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Autor: Dieter Hurcks Copyright 9/2006

Elberadweg Teil 4: Eine abwechslungsreiche Radtour von Magdeburg über Dömitz, Hamburg und Stade nach Cuxhaven.

Teil 1: Magdeburg-Torgau - Teil 2 - Teil 3 (Elbe Ost)

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

 

538 km auf dem Elberadweg (West)  

Am Strom entlang, der einst innerdeutsche Grenze war: die Elbe. Mehr als 500 km sind es auf dem Elberadweg von Magdeburg über Tangermünde, Havelberg, Dömitz, Lauenburg, Hamburg und Stade nach Cuxhaven. Quartiere gibt es durchweg reichlich, so dass jeder seine Etappen nach eigenem Radelvermögen einteilen kann.

Elberadweg auf neuen Wegen (Teil 4)

1998 hatte ich erstmals den Elberadweg zwischen Magdeburg und Cuxhaven befahren. Acht Jahre später erinnert nur wenig an die Schotter- und Betonplattenwege, Sandpisten und Kopfsteinpflasterstraßen von damals. Bei teilweise neuer Wegeführung und aufgrund vieler Neubaumaßnahmen entlang der Deiche fährt sich dieser Teil des Elberadweges heute ungemein komfortabel. Ein Bericht über rund 500 km Fahrt entlang des Stromes.


Nach Tangermünde 
Wer in Magdeburg startet und vielleicht in der sehr empfehlenswerten Jugendherberge übernachtet hat, der erlebt in Hohenwarte mit einem wunderschönen Blick über die Elbe sein erstes Natur-Highlight. Bald darauf folgt ein Highlight technisch-baulicher Art: das Wasserstraßenkreuz bei Burg, wo der Elbe-Havel-Kanal die Elbe quert.

Die erste Etappe führt meistens auf oder hinter dem Elbebeich entlang und erlaubt weite Blicke über Fluss und Land. Bei Ferchland, kurz hinter der Schleuse Parey, müssen wir noch einmal klettern und werden wiederum durch eine schöne Aussicht belohnt - einfach mal von der Hauptstraße links ab zum hohen Elbeufer abbiegen. Über Jerichow mit der mächtigen Klosterkirche erreichen wir über die große Brücke Tangermünde, eine wahrhaft sehenswerte Stadt. Vor allem die Burg, das Rathaus und die alten Stadttore bieten schöne Fotomotive.



Nach Havelberg 
Von Tangermünde aus radeln wir links der Elbe über Hämerten und Storkau mit ihren landestypischen Feld- und Backsteinkirchen. Über Billbergen, wo wir nach einem Reiterhof mit zahlreichen Rassepferden das Gelände eines Jugendausbildungszentrums durchqueren, geht die Fahrt vorbei an riesigen Sonnenblumenfeldern nach Arneburg. Das kleine Fachwerkstädtchen verlassen wir gen Dalchau. Das vor uns liegende riesige Industriegebiet war früher Standort des Kernkraftwerks Stendal, das jedoch nie in Betrieb ging. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde der Bau der beiden begonnenen Blöcke Anfang 1991 eingestellt. Die vier Kühltürme mit je 150 Metern Höhe wurden 1994 bzw. 2001 gesprengt.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Stendal 

Vor acht Jahren mussten die Elbe-Radler noch einen weiten Bogen um das Gelände schlagen. Jetzt folgt man der Straße entlang der KKW-Ruine, schwenkt „mitten drin“ links ab und durchquert das Gebiet. Bald erreichen wir Altenzaun und biegen von der neuen Straße nach rechts in das Dorf ein. Die Infrastruktur in der Gegend hat sich total verändert, so dass ältere Landkarten nicht mehr zu gebrauchen sind. Bei Osterholz steht neben einem Hydranten ein Wasserspeier, wo man den Durst löschen kann. Kurz darauf wartet ein Backsteinbau der Frühgotik, die Ruine von Gut und Kirche Käcklitz, auf mutige Menschen, die sich die steile Stiege auf den Turm hinauf trauen. Die Aussicht wird allerdings durch hochgewachsenen Baumbestand begrenzt.

