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Autor: Dieter Hurcks Copyright 5/2016

Von Einbeck nach Dessau 
Der Europaradweg R 1 verläuft ab Einbeck durch das Leinebergland und dann durch den Harz zur Elbe. Teil 3 - Überblick - Teil 1

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Auf dem Europaradweg R1
quer durch Deutschland (4)

Nach Dessau, Wittenberg, Potsdam und Berlin
 
Der Europaradweg R 1 verläuft in Deutschland identisch mit der D-Route 3. Die Etappe von Einbeck in den Harz nach Wernigerode ist landschaftlich reizvoll, bietet aber den Waden des Radlers einige heftige Widerstände: Es geht häufig bergauf, weshalb man die Etappen durch den Harz nicht zu lang planen sollte. Zudem sind die Wege teilweise schlecht befahrbar und lückenhaft ausgeschildert. Ein Fahrradnavi ist hier - wie auch im späteren Verlauf der Tour - äußerst hilfreich.

 


Nach Bad Gandersheim

Von Einbeck in die ehemaligs bedeutende Eisenbahnerstadt Kreiensen rollen wir zunächst bequem auf dem Radweg neben der Landstraße ins Leinetal und begleiten eine zeitlang den Leine-Heide-Radweg. Zwischen Kreiensen und Bad Gandersheim verläuft die 2015 eröffnete, 800 km rund um Hannover führende Kulturroute auf der Trasse des Europaradwegs R 1. In Bad Gandersheim mit seinen knapp 10.000 Einwohnern sind schon die Vorbereitungen auf die Domfestspiele im Gange, die jedes Jahr rund 50.000 Menschen in die Stadt locken. Man hört den Chor bei der Probe. Mit einer Aufführung von Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ begann im Jahr 1959 die traditionsreiche Geschichte der Gandersheimer Domfestspiele. Seitdem finden diese jeden Sommer für mehrere Monate vor der beeindruckenden Westfront der zweitürmigen Stiftskirche statt, die in dieser Zeit mit einer mehrere Meter hohen Sichtschutzwand verkleidet ist.

Bad Gandersheim ist eine Kurstadt mit Soleheilbad und wird nach der Dichterin Roswitha von Gandersheim auch Roswithastadt genannt. mehr

Wir übernachten im Gästehaus nahe des ehemaligen Klosters Brunshausen, das direkt an der D-Route 3 liegt. Es wurde im 9. Jahrhundert als Benediktinerinnenkloster gegründet. Nach wechselvoller Geschichte als Nonnen- und Mönchskloster und evangelischer Konvent wurde Kloster Brunshausen im Jahre 1944/1945 als KZ Bad Gandersheim ein Außenlager des KZ Buchenwald. Heute besteht in der Klosterkirche und Teilen der Klostergebäudes ein Museum zur Geschichte Brunshausens und des Stiftes Gandersheim. mehr

 

Von Bad Gandesheim nach Goslar

Am nächsten Morgen geht es von der zwischen Leinetal und Harz gelegenen Stadt erst einmal bergauf gen Wolperode - nur ein kleiner Vorgeschmack auf die noch folgenden Strapazen dieses Tages, u.a. mit einigen längeren Kopfsteinpflasterstrecken, schlechten Wald- und Schotterwegen sowie Gegenwind. Ein Trost: Wo's raufgeht, geht's auch wieder runter: ab Wolperode etwa 3,5 km flott bergab. Bilderlahe und Bornhausen heißen die nächsten Ortschaften. Von der Höhe hat man einen wunderschönen Blick weit über den Vorharz und hinunter nach Seesen. Bei Hahausen überqueren wir die B 248 und radeln parallel zur Eisenbahnstrecke etwa 3,5 km in flotter Fahrt bergab, B 82 und Bahnlinie queren, auf der Straße weiter und vorbei am mit einer Dampfwalze zum Blickfang dekorierten Heimatmuseum nach Langelsheim hinein. Anschließend bleiben wir auf der Straße und fahren über Astfeld in die alte Kaiserstadt Goslar, eine Kreisstadt mit rund 50.000 Einwohnern. Die Altstadt von Goslar sowie das am südlichen Stadtrand liegende ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg zählen seit 1992 zu den Weltkulturerbestätten der UNESCO.

