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Autor: Dieter Hurcks Copyright 2001 Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Brocken-Tour

Von Schierke  bis auf 1142 Meter Höhe

Eine Tour für Durchtrainierte und/oder gute "Schieber"

Norddeutschlands höchster Berg ist nur mit einem guten Rad und viel Kondition zu bezwingen

Top-Tipp für Pedelec-Radler!

Sonnabend, 9. Juni, 13.30 Uhr:
Ein ausnahmesweise sonniger Tag in diesem verregneten Frühsommer des Jahres 2001. Ich stehe vor dem Hotel König in Schierke. Genau auf der einzigen Straße, die zu Norddeutschlands höchstem Gipfel hinauf führt. Es ist mit 12 Grad angenehm kühl, kaum Wind. Also ideal für mein Vorhaben, die 13 Kilometer bergauf in Angriff zu nehmen. 

Rennradfahrer ohne Gepäck flitzen vorbei. Ich habe dagegen ein wenig geladen: Wasser, Verpflegung, das Pannenset für alle Fälle (Werkzeug, Flickzeug, Ersatzschlauch) und warme Sachen. Denn oben, wo ich kurz nach der Wende schon einmal zu Fuß hinauf gestiegen war, weht ein kaltes Lüftchen: 4 Grad Celsius zeigt die Tafel in Schierke an.

Dann geht es los. Mal geringfügig ansteigend, mal etwas stärker die Muskulatur fordernd, mal für mich zu steil zum ökonomischen Fahren, so dass ich lieber schiebe. Am Ende brauche ich für die Strecke über zwei Stunden (mit mehreren Verschnaufpausen), dann ist es endlich geschafft. Übrigens: Ab und zu schieben ist gut, da dann mal andere Muskeln belastet werden. Und wenn es per Rad langsamer geht als zu Fuß, dann sollte der persönliche Ehrgeiz einfach mal unterdrückt werden ...

Gipfelsturm

Inzwischen hat sich auch der Dunst rund um den Gipfel aufgelöst, so dass eine akzeptable Sicht hinüber zum Wurmberg, nach Torfhaus und zu den umliegenden Städten herrscht. Leute in T-Shirts steigen aus den pausenlos verkehrenden Waggons der Brockenbahn und bekommen schnell das Zittern. Eine Flasche Wasser (0,5 Liter) kostet 4,50 Mark. "Die Bahn verlangt von uns eine so hohe Pacht, dass wir diese Preise nehmen müssen", sagt der Kiosverkäufer, als ich anmerke, dass es sogar auf Sylt noch billiger war.

Egal. Eine Rundfahrt auf dem Gipfelplateau zeigt einen ganz anderen Brocken als 1990. Kein russisches Militärlager mehr, keine Mauer rundum, ein neues Hotel, in dessen oberstem Stockwerk man für 300 Mark die Nacht verbringen kann. Ein Brockenmuseum erinnert an vergangene Zeiten. Und überall sieht man Menschen aus allen Himmelsrichtungen auf den Brocken hinaufkraxeln. Wer hier nicht war, war nie im Harz!

Nach einer Stunde wird es mir trotz meiner inzwischen übergezogenen Radlerjacke allmählich kalt. Nicht nur wegen der Preise. Ich beschließe, die Abfahrt anzugehen und dabei 35 km/h nicht zu überschreiten. Denn die Straße weist viele Schäden auf. Die Radlerhandschuhe reichen leider nur bis zur Fingerwurzel, so dass nach den ersten vier Kilometern der rasanten Abfahrt ein Aufwärm-Stopp notwendig wird. Natürlich an einer Stelle mit herrlicher Aussicht und Einblicken in die einzigartige Natur.

Aufwärmen ist angesagt

Die Sonne hat sich vorübergehend verzogen. Ein paar Kilometer weiter scheint sie dann endlich wieder, und ich setze mich für eine Viertelstunde den wärmenden Strahlen aus. Ein Pferdefuhrwerk zieht vorbei. Wie lange die wohl für die 13 km brauchen? Die Fahrgäste sind in Decken eingewickelt und schauen nicht besonders fröhlich drein. Ein Jeep von der Bergwacht fährt zu Tal. der Beifahrer erwidert freundlich meinen Gruß.

