sich das Schliemann-Museum. Der Entdecker Trojas hat einen Teil seiner Kindheit in dem Dorf verbracht, seine Mutter liegt auf dem Friedhof neben der Feldsteinkirche, einer der ältesten Mecklenburgs, begraben. Das Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen widmet sich dem Leben und Werk Schliemanns.

Am ehemaligen Wohnhaus der Eltern, in dem Schliemann acht Jahre seiner Kindheit verlebte, wurde 1959 eine Gedenktafel angebracht. Nachdem sich 1977 eine Bürgerinitiative zur Einrichtung einer Schliemann-Gedenkstätte gebildet und die Kirchengemeinde im Pfarrhaus Räume dafür bereitgestellt hatte, wurde diese im Jahr 1980 eröffnet. Sechs Jahre später wurde aus der Gedenkstätte ein Museum. Quelle und mehr: Wikipedia

In einer Seitenstraße von Ankershagen befinden sich mehrere Bauruinen nicht fertig gestellter Wohnhäuser. Kein schöner Anblick. Die Flasche „Bier aufs Zimmer“ wird in unserem Hotel-Restaurant mit satten 3,50 Euro berechnet. Das Essen, frischer Fisch, ist hervorragend. Das Mückengitter im Fenster hat ein Loch, die Matratze ist hart wie ein Brett. Morgens um sechs knallt die Sonne ins Zimmer, die das hellgelbe Rollo kaum dämpfen kann. Hochsommer pur! weitere Informationen

2. Tag: Nach Zehdenick

Wir starten gegen neun Uhr Richtung Havelquelle. Ein Sandweg führt die paar hundert Meter in den Wald hinein. Die für Touristen hergerichtete Quelle ist gerade defekt. Anscheinend ein Pumpenausfall. Oder Wassermangel an diesen heißen Tagen? Die Inschrift einer dicken Säule sagt uns: Hier ist die Havelquelle. Dabei fließt dieser in die Elbe mündende Fluss aus vielen kleinen Quellen zusammen. Aber das Kind muss ja schließlich einen Namen haben ...
Über die eigentliche Quelle gibt es eine informative Seite im Internet, wonach der Bornsee der eigentliche Quellsee ist. mehr

Was man über die Havel, ausgesprochen mit f in der Mitte, wissen sollte:

Die Havel ist ein Fließgewässer im Nordosten Deutschlands und mit 334 Kilometern Länge der längste rechtsseitige Nebenfluss der Elbe. Die direkte Entfernung zwischen Quelle und Mündung beträgt allerdings nur 94 Kilometer. Die Havel entspringt in Mecklenburg-Vorpommern, durchfließt Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt und mündet an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt in die Elbe. Sie fließt zunächst durch zahlreiche kleine Seen in südlicher, dann in westlicher und schließlich in nordwestlicher Richtung. Dabei beträgt der Höhenunterschied lediglich 40,6 Meter. ... 285 Flusskilometer verlaufen in Brandenburg. Der größte Teil des Flusslaufs ist schiffbar. Fast im gesamten Verlauf regulieren Wehre und Schleusen die Wassertiefe und Wasserführung. Trotz des Ausbaus zur Wasserstraße hat die Havel dank der zahlreichen natürlichen Seen, durch die sie fließt, ein beachtliches Speichervermögen und hält ihren Wasserstand auch bei längeren Trockenperioden. ... Etliche Seitenkanäle verkürzen den Wasserweg für die Binnenschifffahrt. 

Der historische Quellsee der Havel ist allerdings der Bornsee. Nur wenige Meter nördlich befindet sich ihr historisches Quellseengebiet um den heute in die Ostsee entwässernden Mühlensee. Die Quellseen der Havel liegen südöstlich direkt neben der Wasserscheide von Nord- und Ostsee. Die Havel fließt über die Elbe in die Nordsee, während alle Flüsse, die weiter nordöstlich entspringen, in die Ostsee fließen. Quelle und mehr: Wikipedia

Naturschutzgebiet bei Babke

Nach dem Quell-Erlebnis sehen wir die Havel zunächst nur selten. Wir radeln nach Kratzeburg mit seiner Fachwerkkirche, sehen linker Hand den Käbelicksee, schießen ein Foto der Dorfkirche in Babke und machen nach fast 30 Kilometern im Biergarten an der Useriner Mühle eine Pause mit Blick auf den Useriner See. Hier entlang führt auch der Mecklenburgische Seen-Radweg, den ich bereits im Jahre 2012 gefahren bin. Einen Radreisebericht finden Sie HIER.