Bei Sandau über queren wir mit der Fähre die Elbe. Im Ort fällt sofort die Ruine des Kirchturms der Nikolaikirche ins Auge, wo wir links ab den Ort verlassen - vorbei an einem Kriegerdenkmal zu Ehren der polnischen Befreier. Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis Havelberg.

“Insel- und Domstadt im Grünen” nennt sich diese kleine, fast unscheinbare Stadt am Zusammenfluss von Havel und Elbe, zwischen Hamburg und Berlin. Havelberg hat zwar nur knapp 7.200 Einwohner, aber als Bischofssitz eine große Vergangenheit und eine interessante touristische Zukunft. Unter www.havelberg.de gibt es jede Menge Informationen darüber.

Nach Wittenberge 
Das schönste Stück Elbe erleben wir an einem sonnigen September-Sonntag. Von Havelberg aus nehmen wir die Landstraße gen Bad Wilsnack ins Visier und radeln auf einem gerade neu angelegten Radweg nach Nitzow. Kurz darauf biegen wir links ab in die ruhige Natur der Havelmündung. Durch einen Kiefernwald gelangen wir zum Wehrwärterhaus, wo schon die ersten Angler ihre Würmer baden. Eine Bank lädt zum Verweilen und Beobachten der vielfältigen Tierwelt. Links die Elbe, rechts der Gnevesdorfer Vorfluter - so genießen wir die Fahrt durch diese traumhafte Landschaft. Am Vorfluter sind Dutzende Angler im 20-m-Abstand in Position gegangen. Von einem hölzernen Aussichtsturm aus lässt sich ihr Tun gut beobachten.

Nur noch ein Storchenpaar mit zwei Jungvögeln ist im „Europäischen Storchendorf“ Rühstädt übrig geblieben. Auch sie werden bald gen Süden abreisen - wie die anderen 33 Paare, die dort nach Auskunft einer Hinweistafel 2005 wie 2006 ihre Jungen aufgezogen haben. Im idyllisch gelegenen Biergarten beim alten Wasserturm sollte man sich die Zeit für eine Tasse Kaffee unbedingt gönnen.

Rühstädt ist das storchenreichste Dorf Deutschlands, hat rund 240 Einwohner,  ein spätbarockes Schloss mit schöner Parkanlage und einem 300 Jahre alten Obelisken. Die Kirche aus dem 15. Jh besitzt einen spätgotischen Schnitzaltar und eine restaurierte Wagner-Orgel. Das Storchenhaus ist Sitz des Storchenclubs und in der Saison täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Info: www.storchenclub.de 

Eine besondere Attraktion ist die Live-Übertragung per Videoanlage aus einem Storchennest auf dem Dach der Naturschutzstation. So kann das Brutgeschehen beobachtet werden, ohne die Störche zu stören. Quelle: www.nabubrandenburg.de/zentren/ruehstaedt.htm 



Der Uhrenturm in Wittenberge 
Von Rühstädt geht es noch knapp 20 km weiter nach Wittenberge. Schon von weitem ist das Wahrzeichen der Stadt, eine der größten Turmuhren Europas, zu erkennen ist. Der Uhrenturm wurde in den Jahren 1928/1929 ursprünglich als Wasserturm zur Versorgung der Singer-Nähmaschinenfabrik erbaut. Zwei großräumige Wasserbehälter konnten 385 Kubikmeter bzw. 75 Kubikmeter aufnehmen. Noch immer gilt die Uhr des Turmes als die größte Turmuhr des europäischen Festlandes. Ihr Durchmesser beträgt 7,57 m, die Länge des Großen Zeigers 3,30 m, die des kleinen 2,25 m. Die beleuchteten Zeiger und Ziffern strahlten nach der Inbetriebnahme 1929 weit in das Prignitzer Land und über die Elbe hinweg in die Altmark.

