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Autor: Dieter Hurcks Copyright 8/2009

Etappe 1: Von Hilchenbach-Lützel bis nach Frankenberg
Die Eder ist der längste Nebenfluss der Fulda und bietet Radlern eine naturnahe Route sowie viele städtische Kleinode. Teil 2 - Teil 3

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Von der Ederquelle
bis zur Fulda

Ederradweg bzw. Ederauenradweg: 186 km 
Radeln an dem wohl saubersten Fluss Hessens

Nachdem wir in diesem Jahr bereits den Diemelradweg gefahren sind und begeistert waren, nahmen wir Mitte August 2009 die Radtour entlang der rund 190 Kilometer langen Eder in Angriff, dem längsten Nebenfluss der Fulda. Diese entspringt dort, wo auch Sieg und Lahn ihren Ursprung haben: am Ederkopf im Siegerland. Ausgangspunkt unserer Tour ist der Ortsteil Lützel der Stadt Hilchenbach.

Übernachten am Ederradweg
Lützel Ginsberger Heide

Die Anreise nach Lützel erfolgt ab Siegen, was (ohne Verspätung, wie an diesem Tag) eine knappe Dreiviertelstunde dauert. Da wir das am 1. August 2009 eingeführte „Quer-durchs-Land-Ticket“ der Bahn nutzten und natürlich unsere Fahrräder dabei hatten, waren wir ab Hannover rund sieben Stunden unterwegs. Bis zum Quartier, einem ruhig auf etwa 600 Meter Meereshöhe gelegenen Hotel in der Nähe des 2001 eröffneten Fernwanderweges „Rothaarsteigs“, lernten wir gleich die Topografie des Rothaargebirges in Form eines langen, steilen Anstiegs zum Berg namens Giller kennen. Der Rothaarsteig verbindet über 154 km Brilon im Hochsauerland mit Dillenburg in Hessen.

Abendausflug zur Ederquelle
Der Abend ist schön, wir haben den ganzen Tag in der Bahn gesessen und beschließen deshalb, gleich zur Ederquelle zu fahren – ohne Gepäck natürlich. Über die Siedlung Lützel, wo wir uns eigentlich einquartiert hatten, aber wegen längerfristig buchender Gäste „ausquartiert“ worden waren, erreichen wir nach fast zehn Kilometern Strampelei über die Eisenstraße und einen holprigen Waldweg die Quelle. Besser gesagt: den Stein mit der Aufschrift „Ederquelle“. Aber wo ist die Eder? Nach intensiver Suche findet sich schließlich ein Bächlein, das aus dem Unterholz quillt – das muss sie sein!

Der Orkan Kyrill hat tiefe Spuren im Sauerland und Siegerland hinterlassen. An dem Waldweg zur Ederquelle beginnt der Kyrillpfad, der einen guten Eindruck von dem vermittelt, was der Orkan vom Januar 2007 im waldreichsten Kreis Deutschlands, Siegen-Wittgenstein, angerichtet hat.

Den geplanten Besuch von Lahn- und Siegquelle blasen wir wegen der fortgeschrittenen Zeit ab. Dazu sollte man schon drei bis vier Stunden Zeit einplanen – und wir haben noch nicht einmal zu Abend gegessen. Anschließend ist eine Wanderung angesagt: Nur zweieinhalb Kilometer von unserem Quartier entfernt befindet sich der restaurierte, 16 m hohe Turm der Ruine Ginsburg, die rund 588 Meter über NN liegt. Ein Ausflug dorthin lohnt wegen der wundervollen Aussicht. Diese bietet aber auch schon der nahe gelegene Gillerbergturm (669 m über NN). Wer den 15 m hohen Turm besteigt, sollte schon einigermaßen schwindelfrei sein.

