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Autor: Dieter Hurcks Copyright 5/2015

Von den Quellen bei Hövelhof führt der Emsradweg durchs Münster- und Emsland nach Emden. Teil 3: Die untere Ems. 
Der Emsradweg beginnt bei den Quellen in der Moosheide nahe Hövelhof und endet in Emden. Die Teile 1 und 2 beschreiben den Radweg Ems-abwärts bis Meppen. Teil 3 berichtet von einer Radtour von Emden den kürzesten deutschen Strom hinauf.  Teil 1 - Teil 2 - YouTube-Video

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Emsradweg "unten" (3)

Von Emden nach Haren und Meppen

Während an der oberen Ems aus den Sickerquellen bei Hövelhof allmählich ein Bach, ein Flüsschen und schließlich ein Strom entsteht, beginnt diese Radtour am anderen Ende der Ems an einem riesigen Mündungsgebiet: dem Dollart. Hier, bei Emden, endet Deutschlands kürzester Strom überaus eindrucksvoll.

Hinterm Deich ist alles gleich - oder doch nicht?

Wenn man bei Emden-Borßum an der Emsmündung, dem Dollart steht, dann fühlt man sich ein bisschen verloren. Der Blick übers Wasser findet kaum einen Halt, und hinter einem versperren Deiche den Blick ins Land. Auch wenn die Ems ab Papenburg bis zu ihrer Mündung in die Nordsee ein toter Fluss fast ohne Fische ist, der ständig ausgebaggert werden muss, so hat eine Radtour dort doch ihren ganz spezifischen Reiz. Aber lesen Sie selbst!

Tagesziel: Haren/Ems

Vom Quartier in Borßum sind wir ruckzuck am Dollart und am Emsradweg. Am Deich entlang geht es, vorbei an einem Spülbagger, der den Schlick aus dem Schifffahrtsweg aufs Land befördert, Richtung Tagesziel Haren. Da die Ems bis Papenburg vom Tidenhub der Nordsee geplagt wird, landet immer wieder Schlamm in der Fahrrinne, der abgepumpt werden muss. Entsprechend undurchdurchschaubar braun ist deshalb natürlich auch das Wasser. Und die Böschungen der Ems, die bis Papenburg wegen der von dort ausgehenden Schiffsüberführungen zu einem Kanal mit teilweise hoch angeschüttetem Schotter verstärkt worden sind, wirken nicht gerade naturnah. So soll es, wie Angler glaubhaft versichern, in diesem Teil der Ems auch keinerlei Fisch-ähnliche Lebewesen mehr geben.

Zurück zu unserer Radtour, die wir gleich im Anschluss an Meerweg und Ems-Jade-Weg in Angriff genommen haben: Der Weg schwenkt hinter dem Spülfeld vom Deich nochmal an die Hauptstraße, ehe wir wieder in der Einsamkeit der Ems landen. Schafe, grüne Wiesen, ab und zu ein paar Bäume, mal vorm Deich, meistens dahinter - Abwechslung sieht anders aus. Aber Ruhe gibt es hier satt.

Bald erreichen wir den Hafen von Jemgum, radeln kurz durch den Ort und kehren beim Bäcker ein. Die anmutigen kleinen Häuser strahlen eine besondere Atmosphäre aus. Das alte Siel an der Durchfahrt zum Hafen wird von einem prächtigen Wappen geschmückt. Es gibt also doch was Schönes zu sehen.
Auch Ditzum ist ein anheimelnder kleiner Hafenort, wo es diverse Übernachtungsmöglichkeiten gibt. mehr

Nach 32 km erreichen wir Weener, einer lebendigen Ort mit einer beeindruckenden Kirche. Sie ist eine „Offene Kirche“ mit künstlerisch wertvollen Schnitzereien und kann betreten werden. Weener hat gut 15.000 Einwohner und gehört zum Rheiderland. Beim Bäcker legen wir erst einmal eine Frühstückspause ein.