Das Stadtmuseum befindet sich in der Alten Burg, dem ältesten Wohnhaus der Stadt. Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde es 1669 als das Weiße Schloss der Edlen Herren Gans zu Putlitz erbaut. Die Alte Burg gehört damit zu den frühesten noch erhaltenen Herrenhäusern aus Fachwerk im Land Brandenburg.

Wittenberge hat nach der Wende zahlreiche Einwohner verloren. Davon zeugen die vielen leerstehenden Wohnhäuser. Manche Straßenzüge sind fast völlig menschenleer. Wittenberge hat heute weniger als 20.000 Einwohner. 1980 waren es noch rund 12.000 mehr. Neben dem Nähmaschinenwerk (31. Dezember 1991) wurden auch das Zellstoffwerk (1990) und die 1990 in Märkische Ölwerke GmbH Wittenberge umbenannte Ölmühle (18. Januar 1991) geschlossen. Von den großen Betrieben blieb nur das (Reichsbahn-) Ausbesserungswerk Wittenberge (RAW), das 1997 ebenfalls geschlossen wurde (Quelle: www.lokschuppen-wittenberge.de).

Nun wird versucht, durch Umgestaltung des Zentrums die Stadt für Zuzügler attraktiver zu machen. Quelle: www.wittenberge.de

Nach Dömitz 
In flotter Fahrt auf guten, flussnahen und hervorragend ausgeschilderten Wegen nähern wir uns nun der alten Festungsstadt Dömitz. Rechter Hand, bei Klein Schmölen, liegt die größte Wanderdüne des Naturparks Mecklenburgisches Elbtal, die zum Teil noch heute vegetationslose Flächen aufweist. Quelle: www.elbetal-mv.de 

Bald kommt Dömitz in Sicht. Die alte Eisenbahnbrücke und die neue, 1991/92 erbaute Straßenbrücke mit dem weithin sichtbaren Bogen sind ein Blickfang.

Der erste Spatenstich zum Bau der 1050 m langen Eisenbahnbrücke erfolgte am 8.9.1870. An jedem Brückenende befand sich ein wehrhaft ausgebautes Brückenhaus. Beide Brückenhäuser sollten im Kriegsfall gute Verteidigungsmöglichkeiten für die Brücke geben. Der wehrhafte Ausbau der Brückenhäuser und die Nähe zur Dömitzer Festung, die zur Bauzeit der Brücke noch militärisches Objekt und Standort eines mecklenburgischen Regimentes war, sind Hinweise auf die wichtige strategische Lage und Funktion der Dömitzer Eisenbahnbrücke.
Im August 1873 war der Bau der Eisenbahnbrücke beendet, am 20. April 1945 wurde sie durch einen Angriff alliierter Bomber zerstört. Als Mahnmale für die Zerstörungen des Krieges und als Symbol für die deutsche Teilung standen die Brückenruinen mehr als vierzig Jahre an den Ufern der Elbe. Heute werden immer mehr Stimmen laut, die auch einen Wiederaufbau der Eisenbahnbrücke fordern. Quelle: www.doemitz.de 

Die Festungsanlage Dömitz, gelegen am mecklenburgischen Elbeufer, ist eine der wenigen sehr gut erhaltenen Flachlandfestungen des 16. Jahrhunderts in Norddeutschland. In der Form eines Fünfecks angelegt und mit Bastionen und Kasemattengewölben versehen, zeigt sie die eindrucksvolle Wehrarchitektur der Renaissance. Seit 1953 beherbergen die Mauern der Festung ein Museum zur Region und Stadt Dömitz.

