Radtouren A bis Z - Fahrradbücher - Fahrrad-DVDs - FahrradwitzeLinks - Bahn + Rad - E-Bike - Home

Autor: Dieter Hurcks Copyright 5/2009

Von Willingen an die Weser 
Auch kleinere Flüsse wie die Diemel bieten Radfahrern tolle Tour-Erlebnisse. Das Radreisebuch zur Diemel-Tour finden Sie hier

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Diemel - die
Altmühl des Nordens  

Ein verlängertes Wochenende eignet sich ideal, um die Diemel zu erradeln. Der nur rund 110 km lange Fluss entspringt bei Willingen (Hessen) auf gut 650 m Höhe und schlängelt sich durch eine bezaubernde Landschaft über Warburg (Nordrhein-Westfalen) bis nach Bad Karlshafen an der Weser. Im unteren Teil fanden wir steile Felsen und eine Fauna, die uns stark an das Altmühltal erinnerten. Tourlänge: 125 km.

Übernachten am Diemelradweg

Anreise per Bahn
Wer nach Willingen möchte, muss in Brilon-Wald umsteigen, was jedoch nur über Treppen erfolgen kann. Daher schoben die meisten Radler ihre schwer bepackten Räder einfach über die Gleise. Auch die rund 120 Fahrgäste, die aus dem Zug aus Kassel-Wilhelmshöhe quollen und den kleinen Triebwagen "verstopften", nahmen zum Großteil den direkten Weg. Kegelklubs und sonstige Vereine sorgten für einen entsprechenden Lärmpegel: Sie alle wollten in Willingen, dem "Ballermann" des Sauerlandes, mal so richtig die Sau rauslassen. Wir wollten nur Ruhe ...

=======================================
"Wer trampeln kann, kann auch tragen" - Antwort eines Bahnbeamten auf die Klage eines Radlers, dass der Aufstieg
in den Zug über fünf (!) Stufen sehr beschwerlich sei.
aufgeschnappt im Bahnhof Warburg beim Umsteigen
======================================= 

Nach nur einer Station leerte sich der Triebwagenzug schlagartig. Ein Dutzend Kleinbusse holte die Trink-Sportler ab, und wir rollten durch den Ort zunächst abwärts dem Viadukt entgegen. Ein Schild weist dort den Weg vorbei an der Sprungschanze zur Diemelquelle aus, und bald hatte uns die Waldeinsamkeit ergriffen. Geschlagenes Holz am Wegesrand dokumentiert den hohen Stellenwert dieses Naturgutes, das auch von Papierfabriken entlang unseres Weges intensiv genutzt wird.
Quellen liegen bekanntlich höher als Flussmündungen, und so ging die Fahrt zunächst immer leicht bergauf mit nur wenigen steileren Anstiegen. Der Ausblick über die Wipfel des Mittelgebirges, in denen sich allmählich die letzten Nebel auflösten, faszinierte uns drei Radler aus dem flachen Norden.

Von der mit Felssteinen eingefassten offiziellen Quelle, die wir nach gut 11 km Fahrt erreichten, radelten wir die "Talvariante" bergab und pausierten kurz darauf am "Skilift Kahler Pön", der zum Ortsteil Usseln gehört. Mit den freundlichen Wirtsleuten beim Hüttenschorsch kam schnell ein Gespräch zustande und wir erfuhren unter anderem, dass der Diemelradweg noch eher als Geheimtipp zu betrachten ist. 

Natur pur und Ruhe
Wer Ruhe liebt und die Natur, ist am Diemelradweg bestens aufgehoben. Was gibt es schöneres, als in einem grünen Tal die Vögel zwitschern und nebenan die Diemel rauschen zu hören. Gelbe Farbtupfer steuerten riesige Rapsfelder ebenso bei wie die von Löwenzahn bestandenen Wiesen, auf denen braune Kühe sich an dem fetten Gras gütlich taten.
Der als "familienfreundlich" titulierte, hervorragend ausgeschilderte Radweg birgt zwar manche Steigung, aber die meisten sind recht kurz und nicht zu steil. Nur nach Padberg hinauf muss man sich etwas mehr quälen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir nach einer gemütlichen Tour mit vielen Pausen den Diemelstausee. Die Mittelgebirgsluft und das "andere" Klima bewirkten, dass wir alle drei eine gewisse Müdigkeit verspürten, obwohl wir nur 30 km zurück gelegt hatten. So bezogen wir unser Quartier in Heringhausen und ließen die Fahrräder in der Garage stehen. Die Wanderung durch den kleinen Ort, dessen Name nicht vom gleichnamigen Fisch kommt, sondern etwas mit "Heer" zu tun hat, führte schnell zur Gaststätte Seeblick, wo man zu zivilen Preisen ausgezeichnet speisen kann.
Der "Verdauungsspaziergang" entlang des Ufers führte uns vorbei an der mit 26,42 Metern "Längsten Bank Hessen".


