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Autor: Dieter Hurcks Copyright 5/2016

Von der holländischen Grenze nach Berlin. 
Der Europaradweg R 1 verläuft durch neun Länder:  von Boulogne sur Mère bei Calais in Nordfrankreich (Kanalküste) bis nach St. Petersburg. In Deutschland ist diese Route deckungsgleich mit der D-Route 3 des  im Aufbau befindlichen, aus zwölf Verbindungen geplanten deutschlandweiten Fernradwegenetzes. Die D-Route 3 wurde 2012 als erstes Projekt realisiert Pilotprojekt. Ein Erfahrungsbericht über den rund 800 km langen Abschnitt von Münster nach Berlin! 
Teil 2
- Überblick - Video bei YouTube

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

In Deutschland ist die
D-Route 3 identisch mit
dem Europaradweg R 1 (1)

Teil 1: Von der holländischen Grenze bei Vreden zum Teutoburger Wald bei Horn
 
Die fast 1000 Kilometer lange D-Route 3, deutscher Teil des 3.500 km langen Euroradwegs R 1, auch als Euroroute 1 bezeichnet, führt von der niederländischen Grenze bei Arnheim ostwärts durchs Münsterland bis zum Harz und weiter über die Lutherstadt Wittenberg, Potsdam und Berlin bis an die Oder bei Küstrin. Wer ein Tagespensum von 80 km einplant, benötigt also rund zwei Wochen für diese Strecke, besser mehr. Trailer bei YouTube

Wer die D-Route 3 bzw. den Europaradweg R 1 direkt an der Grenze zu den Niederlanden bei Vreden-Zwillbrock beginnen will, kann per Bahn nach Gronau, Ahaus oder Enschede anreisen. Unterwegs gibt es zudem viele Bahnstationen, die näher an der Strecke liegen und einen direkten Einstieg ermöglichen. Manchmal ist die Bahnanreise zwar etwas umständlich, weil die D-Route 3 auch weniger erschlossene Regionen durchzieht, aber das macht sie ja gerade so attraktiv für all jene, die einmal etwas Neues jenseits des Mainstreams entdecken möchten. Zum Beispiel Ostwestfalen und das reizvolle Weser- und Leinebergland.

Übernachten am Europaradweg 1 in Wittenberg

Von Holland nach Münster (114 km)

Der Radler, der auf dem Europaradweg R1 unterwegs ist, erreicht bundesdeutsches Gebiet beim Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn, an dem er bis zur Barockkirche des Örtchens Zwillbrock entlang radelt. Über Vreden und Stadtlohn führt der R 1 ostwärts, quert den Liesnerwald und die Autobahn 31, ehe er nördlich von Coesfeld (ein Abstecher zum Marktplatz lohnt) die Schlösserroute durchs Münsterland erreicht.

Das Schloss Varlar bildet den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Burgen und Schlössern, viele darunter von Wasser umgeben, die eine Menge über die Geschichte Deutschlands zu erzählen haben. Rund acht Kilometer weiter steht eines der für mich schönsten Schlösser: das Wasserschloss Darfeld, nordrhein-westfälischen Teil der D-Route 3 gelegen und liebevoll als "Westfalenradweg" bezeichnet.

Hinter Havixbeck sollte man unbedingt der Burg Hülshoff einen Besuch abstatten. Dort wurde 1779 die Schriftstellerin und Komponistin Annette von Droste-Hülshoff geboren. Am 24. Mai 1848 verstarb sie auf Schloss Meersburg am Bodensee, vermutlich an einer schweren Lungenentzündung. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof Meersburg nahe der alten Friedhofskapelle.

Nach dem idyllisch gelegenen Haus Rüschhaus, in dem die Dichterin auch öfter ein- und ausging und dort zeitweise ihre Amme pflegte, erreichen wir das imposante Schloss Münster, von wo aus sich über den Grüngürtel der Stadt das citynah am Ufer des Aasees gelegene Jugendgästehaus leicht erreichen lässt. Die noble Jugendherberge orientiert sich am in dieser westfälischen Universitätsstadt ziemlich hohen Preisniveau für Übernachtungen. Im Gebäude des ehemaligen fürstbischöflichen Schlosses befinden sich übrigens die Hochschulleitung und -verwaltung.