Plötzlich ein Rauschen. Ein Mountainbiker in kurzen Hosen und kurzärmligem Trikot, helmbewehrt, rauscht mit mindestens 50 km/h um die Kurve hinunter. Ich vorsichtig hinterher. Wir kreuzen die Gleise der Brockenbahn. Da gerade aus dem Wald ein durchdringender Pfiff ertönt, warte ich mit gezücktem Fotoapparat auf das schnaufende Dampfross. Ein herrliches Motiv!

Weiter geht's. Fußlahme Wanderer schauen neidvoll auf mein dahinrollendes Rad. Ja, Radfahren ist eben nicht nur gesund, sondern bisweilen sogar ganz bequem. Aber diese Bequmlichkeit muss zuvor hart erarbeitet werden. Als Belohnung gibt es im Ort Schieke am Kiosk ein preiswertes Essen: Bockwurst mit Kartoffelsalat, einen Kaffee und zum Aufwärmen eine Spezialität: Schierker Feuerstein. In den Hotels kann man's natürlich auch teurer haben, z.B. einen Erdbeerbecher mit Sahne für 7,50 Mark.

Für die Lieben daheim kaufe ich noch einen Harzer Baumkuchen (rund 10 Mark), zwei Ansichtskarten und eine kleine Flascher des berühmten Likörs, der zu DDR-Zeiten in Bad Harzburg leichter zu bekommen war als in Schieke selbst.

Apropos DDR-Zeiten: Ein paar leerstehende Ferienfabriken, -heime und -hotels sowie eine stillgelegte Fabrik erinnern noch daran, aber ansonsten präsentiert sich der Ort schmuck und einladend. Ich fahre noch ein paar Kilometer durch Schierke, entlang der Bode und hinauf zum Bahnhof der Brockenstation. Nächstes Mal nehme ich den Zug. Kostet 26 Mark pro Nase, die Fahrradmitnahme im Gepäckwagen ist frei. Ein "feiner Zug" von der Bahn, die damit jedoch die vielen Einschränkungen auf anderen Strecken bei mir nicht wett machen kann (Stichwort: Interregios). 

Anreise: 
Mit der Eisenbahn über Hannover, Braunschweig, Vienenburg nach Wernigerode, dann weiter per Rad oder mit der Brockenbahn. Eine Fahrradmitnahme bis Schierke mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist laut Bahnauskunft nicht möglich. Fahrtdauer z.B. ab Hannover ca. 2 Stunden.

Infos und Fahrpreise der Harzer Schmalspurbahn

Per Auto über Bad Harzburg/Braunlade, Elend nach Schierke; oder über Wernigerode, Drei-Annnen nach Schierke. Dort gibt es überwiegend kostenpflichtige Parkplätze im Ort; Tipp: Richtung Unter-Schierke fahren, vor der hoch liegenden Kirche nach links über die Bode und den Berg hinauf bis zum Ende (großes Tor sperrt die Straße ab). Dort gibt es wenige Parkplätze und eine kleine Straße hinter zur Bode; fährt man diese nach links, kommt man an einem großen Parkplatz vorbei bis zur Jugendherberge, dort gelangt man direkt auf die Brockenstraße, in die man nach links hinein und dann hinauf fährt. Viel Spaß beim Strampeln!

Der Autor auf dem Gipfel des höchsten Berges in Norddeutschland.

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Vorsicht vor den berühmten Brockenhexen!

Ausgangspunkt: Hotel König in Schierke.

Fahrradfahrer werden in Schierke umworben. Die Preise sind moderat.

Fertig machen zum Aufstieg: Mein Tacho zeigte am Ende 13 km bis zum Gipfel an.

Die Brockenbahn ist natürlich etwas schneller oben.

Das Brocken-Plateau - hier weht häufig ein kaltes Lüftchen - also: warme Sachen mitnehmen!

Das ist der Gipfel mit dem Sendeturm und dem Hotel.

Bei der Abfahrt kommt ein Zug den Berg herunter.

Wieder unten angekommen, locken wunnderschön restaurierte Hotels zur Einkehr. Preiswerter ist's natürlich im Kiosk. Dort gibt es z.B. Bockwurst und Kartoffelsalat.