Ein weiterer Touristenmagnet ist die Kaiserpfalz. 1009 begann mit der ersten Reichssynode unter Heinrich II. die für Goslar wichtige Periode als eine zentrale Pfalz des Heiligen Römischen Reiches. Die Pfalz lag wahrscheinlich noch auf dem Georgenberg. Heinrich II. hielt 1015, 1017 und 1019 Hoftage und Synoden in Goslar ab. 1025 soll Konrad II. an der heutigen Stelle den Grundstein zur Kaiserpfalz gelegt haben. Quelle und mehr: Wikipedia

Durch Goslar führt übrigens auch der Weser-Harz-Heide-Radweg.

 

Nach Wernigerode

Nach einer ausgiebigen Besichtigung der an diesem Samstag bei herrlichstem Wetter von Touristen überfluteten Altstadt suchen wir die „Ausfahrt“ des R 1 gen Bad Harzburg. Aber weder in der Altstadt noch bei der Kaiserpfalz finden wir Radwegweiser, weder die des Europaradwegs noch jene des durch eine auf einem Besen reitende Hexe symbolisierten Harzrundwegs.

So radeln wir, unweit des bunten Feuerwehrturms (Steigerturm) nahe dem Breiten Tor, wegen des starken Gegenwindes zur Abkürzung gezwungen, entlang der verkehrsreichen B 498 nach Oker und über Harlingerode und Bettingerode nach Eckertal und Stapelburg, wo ein großes Schild auf die ehemalige Zonengrenze hinweist.

Von Stapelburg geht die Fahrt nach Ilsenburg, wo wir den Europaradweg R 1 wiederfinden, und weiter zum Kloster Drübeck. Dabei handelt es sich um ein ehemaliges Benediktinerinnenkloster. Es ist heute eine Tagungsstätte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland mit einem Pädagogisch-Theologischen Institut, einem Haus der Stille, einem Pastoralkolleg und einem Medienzentrum. Quelle und mehr

Über Darlingerode erreichen wir schließlich das rund zwölf Kilometer vom 1.141 Meter hohen Brocken entfernte, von einer Burg überragte Wernigerode, wo wir uns auf der Suche nach unserem Quartier zunächst gehörig verfahren und uns erst das Navi zum richtigen Ziel führt. Von der Pension sind es, Eingang: Breites Tor, leicht bergab drei Kilometer in die Altstadt, wo das nach dieser anstrengenden Etappe servierte Abendessen mehr als verdient ist.

Durch Wernigerode (ca. 33.000 Einwohner) verläuft übrigens die Eisenbahnstrecke Halberstadt–Vienenburg, die Halle und Hannover verbindet. Die Stadt ist also per Bahn gut erreichbar. Wernigerode hat sehr viele touristische Attraktionen (Bauwerke). Der Stadtkern besteht zum großen Teil aus niedersächsischen Fachwerkhäusern. Besonders markant ist das Rathaus. Sein heutiges Aussehen erhielt es nach einem Brand (1521) und einem weiteren Umbau in den Jahren 1539 bis 1544. Besonders bemerkenswert sind die geschnitzten Figuren, mit denen die Geschoss- und Dachüberstände verziert sind. Es gilt als eines der schönsten Rathäuser Europas.

Das neugotische Wernigeröder Schloss thront markant über der Stadt und ist schon aus der Ferne gut zu erkennen. Auch die Umgebung von Wernigerode ist äußerst reizvoll. Hier startet die Harzer Schmalspurbahn, die über Schierke zum Brocken sowie quer über den Harz nach Nordhausen in Thüringen fährt. Quelle und mehr

Von Wernigerode nach Staßfurt

Die „Bunte Stadt am Harz“, wie die Marketingfachleute Wernigerode, der Einschätzung von Hermann Löns folgend, zu Recht bezeichnen, verlassen wir, wieder bei Gegenwind, auf der Straße nach Benzingerode. Nagelneue Radwegweiser deuten darauf hin, dass die ursprünglich am Waldrand verlaufende Route auch hier geändert wurde. Diskrepanzen zwischen Radwanderführer, GPS-Track und Ausschilderung haben uns mehrfach irritiert, was letztendlich zu einigen Falschfahrten führte. Auch ein entgegenkommender Radler fluchte gehörig und meinte, ohne GPS-Navi wäre er völlig aufgeschmissen gewesen.