Entlang der Eisenbahnstrecke nähern wir uns auf hervorragenden Wegen Wesenberg, zu dessen Schutz eine stark bewehrte Burg errichtet wurde. Sie ist heute das Wahrzeichen der rund 3000 Einwohner zählenden Kleinstadt, einem anerkannten Erholungsort. Ein Rest der Burgmauer, der Fangelturm, wirkt besonders markant. 1992 begann eine umfangreiche Sanierung der Stadt und der Burg u. a. im Rahmen der Städtebauförderung. Ganz in der Nähe der Burg liegt der Bootshafen.

Nach Ravensbrück 
Nun führt die Tour zunächst entlang der B 122 nach Süden. Doch bald sind wir wieder im Waldschatten, der uns an diesem heißen Julitag vor der Sonne schützt und ein wenig Abkühlung bietet. Mitten durchs Seengebiet führt unsere Route über Seewalde und Neu Canow nach Strasen. Das Gebiet ist touristisch gut erschlossen, so dass es immer wieder mal eine Einkehrmöglichkeit gibt. Duftende Kiefernwälder begleiten uns auf dem Weg über Großmenow nach Steinförde. Auch den Radweg Berlin-Kopenhagen treffen wir immer wieder, da er häufig den gleichen Verlauf hat wie der Havel-Radweg.

Fürstenberg/Havel sehen wir nur aus der Ferne, da unsere Route nach Ravensbrück führt. Dort sollte man sich unbedingt die Gedenkstätte und das riesige Lager anschauen. Insbesondere der Besuch des Krematoriums hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Mahnmal Ravensbrück

Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück 
Das Konzentrationslager Ravensbrück (auch KZ- oder KL-Ravensbrück) war das größte deutsche Konzentrationslager der Schutzstaffel (SS) für weibliche Häftlinge im Deutschen Reich. Es bestand von 1938/1939 bis April 1945 im damaligen brandenburgischen Landkreis Templin. Es befand sich in der Nähe der kleinen – damals mecklenburgischen – Stadt Fürstenberg/Havel, einem Luftkurort, rund 100 km nördlich von Berlin. Seit 1959 befindet sich auf dem Gelände die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (neugestaltet 1991).

Mitte Januar 1945 waren im KZ mit seinen Außenlagern fast 46.100 weibliche und über 7.800 männliche Häftlinge registriert. Es kann von einer Belegungsstärke mit 25.000 Frauen im Januar ausgegangen werden, auf einem Raum von insgesamt kaum einem halben Quadratkilometer, dessen Durchmesser also in fünf Minuten zurückzulegen war. Quelle und mehr: Wikipedia

Über den lebhaften Touristenort Himmelpfort am Stolpsee nähern wir uns allmählich unserem Tagesziel Zehdenick. Doch zuvor steht noch eine 15 km lange Walddurchfahrt auf dem Programm. Nur der Ort Bredereichen mit seiner Fachwerkkirche unterbricht die Ruhe der Waldeinsamkeit. 83 km sind geschafft. In Dannenwalde treffen wir auf die verkehrsreiche B 96, die nach Rügen führt, biegen aber bald wieder in den Wald ein. Aber nicht, ohne uns zuvor in Petras Bistro noch einmal für die letzte Wegstrecke zu stärken.

Über Burgwall erreichen wir Mildenberg, wo eine riesige Ziegelei zu einem Technikmuseum umgestaltet worden ist. Ein Abstecher aufs Gelände lohnt sich.