Fritz Reuters niederdeutsche Literatur hat wohl am meisten dazu beigetragen, dass die Stadt mit ihren 3.300 Einwohnern weit über Mecklenburgs Grenzen hinaus bekannt geworden ist. Der Schriftsteller hat vieles davon während seiner Festungshaft in Dömitz verfasst. Quelle: www.festung-doemitz.de

Vier Kilometer außerhalb von Dömitz kann man im Landgasthof Heidekrug in Heidhof günstig übernachten. Auch die Speisekarte gibt dort einiges her. Einziger Nachteil: die vorbeiführende Landstraße ist ziemlich verkehrsreich. Dafür können wir am nächsten morgen aber die Ruhe auf dem Weg nach Rüterberg genießen, das wir auf schattenreichen Wegen schnell erreichen. Nur eine kurze Strecke führt über die B 195.

Dorfrepublik Rüterberg 
Die Elbe bildete mit 98 Stromkilometern die Grenze zwischen BRD und DDR von Schnackenburg bis Lauenburg. 1967 wurde das Elbdorf Rüterberg-Broda dazu mit einem zusätzlichen, zweiten Grenzzaun versehen. Der Zugang zum Dorf war fortan nur durch ein von Grenzposten bewachtes Tor möglich. Nachts war dieser Zugang verschlossen.

Die Einwohnerzahl hatte sich zwischen 1961 und 1989 zwangsläufig von ursprünglich 300 auf 150 reduziert. Der im sogenannten „Schutzstreifen“ gelegene Ortsteil war zusätzlich mit Hundelaufanlagen und Signaleinrichtungen „gesichert“. 1981 wurde der Ortsteil Broda dem Erdboden gleichgemacht, zwei Ziegeleien, ein Sägewerk und zahlreiche Wohngebäude verschwanden bis auf ein Beobachtungsobjekt der Grenztruppen. Unmittelbar nach der Wende 1989 erklärte sich Rüterberg nach dem Vorbild der schweizerischen Urkantone zur Dorfrepublik. 1991 erhielt die ehemalige Gemeinde vom Innenminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern des Recht verliehen, künftig die Bezeichnung „Rüterberg Dorfrepublik 1967-1989“ führen zu dürfen. Mit der Gemeindefusion im Jahre 2004 ist Rüterberg ein Ortsteil der Stadt Dömitz geworden. Das erhaltene eiserne Grenztor, versehen mit einem Gedenkstein, einer Informationstafel und ständiger internationaler Beflaggung, erinnert an die Zeit der Teilung der beiden deutschen Staten. Quelle: www.doemitz.de 

Nach Bleckede und Lauenburg 
Von Rüterberg aus lässt es sich trefflich auf meist topfebenen Betonpisten hinterm Deich radeln. Allerdings sollte man schon mal einen der Wege hinauffahren und einen Blick auf die Elbe werfen, wie ihn vor der Grenzöffnung die wenigen DDR-Bewohner erlebten, die sich dem Ufer nähern durften. Wir sehen auf der anderen Seite Hitzacker vorbeiziehen, das derzeit wieder durch eine „Fähre auf Anruf“ erreichbar ist. Wir bleiben aber rechtsseitig bis Darchau, wo der Elberadweg durch einen Zaun versperrt ist: Bauarbeiten am Deich - inzwischen natürlich längst beendet. Den großen Umweg über Neuhaus wollen wir uns ersparen und wechseln mit der Fähre ans andere Ufer. Bald erreichen wir Bleckede und statten dem Elbeschloss und der schönen Altstadt einen Besuch ab.

 

Auch in Bleckede lohnt es sich zu verweilen, aber wir haben nun mal bei der Planung "am grünen Tisch" zu Hause als Tagesziel Lauenburg auserkoren, wo wir am Abend einen ausgedehnten Altstadtbummel unternehmen.

Lauenburg 
Lauenburg liegt an einer der ältesten Handelsstraßen im Norden Deutschlands; an der "Alten Salzstraße". Diese führt vom niedersächsischen Lüneburg über Lauenburg, Büchen, Mölln und Ratzeburg nach Lübeck. Die Straße ist bis heute als ursprüngliche Route erhalten.