Die Eisenstraße 
Die bereits erwähnte Eisenstraße ist eine alte Handels- und Fernverkehrsstraße im Kreis Siegen-Wittgenstein. Sie verläuft auf ländlichen Gebieten der Städte Hilchenbach, Bad Laasphe und Netphen. Bei Wikipedia heißt es zum Klima in dieser Region: „Die Sommer sind wegen der Höhe meist kühl (Höchsttemperaturen bis 25°C) und niederschlagsreich. Auch mit rund 200 Nebeltagen pro Jahr zählt das Gebiet rund um die Eisenstraße zu den rauesten und kältesten Regionen Deutschlands.“ Quelle: Eisenstraße bei Wikipedia

Stimmt genau, wie wir am nächsten Tag am eigenen Leib erfahren sollten.

1. Etappe: Nach Frankenberg

Der erste Radeltag mit dem Endziel Frankenberg beginnt mit einer flotten Abfahrt auf der B 62 von Lützel nach Altenteich. Es ist kühl und feucht. Direkt bei den ersten der wenigen Häuser biegen wir von der von vielen LKWs befahrenen Straße auf den Waldweg ab. Nun geht es bis Erndtebrück weitgehend nur bergab, allerdings auf geschotterten Wegen, die höchste Aufmerksamkeit erfordern und Blicke in die Natur nur bei Pausen ermöglichen. An einer Stelle ist der Weg fast zugewachsen, was auf nur wenige Benutzer schließen lässt.

Der Ederradweg, auch als Ederauenradweg bezeichnet, ist in seinem Verlauf durchs Wittgensteiner und Waldecker Land sowie durch das Kurhessische Bergland unterschiedlich, aber nahezu lückenlos und gut sichtbar ausgeschildert. Laut dem Bikeline-Radwanderführer gilt er „als familienfreundlicher Radweg“ wegen des „meist ebenen Verlauf“. Das können wir zwei geübten Radler, die im Jahr mehr als 8.000 km per Fahrrad zurücklegen, allerdings so nicht stehen lassen. Denn es geht streckenweise ganz schön zur Sache. Aber lesen Sie selbst!

Nach 1,5 km Schotterweg erreichen wir Erndtebrück mit seinen schmucken schiefergedeckten Häusern. Manche Häuser sind komplett mit Schiefer verkleidet und sehen, im Vergleich zu den bunten Fachwerkhäusern gleich nebenan, ein wenig traurig aus. In Erndtebrück kaufen wir beim Dorfladen ein, was auch gut ist, denn die Versorgungslage ist in den kleinen Ortschaften ziemlich mau. Oder haben wir die Läden und Biergärten zum Verweilen einfach nur übersehen?

Ehe wir Womelsdorf erreichen, landen wir auf dem Hof einer Handwerkerfirma. Auf dem Radweg wird gerade eine Erdgasleitung verlegt, so dass wir ein wenig ratlos dreinschauen. Doch der freundliche Meister erklärt und den weiteren Weg ins nächste Dorf.

Bergauf-bergab nach Bad Berleburg

Der naturnahe Weg nach Berghausen bietet schöne Ausblicke ins Edertal. Er verläuft mal neben, mal oberhalb der Eder durch anmutige Wälder, aber eben auch auf schwer zu befahrenden, mit zahlreichen Steigungen garnierten Schotterwegen. Zu allem Überfluss hat es angefangen zu regen. Der Himmel zieht sich immer mehr zu, was wenig Hoffnung auf baldige Wetterbesserung verheißt.

Vorbei am Bahnhof Birkelbach und grasenden Kühen bei Aue stehen wir nach 28 km kurz hinter der Ortschaft Berghausen vor der Entscheidung, den empfohlenen Abstecher nach Bad Berleburg – einer Stadt mit 23 Dörfern und rund 20.500 Einwohnern - zu unternehmen. Es geht 3 km teils mächtig bergauf und noch einmal kräftig aufwärts zum Schloss. Bei dem Wetter ist Fotografieren auch nur eingeschränkt möglich, so dass es ein kurzer Aufenthalt in dieser sehenswerten Stadt wird. Sie ist mit 275 qkm die zweitgrößte Flächenkommune in Nordrhein-Westfalen. 90% davon liegen mit Wald und landwirtschaftlich genutzten Flächen im Grünen.