Der Ziegeleipark Mildenberg ist ein Industriedenkmal in der Nähe des Dorfes Mildenberg, das seit 2003 Ortsteil der Stadt Zehdenick im Landkreis Oberhavel in Brandenburg ist. Er befindet sich auf dem Betriebsgelände zweier benachbarter Ziegeleien, die noch bis 1991 in Betrieb waren. ... Ein Höhepunkt der Produktion mit 625 Millionen Stück Mauerziegeln im Jahr, gebrannt in 57 Ringöfen, war im Jahre 1910 erreicht. Berlin und seine Nachbarstädte Charlottenburg und Schöneberg verzeichneten ihre größten Wachstumsraten vor dem Ersten Weltkrieg.

Das Industriemuseum ist ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH) und eine Station der Deutschen Tonstraße. Es bietet in verschiedenen Erlebnis-Ausstellungen Informationen über die Technik der Ziegelherstellung von handgestrichenen Ziegeln bis zu der automatischen Strangpresse, die in den 1950er Jahren die modernste Technik auf dem Gebiet darstellte. Eine andere Ausstellung beschäftigt sich mit der Arbeitswelt der Ziegler, die als Wanderarbeiter saisonal eingestellt wurden, und unter oftmals schlechten Bedingungen lebten und produzierten, sowie die Entwicklung der Gewerkschaften.

Einen großen Bereich des Ziegeleiparks nehmen betriebsfähige Feldbahnen mit unterschiedlichen Spurweiten ein. Die Besucher bekommen einerseits, während der Fahrt mit einer ehemaligen Ziegeleibahn, einen ersten Eindruck von dem großen Gelände des Industriemuseums, andererseits lädt eine originale Tonlorenbahn zu einer Fahrt durch die Tonstichseenlandschaft ein. Quelle und mehr: Wikipedia

Parallel zur Havel rollen wir nun nach Zehdenick (13.500 Einwohner) und beziehen unser Quartier, von dessen Biergarten aus man gut die Doppelzug-Klappbrücke über die Havel beobachten kann: die "Hastbrücke", das Wahrzeichen der Stadt. Die heutige zweiflüglige Stahlkonstruktion wurde in den Jahren 1991/92 errichtet. Die Einweihung fand zur 775-Jahr-Feier Zehdenicks statt. Quelle und mehr: Wikipedia

113 km sind in dem hügeligen Gelände mit einem E-Bike noch ganz gut zu schaffen, zumal die Straßen und Wege an diesem Tag durchweg die Note sehr gut verdient haben, ebenso wie die Ausschilderung. Zehdenick ist ein ansprechender Ort mit viel Leben in der "Marina", dem Bootshafen.

3. Tag: Nach Potsdam

Zehdenick verlassen wir vorbei an der gerade geöffneten Klappbrücke und radeln am Ufer der Schnellen Havel und des Vosskanals südwärts. Die Sonne meint es an diesem Tag ausgesprochen gut, so dass jeder Schatten eine Wohltat ist. Hinter Bischofswerder passieren wir eine schöne Allee, die uns nach Liebenwalde mit dem schmucken klassizistischen Rathaus von 1879 führt. Die nahe Pfarrkirche wurde vom berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel geplant und 1833 fertig gestellt.

Das klassizistische Rathaus in Liebenwalde.

Von Liebenwalde radeln wir bis zur Querung des Oder-Havel-Kanals weiter südwärts, dem wir ab Kreuzbruch gen Südwesten folgen. Über Bernöwe geht es durch schattigen Wald auf glatter Asphaltpiste flott voran bis nach Oranienburg (rund 42.000 Einwohner). 

Die Stadt Oranienburg nahm als Residenzstadt der Brandenburger Kurfürsten im 17. Jahrhundert eine rasante Entwicklung. Aus dieser Zeit stammt das barocke Oranienburger Schloss. Später entstanden große Industriebetriebe und Oranienburg wurde ein wichtiger Industriestandort. International bekannt ist das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen im Norden der Stadt. Quelle: Wikipedia

Von der Stadt sehen wir allerdings wenig, da der Havel-Radweg dem Kanal folgt, anschließend den Lehnitzsee umkurvt und Borgsdorf erreicht. Die Bebauung wird dichter, der Atem der Großstadt Berlin ist schon zu spüren. In Birkenwerder schwenken wir westwärts, radeln entlang von Hohen Neuendorf und erreichen bald die Skulpturengärten und das Bombardier-Werk von Hennigsdorf (26.000 Einwohner). Kurz darauf passieren wir einen Grenzturm der ehemaligen Berliner Mauer, die den Anwohnern vier Jahrzehnte lang den Zutritt zum Wasser verwehrt hat. Bericht über den Mauerradweg

Fahrt durch das Verkehrsgewusel von Spandau.