Münster gilt als die Stadt des Westfälischen Friedens. Als Westfälischer Friede wird die Gesamtheit der zwischen dem 15. Mai und dem 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück geschlossenen Friedensverträge bezeichnet, die den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland und zugleich den Achtzigjährigen Unabhängigkeitskrieg der Niederlande beendeten. In Münster wurde der Friedensvertrag im historischen Rathaus unterzeichnet, einem gotischen Bau aus der Mitte des 14. Jahrhunderts mit einem hohen Giebel. Quelle und mehr 

Münster hat über 300.000 Einwohner und, über alle Fachrichtungen gesehen, ingesamt mehr als 50.000 Studierende, wobei die Zahlen je nach Quelle schwanken. Bekannt ist Münster als Fahrradstadt sowie für seine nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend wiederhergestellte historische Altstadt. Nach Angaben der Stadt kommen auf die 300.000 Einwohner der Stadt zirka 500.000 Fahrräder. Die 1770 durch Wilhelm Ferdinand Lipper angelegte Promenade ist eine nur für Radfahrer und Fußgänger freigegebene Ringstraße, die die gesamte Altstadt Münsters umgibt. Sie liegt zum großen Teil auf den ehemaligen Wallanlagen. Die Promenade ist circa 4,5 Kilometer lang und gilt als eine homogene städtebauliche Einheit. Quelle und mehr

 

Münster-Rundfahrt

Allein Münsters Westfälische Wilhelms-Universität hat mehr als 40.000 Studenten, was sich nicht nur an der unglaublichen Menge an abgestellten Fahrrädern festmachen lässt, sondern auch an der Vielzahl von Studentenkneipen, die sich vor allem im Kuhviertel nahe Buddenturm und Überwasserkirche konzentrieren. Direkt gegenüber dieser gotischen Kirche liegt das Antiquariat Solder, in dem Privatdetektiv Wilsberg in der gleichnamigen TV-Krimiserie seinen Sitz hat. Auch der Münster-Tatort hat zur Popularität der katholischen Residenzstadt beigetragen. Krimiführer

Münster lässt sich auf der Promenade per Fahrrad komplett umrunden. Das gilt auch für den Aasee, an dessen südöstlichem Ende sich mit dem - nach Abriss der alten Anlage aus den 1960-er Jahren - neu erbauten Studentenheim Mecklenbeck eine der größten Passivhaussiedlungen Europas befindet, der wir natürlich bei der abendlichen Umrundung des Aasees, an dem man beimn Yachthafen wunderbar die Sonne genießen und relaxen kann, einen Besuch abstatten. Toll, wie die Studenten heute wohnen können. Zu meiner Studentenzeit standen dort drei riesige Betonklötze mit kleinen Einzelzimmern und "Nasszelle". Aber schön war's trotzdem ...

Diese Etappe lässt sich natürlich auch in zwei Tagesabschnitte einteilen, damit genug Zeit für die Besichtigungen bleibt. Zur Streckenaufteilung hat der Deutsche Tourismusverband praxisgerechte Vorschläge gemacht, die natürlich jeder gemäß seinen eigenen Bedürfnissen variieren kann. Vorschlag

 

Von Münster nach Höxter (194 km)

Pünktlich um 9 Uhr morgens nehmen wir die nächste Etappe unserer Tour in Angriff. Entlang der Warendorfer Straße verlassen wir die Stadt gen Osten und passieren das Haus zum Guten Hirten, das einstmals eine günstige Übernachtung anbot und sich nach einer „Modernisierung“ dem hohen Preisniveau Münsters angepasst hat. Der Weg quert den Dortmund-Ems-Kanal, die Umgehungsstraße und ein Bahngleis und kreuzt bei der idyllisch gelegenen Pleistermühle die 100-Schlösser-Route und den Werse-Radweg.

Durch eine landwirtschaftlich genutzte Region leitet uns die Beschilderung ins knapp 20.000 Einwohner zählende Telgte an der Ems. Die barocke Gnadenkapelle von 1657 ist regelmäßig Ziel von Wallfahrten. Jedes Jahr pilgern rund 100.000 Gläubige zur „Schmerzhaften Mutter“.

