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Autor: Dieter Hurcks Copyright 5/2011

Auf alten Bahntrassen radeln. 
Ehemalige Eisenbahntrassen zwischen Wetterau, Spessart, Vogelsberg und Rhön bilden das Grundgerüst des Hessischen Bahnradwegs. Gesamtlänge: etwa 400 km. Teil 1

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Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Bahnradweg Hessen (2)

Von Lauterbach nach Hanau und zurück
 
Der Hessische Bahnradweg bietet eine Radelroute von insgesamt rund 400 Kilometern. Er führt zwischen Wetterau, Spessart, Vogelsberg, Rhön und Waldhessen über stillgelegte Bahntrassen. Als Verbindung werden bereits vorhandene Radrouten genutzt wie Fulda-, Ulster- oder Kinzigradweg. Man kann in Hanau im Süden ebenso einsteigen wie in Bad Hersfeld, dem nördlichsten Punkt, wo wir unsere Tour begonnen haben. Teil 1 schildert den Weg bis Hartmannshain, Teil 2 die Fortsetzung nach Hanau.

Ab nach Hanau – links oder rechts?
An dieser Stelle bei Hartmannshain (siehe Karte rechts/oberhalb von Gedern) muss der Radler sich entscheiden, ob er auf der westlichen oder südlichen Route gen Hanau weiterfahren möchte. Den höchsten Punkt haben wir bei etwa 565 Metern überschritten und genießen nun eine tolle und lange Abfahrt auf fast leerem Radweg. Nur wenige Fahrradfahrer kommen entgegen, kaum jemand radelt in unsere Richtung. Wir nehmen also die Westroute und zacken bald durch Gedern, wo der Vulkanradweg sich zum Teil noch im Ausbaustadium befand (Mai 2011). Hier sind auf kurzer Strecke immerhin 235 Höhenmeter zu bewältigen.  

Übernachten am Bahnradweg Hessen

Es ist schon toll, was Hessen in Sachen Fahrradtourismus auf die Beine gestellt hat. Gelegentlich finde ich auf Wegweisern Namen von Orten wie Nidda oder Ulrichstein, die ich 2010 auf dem Hessischen Fernradweg R4 besucht hatte, der gut 20 km westlich beinahe parallel verläuft.

Der  Einstieg zum Vulkanradweg ist u.a. in Altenstadt-Lindheim oder Glauburg möglich. Die ideale Streckenführung auf der ehemaligen Eisenbahntrasse Stockheim-Lauterbach macht den Vulkanradweg zu einem Highlight in der Region. Weitere Einstiegsmöglichkeiten fanden wir unterwegs. Der beliebte Radweg, auf dessen glatter Oberfläche auch Inlineskater und Rollskifahrer gerne unterwegs sind, beginnt in Lauterbach und führt auf der historischen Strecke der ehemaligen Oberwaldbahn durch den Naturpark Hoher Vogelsberg über Herbstein, Ilbeshausen-Hochwaldhausen und Grebenhain.

Ab Merkenfitz radeln wir nun entlang der Nidder, vorbei am Kunstguss-Museum Hirzenhain, bestaunen den riesigen Wehrturm über Lißberg sowie die vielen kleinen Seen am Wegesrand.

Die bekannte Heizungsfirma Buderus pflegt an ihrem Traditionsstandort in Hirzenhain in Oberhessen, die bereits 1375 als Waldschmiede erwähnt wurde, die fast ebenso alte Tradition des künstlerischen Eisengusses. Das Serienprogramm umfasst Nachgüsse von annähernd 300 Ofen- und Kaminplatten aus fünf Jahrhunderten, Plastiken, Reliefs, Plaketten und Erinnerungstafeln in Eisen- oder Bronzeguss. Quelle und mehr

Ortenberg und Stockheim mit seinem Modelleisenbahnmuseum sowie Glauburg (3.300 Einwohner) passieren wir ebenfalls auf gut ausgebautem Radweg. Uns irritiert, dass Glauburg in unserem Bahnradwegführer als Glauberg bezeichnet wird. Am Bahnhof stehen auf dem Stationsschild beide Namen. Des Rätsels Lösung: „Glauburg - Das Keltendorf in der Wetterau“ gehört zur Großgemeinde Glauberg.

„Glauberg wird im Jahre 802 erstmals erwähnt. Glauburg gehört zu der historisch bedeutsamen Kulturlandschaft Oberhessen und liegt am Fuße des Glaubergs, der der neuen Gemeinde auch den Namen gab.“  Quelle und mehr

Die Quartiersuche gestaltet sich etwas schwierig, aber die nette Dame vom Antikhof Lindheim, die leider schon ausgebucht ist, gibt uns einen guten Tipp, der uns ins nahe Düdelsheim führt. Durch Düdelsheim führt übrigens die Bonifatius Route von Mainz nach Fulda. In unserem Quartier sind daher, wie wir erfahren, häufig Pilger zu Gast. mehr

In der Gegend gibt es allerhand zu sehen und zu erleben: So ist der Glauberg ein Ausflugsziel für alle Historikfreunde. Unter  www.keltenwelt-glauberg.de gibt es weitere Informationen.

Ein ereignisreicher Radeltag geht nach fast 100 km zuende - und wir sind entgegen der Prognose des Deutschen Wetterdienstes nicht nass geworden.

Tag 4: Altenstadt-Düdelsheim nach Birstein 94 km

Hanau heißt das nächste Ziel auf unserer Radtour. Dort ist nicht nur die mit 102 Metern über dem Meeresspiegel niedrigste Stelle des Hessischen Bahnradwegs, sondern am Mainufer auch der südlichste Punkt erreicht. Zurück nach Hartmannshain auf 565 m sind also 463 Meter zu überwinden. Und die haben es zum Teil ganz schön in sich, wie wir noch feststellen werden.