Hinter Benzingerode mit seiner markanten Dorfkirche im neuromanischen Stil, die 1903 als Nachbildung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche errichtet wurde, verlassen wir die Straße und radeln entlang des Waldrandes vorbei an der Mönchemühle mit ihrem Stauteich Richtung des ehemaligen Zisterzienserklosters  Michaelstein, wo sich eine Pause angesichts der idyllischen Lage an der Straße der Romanik geradezu anbietet. Von dort nähern wir uns Blankenburg, wo wir uns den Schlossberg hinauf kämpfen und durch einen herrlichen Blick über die Stadt belohnt werden. Das Große Schloss Blankenburg wurde im Wesentlichen in der Barockzeit auf der Grundlage älterer Bausubstanz errichtet. Quelle und mehr

Das Schloss verlassen wir in südlicher Richtung mit dem Ziel Thale, das durch die Rosstrappe und dem gegenüberliegenden Hexentanzplatz weithin bekannt ist und zu Walpurgis von vielen feierwütigen Touristen heimgesucht wird. In Thale gibt es zudem mit dem Bergtheater eine der schönsten Naturbühnen Deutschlands. Die Stadt hat rund 18.500 Einwohner. mehr

Von Thale nehmen wir den Radweg entlang der Straße und gelangen hinter Neinstedt wieder auf die Route des Europaradwegs R 1. Diese verläuft zunächst auf Asphalt, später auf teilweise geschotterten Feldwegen Richtung Ballenstedt. Von der Höhe aus können wir links hinter leuchtenden Rapsfeldern die Skyline von Quedlinburg mit dem alles überragenden Schlossberg erblicken, während rechts im Tal die doppeltürmige Kirche von Gernrode zu sehen ist.

Vorbei an Ballenstedt geht es weiter nach Meisdorf mit seinem zum Hotel umfunktionierten Schloss und einem Museumshof und von dort, nach einer Pause in der Bauernschänke, nach Reinstedt. Entlang des Flüsschens Selke erreichen wir bald Hoym mit seinem weißen Schloss, in dem sich heute ein Pflegeheim befindet. Von Hoym radeln wir nach Nachterstedt und entlang des Concordiasees, des größten künstlichen Sees im Harzvorland in Sachsen-Anhalt, nach Schadeleben und weiter nach Staßfurt, wo wir im Ortsteil Gänsefurth übernachten. Tipp: Gut essen kann man bei Griechen am Ortseingang Staßfurth (Gänsefurther Straße/Am Botanischen Garten/Ecke Lödeburger Straße).

Rückblick: In Nachterstedt erinnern dort, wo einst eine Siedlung stand, nur noch Erdmassen und ein kahler Fleck an das Unglück mit drei Toten, bei dem ein Erdrutsch am 18. Juli 2009 Häuser mit sich in die Tiefe riss und Nachterstedt und die Seeland-Region für immer veränderte. mehr

Dürftige Beschilderung: Auf dieser Etappe war die Beschilderung besonders schlecht. Oft standen die Schilder außerhalb des Blickfelds, zum Beispiel seitlich hinter einer Hausecke, so dass sie leicht zu übersehen waren. Vielleicht hat der Schilderaufsteller ja seitlich auch noch ein paar Augen? Bei Wegegabelungen war der Radwegweiser-Geradeauspfeil meistens genau in der Mitte platziert, so dass man raten musste, welcher der beiden Wege denn nun für die Weiterfahrt der richtige war. Die Karte half da auch nicht immer weiter. Wenn wir Glück hatten, trafen wir in den allgemein menschenleeren Dörfern und Kleinstädten jemanden, den wir fragen konnten und der uns nicht auf die Bundesstraße schickte. Einmal habe wir sogar aus lauter Ratlosigkeit bei einem Haus angeklingelt ...

  

Von Staßfurt nach Dessau

Von unserem Quartier in Gänsefurth (mit H) radeln wir entlang des Flüsschens Bode nach Staßfurt (ohne H) hinein. Zuvor treffen wir auf die Reste der ehemaligen Radio- und Fernsehfabrik RFT. Rundfunk- und Fernmelde-Technik (kurz RFT) war der Name eines Herstellerverbundes von verschiedenen Unternehmen der Nachrichtentechnik in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). 1997 wurde nach 40 Jahren die Produktion von Fernsehgeräten eingestellt.

Rechts der Staßfurter City-Brücke, wo auch die Eisenbahn das Fließgewässer quert, befindet sich eine Einkaufsstraße. Dort kann man das eine oder andere für die Tour einkaufen oder den erhaltenen Rest der Stadtmauer besichtigen.

