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Von Burgdorf bei Hannover zum Bodensee 

Fahrtstrecke: 1093 km plus Ausflüge am Bodensee

Von Burgdorf über Lehrte nach Eisenach

Dieser Radreisebericht ist Teil eines wesentlich ausführlicheren und mit vielen nützlichen Zusatzinformationen angereicherten Buchprojektes. Das Buch mit dem Titel "Rad, Land, Fluss - Von Hannover zum Bodensee" ist im Frühjahr 2003 erschienen. Dort sind die Fotos natürlich in einem Bildprogramm nachbearbeitet. Die hier abgebildeten Motive sind unbearbeitet so übernommen, wie sie mit der Casio-Digitalkamera QV-4000 aufgenommen worden sind.

Stand: Juni 2002

Übernachten an Radwegen in Deutschland


Auf dem Leineradweg - Bericht über den 2009 eingerichteten Leine-Heide-Radweg

1. Tag  - Sonnabend, 15. Juni/86 km:
8.30 Uhr Start in Burgdorf (Spittaplatz) - Lehrte - Sarstedt - Leineradweg über Gronau nach Freden. Der Leineradweg heißt übrigens seit 2009 Leine-Heide-Radweg.

Start in Lehrte; vorbei am ehemaligen Bergwerk; Fahrt durch blühende Landschaften

Sonnabend - ein Tag zum Ausschlafen. Pustekuchen. Diesmal ist Reisetag. Und meine vier Mitfahrer sind allesamt Frühaufsteher. So ist der Wecker auf 6.15 Uhr gestellt, denn um 8.30 Uhr soll es losgehen - von Burgdorf, dem Ausgangspunkt der Niedersächsischen Spargelstraße und des vom Autor ausgewiesenen Spargelradweges,  am Rande der Lüneburger Heide, bis hinunter an den Bodensee: per Fahrrad. Alle, denen wir das erzählt haben, dachten, wir scherzten. 

Doch nun ist es Realität. Als der Wecker klingelt, schleicht sich allmählich ein leichtes Trommeln in mein Ohr. Regen? - Regen! "Kommt wie gerufen", denke ich, dann fahren wir vielleicht doch erst später los - nach dem WM-Fußballspiel Deutschland gegen Paraguay (1:0). Kurzer Telefonrundruf, Fußball zum Abschied. Und wie gewünscht, scheint beim Schlusspfiff die Sonne. Auf geht's.

In der zehn Kilometer von Burgdorf gelegenen Stadt Lehrte stoßen unsere beiden restlichen Mitfahrer zu uns. Ein Erinnerungsfoto vor dem alten Förderrad des Kalibergwerks begleitet uns nun auf der Festplatte meiner Digitalfotokamera bis an das schwäbische Meer. Schnell verlassen wir Lehrte und radeln an der Kalihalde vorbei in die blühende Feldmark. Frischgrüne Getreidefelder, gesäumt von Korn- und Mohnblumen, von Margeriten und Holunder, strömen ihren wohltuenden Geruch in unsere Nasen. Der Wind bläst von vorn und lässt die sich schon gelb färbende Wintergerste im Rhythmus der Böen auf und niedergehen wie die Wellen des Meeres. In Hotteln, wo gerade das Dorffest vorbereitet wird, überrascht uns ein erster Schauer, den wir in einer Scheune unbeschadet überstehen. 

Die Marienburg oberhalb der Leine bei Nordstemmen; Mohn wird unser ständiger Begleiter