Unterwegs, in Bingum, besteht die Möglichkeit, einen Abstecher hinüber nach Leer zu unternehmen. Die Stadtmitte liegt nur gut fünf Kilometer vom Emsradweg entfernt. Es besteht auch die Möglichkeit. auf der Leeraner Seite weiter zu radeln und in Weener wieder das Ufer zu wechseln.

Mit 33.891 Einwohnern ist Leer übrigens nach Emden und Aurich die drittgrößte Stadt Ostfrieslands. Die Einwohner werden auf Standarddeutsch Leeraner und auf Niederdeutsch Leerders genannt, das dazugehörige Adjektiv lautet ebenfalls so.

Durch ihren Seehafen ist die an Ems und Leda gelegene Stadt seit Jahrhunderten vom Handel geprägt. Sie zählt zu den größten deutschen Reederei-Standorten. Leer gilt zudem als die wichtigste Einkaufsstadt Ostfrieslands und beheimatet ein großes Handelsunternehmen, die Bünting-Gruppe. Wegen ihrer Lage an Kreuzungspunkten der Verkehrsträger Straße, Schiene und Fluss bezeichnet sich die Stadt selbst als Tor Ostfrieslands.

Die Altstadt gilt wegen des guten Erhaltungszustands ihrer historischen Häuser als die „wertvollste“ der Region. Vier Burgen, zahlreiche Bürgerhäuser und Kirchen aus mehreren Jahrhunderten sind in der Stadt zu finden. Quelle und mehr: Wikipedia

Von Weener erreichen wir bald Papenburg, die durch die Meyer-Werft bekannte Stadt an der Ems. Schon von weitem sehen wir die riesigen Werfthallen, aus denen regelmäßig riesige Kreuzfahrtschiffe ausgespuckt werden. Eine Infosäule lässt erahnen, wie eng das dann in Hafenbecken, Schleuse und Ems zugeht. Vom Speerwerk Gandersum haben wir übrigens nur aus der Ferne etwas gesehen; am Radweg selbst weist kein Schild darauf hin.

Papenburg hat gut 35.000 Einwohner und ist Deutschlands älteste und längste Fehn-Kolonie. Kanäle prägen das Stadtbild in Papenburg am Oben- und Untenende und waren lange Zeit die Hauptentwicklungsachsen. Das Netz aus Kanälen reicht vom Hafen an der Ems (Untenende) bis zum Küstenkanal im Südosten (Obenende) und erstreckt sich damit über ca. 14 Kilometer.

Papenburg bietet ein überregionales Ausstellungszentrum im Gut Altenkamp (Stadtteil Aschendorf), das Freilichtmuseum Von-Velen-Anlage (Stadtteil Obenende) und das in Deutschland einmalige, interaktive Museum „Papenburger Zeitspeicher“ (Stadtteil Untenende). Außerdem gibt es ein Kino mit sechs Kinosälen. 
Das Schifffahrtsfreilichtmuseum umfasst originalgetreue Nachbauten alter Papenburger Schiffe aus Holz, die fest verankert in den Kanälen im gesamten Stadtgebiet verteilt liegen, wie z. B. die Brigg „“ vor dem Rathaus.
Mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs im Emsland und der von den Nationalsozialisten eingerichteten Emslandlager beschäftigt sich das Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager (DIZ).
 
Quelle und mehr: Wikipedia

Emslanddom Haren/Ems

Der Emsradweg bietet keine spektakulären Höhepunkte und ist eher etwas für Ruhe suchende Menschen, die es nicht unbedingt mit vielen Steigungen aufnehmen müssen. Dennoch sorgt der gelegentliche recht ruppige Gegenwind an diesem Tag dafür, dass der Akku des E-Bikes am Abend wieder fast leer ist. Das ist aber auch unserem hohen Tempo auf der insgesamt 99 km langen Strecke nach Haren/Ems geschuldet. Sehenswert sind unterwegs die zahlreichen schönen Kirchen, meistens aus Backstein mit abgesetztem Turm, die oft erstaunlich groß für die meistens doch recht kleinen Orte sind.

