Radtouren A bis Z
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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2011

Vier Währungen und vier fremde Sprachen auf einer ungewöhnlichen Reise 
340 km Radelstrecke absolvierten die Aue-Radler aus Burgdorf bei Hannover auf ihrer Radtour mit dem polnischen Veranstalter Grün Travel zwischen Danzig und Riga. Mangels erschlossener Radwege mussten längere Strecken zwischendrin per Bus absolviert werden. Polen, Russland, Litauen und Lettland mit unterschiedlichen Sprachen und Währungen stellten an die 16 Teilnehmer ganz besondere Anforderungen. Nur in Litauen und Lettland radelten wir auf einem ausgewiesenen Fernradweg: dem E10.   Teil 2: Klaipeda-Riga - Video

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Fernradwegen in
Deutschland

Termine

Von Danzig nach Riga (1)

Durch vier Länder entlang der Ostseeküste per Rad, Schiff und Bus - Teil 1: Von Danzig über Königsberg nach Klaipeda
 
Lange Zugfahrt: ab Hannover zwölf Stunden bis Danzig plus eine halbe Stunde Verspätung wegen Baustellen. Abends noch ein kleiner Stadtbummel und 21 Uhr Essen im Café Balsam: gut und preiswert, ein freundlicher, Deutsch sprechender junger Mann, der zwei Jahre in Cuxhaven verbracht hat. Super!.

Der erste ganze Tag ist unser Zusatztag in Danzig und wird individuell unterschiedlich genutzt, meist für einen zwanglosen Stadtbummel. Wir und einige andere fahren mit dem Schiff zur Westerplatte. Sehr interessant und eindrucksvoll. Vor allem die Sicht auf die Mottlau-Uferbebauung einmal von der Wasserseite ist sehr stimmungsvoll. Ein Gitarrespieler untermalt das vorbei gleitende Panorama mit auf Polnisch vorgetragenen bekannten Seemannsliedern. Abends eintreffen unserer beiden Veranstalter samt Bus und Fahrrädern und ab 20 Uhr Instruktionen zum Ablauf unserer kombinierten Rad- und Busreise mit eingestreuter Schiffsüberfahrt.  

Tag 2: Danzig erleben  
Der erste offizielle Tag. 8 Uhr Frühstück. 9 Uhr draußen Treffen mit der Stadtführerin, Busfahrt zum Denkmal der Werftarbeiter und vierstündige Tour durch Danzig mit Brigittenkirche, Polnischer Post, Marienkirche, Bernsteingeschäft und vielem mehr. Kurz nach 13 Uhr gemeinsames Mittagessen in einem Restaurant und anschließend wahlweise Fahrt zu einem Orgelkonzert oder Freizeit. 

Ich bin geschafft und wähle die Freizeit.

Mehr über Danzig finden Sie hier !

Mein Video über Danzig bei Youtube (2007)

Mein Video über eine Hafenrundfahrt in Danzig (2011)

 

Tag 3: Frombork/Frauenburg (Polen)  

Der erste Radeltag beginnt nach dem Übersetzen mit der Weichselfähre unweit des Badeorts Jankar. Es dauert natürlich ein wenig, bis die Räder auf die jeweiligen Fahrerinnen und Fahrer eingestellt sind. Dann kann es losgehen.

In Katy Rybackie unternehmen wir einen Abstecher zum Strand. Hier kann man beim Buddeln auf kleine Bernsteinstücke stoßen. Nach 25 km auf dem Sattel erreichen wir den Hafen von Krynica Morska, von wo aus wir per Schiff nach Frombork übersetzen. Vom Schiff pilgern wir direkt zum Frauenburger Dom, den wir besichtigen. Natürlich erklimmen wir auch den Turm, genießen den Blick übers Frische Haff und lassen uns beim Auf- und Abstieg die Lehre des Kopernikus erläutern. Ein Experiment mit einer an einem langen Seil über einem Sandkreis aufgehängten Kugel beweist, dass sich die Erde tatsächlich dreht.

Tag 4: Kaliningrad/Königsberg  

Wir brechen früh in Frombok auf und erreichen schon gegen 8.40 Uhr die Grenze zum Gebiet Russlands, der russischen Exklave des Gebietes Kaliningrad (Oblast Kaliningrad). Die Abfertigung dauert normalerweise eineinhalb bis zwei Stunden, wir brauchen ein wenig länger.