Auf nach Warburg
Am nächsten Morgen radelten wir zunächst durch die Baustelle der neuen Seeumfahrung und erreichten bald die Staumauer. Hinter Marsberg, einem lebendigen, zur Pause einladenden Städtchen, weitet sich das Diemeltal und der durchweg asphaltierte Weg führt meist eben enlang genau der Bahnlinie, auf dem wir einen Tag zuvor erst angereist waren. Außer auf dem letzten Teilstück durch den Wald bei Helmarshausen (bei Nässe glitschig!) ist der Diemelradweg in einem vorbildlichen Zustand und unbedingt empfehlenswert.

Aber: Bitte nicht weitersagen, damit man auch weiterhin die Ruhe in der Natur so ungestört genießen kann.

Marsberg:
In Obermarsberg soll mit der Irminsul auf der Eresburg das wichtigste Heiligtum der Sachsen gestanden haben. Nach deren Zerstörung durch Karl den Großen entstand an dieser Stelle eines der ältesten Klöster in Westfalen, das später an das Kloster Corvey fiel. Niedermarsberg entwickelte sich zu einem Handelsort, war aber politisch abhängig von Obermarsberg. Bedeutend war in der Gegend seit dem frühen Mittelalter der Bergbau und die Verarbeitung von Erzen.
Quelle und mehr

Vorbei an Westheim mit seinen Diemelstaustufen, an Wrexen, wo wir die A 44 unterqueren und wo der Hessische Radfernweg HR6 beginnt, über Scherfede und den schmucken Luftkurort Germete erreichen wir die frühere Hansestadt Warburg. Von der Diemelbrücke aus bietet sich das imposante Panorama einer an den Berg gebauten Stadt. Mit dem Fahrrad ist man in wenigen Minuten auf dem Platz Am Markt. Geht man um das Rathaus herum, belohnt einen der Panoramablick auf Kirch- und Wehrtürme aus unmittelbarer Nähe.

====================================
"Was sollen die ganzen Fahrräder hier? Ich nehme
mein Auto doch auch nicht mit in die Bahn!"

Dummer Spruch eines Reisenden, der im Fahrradabteil saß und verhinderte,
dass die Fahrräder ordentlich abgestellt werden konnten
=====================================

Nach Bad Karlshafen
Der Diemelradweg ist, wie schon gesagt, nur knapp über 110 km lang. Geübte Radler schaffen das an einem Tag. Aber man sollte besser etwas mehr Zeit einplanen, da es eine Menge zu sehen gibt. Vor allem die schönen Ausblicke, zum Beispiel auf den von einer Burg gekrönten Deseberg bei Warburg, sollte man in sich aufsaugen.

Kurz hinter dem malerischen Viadukt bei Haueda - kurz vor Liebenau -, der sich anmutig in der Diemel spiegelt, verliert unser Mitfahrer seine Pedale. Nach einigen Kilometern "ohne" stoßen wir auf einen alten Bauernhof und einen Kiosk. Inhaber Rudi gibt uns den heißen Tipp, dass ein Mädel auf dem Bauernhof mit alten Fahrrädern bastelt. Zehn Minuten später ist die Ersatzpedale montiert und die hilfreiche Dame um die zunächst strikt abgelehnte Spende von fünf Euro reicher.

Ein mächtiger Baum überragt das Diemelufer an der Brücke von Lamerden: die Friedenseiche von 1872. Bei Eberschütz mit seinen bekannten Klippen donnert die Bahn durchs Tal und wirkt in der weiträumigen Landschaft doch wie ein Modellbahnzug. Wir passieren Schloss Stammer, wo heute Senioren residieren, und schauen uns auf dem zum Paddlerparadies umfunktionierten Gutshof um. Von dort hat man einen schönen Blick auf die Trendelburg, die wir bald zwischen leuchtenden Rapsfeldern passieren.