Wasserparadiese Havel und Wannsee
Immer entlang der Havel fahren wir nun Berlin entgegen, rasten in einem an diesem warmen Samstag gut gefüllten Biergarten mit Badestrand und machen uns nach längerer Pause auf gen Spandau. Nun wird es Zeit, ein Quartier zu suchen. Viele Anrufe sind vergebens, da an diesem Samstag rund um Berlin alles ausgebucht scheint. Erst in Potsdam werden wir bei einem Hostel ganz in der Nähe des Schlosses Sanssouci fündig, und gegenüber können wir im Krongut hervorragend speisen. Glück gehabt!

Bis dahin sind aber noch einige Kilometer zu radeln. Wir müssen durch das Verkehrsgewühl von Spandau, ersparen uns die Zitalle, in der Rudolf Hess seine Strafe verbüßt haben soll (was aber nicht stimmt - er saß im Kriegsverbrechergefängnis Spandau), und gelangen bei Pichelsdorf wieder an die Havel, die hier eher als See zu bezeichnen ist. Am anderen Ufer grüßt von der Höhe der Grunewaldturm herab. Es wimmelt von Booten mit und ohne Segel. Vorbei an Gatow radeln wir ufernah zum Fähranleger Kladow, von wo wir mit der Fähre der Berliner Verkehrs-Gesellschaft nach Wannsee übersetzen. Eine schöne Bootspartie für ganze 4,20 Euro - inklusive Fahrrad.

  Überfahrt nach Wannsee

Da wir nicht entlang der lauten B 1 fahren wollen, nehmen wir den wunderschönen, schattigen und nur leicht ansteigenden Weg um den Schäferberg - eine tolle Radelstrecke. Vor allem die Abfahrt nach dem langen Anstieg ist ein Vergnügen. Am Ende des im zweiten Teil ufernahen Weges landen wir, nach Passieren des Schlossparks Glienicke, an der Glienicker Brücke. Dahinter liegt Potsdam. Durchs Holländerviertel fahren wir gen Bornstedt und erreichen schnell unser Quartier. Die gute Lage nutzen wir natürlich am Abend noch für eine kleine Radrundfahrt durch die riesige Schlossanlage und den Park von Sanssouci. Fazit: Vom Fahrradsattel sieht man einfach besser - und mehr! Gut geschlafen in ruhiger Gegend und gegenüber im Krongut hervorragend gegessen. Schöne Fotos von Potsdam

 


4. Tag: Nach Brandenburg und Milow

Im Quartier gibt es kein Frühstück, weshalb wir uns schon um 8.30 Uhr in die Stadt aufmachen. Gleich am Beginn der Brandenburger Straße, direkt hinterm Potsdamer Brandenburger Tor, finden wir einen Bäcker und stärken uns für die heutige Etappe nach Brandenburg (65 km) oder weiter. Mal schaun!

In Potsdam gelangen wir dank der guten Ausschilderung schnell an den Templiner See, passieren Geltow und queren die Havel per Brücke Richtung Werder. An diesem Sonntagmorgen herrscht auf der Straße, deren begleitenden Radweg wir nutzen, kaum Verkehr. Das ist wohl auch der großen Hitze geschuldet, die uns an diesem Tag erstmals richtig zu schaffen macht. Es gibt nämlich längst nicht mehr so viele schattige Passagen wie zuvor, dafür aber auch kaum noch Steigungen.