Am Nachmittag erreichen wir Kaliningrad und unternehmen eine Stadtrundfahrt durch die mehr als 400.000 Einwohner zählende Stadt. Dabei kommt der Bus beim Überqueren der Straßenbahngleise ganz schön ins Holpern. Fahrradfahrer sieht man kaum, meist fahren diese auf den Gehwegen.

Das bleibt haften von der Stadtrundfahrt durch Königsberg: der Bahnhof, in dem man nicht fotografieren darf (Aufpasser sind sofort da!), ein paar Stadttore bzw. Reste davon, riesige, vielfach stark heruntergekommene Plattenbauten, ein großer Hafen und ein paar Schmuckstücke neuerer Art wie die riesige orthodoxe Kirche: die Christ-Erlöser-Kathedrale am Siegesplatz.

Diese Kathedrale ist das erste größere russisch-orthodoxe Kirchengebäude in Kaliningrad. Bis dahin mussten orthodoxe Gottesdienste in ehemaligen deutschen protestantischen Kirchen und anderen angepassten Räumen durchgeführt werden. Quelle und mehr

Wir erfahren, dass die Wohnungen einst sozialisiert worden sind, aber die Bewohner heuet nicht das Geld haben, diese und das Haus instand zu halten. Heutzutage sind Wohnungen für den Normalbürger nahezu unerschwinglich. Und die Schere zwischen Armen und Reichen ist in Russland besonders weit geöffnet. So sind vor allem die großen Wohnblöcke teilweise in einem miserablen Zustand.

Königsberg, seit 1946 russ. Kaliningrad, 1255 gegründet, war von 1457 bis 1945 Hauptstadt und kulturelles sowie wirtschaftliches Zentrum des östlichen Preußen und war die östlichste und nördlichste Großstadt des Deutschen Reiches. Die Stadt liegt im Samland, unweit der Ostseeküste zwischen dem Frischen Haff und dem Kurischen Haff. Das bedeutendste erhaltene Gebäude ist der Dom, neben dem ein Denkmal an einen berühmten Sohn der Stadt erinnert: an den Philosophen Immanuel Kant. Quelle und mehr zu Königsberg  
Virtuelle Domführung

Fazit: Von Königsberg, wie wir es von alten Bildern kennen, ist kaum etwas übrig. Kein Wunder, dass Heimwehreisende bald wieder frustriert die Rückfahrt antreten.

Sonnenuntergang in Rauschen.

Tag 5: Nach Svetlogorsk (Rauschen)  

Der Bernstein bestimmt diesen Tag. Wir radeln zur Bernsteinmine bei Jantarny (Palmnicken), graben kleine, zuvor von einer netten Dame hinein geschüttete Bernsteinsplitter aus einem Sandkasten aus, besuchen eine Werkstatt, wo der Bernstein geschliffen und gebohrt wird und kaufen zum Abschluss preiswert ein.

An der samländischen Küste wurde schon zu Zeiten des Deutschen Ordens Bernstein gesammelt. Das Werk gehörte später zur Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft, die 1912 den Tagebau einführte. Quelle und mehr zum Bersteinabbau

Die Sowjetunion führte das Werk unter dem Namen Russkij Jantar (russischer Bernstein) und förderte jährlich etwa 600 Tonnen Bernstein. Auf Anordnung der russischen Aufsichtsbehörde für Technologie und Umweltschutz wurde die Bernsteinförderung 2002 eingestellt, einige Zeit später aber wieder aufgenommen. Im Jahre 2008 wurden in unmittelbarer Nähe der Küste in der Grube „Primorskoje“ etwa 500 Tonnen Bernstein gefördert.

Bernstein ist bis zu 260 Millionen Jahre alt. Aus dem zähflüssigen Harz damaliger Bäume wurde im Laufe der Zeit eine feste, amorphe (nicht kristalline) Substanz. Somit ist Bern„stein“ zwar kein Mineral oder Gestein, zählt aber, soweit seine Eigenschaften eine Verarbeitung zulassen, wie dies z. B. beim Baltischen und Dominikanischen Bernstein der Fall ist, dennoch zu den Schmucksteinen. Quelle und mehr

Das Land wirkt herunter gekommen und verarmt, die Straßen weisen teils lebensgefährlich tiefe Löcher auf. Man muss höllisch aufpassen, nicht mit dem Vorderrad in eine solche Untiefe hinein zu fahren.

Die Landschaft ist auch ziemlich eintönig, so dass wir froh sind, am Abend endlich den Badeort Rauschen zu erreichen. Gutes Hotel, ein Touristenmarkt entlang der Strandstraße und eine schöne Strandpromenade. Der herrliche Sonnenuntergang lässt fast vergessen, in welchem Land wir uns befinden.  