Bei Trendelburg wurde im September 2014 ein über 160 Jahre alter Eisenbahntunnel für Fahrradfahrer und Wanderer freigegeben. Damit erhält der Hessische Radfernweg R4 - hier zugleich Diemelradweg - eine neue Attraktion.YouTube-Video

Nun sind es nur wenige Kilometer, bis wir das Wasserschloss Wülmersen erblicken, wo gerade die Akteure mittelalterlicher Ritterspiele fleißig übern. Aus dem Kellerverließ ertönt lautes Kampfgeräusch ... Noch eine Diemelschlinge weiter sehen wir die Krukenburg, die unseren Zielort, das schmucke Helmarshausen kurz vor Karlshafen, überragt. Das Quartier ist schnell gefunden, so dass reichlich Zeit für einen ausgiebigen Ortsrundgang bleibt. Ein kleiner, gemütlicher Ort, der mich ein wenig an die vielen kleinen Weindörfer an Rhein und Mosel erinnert.



Der Landgraf-Carl-Kanal verläuft als schmaler Wasserweg südlich des Ortes Helmarshausen und des Flusses Diemel durch die Wiesenlandschaft. Er sollte Carlshafen mit der Residenzstadt Kassel auf dem Wasserwege verbinden. Einige Wehre und Schleusen zwischen Bad Karlshafen und Trendelburg sind noch Relikte dieses ehrgeizigen Projektes aus der Bauzeit um 1710 / 1730, das jedoch nicht vollendet wurde. Im Bereich Helmarshausen gibt es noch entsprechende bauliche Anlagen (Wehre) sowie Wassermühlen aus späterer Zeit. Quelle: Wikipedia

 

Heimfahrt nach Hannover
Von Helmarshausen erreichen wir über das sehenswerte Bad Karlshafen, das ebenfalls noch in Hessen liegt, wieder niedersächsisches Gebiet. An der Weser entlang, unserer "Hausstrecke", fahren wir nach Hagenohsen und biegen ab gen Springe, wo wir zum günstigen Großraumtarif (Fahrräder sind sonntags frei) über Hannover nach Burgdorf heimkehren.

Fazit: Drei erlebnisreiche Tage, die uns zeigten, dass es noch viele unentdeckte Perlen unter den deutschen Radrouten gibt. Die Diemel sollte man sich als naturliebender Radler nicht entgehen lassen. Vor allem dann, wenn man in der Nähe beheimatet ist.



Sehenswert: Bad Karlshafen an der Mündung der
Diemel in die Weser.


Literatur  
Diemel-Radweg, Radwanderkarte BVA-Spiralo, 1:50.000
weitere Infos und Bestell-Link


Etappen
  
Bahnanreise von Burgdorf über Hannover, Altenbeken, Warburg und Brilon-Wald nach Willingen (4 x umsteigen !!!)
Tag 1: Von Willingen/Upland nach Heringhausen 30 km
Tag 2: Von Heringhausen nach Helmarshausen 96 km
Tag 3: Von Helmarshausen nach Springe 115 km

gesamte Diemeltour: 126 km inkl. Quelle

Weitere Radelbücher und Karten hier

Diemel-Idyll - auch ein Paddelparadies.

Marsberg: Steile Straße nach Obermarsberg.

Padberg erreicht man nach einer langen Steigung.


DVD mit über 300 Bildern von der Diemelradtour hier

Trailer zur DVD bei YouTube:
Von Willingen zum Diemelsee
Teil 2: Rausch in Gelb

zurück zur Hauptseite

Spickzettel
Route:
Diemelradweg
Start/Ziel:
Willingen/Upland (Hessen), Weser
Bahnanreise:
Willingen, Bad Karlshafen/Weser
Länge:
126 km; Etappen
Schwierigkeit: stärkere Steigung bei Padberg, kurze Steigungen bei Trendelburg; durchweg gute Wegequalität, bei Nässe im unteren Teil ab Trendelburg evt. aufgeweichte Waldwege 
Übernachten: Quartiere
Internet: offizielle Homepage 
Radwanderführer: siehe unten



Der Viadukt von Willingen/Upland (Hessen).

Die Diemelquelle.

Viele gemütliche Einkehrmöglichkeiten warten am Diemelradweg. Im Winter wird beim Hüttenschorsch allerdings Ski gelaufen.

Blumenwiesen und schöne Ausblicke - und vom Tal her rauscht die Diemel.

Schmucke Dörfer bieten Abwechslung.

Abendstimmung am Diemelsee.

Hessens längste Bank steht in Heringhausen.

Blick aufs malerische Warburg.



Die Ruine grüßt vom Desenberg bei Warburg.

Diemel-Spiegeleien: Viadukt bei Haueda.

Eine Vegatation wie im Altmühltal - und sogar ähnliche Felsformationen findet man bei Eberschütz.

Blick auf die Trendelburg.



Helmarshausen mit der Krukenburg ist in Sicht.



Das Radwanderbuch zur Tour

mehr Bücher und Radwanderkarten