Staßfurt, eine Stadt im Salzlandkreis (Kfz-Kennzeichen: SLK) mit knapp 27.000 Einwohnern, liegt in Sachsen-Anhalt und wurde am 31. Januar 1851 Geburtsort und Wiege des weltweiten Kalibergbaus. Zu DDR-Zeiten entstanden die beiden unübersehbaren Plattenbau-Siedlungen „Leninring“ (heute „Nord“) und „Am Tierpark“, während die Bausubstanz der Innenstadt – sofern sie nicht wegen Bergschäden abgerissen werden musste – zunehmend verfiel. Erst die seit 1991 durchgeführte Stadtsanierung führte zu einer Trendwende. mehr zu Staßfurt

In einem der ältesten Häuser der Stadt aus dem 17. Jahrhundert befindet sich das Stadt- und Bergbaumuseum. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Fernsehgerätewerkes (RFT) befindet sich das Rundfunkmuseum des Vereins der Staßfurter Rundfunk- und Fernsehtechnik e. V. Das Fahrzeugmuseum Staßfurt in der Berlepschstraße erzählt die Fahrzeuggeschichte des Ostens.  Quelle und mehr

Vor der Bodebrücke geht es dann weiter ostwärts und bei der nächsten Brücke wieder ans andere Ufer. Auf der Fahrt nach Nienburg an der Saale (6.500 Einwohner) auf zunächst erstklassigen, später gelegentlich auch geschotterten Wegen ist die D-Route 3 samt Europaradweg R 1 mit der D-Route 11 vereint. Diese verläuft von Süd- nach Norddeutschland (Salzburg-Rosenheim-Rostock). In Hohenerxleben und Neugattersleben liegen zwei Schlösser am Wegesrand. Entlang der Bode rollen wir auf einem erstklassigen Betonstreifenweg nach Nienburg. Auf dem Platz vor dem Rathaus legen wir bei einem gemütlichen Café eine Pause ein. Sehenswert ist in Nienburg die gut erhaltene tausendjährige Klosterkirche St. Marien und St. Cyprian des Klosters Nienburg von 1004. Dabei handelt es sich um eines der bedeutendsten frühgotischen Bauwerke im mitteldeutschen Raum. Die Kirche gehört zur Evangelischen Landeskirche Anhalts und wird ökumenisch genutzt. Quelle und mehr

 

Entlang der Saale rollen wir auf dem Saaleradweg in Richtung Bernburg, fast 34.000 Einwohner zählender Verwaltungssitz des Salzlandkreises. Bis ins Zentrum sind es nur knapp zwei Kilometer. Da wir die Stadt bei der Saale-Tour schon kennengelernt haben, folgen wir dem Verlauf des Europaradwegs R 1 nach Roschwitz, wo auch der ausgeschilderte Lutherweg verläuft, ein Pilgerweg zwischen Eisleben und Wittenberg sowie Mansfeld.

Der Radweg verläuft nun querfeldein und ist recht gut beschildert - wenn man scharf gucken kann und die Schilder denn findet, die bisweilen weit in einer Einmündung stehen - etwa in Preußlitz.

Cörnigk und Biendorf (dort befindet sich im Schloss Biendorf nebst anderen Sammlungen die mit 70.000 Exponaten größte Fingerhutsammlung der Welt!) heißen die Ortschaften sowie Frenz, die wir auf dem Weg nach Köthen durchfahren. Auch Köthen bietet eine Besonderheit: Der Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann wirkte hier viele Jahre, und der homöopathische Weltärzteverband hat in Köthen seinen Sitz. Quelle und mehr

Hinter Köthen stoßen wir, kurz vor Osternienburg, auf einen Ort mit dem provokanten Namen Pißdorf. Klar, dass ich da etwas über den Ursprung dieses Namens wissen möchte. Die Mitteldeutschen Zeitung klärt auf: „Des Dorfnamens wegen haben die Pißdorfer schon manchen Spott ertragen müssen. Dabei hat der Name „Pißdorf“ seinen Ursprung nicht etwa in der deftigen Bezeichnung alltäglicher Körperfunktionen - Pißdorf ist nichts anderes als die Abschleifung eines ganz anderen Namens: Byschopestorp zum Beispiel, auch Bistorp und schließlich Bisdorf. Womit nichts anderes ausgedrückt wird als der Umstand, dass Pißdorf - 1342 erstmalig erwähnt - einst unter dem Patronat des Bischofs von Brandenburg stand.“ Quelle

 

Das Rätsel um Dessau und Roßlau

Auch der nächste Ort, ein Künstlerdorf namens Reppichau, bietet einige Besonderheiten: Kunst am Wegesrand von einer kleinen Kopie des Dresdner Fürstenzugs bis zum Sachsenspiegel. In Aken erreichen wir die Elbe, wo wir am Fährhaus eine letzte Pause einlegen, ehe wir uns in das Verkehrsgetümmel von Dessau stürzen und unser Quartier mit Hilfe des Navis nach einigen Schlenkern zielgenau finden. Zuvor waren wir allerdings ein wenig irritiert. Die Stadt heißt offiziell Dessau-Roßlau - und zum anderen findet sich auf der Karte der Ort Roßlau (Elbe) im Norden des Stromes. mehr