So kommen wir flott voran. Denn: Wer schneller fährt, hat den stärkeren Fahrtwind, auch wenn der mit zunehmender Sonnenintensität kaum mehr kühlt. Die Werder-Insel mit der Altstadt lassen wir aus, die wir beide die schon auf früheren Touren besucht hatten, etwa auf dem Mauerradweg - Reisebericht HIER. Immer nach Nordwesten radelnd, passieren wir das am anderen Havelufer liegende Ketzin, wo der Havel-Radweg am Trebelsee wieder nach Westen bzw. Südwesten abschwenkt. Bei Schmergow umrunden wir die Halde mit dem Schutt aus Berlin, der dorthin nach dem Krieg per Schiff transportiert worden ist.

In Deetz finden wir endlich mal wieder eine Einkehrmöglichkeit: das Havelstübchen. Dort esse ich einen erfrischenden, knackigen Salat mit Obstanreicherung, der nur zu empfehlen ist. Überhaupt sind wir den Mondpreisen im Raum Berlin-Potsdam entflohen und zahlen nun wieder „normal“. Die Wegequalität ist weiterhin sensationell gut, so dass wir auch an diesem Tag locken die 100-km-Grenze knacken. Über Gollwitz mit seinem Gutsschloss nähern wir uns in der Mittagszeit Brandenburg. Es ist tierisch heiß. Keiner hat Lust auf eine Stadtrundfahrt, zumal wir beide Brandenburg von früheren Reisen schon kennen. Die Durchfahrt durch die Stadt währt scheinbar unendlich. 
Siehe auch den Radreisebericht Von Burgdorf nach Brandenburg

Brandenburg an der Havel: Brandenburg an der Havel ist eine kreisfreie Stadt und eines der vier Oberzentren im Land Brandenburg (Deutschland). Sie ist eine Mittelstadt und gemessen an der Einwohnerzahl die drittgrößte und an der Fläche die größte kreisfreie Stadt im Land Brandenburg. Der Ort hat eine mehr als tausendjährige Geschichte. Erstmals erwähnt wurde er 928 beziehungsweise 929.

Auf der Dominsel befinden sich das Domstift Brandenburg mit der Domkirche St. Peter und Paul, die Domklausur, deren Westflügel die ehemalige Ritterakademie beherbergt. Weiterhin befinden sich auf dem Gelände die Domkurien oder Domherrenhäuser und die St. Petri-Kapelle.
Die St. Katharinenkirche ist die evangelische Pfarrkirche der Neustadt und ein herausragendes Beispiel der Backsteingotik aus dem 15. Jahrhundert. Das Dominikanerkloster und Kirche St. Pauli befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen markgräflichen Hofes im Südwesten der Neustadt (nach abgeschlossener Rekonstruktion der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Klosteranlage beherbergt der Komplex ab November 2007 das Archäologische Landesmuseum). 
Quelle und mehr: Wikipedia

Die Ausfahrt aus der „Stadt im Fluss“, wie Brandenburgs Marketingleute sie getauft haben, erfolgt neben Autostraßen. Erst beim Krugpark wird das Radeln wieder angenehmer. Über Malge, wo wir im Biergarten beim Campingplatz einkehren, erreichen wir auf schattigen Pfaden, bei leicht hügeliger Topografie, bald Kirchmöser. Sein Industriegebiet spiegelt die deutsche Geschichte der letzten 100 Jahre wider.

Bei Wikipedia erfahren wir: "Am 2. November 1914 fiel der Beschluss, zwischen dem Dorf Möser und der Stadt Plaue auf der abgelegenen Halbinsel eine Pulverfabrik zu errichten. Das Gelände wurde abgesteckt, und am 9. November 1914 wurde der Grundstücksübergang, insgesamt 550 Hektar, im Katasteramt Genthin besiegelt.Die Königlich-Preußische Pulverfabrik bei Plaue Havel entstand in einem besonderen Bautempo. 400 Fabrikbauten und 172 Wohnungen wurden in etwa einem Jahr aus dem Boden gestampft. 1916 wurde der Wasserturm, 65 Meter hoch und bis heute Wahrzeichen Kirchmösers, fertig. 4000 Arbeiter und Beamte sowie zusätzlich 2000 Kriegsgefangene arbeiteten in der Fabrik." Quelle: Wikipedia