Von dort aus erreichen wir über einen ausgeschilderten, aber äußerst schlecht befahrbaren, später jedoch steil bergab führenden und sogar asphaltierten Weg über Heisede in Sarstedt den Leineradweg. Unterhalb der von düsteren Wolken beschatteten Marienburg radeln wir auf aufgeweichten Wegen, überqueren die Leine nach Nordstemmen mit seiner riesigen Zuckerfabrik und radeln weiter an Burgstemmen vorbei. Nach 53 km legen wird in Elze die erste längere Pause dieser Tour im Eiscafé in der Bahnhofstraße ein. Über die Hälfte der ersten Tagesetappe ist bereits absolviert. In Alfeld, nach einer Berg- und Talfahrt mit teilweise heftigem Gegenwind, brauchen wir wieder eine Rast. Der Hunger treibt uns in den Ratskeller (Hefeweizen 2,90 Euro - ab nun unsere Vergleichswährung - kurz HW) dieses schönen Städtchens, das in der Fußgängerzone bisweilen von Bächlein durchzogen ist - Freiburg lässt grüßen.

Nun sind es nur noch ein paar Kilometer bis Freden an der Leine und zu unserem Quartier, das wir gegen 18.30 Uhr erreichen. Der Dorfrundgang am Abend verschlägt uns rein zufällig in die alte, als Kulturzentrum genutzte Zehntscheune, wo gerade zwei Kabarettisten aus Göttingen auftreten. Freundlich lässt man uns gratis für die letzte halbe Stunde in dieses historische Gemäuer hinein. Der Abend endet mit viel Gelächter über das Programm von Bauer Heinrich Eikemeier und Bahnhauptsekretär Fritz Brinkmann. Im Ohr blieb lange die Liedzeile vom "Eisenbahner aus Kreiensen, den hat noch nie einer schreien sehn" - frei nach dem Schlager "Der Puppenspieler von Mexiko".

Hotel Steinhoff in Freden; rechts: Leinebrücke mit Wehr


2. Tag - Sonntag, 16. Juni/106 km: Freden/Leine - Einbeck - Northeim - Göttingen - Friedland/Leine - Witzenhausen/Werra

Die schönen Plätze Fredens, dessen Homepage im Internet übrigens zu dem Zeitpunkt für Touristen überhaupt nichts Verwertenswertes bot, fotografierten wir am Morgen: die Leinebrücke mit dem Wehr, die Zehntscheune, natürlich unser architektonisch reizvolles Hotel und die herrliche, hügelige Landschaft. Beim Gut Esbeck gab es den ersten Auffahrunfall, weil ich die frühere Funktion einer alten Fabrik von einer alten Dame erfragen wollte und etwas abrupt anhielt. Der zu nah aufgefahrene Nachfolgende stürzte und rollte sich gekonnt ab - die Dame fegte, ohne uns eines Blickes zu würdigen, ungerührt weiter. Nachdem der Wutanfall des Auffahrenden verraucht war, traute ich mich dann doch nicht mehr, die Dame zu fragen. 

Blick zurück auf Freden nach dem Sonntagmorgen-Anstieg; rechts: Beim Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden

Gleich am frühen Morgen ein steiler Anstieg ist natürlich Gift für die kalten Muskeln. In solchen Fällen pflege ich, anders als unser ehrgeiziger "Kamikazeflieger", gemütlich hinauf zu schieben und währenddessen die wunderschöne Landschaft zu genießen, deren Reiz durch das Glockengeläut aus dem inzwischen unter uns liegenden Städtchen noch verstärkt wurde. Nach jedem Aufstieg geht es wieder bergab, natürlich immer viel zu kurz! Ab dem Örtchen Greene fuhr dann unser Peter ganz alleene. Wir hatten das Leineradweg-Schild übersehen und er uns ungewollt und unbemerkt überholt. Der letzte Mann, wie der Tourenleiter mit einem Funkgerät ausgerüstet, war einfach weiter gefahren, als ein menschliches Bedürfnis den Peter in die Büsche zwang. Ja: Gruppenfahren will gelernt und geübt sein, es fordert von jedem Disziplin. Uns standen in dieser Hinsicht noch einige Prüfungen bevor.