Die Wallfahrtskapelle, eine Marienkapelle, ist ein barocker, achteckiger Zentralbau aus der Zeit um 1650. Das Ziel der Wallfahrten ist eine Pietà (Skulptur von Maria mit dem Leichnam Jesu) in dieser Kapelle. Der Legende nach soll sie aus der Marienlinde (ein alter Stadttorbaum) geschnitzt sein. Beim Queren der Ems fällt ein Mann mit Schwimmring auf. Bei dem handelt es sich jedoch nicht um einen kälteresistenten Herrn aus Fleisch und Blut, sondern um ein Kunstobjekt aus der Serie „Alltagsmenschen“ von Christel Lechner.

Der 2015 verstorbene Schriftsteller Günter Grass hat dem Ort mit dem „Treffen in Telgte“ ein Buch gewidmet, das von einem fiktiven Schriftstellertreffen der Gruppe 47 handelt.
mehr über Telgte

Von Telgte nach Warendorf 

Von Telgte nach Warendorf nutzen wir bis Einen den nördlich der Bundesstraße verlaufenden Ems-Radweg, ehe wir in Müssingen wieder auf den R 1 einbiegen und bald hinter dem Kotten-See in die westfälische Reiterstadt hineinrollen. Sie bietet allerhand Gastronomie für die Stärkung des Radlers. Besonders schön sitzt es sich auf dem Marktplatz.

Ab Warendorf radeln wir in der Emsniederung vorbei an Greffen nach Harsewinkel, wo die durch ihre Mähdrescher weltweit bekannte Landmaschinenschmiede Claas ihren Sitz hat. Nächstes Zwischenziel ist das Kloster Marienfeld mit dem bekannten Marienfelder Altar, dessen Kopie im Innern bestaunt werden kann. Er besteht aus insgesamt 16 Bildtafeln, alle in den Maßen 93 x 65 cm, acht Szenen aus der Leidensgeschichte Christi und acht aus dem Leben Mariä und Christi. Der Altar stand von 1457 bis 1681 im Hochchor des Klosters. Gemalt wurden diese Tafeln von dem westfälischen Maler Johann Koerbecke. 15 Bildtafeln sind erhalten geblieben. Ähnlich dem Liesborner Altar sind sie in Museen von Chicago bis Moskau verstreut. Quelle und mehr

In einem weiten Bogen verläuft der Europaradweg R1 (D-Route 3) nun gen Süden bis nach Rheda-Wiedenbrück. Im Radwanderführer von 2011 noch als Ausflugsziel deklariert, gehört die Doppelstadt an der Ems nun zum festen Bestandteil der Routenplanung. Wir hatten sie nicht eingeplant (ca. zwölf Kilometer zusätzlich) und wendeten uns direkt nach Verl, da wir unser Quartier bereits vorab in Stukenbrock-Senne nahe der Emsquelle gebucht hatten und es schon reichlich spät geworden war. Rheda-Wiedenbrück ist übrigens im Bericht über den Ems-Radweg ausführlich beschrieben, den wir bis zur Quelle des kürzesten deutschen Stroms noch mehrmals treffen. Auch der Bahnradweg Hellweg-Weser führt durch Rheda-Wiedenbrück.  

Von Verl über Schloss Holte, vorbei am zum Wohnhaus umfunktionierten Jagdschloss, führt der Radweg nach Riege, wo es ein zum „Mauer-Denkmal“ hochstilisiertes Element aus der Berliner Mauer und ein Dorfschulmuseum zu besichtigen gibt, das zugleich Sitz der Biologischen Station Senne ist.

Wir radeln weiter über die A 33, vorbei am Sowjetischen Ehrenfriedhof und der Dokumentationsstätte Stalag 326 zu unserem Quartier in Stukenbrock-Senne, nur etwa 2 km vor den Emsquellen gelegen. Die Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne befindet sich im ehemaligen Arrestgebäude des gleichnamigen Kriegsgefangenenlagers. In dem Lager wurden vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene, aber auch Kriegsgefangene mit anderer Nationalität untergebracht, wie zum Beispiel französische, polnische und italienische Kriegsgefangene. Die zeitgenössische Dauerausstellung auf dem heutigen Gelände des Polizeiausbildungsinstitutes Erich Klausener informiert eindrucksvoll über die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 (VI K) Senne.