Die Auflösung: Dessau-Roßlau ist eine kreisfreie Stadt in Sachsen-Anhalt und hat gut 83.000 Einwohner. Sie ist bei der Kreisreform am 1. Juli 2007 aus der Fusion der kreisfreien Stadt Dessau und der vorher zum aufgelösten Landkreis Anhalt-Zerbst gehörenden Stadt Roßlau (Elbe) entstanden. Historisch war Dessau die Hauptstadt und Residenz des Fürsten- und späteren Herzogtums Anhalt-Dessau bzw. Anhalt.

Dessau, die Stadt des Bauhauses, liegt im Biosphärenreservat Mittlere Elbe und hat neben dem Schloss und Park Luisium und dem Schloss Oranienbaum den beeindruckenden Landschaftspark Großkühnau zu bieten. Also schon ein Ansporn, hier zu übernachten und die Stadt näher kennen zu lernen. Unser überteuertes, immerhin ruhig gelegenes Quartier bot übrigens ein gutes Beispiel, wie Design (Bad) und Hightech (Dusche) den Gebrauchswert erschlagen können. Vielleicht liegt's an dem Kunstanspruch der Stadt und ihrer Bürger?.

„In keinem Ort ist das Bauhaus so präsent wie in Dessau: Hier stehen die weltberühmten Bauhausbauten von Walter Gropius, Hannes Meyer, Carl Fieger, Georg Muche und Richard Paulick, die jährlich von über 100.000 Besuchern aufgesucht werden.“ Quelle - mehr übers Bauhaus

Dessau-Roßlau liegt inmitten einer ausgedehnten Auenlandschaft beiderseits der mittleren Elbe sowie an der Mulde, die im Stadtgebiet in die Elbe mündet, und wird durch das Zusammenfließen der beiden Flüsse jährlich von Hochwasser bedroht. Wenn die Elbe zu viel Wasser führt, kann das Muldewasser nicht vollständig in die Elbe abfließen und staut sich zurück. So wurde im Jahr 2002 der Stadtteil Waldersee vollständig überflutet.

Im Stadtgebiet befinden sich Teile des in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommenen Dessau-Wörlitzer Gartenreiches mit Schlössern und Gärten. Auf einer Nebenroute des R 1 gelangt man nach Wörlitz. Quelle und mehr

Nach Wittenberg

Da wir Wörlitz schon von der Elbetour und der Radtour Elbe-Spree kennen, nehmen wir die Hauptroute über Vockerode nach Oranienbaum. Über die Jagdbrücke queren wir die Mulde, passieren das Forsthaus Leiner Berg und radeln auf toller Piste gut beschattet zum Sieglitzer Berg. Im Sieglitzer Park befindet sich der restaurierte Landsitz Solitude. Die 1777 begonnene Solitude war ein kleines klassizistisches Haus in Form eines römischen Tempels. Die dorische Vorhalle war zur umgebenden Elbe-Landschaft orientiert. Als Treffpunkt für diplomatische Verhandlungen des Fürsten Franz während der Zeit, als die deutschen Kleinfürsten einen Geheimbund gegen die Habsburger bildeten (Fürstenbund), ist die Solitude ein Gebäude von historisch-politischer Bedeutung gewesen.

Solitude

Dessauer Tor und Burgtor im Sieglitzer Park sind weitere markante Punkte auf diesem Weg, der sich am Ende des Waldes aufteilt. Entweder radelt man nun links auf dem Damm Richtung Dianentempel und Wörlitzer Gartenreich oder rechts durch den Wald nach Vockerode. Wir halten uns rechts, passieren das das Kapernschlösschen und das „Reich des Bibers“, eine Biber-Freianlage, wo sich allerdings keines der Tiere zeigt. 

In Oranienbaum radeln wir durch den Schlosspark und über Goltweitz nach Jüdenberg. Kurz danach sehen wir ein Hinweisschild nach Ferropolis, das uns neugierig macht. Wir folgen dem Schild und kurz darauf einem Radwegweiser ohne Zielangabe (grüner Pfeil links ab), was sich als Fehler herausstellt.  