Charakteristisch für die Stadt Lauenburg ist ihre Altstadtsilhouette, an der Elbe gelegen, umrahmt vom hohen Elbufer. Dominant ist das Schloss mit Schlossturm und der Kirchturm der Maria-Magdalenen-Kirche.

Der Rufer, ein Symbol der Stadt, grüßt als Bronzefigur vorbeifahrende Schiffe und Besucher. Der Platz beim Rufer ist heute Anlegestelle für Personen- und Ausflugsschifffahrt. Einige Schritte entfernt, gegenüber dem Restaurant "Zum Alten Schifferhaus", befindet sich das schöne Fährhaus des Fährmannes. Quelle: www.lauenburg.de 

Nach Hamburg 
Von Lauenburg radeln wir zunächst entlang der B 5 Richtung Geesthacht. Bei Glüsing weist ein Schild des Elberadweges nach links in den Wald. Gut beschattet fahren wir bergauf-bergab auf teilweise holprigem Weg gut zehn Kilometer bis Tesperhude. Dort erblicken wir wieder die Elbe, die zuvor nur gelegentlich zwischen den Bäumen hindurch glitzerte. Und auch das Kernkraftwerk Krümmel taucht kurze Zeit später auf. Daneben befindet sich das mit Unterstützung regenerativer Energien betriebene Pumpwerk, das Wasser aus der Elbe in einen höher gelegenen Speichersee befördert. Bei Stromspitzenverbräuchen in Hamburg läuft dieses Wasser durch dicke Rohre talwärts und treibt dabei Turbinen an.

Die Rundfahrt durch Geesthacht ist schnell abgehakt: ein mordernistisches Rathaus, eine Fachwerkkirche und ein ebensolches Museum  sowie die Palmschleuse, die älteste Kammerschleuse Europas, landen im Speicher unserer Digitalkamera. Weiter geht’s durchs Gemüse- und Obstanbaugebiet Vierlande gen Hamburg. Plötzlich landen wir - einen Radwegweiser müssen wir übersehen haben - bei Lütjenburg am Zollenspieker-Deich, dem wir auf nagelneuer Asphaltpiste bis Moorfleth folgen. Hinter der Brücke geht der Elberadweg links ab und folgt dem Deich bis Rothenburgsort. Rechts kann man Golfspielern beim Üben in einer riesigen, netzumspannten Abschlaganlage zuschauen, die aussieht wie eine Raubvogelvoliere im Zoo.

Fix durch Hamburg 
Die Durchfahrt durch die Riesenstadt gestaltet sich mangels eindeutiger Beschilderung äußerst schwierig. Irgendwann haben wir dann den Elberadweg völlig verloren. Aber mit Karte, Kompass, einem guten Orientierungsvermögen und Passantenhilfe finden wir den richtigen Weg durch das Verkehrsgewimmel. Ampeln, viel zu schmale, von Fußgängern verstellte Radwege ... Nur raus hier! Ab Övelgönne wird es endlich wieder ruhiger. Und im Imbiss Ecke Falkensteiner Weg in Blankenese, wo ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis geboten wird (sonst ist Blankenese ja sündhaft teuer), rasten wir und schauen den vorbeiziehenden Schiffen und den Radlern und Fußgängern auf dem Uferweg ein ganzes Weilchen zu.

Nach Stade 
Bis Wedel lässt es sich gemütlich radeln. Beim Kraftwerk mit den beiden hohen Türmen kann man den Weg abkürzen, indem man die Brücke über die Gleise der Werksbahn nimmt. Am anderen Ende stößt man auf den nur für Fußgänger zugelassenen Uferweg. Es lohnt sich, dort entlang zu schieben, denn der Blick über die Elbe ist ein wahrer Genuss.