 

Hauptattraktion ist das Schloss Berleburg, die Residenz  der Fürstlichen Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Im Schloss werden Teile der fürstlichen Kunstsammlung mit Porträts der Familie sowie reichhaltige Sammlungen von Waffen, Jagdgeräten und -trophäen sowie Uniformen des fürstlichen Hauses gezeigt. Besonders sehenswert sind laut der Homepage der Stadt auch Porzellane und gravierte Gläser aus deutschen Manufakturen des 18. Jahrhunderts, die Stuckdecken einiger Räume sowie eine große Anzahl von Möbeln. Ein Spaziergang durch den Schlosspark mit seinem alten Baumbestand und die historische Altstadt runden den Besuch ab. Quelle: www.bad-berleburg.de

Gemütlich nach Arfeld 
Abwärts nehmen wir den schnelleren Weg über die B 480 und erreichen ohne erneuten Anstieg Raumland. Nun beginnt einer der schönsten Streckenabschnitte auf dem Ederradweg. Auf einer ehemaligen Bahntrasse (1911 bis 1981 in Betrieb) fährt es sich bis Arfeld endlich leichter. In dem schmucken Ort besuchen wir das Schmiedemuseum, das von der Eisenindustrie in dieser Region Zeugnis ablegt.

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Die Bahntrasse in Raumland gehört zu einer alten Eisenbahnlinie. Wer sich dafür interessiert, findet hier fundierte Informationen.
Interessant ist auch Achim Bartoscheks Seite über das "Bahntrassenradeln" entlang der Eder, das weiter ausgebaut werden soll. Dort ist folgendes zu lesen: "Der Bau des Radwegs wurde Anfang Juli 2009 durch die Stadtverordnetenversammlung Hatzfeld beschlossen. Er soll 2010 begonnen und 2011 vollendet werden. [Juli 2009]"

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Auf der Homepage der Stadt Bad Berleburg heißt es: „Die Schmiede wurde Mitte des 19. Jh. erbaut. Eine Erweiterung mit Wagnerei, Überbau für geschützten Hufbeschlag und Aufbau eines neuen Stockwerkes mit Anlage eines oberschlächtigen Wasserrades aus Metall erfolgte um die Jahrhundertwende. Das Wasserrad wird durch den vorbeifließenden Arfebach gespeist. Der Antrieb aller Maschinen erfolgt über eine Transmission. Im Erdgeschoss befinden sich Schmiede und Wagnerei. Im Obergeschoss sind handwerkliche und landwirtschaftliche Gerätschaften, die in der Wagnerei und der Schmiede gefertigt wurden, ausgestellt. Quelle: Stadt Bad Berleburg

Gegen 13 Uhr machen wir nach 42 km Radelstrecke kurz vor Schwarzenau an einer Bank Pause. Die Aussicht ins Edertal ist berauschend! Ein paar Kilometer weiter, in Beddelhausen, queren wir mal wieder den Fluss und erreichen über die Eder-Ferienstraße bald Hatzfeld. Die Sonne traut sich endlich heraus. Am Weg nach Holzhausen gibt es rechts der Straße ein Café namens „Ederlust“, wo wir einkehren.

Auf der nicht ganz ungefährlichen Straße radeln wir weiter über Holzhausen, ehe wir vor Reddighausen endlich dem Verkehr entkommen. Vor einer Fabrik sind die Schilder verdreht, aber eigentlich geht es ja auch nur nach rechts weiter.

Der nächste Streckenabschnitt beschert uns nach kurzem Stück Asphalt wieder den gefürchteten Schotter, der sich das Vorderrad versetzen lässt. Zurück auf der Straße, durchqueren wir Dodenau. Das alte Pfarrhaus und die kleine Kirche bilden ein malerisches Ensemble in diesem laut Ortsbegrüßungsschild „dollen Dorf 2007“. Über Auhammer gelangen wir zum Eisenwerk Hasenclever, wo nahe des Weges – wie schon in der Schmiede von Hatzfeld - ein „Schwanzhammer“ ausgestellt ist.