Schloss Oranienbaum

Im Radwanderführer zum R 1 ist die Darstellung des Sees nicht der Realität entsprechend. Das Baggermuseum, die „Stadt aus Eisen“ mit den riesigen Monstern aus dem Braunkohletagebau, liegt auf einer Halbinsel, während uns der  grüne Pfeil links um den See herumleitet, so dass wir das Museum nur aus der Ferne sehen. Ferropolis ist ein weltweit einzigartiges Freiluftmuseum, das an 150 Jahre Braunkohleförderung in Mitteldeutschland erinnert. Fünf vor der Verschrottung bewahrte Braunkohle-Bagger erinnern hier am Stadtrand Gräfenhainichens an eine untergegangene Industrieepoche. Auf einer Halbinsel, inmitten des Gremminer Sees, bilden diese 7.000 Tonnen Stahl ein begeh- und erlebbares Industriemuseum...

Wachhäuschen

Auch hier gilt wieder: Die Beschilderung auf dieser Tour war oft irreführend und gedankenlos. Ein Geradeauspfeil für Radler mit Zielangabe Ferropolis hätte unseren Irrtum leicht verhindern können. Echt frustrierend!

Immerhin sehen wir auf der Weiterfahrt nach Radis noch zwei skurrile Wachhäuschen auf Stelzen, anscheinend vorgesehen für die Wasserrettung an Badetagen. In ähnlichem Design ist übrigens so ein Häuschen in Binz auf Rügen gehalten. 

Schlosskirche

Am Bergwitzsee lässt es sich auf dem Campingplatz gut rasten. Nach 66 km erreichen wir, nach eindrucksvoller Überquerung der Elbe, um 15.30 Uhr die modernisierte Jugendherberge in Wittenberg. Sie liegt gleich neben der berühmten Schlosskirche mit der lutherschen Thesentür. Die Kreisstadt Wittenberg hat fast 47.000 Einwohner und darf sich 1938 amtlich Lutherstadt Wittenberg nennen. Klar, dass wir diese Stadt auf unserer Elberadtour ausführlich besichtigt haben.

Übernachten in Wittenberg

Wittenberg

Herausragende Bedeutung erlangte Wittenberg als eines der wichtigsten deutschen Zentren politischer, kulturgeschichtlicher und künstlerischer Bestrebungen im 16. Jahrhundert. Die weltberühmten Reformationsstätten in der Altstadt und in verschiedenen Epochen entstandene Gebäude zählen zu den bedeutendsten Stätten der deutschen Geschichte. Die Wirkungsstätten Martin Luthers, Philipp Melanchthons und Lucas Cranachs des Älteren werden bereits seit Jahrhunderten von internationalen Gästen aufgesucht. mehr über Wittenberg

Dies war die bislang leichteste Etappe auf durchweg gut befahrbaren und beschilderten Wegen, weil die Route oft süd- oder nordwärts und nicht direkt gegen den immer noch kabbeligen Ostwärts verläuft. Morgen verlassen wir Sachsen-Anhalt und gelangen nach Brandenburg.


Von Wittenberg nach Berlin

Nach der ausgiebigen Stadtbesichtigung am Nachmittag und Abend zuvor nehmen wir heute die letzte Etappe in Angriff. Die Fahrt geht auf gutem Untergrund stracks nach Norden in das große Waldgebiet, den Fläming. der mit vollem Namen „Naturpark Hoher Fläming“ heißt. Er ist mit seinen 827 km² das drittgrößte Großschutzgebiet im Bundesland Brandenburg und liegt im Landkreis Potsdam-Mittelmark (Kfz.-Kennzeichen PM).

Eine Besonderheit sind die vier mittelalterlichen Burgen im Fläming: Burg Eisenhardt in Bad Belzig, Burg Rabenstein, Burg Ziesar und das Schloss Wiesenburg.  

Rabenstein

In Burg Rabenstein ist eine Herberge mit Gaststätte untergebracht. Im Burghof finden regelmäßig Veranstaltungen wie das Mittelalterspektakel statt. In der Bad Belziger Burg Eisenhardt gibt es ein Museum. Außerdem ist dort ein Hotel untergebracht.

Ein touristischer Schwerpunkt im Naturpark Hoher Fläming ist der Gesundheitstourismus. Bad Belzig ist ein staatlich anerkannter Kurort, der seit 2010 den Namenszusatz „Bad“ führen darf.
Quelle und mehr

Soviel zum Hohen Fläming. Nach 20 km angenehmer Feld- und Waldfahrt erreichen wir Klein Marzehns. Ein Stück weiter statten wir, rechts den Hang hinauf fahrend, der schon erwähnten Burg Rabenstein, wo gerade eine Schulklasse untergebracht ist, einen Besuch ab und machen erst einmal Pause. Ein schönes Plätzchen!