So erreichen wir die Schiffsbegrüßungsanlage am Schulauer Fährhaus. Die Texte und Hymnen vom Tonband sind schon von weit her zu hören. Viele Menschen tummeln sich hier an diesem herrlichen Nachmittag.

Wir wollen aber mit der Fähre ans andere Ufer und haben Glück, da sie in fünf Minuten gen Lühe ablegt. Auf dem Parkplatz dort stehen zahlreiche Imbissbuden, hier gibt es auch einen leckeren Backfisch mit „Flens“. Von Lühe nach Stade ist es nun nicht mehr weit.

Altstadtbummel in Stade 
Am Abend steht selbstverständlich ein Altstadtbummel auf dem Programm. Wasser spielt in Stade die Hauptrolle: So auch am Alten Hansehafen neben den vielen schmucken Bürgerhäusern aus dem 17. Jahrhundert. Einer der schönsten Plätze ist sicherlich der Fischmarkt mit seinem rekonstruierten Holztretkran, umrahmt von Kaimauern und herrlichen Fachwerkhäusern. Weiter geht der Weg an dem barocken Turm der St.-Cosmae-Kirche vorbei zum Rathaus, dessen gotische Kellergewölbe den großen Brand von 1659 überstanden haben. Das Rathaus selbst ist ein von der niederländischen Renaissance und vom Frühbarock geprägter Backsteinbau. Ganz in der Nähe liegt der Pferdemarkt mit dem Zeughaus aus dem 17. Jahrhundert in der Mitte. Quelle: www.stade.de 

Hinweis: Zwischen Hitzacker und Bitter, früher auf DDR-Gebiet und unerreichbar, verkehrt seit dem 1. April 2005 die Fähre "Elbe", vom 1. April bis 15. Oktober täglich zwischen 9 und 18 Uhr, soweit es der Wasserstand erlaubt. Außerhalb dieser Zeiten nach Absprache mit dem stets erreichbaren Fährmann: Tel. 0160 / 5 96 06 68. So ist also ein Abstecher vom rechten Elbufer hinüber nach Hitzacker kein Problem mehr. 

Nach Cuxhaven 
Von Stade führt der Elberadweg zunächst - Schilder? Nicht gefunden! - nordöstlich Richtung Hörne aus der Stadt heraus. Nächstes Ziel ist Bützfleth, wo wir in der scharfen Linkskurve der Straße geradeaus weiter an den Deich gelangen. Bald liegt eine merkwürdige Brücke vor uns: Grauerort.

Gegenüber dem Pagensand liegt Grauerort. Ein historischer Platz. Die Festung Grauerort wurde in den Jahren 1869 bis 1879 von den Preußen zum Schutz vor feindlichen Schiffen auf der Elbe errichtet. Man nutzte die hohe Altmarsch nahe des Fahrwassers der Elbe aus, um in der Zeit, in der die Spannungen mit Frankreich zunahmen, schnell einen wirksamen Schutz des Hamburger Hafens zu haben. Bereits im deutsch französischen Krieg 1870/71 war die Festung einsatzbereit. Die Festung wurde jedoch nie in Kampfhandlungen verwickelt.

Die 250 m lange Landungsbrücke für den Schiffsumschlag war über eine Schmalspurbahn angebunden, deren Gleise noch zu sehen sind.

Quelle: www.festung-grauerort.de und www.relikte.com/grauerort/index.htm 

Ein Stück weiter, in Barnkrug, befindet sich an der Elbe ein 42 Meter hoher Turm der „Jagd-Schrot & Hagel-Fabrik Haendler & Natermann“ zur Herstellung von Schrotkugeln. Dieser Turm wird aber heute nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck genutzt.