 

Tag 6: Nach Nida (Niden/Litauen  

Die Fahrt über die Kurische Nehrung in Russland, die in Cranz beginnt, bringt uns bei Regen zweieinhalb Stunden lang keine rechte Freude. Das Meer blickt nur mal flüchtig durch den Wald, die Nässe hält immerhin die Mücken fern. Landesüblich muss der Reiseleiter wieder eine Art Durchfahrtvisum beschaffen - das kostet natürlich einige Rubel.

Mittagspause in einem Restaurant mit Biergarten, anschließend geht es - der Regen hat aufgehört - bis zur Fahrradverladung noch ein paar Kilometer weiter. Grenzübertritt ohne Probleme innerhalb einer guten Stunde und Fahrt auf der Kurischen Nehrung nach Litauen. Keine Kontrolle auf der litauischen Seite - wir empfinden wieder das Gefühl der Freiheit. Die verwaisten Abfertigungsgebäude wirken wie Relikte aus einer anderen Zeit.

Ankunft im touristisch erschlossenen Fischerort Nida (Nidden), durch den der Europäische Fernwradweg E10 verläuft. Wir sind in einer ganz anderen Welt. Bunte Häuser, fröhliche Menschen, die das Johannisfest begehen, und tolle Radwege.

Überall in Nida findet man beim Johannisfest fröhliche Menschen.

In Litauen brennen in der Nacht vom 23. Juni auf den 24. Juni die Johannisfeuer, die laut Sagen aus Ostpreussen Gewitter, Hagelschlag und Viehsterben vertreiben sollen. Litauen feiert den Johannistag mit Musik, Tanz, Gesang und bunten Trachten, die Glück und Gesundheit für das nächste Jahr bringen sollen. Hier ist man bis heute nachts auf der Suche nach der Farnkrautblüte. Sie blüht nur einige wenige Stunden und soll Reichtum und Glück bringen. In Litauen soll diese Farnblüte nicht nur reich machen, sondern auch hellsichtig. Man glaubt, dass in der kürzesten Nacht des Jahres Pflanzen und Wasser eine besondere Kraft haben, mit denen dann Krankheiten zu heilen sind oder die Fruchtbarkeit des Bodens erhöht werden kann.

Nida ist mit seinen bis zu 60 Meter hohen Dünen, die sich bis hin in den russischen Teil der Nehrung erstrecken, einzigartig. Besonders auffallend sind in Nida die farbenfrohen kurischen Holzhäuser. In den typischen Farben kobaltblau, titanweiß und eisenrot mit ihren bunten, teilweise etwas verwilderten Blumengärten, werden diese als Wohnhäuser, Verkaufsläden, Bistros, Pensionen, Hotels oder als Restaurants genutzt. Vor vielen Häusern stehen die auffälligen Kurenkahnwimpel

Die bunten, handgeschnitzten Wimpel auf den Kähnen des Kurischen Haffs sind eines der beliebtesten Motive von Malern und Fotografen gewesen. In der der uns bekannten Form existieren sie erst seit der Jahrhundertwende. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Schon früher verbrachten Künstler und Schriftsteller viel Zeit in Nida, unter ihnen der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (Buddenbrooks), die Maler Corinth, Pechstein und Mollenhauer. Das Ferienhaus/Sommerhaus von Thomas Mann ist auch eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten von Nida. Er hat dort von 1930 bis 1932 drei Sommer mit seiner Familie verbracht. Sein ehemaliges Haus beherbergt heute das Thomas-Mann-Kulturzentrum und ein kleines Museum.

Quelle und mehr: litauen.info - Sehr schöne Nida-Homepage

Quelle und mehr über die Kurische Nehrung


Tag 7: Hafenstadt Klaipeda (Memel)  

Nach dem morgendlichen Besuch des Thomas-Mann-Hauses und einem Abstecher zur Düne von Nida radeln wir auf einem tollen Radweg küstennah Richtung Klaipeda.

Unterwegs wandern wir in den Nationalpark Kuršių Nerija (litauisch Kuršių Nerijos Nacionalinis Parkas, KNNP). Dieser Nationalpark wurde 1991 nach der Unabhängigkeit Litauens zum Nationalpark erklärt, nachdem bereits seit 1961 hier ein Landschaftsschutzgebiet bestand. Der Nationalpark nimmt den gesamten litauischen Teil der Kurischen Nehrung ein.