Gegen 17.30 Uhr kommen wir an unserem Quartier in Haren/Ems an und machen uns zu Fuß auf den Stadtbummel durch die Gemeinde. Der "Emslanddom" hat eine für eine so kleine Stadt beachtliche Größe. Haren hat 23.000 Einwohner, bietet aber eine ganz ordentliche Infrastruktur - zumindest was die Auswahl an Restaurants betrifft.

Bei Wikipedia erfahren wir mehr: Bekanntestes Wahrzeichen der Stadt ist die katholische St.-Martinus-Kirche, die im Volksmund Emslanddom genannt wird. Der neubarocke Dom wurde vom Dombaumeister Wilhelm Sunder-Plaßmann aus Münster entworfen und überragt mit seiner 58 Meter hohen, grünen Kuppel die Stadt. Die St.-Martinus-Kirche ist von 1908 bis 1911 errichtet worden und integriert den Westturm der alten Kirche von 1853/54.

Im Haren-Rütenbrock-Kanal sind einige Museumsschiffe zu besichtigen, die die Schifffahrtsgeschichte der Stadt nachzeichnen. So sind die Spitzpünte Helene von 1890, die für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bautypische eiserne Emspünte Haren I und das Wattmotorschiff Thea Angela zu besichtigen.

Rund um das Schloss Dankern befindet sich ein großes Ferienparkgelände mit einem der größten Spielplätze Deutschlands. Quelle und mehr: Wikipedia

 

Nach Meppen und Lingen

Von  Haren aus gibt es mehrere Möglichkeiten, nach Meppen zu gelangen: entweder rechts der Ems oder links davon. Wir entscheiden uns für die linksseitige Variante und radeln über die große Emsbrücke und biegen dort auf den Radweg gen Meppen ein. Nach gut 20 km erreichen wir das von einem mit alten Bäumen bestandenen Wall umschlossene Städtchen an Hase, Ems und Dortmund-Ems-Kanal. Der DEK, wie er kurz heißt, verläuft vielfach parallel zur Ems, manchmal ist er mit ihr identisch. Die Ems selbst hat viele Altarme, die der Radler entweder umrunden muss oder auf Brücken queren kann.

Meppen liegt im Zentrum des Emslandes an der Mündung der Hase in die Ems und hat rund 35.000 Einwohner. Etwa 0,5 Kilometer vor ihrer Mündung in die Ems nimmt die Hase den Dortmund-Ems-Kanal auf, der südlich von Meppen im künstlich hergestellten Gewässerbett verläuft. Nördlich von Meppen wird für den Dortmund-Ems-Kanal größtenteils der ausgebaute Flusslauf der Ems genutzt. Quelle und mehr: Wikipedia

Zwischen Meppen und Lingen sind landschaftliche Abwechslungen rar. Erst kurz vor der niedersächsischen Stadt mit eigenem Atomkraftwerk wird die Tour wieder richtig interessanter. Lingen ist ein nettes Städtchen, wo wir im Café auf dem gerade von vielen bunten Ständen gezierten Marktplatz eine längere Pause einlegen. Hier ist noch richtig Leben, was man von vielen Dörfern im Ems-und Münsterland nicht mehr sagen kann. Tristesse zieht ein ins weite Land, während die Jugend in die Städte abwandert. Dieser Trend greift um sich, die einstige Flucht aus der Stadt aufs Land ist längst passé, was man nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern. sondern zunehmend im Westen auf einer Radtour hautnah erleben kann. Reisen bildet eben, und per Fahrrad ist man besonders nah dran...

Nach Rheine

Von Lingen wollen wir weiter nach Rheine und müssen erst in zahlreichen Schlenkern das AKW umfahren, ehe die Landschaft endlich mit ihrern Pfunden wuchert: wunderbare Wälder halten den Wind ab und spenden im Hochsoller Schatten. Schmale Wege, die typisch münsterländischen Pättken, tauchen vermehrt auf, ab und zu lässt die Ems sich blicken - eine grandiose Fahrt. Auch die Dichte der Bier- und Cafégärten nimmt zu. Schöne alte oder auf alt gemachte Häuser laden zur Einkehr ein wie das Bauernhofcafé In't Hürhus im Emsbürener Ortsteil Mehringen. Einach schön!