Bis Krautsand radeln wir auf dem Elberadweg nun entlang des Deiches und überqueren das Sperrwerk Ruthenstrom. Da in Wischhafen gerade die Klappbrücke des Sperrwerks repariert wird und daher unpassierbar ist, biegen wir vor dem Leuchtfeuer, gleich beim Deichgrafen-Denkmal, links ab Richtung Dornbusch und erreichen bald Wischhafen, von wo Autofähren als schwimmende Brücke nach Glückstadt dienen.

Sehenswert ist in Wischhafen das Kehdinger Küstenschiffahrts-Museum in der Hafenstraße. Natürlich befasst es sich mit der Küstenschiffahrt. Was ist daher anschaulicher, als das Leben und Arbeiten an Bord eines Küstenmotorschiffes im Maßstab 1:1 zu zeigen? Im ersten Obergeschoss des Museums findet der Betrachter einen solchen Nachbau. Der Besucher erfährt viel über die  Bedingungen, die an Bord geherrscht haben. Selbstverständlich darf sich jeder Besucher in das Ruderhaus stellen und sich ein wenig als Kapitän fühlen. Info: www.kuestenschiffahrtsmuseum.de

Deich-Einsamkeit 
Anschließend geht es in die Einsamkeit des Außendeichs. Hinter dem schmucken Ort Freiburg schlägt der Radweg einen großen Bogen. Das Kernkraftwerk Brokdorf am anderen Elbufer wird immer größer. Vom Deich aus hat man einen schönen Blick über die Elbe. Zügig radeln wir weiter, der Südostwind schiebt uns förmlich unserem Ziel Cuxhaven entgegen. Plötzlich ein Schock: Auf dem Radwegweiser steht als Entfernungangabe 70 km. Vier Kilometer weiter sind es nur noch 58 km, und weiter zehn Kilometer weiter nur noch 28 km, was dann auch unseren Vorausberechnungen entspricht. Irgend etwas ist da wohl am „grünen Tisch“ durcheinander geraten.

Sei’s drum. Nachdem wir das Oste-Sperrwerk hinter uns gelassen und den Hadelner Kanal bei Freudental erreicht haben, wird das Radeln noch einmal zu einem echten Genuß.

Tipp: In Altenbruch befindet sich ein U-Boot-Archiv, das 1950 als persönliche Sammlung des ehemaligen U-Boot-Wachoffiziers Horst Bredow gegründet wurde. Seither entwickelte es sich zur zentralen Informationsstelle der westlichen Welt in allen U-Boot-Fragen.
Im Laufe der Zeit ist nun auch eine Sammlung von wertvollen Ausstellungsstücken entstanden. Heute existieren in dem Archiv (nur für Fachbesucher) ca. 50.000 Fotos, Angaben über alle U-Boote des In- und Auslands und deren Entwicklung bis heute sowie eine umfangreiche Bibliothek der gesamten einschlägigen Literatur. Das Museum in der Bahnhofstraße 57  ist von dort aus schnell erreichbar, wo am Strand die Strandkörbe stehen. Info: www.u-boot-net.de 

Vorbei an Otterndorf und Altenbruch, nun vor dem Deich und bisweilen direkt an der Brandung, nähern sich schnell die Cuxhavener Hafenanlagen. Wir fahren durch ein geschlossenes Tor, ähnlich den vielen zuvor passierten Toren, die für weidende Schafe unpassierbar sein sollen, und landen auf einem streng bewachten Firmengelände. Kein Schild des Elberadwegs hat uns nach links verwiesen, kein Verbotsschild das Weiterfahren verwehrt. Ärgerlicher Zeitverlust.

Über Eisenbahngeleise geht es dann zum Steubenhöft, von früher die Auswanderer nach Amerika abreisten und das heute besichtigt werden kann. Und wenn am Steubenhöft und an den Hapag-Hallen die großen Kreuzfahrtschiffe abgefertigt werden, dann wird die Faszination der historischen und weltweit einzigen noch in Betrieb befindlichen Auswanderungsanlage wieder lebendig. Die Ausstellung "Abschied nach Amerika" versetzt den Besucher zurück in längst vergangene Zeiten, als am "Kai der Sehnsucht" Tausende von Auswanderern nach Amerika aufbrachen.