Ein Schwanzhammer gehört zur Gruppe der wassergetriebenen mechanischen Hämmer. Er besteht aus einem Kopf, einem Stiel, einem Bären, den Gesenken/Sätteln, einem Gerüst und einem Antrieb. Der Kopf des Hammers ist komplett aus Eisen ausgeführt und hat an der Unterseite eine Aufnahme. In diese Aufnahme wird das obere Gesenk bzw. der obere Sattel eingesetzt (Sattel ist die aus dem Freiformschmieden stammende Bezeichnung für ein Gesenk). Das Gegenstück zum oberen Gesenk bildet das untere Gesenk (bzw. der unterer Sattel). Quelle: Wikipedia

Gegen 16 Uhr passieren wir Battenberg, einen geschichtsträchtigen Ort. „Sehenswürdigkeiten wie die Kellerburg, das Besucherbergwerk, das Rathaus oder das ehemalige Jagdschloß lassen in Battenberg Geschichte lebendig werden.“ So steht es auf der Homepage des auf einem Berg angesiedelten Ortes. „Vom Marktplatz aus ist nach fünf Minuten Fußweg das am Hang des Berges gelegene historische Besucherbergwerk Burgbergstollen zu erreichen. Die 150 Jahre alten Stollen und Schächte können, ausgestattet mit Schutzkleidung und Grubenlampe, unter der Anleitung von erfahrenen Grubenführern besichtigt werden. Anschaulich werden die Arbeitsbedingungen der Bergleute unter Tage dargestellt.“ Öffnungszeiten und mehr unter www.battenberg-eder.de

Über Rennertehausen radeln wir, am Ende nochmals ein Stück ziemlich holprig, nach Frankenberg. Das Quartier liegt zwar an einer Hauptstraße und neben einer Tankstelle, doch im Hinterhaus ist es dennoch recht ruhig, so dass wir nach der Besichtigung Frankenbergs per pedes gut schlafen.

Frankenberg hat gut 19.000 Einwohner, liegt im Landkreis Waldeck-Frankenberg und ist vor allem durch sein zehntürmiges Rathaus bekannt, das in kaum einem Bildband über Deutschland fehlt. Die Innenstadt besteht aus der sanierten Altstadt und der ebenfalls sanierten Neustadt mit zahlreichen Fachwerkhäusern. mehr


Die Etappen


1. Etappe: Von Lützel nach Frankenberg 89 km

2. Etappe: Von Frankenberg nach Fritzlar 80 km

3. Etappe: Von Fritzlar nach Guxhagen (Mündung) 34 km

4. Etappe: Fuldaradweg von Guxhagen nach Hann. Münden 50 km

verwendeter Radreiseführer:

Die DVD zum Ederradweg

 Trailer - Info und bestellen hier

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Spickzettel
Route:
Ederradweg bzw. Ederauenradweg
Start/Ziel:
Lützel/Guxhagen an der Fulda 
Bahnanreise:
Lützel über Siegen
Länge:
186 km; Entfernungen
Schwierigkeit: im oberen Teil mittel, im unteren Teil leicht (siehe Bericht) 
Übernachten: Quartiere
Internet: offizielle Homepage
Radwanderführer: siehe unten



Ankunft nach langen Bahnfahrt in Lützel.

Stein "Ederquelle" mit Erläuterungstafel.

Die Eder findet man erst nach einigem Suchen.

Geschotterte Wege machen das Fortkommen zum Glück nur selten zu einer Ochsentour.

Schiefer auf Dächern und an Fassaden: hier in Erndtebrück.

Das Berleburger Schloss.

Flussnahes Radeln.

Schmiedemuseum in Arfeld. 



Schöner Blick auf die Eder bei Schwarzenau.



Endlich bei Sonne: Brücke in Beddelhausen.



Malerische Frankenberger Altstadt.



Zehntürmiges Rathaus in Frankenberg,



Schnitzereien am Frankenberger Rathaus.

Die andere Seite des Frankenberger Rathauses.