Weiter geht's nach Grubo und Bad Belzig (11.000 Einwohner). Am Weg liegen diverse Überbleibsel der Eiszeit, der „Riesenstein“ und der „Brautrummel“ sind als Sehenswürdigkeiten in unserem Radwanderführer ausgezeichnet. Übrigens weist Bad Belzig mit dem Hagelberg (200 m) innerhalb des Stadtgebietes eine der höchsten Erhebungen im Norddeutschen Tiefland auf.  

Aus Bad Belzig fahren wir, da die Ausschilderung im Stadtzentrum, die uns nach der Kaffeepause nahe der Postmeilensäule die nächste ist, keine Zielangabe, sondern nur einen Richtungspfeil beinhaltet, ohne es zu merken wieder entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung. Wir folgen dann weiteren Pfeilen, die aber zu einer anderen Route gehören. So kann's gehen - und flugs ist man fernab der eigentlichen Route und merkt es, wenn die Kompassnadel die nahezu korrekte Richtung weist, erst zu spät. Wir fahren einige Kilometer links versetzt von der eigentlichen Route auf einem Waldweg namens Weitzgrunder Weg, der schnurgerade nach Norden verläuft. Unterwegs treffen wir auf den rund 400 km langen, mir bis dahin unbekannten Fernradweg Berlin-Hameln. Er ist nur in Niedersachsen durchgängig ausgeschildert, ansonsten sollte man laut Hinweis auf der Homepage den GPS-Track fürs Fahrradnavi nutzen. 

Erst nach etwa zehn Kilometern kommt eine befahrbareAbzweigung nach Osten, die uns nach Ragöse bringt. Der Ort ist gar nicht mehr auf unserer Radwanderkarte. Mit Hilfe des Navis finden wir Ragöse auf der elektronischen Karte und wissen nun: Es geht 6 km wieder zurück bis Schwanebeck, wo wir wieder auf die ab hier ostwärts verlaufende Trasse des R 1 treffen.

In Brück-Trebnitz wollen wir beim Hotel Zur Linde rasten, es hat aber geschlossen. Als der Inhaber uns sieht, bringt der freundliche Mann uns trotzdem ein Kaltgetränk und lässt uns allein in seinem Gartenpavillon etwas gegen den Durst unternehmen.

Über Brück und Borkheide geht's nach Neuendorf, dann durch Wald und entlang einer Bahnlinie nach Fichtenwald und zum Schwielowsee, wo wir nach dieser mit langen Waldwegen gespickten Tagesetappe und 103 km Tagespensum ein ruhig gelegenes Quartier beziehen.

Am nächsten Vormittag radeln wir dann entlang des Sees nordwärts, passieren die Baumgartenbrücke, treffen dort auf den Havelradweg, statten nach einer kurzen Fährüberfahrt in Caputh dem etwas versteckt liegenden Sommerhaus Albert Einsteins sowie dem Schloss einen Besuch ab, setzen erneut über die Havel und rollen nun entlang des Templiner Sees, oft nah am Wasser, gen Brandenburger Vorstadt und Potsdam. Vom Radweg aus kann man, so man will, direkt den Park Sanssouci ansteuern mit dem Schloss Charlottenhof, dem Neuen Palais und dem Chinesischen Teehaus sowie vielen weiteren Sehenswürdigkeiten. Leider darf im Park nur auf drei RoutenFahrrad gefahren werden. Dazu zählt der Ökonomieweg vom Grünen Gitter zum Neuen Palais. Auch im Neuen Garten und im Park Babelsberg jetzt darf auf einigen Wegen gefahren werden. mehr

 

Nach Berlin und bis zur Oder

Nach Berlin hinein sollte man besser den ruhigen, wenn auch etwas hügeligen Weg durch den Grunewald nehmen. Dort verläuft auch der Havelradweg. Gleich hinter der Glienicker Brücke geht es beim Schloss Glienicke links ab. Schöne Biergärten warten auf durstige Radler.

Während der Havelradweg hinter der Brücke über den Kleinen Wannsee ins Wasser geht - sprich: Übersetzen per Fähre - , verläuft die D-Route 3 (Europaradweg R 1) rechts der Havel mit ein paar Steigungen vorbei am Grunewaldturm Richtung Olympiastadion und von dort ostwärts, dem lauten Autoverkehr ausgesetzt, neben der B 2/B 5über Siegessäule und Brandenburger Tor zum Reichstag und Berliner Dom. Hier sind wir auch während unserer Radtour auf dem Mauerradweg vorbei gekommen.