Neringa heißt der Zusammenschluss der Orte Alksnyne, Nida, Preila, Pervalka und Juodkrante, die wir auf unserer Tour entlang der Kurischen Nehrung in Litauen passieren. In Juodkrante besichtigen wir den Hexenberg, auf dem viele Holzstatuen zu den dazugehörigen litauischen Märchen stehen, und unternehmen eine kleine Radtour entlang der Küste zu unserem Picknickplatz. Denn das Mittagessen wird jeden Tag in freier Natur an einem schönen Plätzchen eingenommen. Das passende Wetter dazu haben wir ja ...

Leider gibt es in Litauen, dessen Hauptstadt Vilnius heißt, nur wenige Informationen in Englisch und noch weniger in Deutsch, so dass man sich erst zu Hause im Internet schlau machen kann, falls man keinen gedruckten Reiseführer (siehe unten) dabei hat. Und die litauische Sprache hat keine Ähnlichkeit mit irgendeiner der uns vertrauten europäischen Sprachen.

Das Litauische zeichnet sich durch viele erhaltene altertümliche grammatische Formen aus, die sich zum Teil auch im Sanskrit (einer zusammengesetzen Sprache) oder in anderen alten indoeuropäischen Sprachen wiederfinden. Quelle und mehr

Gegen Abend erreichen wir, wieder per Bus, die Hafenstadt Klaipeda. Von dort gibt es Fährverbindungen nach Deutschland.

Im Internetportal litauen.info lesen wir: "Klaipeda ist die drittgrößte Stadt in Litauen mit etwa 183.000 Einwohnern und unbestritten Wirtschaftszentrum und Kulturzentrum von Westlitauen. Der Hafen von Klaipeda ist der nördlichste eisfreie Hafen an der Ostküste der Ostsee und eine der Attraktionen der Region. Er ist die wichtigste Transportverbindung zwischen Ost und West. Jährlich laufen hier mehr als 7000 Schiffe aus 45 Ländern ein und es werden rund 20 Millionen Tonnen Fracht geladen. Quelle und mehr

Dieses Denkmal wurde im Jahre 2003 anlässlich des 85 Jahrestages des Tilsit-Aktes und des 80 Jahrestages der Vereinigung Litauens mit dem Memelgebiet gebaut. Mit einem Gewicht von 150 Tonnen und einer Höhe von 8,50 Metern ist es eines der imposantesten Granit-Denkmäler Litauens. Quelle und mehr über Klaipeda

Eine weitere Sehenswürdigkeiten in Klaipeda ist das Simon-Dach-Denkmal. In der Mitte des Theaterplatzes befindet sich ein Springbrunnen mit eine Skulptur von „Ännchen von Tharau". Das Denkmal mit dem kleinen Mädchen wurde 1912, durch den Berliner Alfred Kune, zum Gedenken an den in Klaipeda geborenen deutschen Dichter und Schriftsteller Simon Dach errichtet. Quelle und mehr

Teil 2: Klaipeda-Riga

DVD zur Tour - Trailer

Weitere Informationen auf Anfrage - Termine

 

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Denkmal auf der Danziger Westerplatte. Video über die Hafenrundfahrt mit einem Nostalgieschiff.

Gruppenbild mit Reiseleiter (rechts) in Frauenburg.

Die Wege und Straßen sind im Gebiet Kaliningrad häufig von schlechter Qualität - manchmal mit gefährlich tiefen Löchern.

Der Königsberger Hauptbahnhof. Drinnen darf man nicht fotografieren, was auch streng überwacht wird.

Altes ist in Königsberg fast nur noch auf Fotos zu sehen.

Rauschende Brandung: Schöner Strand in Rauschen.

Palmnicken: Riesige Statue am Eingang zur Bernsteinmine.

Bernsteinbearbeitung in Jantarny.

Verfallene Kirche in Russland.

Thomas-Mann-Haus in Nida.

Der Europäische Fernradweg E10 führt auch zu den Dünen bei Nida.

Bunte Häuser bestimmen den Fischerort Nida, der im Sommer zur Touristenhochburg wird.

Kurenkahnwimpel in Nida.

Auf meist wenig befahrenen Straßen unterwegs in Litauen und Lettland.

Nachbau eines historischen Seglers: Juodkrante.

Figuren aus litauischen Märchen sind auf dem Hexenberg in Juodkrante zu bewwundern.

Die größte Wanderdüne auf der Kurischen Nehrung.

Per Fähre in die Hafenstadt Klaipeda (Memel).

Eines der schönen Holzhäuser in Palanga.

 

Pressebericht auf myHeimat