Ems bei Salzbergen

Weiter geht die Tour zum Kloster Bentlage kurz vor Rheine. Dort können Fahrradfahrer zur Übernachtung absteigen. Die Anmeldung ist allerdings nicht immer besetzt, so dass man sich am besten über das Internet nach freien Plätzen in dieser idyllisch gelegenen Anlage erkundigt. Stand Ende Mai 2015 war: "Von Dienstag bis Samstag sind wir von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr erreichbar. An Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr unter der Tel.05971/9184-68. EZ ab 47,50 € - auch kein Schnäppchen!

Im Kloster hatten wir also Pech. Aber auch anderso in der 73.000 Einwohner zählenden Stadt Rheine konnten wir telefonisch keine halbwegs günstigen Privatzimmer bekommen, nicht einmal über die Touristeninformation. Immerhin gibt es in Rheine auch eine Jugendherberge. Wir buchten unsere kommende Bleibe deshalb in Elte, 8 km hinter Rheine gelegen. Die Adresse entnahmen wir dem Bikeline-Radwanderführer Ems.

Gegen 17 Uhr erreichen wir den Marktplatz von Rheine. Neben der mächtigen Kirche in dieser nordrhein-westfälischen Stadt ist an diesem Tag kaum Betrieb. Es hat sich auch gewaltig abgekühlt, so dass nur noch die ganz Hartgesottenen draußen sitzen. Der Blick in die westfälische Hallenkirche offenbart eine äußerst karge Ausstattung. Die bunten Glasfenster sind allerdings echte Hingucker.

Gegen 18 Uhr erreichen wir den Splenterkotten im Dorf Elte. Hier kämpft eine Bürgerinitiative um den Erhalt der Schule und damit um die Attraktivität des Dorfes. Ein schwerer Kampf ...

Die Tour von der Quelle bis nach Meppen wird in Folge 1 und Folge 2 des Emsradweg-Reports ausführlich beschrieben. 

Etappen/Entfernungen Emsradweg gesamt
Quellen-Hövelhof 6 km, Rietberg +29, Rheda-Wiedenbrück +10, Marienfeld +19, Warendorf +30, Telgte +19, Greven +33, Rheine +42, Lingen +38, Meppen +38, Haren +18, Papenburg +50, Leer + 27, Emden +31 km

Anschlusstour ab Meppen: Hase-Ems-Radweg


Radwanderführer

Der Bikeline-Radwanderführer enthält zusätzlich eine Beschreibung der Route entlang des Dortmund-Ems-Kanals (DEK) von Dortmund bis zur Ems bei Münster (Gelmer). Darin enthalten ist auch Münster. Der Führer von Publicpress bindet Münster von Telgte aus an, zum Großteil über den R 1.

 

Hinweis: Viele Teile der Ems zwischen Emden und Papenburg lassen sich übrigens auch auf der Deutschen Fehnroute erkunden.

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Blick auf Emdens Rathaus und das Feuerschiff



Beginn des Emsradwegs am Dollart bei Borßum

Der Schlamm muss aus der Fahrrinne auf ein Spülfeld gepumpt werden, damit die riesigen Kreuzfahrtschiffe fahren können.

Mit der Fähre geht es von Petkum nach Ditzum.

Der Hafen des reizvollen Weener

Gigantisch: die Meyer-Werft in Papenburg

Ausschnitt aus der Infosäule der Meyer-Werft

Papenburger Zeitspeicher mit Verladekran.

Melkhüs heißen diese charmanten Raststationen, die es nicht nur in Ostfriesland und an der Ems, sondern z.B. auch am Wümme-Radweg gibt.

Das "größte Gemälde der Welt" stellt dieser Kühlturm des ehemaligen AKW Unterweser bei Meppen-Hüntel dar.

Bei Meppen trennen sich Ems und Dortmund-Ems-Kanel. 

Das Rathaus in Meppen

Kloster Bentlage: Fahrradherberge in schöner Lage an der Ems. Info


Video-Trailer

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