Im Gasthaus stehen Forellen auf der Speisekarte, die aus dem Furlbachtal direkt vor der Haustür stammen. Sehr zu empfehlen!

 

Von der Ems an die Weser

Am nächsten Morgen, der Wind weht uns unvermindert kräftig aus Osten entgegen, nehmen wir bei trockenem, sonnigem Wetter den Kampf mit der Naturgewalt auf. Höxter an der Weser heißt das Ziel. Zunächst aber wollen wir uns die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg ansehen. Dazu müssen wir zunächst den Bundeswehrstandort Augustdorf am Rande des Teutoburger Waldes queren und dann über den Pass zwischen Hermannsberg (365 m hoch) und Großer Ehberg (340 m) gen Detmold strampeln. Bald erblicken wir rechter Hand das Hermannsdenkmal und den Mast des heute „nur“ noch 290 Meter hohen Sendeturms Teutoburger Wald auf dem Bielstein. Nachdem am 15. Januar 1985 um 6:26 Uhr infolge von Vereisung und Sturmböen eine Pardune abgerissen war, stürzte dieser Mast um. Bis zum Wiederaufbau im September 1986 war danach bei uns im Raum Hannover der WDR kaum noch zu empfangen. Internetradio gab es damals ja noch nicht.

Zurück zur Tour: Über Hiddesen, Heiligenkirchen und Berlebeck erreichen wir, einige Anstiege bewältigend, den Bärenstein und kurz darauf die Externsteine. Es ist „Vatertag“ und daher schon eine große Schar Touristen bei dieser Attraktion versammelt.

Auf der Homepage von Horn-Bad Meinberg lesen wir: „Die eindrucksvolle Felsformation gehört zu den bemerkenswertesten Natur- und Kulturdenkmälern Mitteleuropas. Es ranken sich zahllose Geschichten und Mythen um die ca. 80 Millionen Jahre alte Sandsteingruppe. Bis heute sind die geschichtlichen Forschungen dazu noch nicht endgültig abgeschlossen. Die Felsen können über zwei in den Stein gearbeitete Treppenaufgänge erklommen werden. Ein Aufstieg, der sich lohnt! Denn aus ca. 40 m Höhe bietet sich den Besuchern ein beeindruckender Ausblick in die abwechslungsreiche Landschaft des Teutoburger Waldes.“ Quelle und mehr: Horn-Bad Meinberg und Wikipedia

Teil 2: Nach Holzminden an der Weser

 

D-Route 3 im Überblick

 

Radwanderführer

    

 

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Spickzettel
Route:
D-Route 3
Start/Ziel:
Vreden-Zwillbrock/Küstrin (Oder)
Bahnanreise:
Gronau, Ahaus oder Enschede
Länge:
963 km; Entfernungen: Münster 114 km, Detmold 250, Einbeck 360, Goslar 425, Bernburg 580, Wittenberg 695, Potsdam 790 km
Schwierigkeit: von tischeben bis heftig bergauf ist alles vorhanden (siehe Berichte) 
Übernachten: Quartiere u.a. im Bikeline zum R1
Internet: offizielle Homepage D-Route 3 - Karte - GPS-Tracks - GPX bei Bikemap - Europaradweg R 1
Radwanderführer: siehe unten  
Tourenvorschlag: D-Route 3 in 16 Etappe



Schloss Darfeld ist eines der schönsten Wasserschösser am Europaradweg R 1 im Münsterland.

Ein kleiner Abstecher nach Coesfeld lohnt sich.

Münsters Prinzipalmarkt mit Ludgerikirche.

40.000 Studenten bewegen sich in der Mehrzahl mit dem Fahrrad durch Münster. Hier: hinterm Bahnhof.

Dieses Antiquariat gegenüber der Überwasserkirche unweit des Domes wurde durch die Wilsberg-Krimis bundesweit bekannt.

Modernes Studentenheim in Münster-Mecklenbeck: Eine der größten Passivhaussiedlungen Europas.

Wallfahrtsziel: die Gnadenkapelle in Telgte.

Kunst am Wegesrand: Mann mit Schwimmreifen auf der Ems in Telgte.

Marktplatz in Warendorf.

Allee bei Verl

Detmold lohnt einen Abstecher: hier das Schloss.





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