Mohn wird nun unser ständiger Begleiter, kontrastiert von dem satten Grün der Wiesen. Natürlich finden wir Peter wieder. Er radelt rund 300 Meter entfernt auf der Straße parallel zum Radweg. Nach 27 km rasten wir am Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden, an dessen Rand die Eisenbahnlinie Göttingen-Hannover entlang führt. Es fängt im Frühjahr das Schmelzwasser aus dem Harz auf und mildert die alljährlichen Hochwasser erheblich. Wir radeln linksseitig auf dem recht gut befahrbaren Deich neben der Bahn. Das Betreten des Naturschutzgebietes ist verboten, weshalb dort eine vielfältige Flora und Fauna existiert.

 

Leineradweg Richtung Northeim; rechts: Northeims bietet ansehnliche Fachwerkhaus-Architektur.

Northeim ist das nächste Ziel. Ein bemerkenswertes Städtchen mit schönen Fachwerkhäusern. Doch der Regen trübt allmählich unseren Blick und macht das Karteablesen fast unmöglich. Nachdem wir den Leinewadweg wieder gefunden haben, verlassen wir uns auf die Beschilderung. So verpassen wir mangels eine entsprechenden Schildes die Abfahrt nach Hillerse und radeln, nachdem wir endlich aus einem Kieswerk herausgefunden haben (dort rechts halten!) geradeaus genau in eine Wendeschleife neben der ICE-Strecke. Also wieder zurück! Die Moral sinkt, der Pegel der Leine steigt. Als wir selbige kurz vor Göttingen überqueren, hört es endlich zu regnen auf. Noch auf der Brücke entledigen wir uns der Regenkleidung und rollen bald darauf vorbei an Nörten-Hardenberg und durch Bovenden frohen Mutes in die lebendige Studentenstadt am Ende Niedersachsens ein. Bei strahlendem Sonnenschein haben wir uns Kaffee und Kuchen redlich verdient.

 

Oben links: Friedensglocke in Friedland; oben rechts: Leine adé bei Niedergandern;
unten links: flott ins Werratal, am Hang Burg Arnstein; rechts: die Werra in Witzenhausen

Nach einer kleinen Göttingen-Rundfahrt - rund um den Gänseliesel-Brunnen herrscht gerade Volksfeststimmung - radeln wir über Friedland mit seinem Aussiedlerlager und der Freiheitsglocke über Niedergandern, wo wir die Leine verabschieden, und über Neu-Eichenberg im Angesicht der Burg Arnstein hinüber an die Werra und in die Kirschenstadt Witzenhausen. Das ging leichter als gedacht. 

Nur zu unserem Quartier müssen wir uns noch etwas quälen, das in einem Ortsteil und natürlich reichlich oberhalb des Flusses liegt. Nach dem Abendmahl im nahe gelegenen Restaurant Wichtelstuben entschädigt uns die Aussicht bei Abendsonne vom Balkon unseres Zimmers für die Strapazen. Unten fließt ruhig die Werra, im Tal hört und sieht man Eisenbahn und Autostraßen. Nicht an jedem sind die Strapazen und psychischen Anforderungen dieses Tages spurlos vorüber gegangen.

 


Radreisebericht über den Werraradweg

Das Logo des Werratalradweges; rechts: Burg Ludwigstein

Ehemaliger Kolonnenweg bei Wahlhausen; Mitte: "Eingang" (Fahren verboten!) nach Bad Sooden-Allendorf; rechts: grazile Fachwerkhäuser

Der Weg nach Eisenach führt auf herrlichen Pfaden oft direkt am Fluss entlang. Viele Brückenpfeiler legen Zeugnis von dem überhasteten Rückzug der Deutschen während des 2. Weltkrieges ab. Die beschauliche Landschaft bietet Gelegenheit zur Rückbesinnung auf sich selbst. 

 

 Opel-Werk kurz vor Eisenach

Radreisebericht über den Werraradweg

  Die DVD zur Tour gibt es hier Das Buch zur Tour

Weitere sehenswerte DVDs:

Die schönsten Radtouren in Deutschland von A bis Z   

Bilderseite Wangen im Allgäu --- Bilder vom Bodensee  


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