An der Oder

Von Berlin nach Küstrin-Kietz an der Oder sind es nun noch gut 130 km - eine wieder etwas ruhigere Tour entlang des Großen Müggelsees. Auch ab Erkner führt die Route vielfach entlang kleiner eiszeitlicher Seen und durch den leicht hügeligen Naturpark Märkische Schweiz nach Neuhardenberg (natürlich gibt es auch hier ein Schloss) und weiter über Letschin an die Oder. Dort sollte man unbedingt übernachten und diese manchmal doch ganz schön anstrengende Tour nachwirken lassen. Die Ruhe des Oderbruchs und das Abendessen (natürlich mit frischem Fisch) sind der verdiente Lohn für mehr als 950 km Strampelei.

Vom Bahnhof Kietz aus kann man dann am nächsten Tag per Bahn die Rückreise antreten. Es sei denn, man radelt auf dem Oder-Neiße-Radweg weiter nach Frankfurt/Oder, nach Ueckermünde oder auf dem Europaradweg R 1 nach St. Petersburg.  

Fazit unserer Tour: Eine sehr abwechslungreiche, bisweilen nicht leicht zu bewältigende Strecke. Sichere Unterstellräume für Fahrräder waren nicht in allen unseren Quartieren vorhanden. Mal musste das Rad im Hausflur stehen, mal in einem nicht abschließbaren Verschlag, einmal sogar draußen. Insbesondere in Sachsen-Anhalt scheint man noch nicht so ganz auf Fahrradtouristen eingestellt zu sein. Das trifft auch auf die Ausschilderung zu.

 

Radweg Berlin-Hameln

Der Radweg Berlin-Hameln (RBH) ist einer der wenigen Radfernwege, die Deutschland in West-Ost-Richtung durchqueren. Das Betrachten der Landschaft und das Genießen des Radfahrens bestimmen die Wegführung. Auf fast durchweg gut befahrbaren Wegen radelt man – abseits des Autoverkehrs – durch Berg- und Flusslandschaften, durchquert die fruchtbaren Bördelandschaften, die waldreichen Regionen des Fläming und die Seenplatte der unteren Havel. www.radweg-berlin-hameln.de/

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Radwanderführer

 

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Kirche in Kreiensen

Bad Gandersheim

Heimatmuseum Langelsheim

Goslars Altstadt lohnt einen Besuch.

Blick von der Kaiserpfalz über Goslar

Ehemaliger Grenzverlauf bei Eckertal

Blick auf Ilsenburg

Rathaus Wernigerode

Wernigerodes Schloss überragt die Harz-Stadt.

Hexe, R 1 und D-Route 3 weisen - leider streckenweise nur lückenhaft - den Weg.

Eine Kopie der Berliner Gedächtniskirche steht in Benzigerode.

Schön gelegen: Kloster Michaelstein

Zwischen Thale und Gernrode: Fernblick auf Quedlinburg, für dessen Besuch man schon einen halben Tag einplanen sollte..

Museumshof Meisdorf

Schloss Hoym

Wegweisung: nicht immer eindeutig

Landschaftsidyll bei Gänsefurth/Stassfurt

Stassfurt an der Bode

Bode-Radweg Richtung Saale.

Blick auf die Saale vom Schloss Bernburg

Hinweis auf die weltgrößte Fingerhutsammlung im Schloss Biendorf

Kopfsteinpflasterstraße mit Radstreifen

Origineller Stadtturm in Köthen

Pißdorfer machen das Beste aus dem Namen ihres Ortes.

Dessau: Museum für Naturkunde

Alt und Neu liegen in Dessau ganz nah beieinander. Die Stadt war im 2. Weltkrieg wegen der Flugzeugwerke Ziel zahlreicher Bombenangriffe.

Dessau ist vor allem wegen des Bauhauses
berühmt. Foto: Lelikron (Wikipedia)

Burg Eisenhardt in Bad Belzig

Einsteins Sommerhaus in Caputh

Kleiner Triumphbogen in Potsdam

Dom und Filmmuseum Potsdam

Die D-Route passiert auch die East-Side-Gallery
an der Spree in Friedrichshain.

Frischen Fisch gibt es beim Fischerhaus an der Oder.

Hier, an der Oder bei Kietz, geht die D-Route 3 zuende, der Europaradweg R 1 wechselt nach 
Polen.







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