Vor Cuxhaven befindet sich eine der größten zusammenhängenden Wattenflächen. Sie stellt einen einzigartigen Lebensraum dar, der neben dem Hochgebirge zu den letzten Naturlandschaften Europas zählt. Quelle: www.cuxhaven.de 

Cuxhaven, die nördlichste Stadt Niedersachsen, liegt direkt an der Nordsee und hat rund 53.000 Einwohner. Die Kugelbake, ein altes Seezeichen und gleichzeitig auch das Wahrzeichen der Stadt, bezeichnet den Punkt, an dem die Binnenschifffahrt aufhört und die „Große Fahrt“ beginnt. Auch unsere Fahrt hört hier auf. Vom Bahnhof aus geht es heimwärts, nicht mehr - wie früher - ohne Umsteigen direkt nach Hannover. Heute muss in Bremerhaven und Bremen umgestiegen werden. Da freuen sich die schwer bepackten Radler ganz besonders ....

Tipp: Umsteigen in Bremerhaven-Lehe - dort geht das auf dem gleichen Bahnsteig. In Bremen gibt es Fahrstühle, in die nur ein Fahrrad passt und die sehr langsam fahren. (Stand: 9/2006)

Entfernungen ca.
Magdeburg-Tangermünde 90 km
Stendal-Havelberg 63 km (alternativer Tour-Einstieg)
Havelberg-Dömitz 105 km
Dömitz-Lauenburg 80 km
Lauenburg-Stade 100 km
Stade-Cuxhaven Kugelbake 100 km

Elberadweg 1: Von Magdeburg nach Torgau 

Elbe 2: Von Torgau nach Dresden

Elbe 3: Von Dresden durch die Sächsische
Schweiz nach Tschechien


Zu dieser Radtour ist eine mit Musik vertonte 
Diaschau auf DVD
erschienen.

Magdeburg-Cuxhaven

Magdeburg-Tschechien

DVD-Übersicht

 

Radwanderbücher des Autors hier

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Spickzettel
Route:
Elbe-Radweg (Teilstrecke West)
Start/Ziel:
Magdeburg/Cuxhaven 
Bahnanreise:
Magdeburg
Länge:
538 km; Entfernungen
Schwierigkeit: meist flach, wenige Steigungen 
Übernachten: Quartiere siehe Bericht(e)
Internet: offizielle Homepage
Radwanderführer: siehe unten

Wahrzeichen der Bundesgartenschau 1999 in Magdeburg.

Idyll am Elberadweg.

 

Blick von Ferchland über die Elbe.

Tangermünde.

 

Havelberger Dom.

An der Havelmündung.

Alter Wasserturm im Storchendorf Rühstädt.

 

Elbe in Wittenberge.

 

Wachturm bei Lenzen.

Verdiente Pause am Deich.

Dömitz - die Festung.

Einfahrt nach Rüterberg.

Elbschloss Bleckede.

Blick auf Lauenburg.

Schiffe beobachten am Elberadweg bei Blankenese.

Stade - ein Altstadtbummel gehört zum Pflichtprogramm jedes Besuchers.

 

Autofähre Wischhafen.

Bootshafen in Altenbruch.

Steubenhöft und Hapag-Hallen in Cuxhafen.

Am Ziel: Kugelbake in Cuxhaven.

Entfernungsangaben 
Dessau-Bad Schandau 260 km
Dessau-Wittenberge 260 km
Wittenberge-Cuxhaven 340 km
Infos: www.elberadweg.de

Fotos vom Elberadweg Magdeburg-Tschechien  
finden Sie hier unter "Touren"

Weiterfahren ab Cuxhaven: Radweg
Vom Teufelsmoor zum Wattenmeer


Radwanderführer und Literatur