Über eine nagelneue Brücke geht es weiter nach Plaue, dort auf einer verrosteten Uraltbrücke neben dem nicht sehr ansehnlichen Schloss Plaue weiter nach Briest. Schön ist der Schlosspark,  direkt am Ufer des Plauer Sees gelegen. Er erstreckt sich über rund einen Kilometer am Ufer der Havel entlang, die hier nach Norden in Richtung Elbe verschwenkt. Hier beginnt auch der landschaftlich besonders reizvolle Fließabschnitt der Unteren Havel. Quelle und mehr

Kurz hinter Föhrde sind wir etwas verwirrt, weil die Beschilderung aufhört. Laut Karte müssen wir mit der Fähre von Pritzerbe nach Kützkow übersetzen. So radeln wir in den Ort und finden bald auch ein Hinweisschild zum Fähranleger. Unser Quartier haben wir schon kurz vor Brandenburg bestellt. Es liegt in Milow bei Premnitz. Die Strecke dorthin auf einer Landstraße mit nur wenig Schatten ist strapaziös, so dass wir in Jerchel im Lokal „Zum Nussbaum“ nochmal einkehren wollen. Doch der Wirt beharrt darauf, dass wir unsere Räder außer Sichtweite der Sitzplätze in die pralle Sonne stellen, so dass wir weiter fahren. Auch ein Autofahrer muss unter der Regulierungswut des Wirtes leiden und seinen PKW, der nicht exakt der „Parkordnung“ gemäß abgestellt war (der einzige Wagen übrigens weit und breit), umparken. Preußische (Un-) Tugenden !?

So fahren wir also zu unserem „Haupt-Quartier“ in Milow weiter, erhalten unseren Schlüssel und radeln noch die zwei Kilometer bis zum ausgelagerten Gästehaus in Bützer weiter. Geschafft! Zum Abendbrot reservieren wir uns gleich einen Tisch mit Havelblick. Nach 107 km haben wir uns ein kräftiges Essen verdient! Es gibt frischen Fisch aus der Havel …

5. Tag: Nach Havelberg

Endlich ein wenig Abkühlung durch ein frisches Lüftchen, das aber nicht lange anhalten sollte. Schon um 8.30 Uhr brechen wir von unserem Quartier in Milow bzw. Bützer auf. Der Havel-Radweg verläuft seit kurzem auf einer neuen, verkehrsfernen Route. Statt wie in unseren Radlerkarten eingezeichnet entlang der verkehrsreichen B 102 über Mögelin nach Rathenow fahren wir über Bützer links der Havel zunächst auf nagelneuen Beton- und Asphaltpisten naturnah entlang des Stromes.

Als bei Böhne mit seiner holprigen Ortsdurchfahrt die Neubaustrecke endet, beginnt eine 2,5 km lange Betonplattenstrecke. Bis Havelberg sind es noch 45 km Aber auch die wird im Zuge des mit EU-Mitteln geförderten Ausbaus des Havel-Radwegs bald Vergangenheit sein. Unterwegs treffen wir mehrfach auf Bautrupps, die einen neuen Radweg neben der Straße asphaltieren. Es geht voran im Lande Sachsen-Anhalt, das wir rund 10 km hinter Göttlin erreicht habe. Angesichts des starken Verkehrs auf der B 188, die in Rathenow beginnt und auch durch meinen Heimatort Burgdorf zwischen Celle und Hannover führt, sparen wir uns die Tour in den Ortskern. Die schwüle Hitze ist nichts für Stadtrundfahrten. Lohnen würde sich eine solche aber dennoch.

Rathenow bei Wikipedia: Rathenow hat gut 24.000 Einwohner und ist der Verwaltungssitz des Landkreises Havelland in Brandenburg. Die Stadt wurde im Krieg zu 75 Prozent zerstört. In der Umgebung der St.-Marien-Andreas-Kirche befinden sich einige erhaltene Fachwerkhäuser, welche unlängst restauriert wurden. Ansonsten ist die Altstadt nach fast völliger Kriegszerstörung von Bauten aus der Nachkriegszeit geprägt. Quelle und mehr: Wikipedia

Nachdem wir im Kaufland von Rathenow unseren Wasservorrat ergänzt hatten, ging es zurück zum Radweg über die Straße nach Göttlin. Entlang eines ehemaligen Militärgebietes, in dem noch die Panzerspuren sichtbar waren und stählerne Panzersperren standen, führte uns der Weg über eine Straße (Radweg wie angemerkt gerade im Bau) nach Grütz und über Schollene und Rehberg nach Garz. Es ist kein schönes Fahren auf der Autopiste zwischen abgeernten braunen Feldern bei schwüler Hochsimmerhitze. Die Havel lässt sich auch nicht mehr blicken.

Von Kuhlhausen sind es nur noch knapp 12 km bis in den Ortskern von Havelberg, wo wir rechtzeitig zum Mittagsschmaus beim Griechen eintreffen. Die letzten Kilometer des in Sachen Wegequalität beispielhaften Havel-Radwegs verlaufen zwischen Havel und Elbe, in die die Havel bei Gnevesdorf nach  genau 372 Radwegekilometern mündet. Eine tolle Tour, die natürlich im Frühsommer, wenn noch alles grünt und blüht, noch schöner ist. Als Radler ist man ja vor allem froh, wenn es auf einer Tour nicht regnet. Und trockenes, warmes Wetter hat Petrus uns ja beschert.

Etappen/Entfernungen
Waren-Ankershagen 38 km, Zehdenick + 113 km, Potsdam + 104 km, Milow + 107 km, Havelberg + 67 km, Gnevesdorf 18 km

Radwanderführer 
Verwendet: BVA-Radwanderkarte 1:75.000

      

 

Links zu Fernradwegen in der Region:
Mecklenburger See-Radweg

Elbe-Radweg Magdeburg-Cuxhaven

Altmark und Elbe

Von Hannover nach Berlin

 

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Spickzettel
Route:
Havel-Radweg
Start/Ziel:
Waren/Müritz oder Kratzeburg 
Bahnanreise:
Von Hamburg/Lüneburg über Büchen, Hagenower Land oder Bützow bzw. über Berlin Hauptbahnhof
Länge:
372 km; Entfernungen
Schwierigkeit: im oberen Teil mittel, im unteren Teil leicht; überwiegend Asphalt oder neue Betonpiste, kaum noch die alten DDR-Betonplatten 
Übernachten: Quartiere siehe Bericht(e)
Internet: Homepage inkl. GPS-Track; Havel
Radwanderführer: siehe unten

Rückblick auf unseren Startort: Waren/Müritz.

Gute Ausschilderung - nur anfangs mit Lücken.

Trojanisches Pferd: Nachbau beim Schliemann- Museum in Ankershagen.

Baustelle Havel-Quelle: Kein Wasser, weil die Pumpe wohl defekt ist.

Kratzeburg: Eingang zum Nationalpark Müritz.

Useriner See

Fangelturm: Ältester Teil der Burg Wesenberg.

Schöne Walddurchfahrten bieten Schatten.

Immer wieder schöne Seeblicke vom Radweg.

Havel in Zehdenick

Tolle Kunstwerke auf Zweckbauten: Rathaus Zehdenick auf Trafo-Häuschen.

An der Hastbrücke in Zehdenick beginnt unsere Tour nach Potsdam.

Viele Radrouten laufen hier parallel.

Gut zu fahren: Radweg direkt an der Havel.

Tolle Piste: Walddurchfahrt bei Bernöwe.

Am Oder-Havel-Kanal bei Oranienburg.

Alter Grenzturm am Mauerradweg bei Hennigsdorf.
Im Ortsteil Nieder Neuendorf befindet sich einer der drei noch erhaltenen Grenzbeobachtungstürme der Berliner Mauer mit Ausstellung zur Geschichte des Objekts.

Standbild Friedrich Wilhelms IV. vor der Orangerie von Sanssouci.

Brandenburger Tor in Potsdam.

Am Havelufer geht es gen Werder.

Lange Stadtdurchfahrt: Steintorturm in Brandenburg an der Havel.

Industriegebiet Kirchmöser

Fährüberfahrt von Pritzerbe nach Kützkow.

Fachwerkkirche in Milow.

Nagelneue Radwegweiser und neue, flussnahe Wegeführung ab MIlow.

Ankunft in Havelberg.

Trailer



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