Doch auch der Weg nach Hanau ist schon recht beschwerlich. Wir verlassen Altenstadt entlang der Bahnlinie. Über Höchst und Eichen führt der Weg auf zunächst noch relativ flachem Gelände nach Windecken und vorbei an Roßdorf. Realität und BVA-Radwanderührer weichen hier voneinander ab. Bis Hanau sind nun einige erkleckliche Steigungen zu bewältigen. Bei einer langen Abfahrt erreichen wir 56 km/h. Wir radeln durchs dörflich-idyllische Mittelbuchen mit Wehrturm und schönen Fachwerkhäusern und erreichen bald Wilhelmsbad.

Bei Wikipedia erfahren wir: Wilhelmsbad ist eine ehemalige Kuranlage in Hanau, heute im Stadtteil Kesselstadt gelegen und ein Staatspark in der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen.

Nach der Gründungssage fanden zwei Kräuterfrauen 1709 eine Quelle im Wald, der aufgrund ihrer reichhaltigen Mineralisation eine heilende Wirkung zugesprochen wurde.

Die Bade- und Parkanlage wurde ab 1777 auf Geheiß des von 1764 bis 1785 in Hanau residierenden Erbprinzen und regierenden Grafen von Hanau, Wilhelm IX./I. von Hessen-Kassel (1743–1821), errichtet. Architekt war Franz Ludwig Cancrin, der auch den Bau des Karussells (siehe unten) leitete. Nach nur anderthalbjähriger Bauzeit fand am 3. Juni 1779 die feierliche Eröffnung statt. Finanziert wurde der Bau Wilhelmsbads mit seinem weitläufigen Park durch die Vermietung hessischer und Hanauer Soldaten an den britischen König, den Onkel des Erbprinzen.

Als die Quelle um 1860 versiegte, wurde Heilwasser zum Trinken und für Bäder aus Bad Nauheim herangeholt, ein Verfahren, dass sich bald als unwirtschaftlich erwies. Heute finden in Wilhelmsbad schon lange keine Kuren mehr statt. Das Brunnenhäuschen im zeitgenössischen, klassizistischen Stil befindet sich direkt gegenüber der Kurgebäude. Quelle und mehr

Im ehemaligen Kurgebäude befindet sich jetzt ein Puppenmuseum. Sehenswert ist der im englischen Stil gestaltete Park.

 

Über Hanau-Kesselstadt nähern wir uns nun dem am Mainufer gelegenen Schloss Philipsruhe. Hier liegt der zugleich südlichste und mit 102 m ü. NN wohl tiefste Punkt unserer Tour. Philipsruhe ist „das älteste nach französischem Vorbild erbaute Barockschloss östlich des Rheins. Baubeginn war 1701, initiiert durch den Namensgeber Graf Philipp Reinhard von Hanau (1664-1712). Vorbild für den Bau war das Lustschloss Clagny bei Paris.“ Quelle und mehr

Als nächstes steht nun die Besichtigung Hanaus auf unserem Programm, der Geburtsstadt der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, an die das mächtige Nationaldenkmal auf dem Neustädter Markt erinnert. Hier beginnt auch die Deutsche Märchenstraße, die bis zu den berühmten Stadtmusikanten nach Bremen führt.

Ein Schmuckstück ist das Goldschmiedehaus. Es gehört zu den bedeutendsten Ausstellungszentren der Gold- und Silberschmiedekunst in Deutschland. Die Themen der Ausstellungen reichen von Retrospektiven einzelner Schmuck- und Gerätegestalter bis hin zu thematischen Ausstellungen. Dazu gibt´s Präsentation unterschiedlicher Künstlergruppen und wichtiger Ausbildungsstätten. Quelle und mehr

Ab Hanau führt Radweg entlang der Kinzig und teilweise entlang zahlreicher viel befahrener Verkehrswege. Vorbei an Erlensee und Langenselbold nähern wir uns, auf durchweg flachem Gelände, aber streckenweise schlecht befahrbaren Wegen, bald der „Barbarossastadt“ und ehemaligen Reichsstadt Gelnhausen, einem der Höhepunkte auf der Bahnradweg-Tour. Die rudn 21.000 Einwohner zählende Stadt mit ihrer alles überragenden Marienkirche hat in ihrer Altstadt ein einladendes Flair. Wunderschöne Fachwerkhäuser, heimelige Gassen und Plätze laden zum Verweilen ein. Wir nehmen die Einladung dankend an.  

Die Kaiserpfalz („Barbarossaburg“), der Hexenturm, das Innere Holztor und das Romanische Haus gehören zu den Sehenswürdigkeiten. Auf der Homepage der Stadt lesen wir: „Der Hexenturm ist in seinem Originalzustand erhalten und einer der interessantesten Türme der Gelnhäuser Stadtbefestigung. Auf Grund seiner Bauweise, seinem Durchmesser von neun Metern und seiner gewaltigen Mauerstärke von 2,80 Metern ist er ein imposantes artilleristisches Bollwerk gewesen.“

Das Standbild von Philip Reis auf dem Obermarkt erinnert an den Erfinder des Telefons, der 1834 in Gelnhausen geboren wurde. Das Geburtshaus steht nicht weit entfernt. Während seiner Zeit am Institut Garnier in Friedrichsdorf, wo Reis 1874 starb, entwickelte er 1860/61 die elektrische Sprachübermittlung – das Telefon (auch dieser in alle Weltsprachen eingegangene Begriff stammt von Reis).

Die Marienkirche in Gelnhausen ist die ehemalige Kirche des Prämonstratenserstifts Langenselbold. Sie stammt vermutlich aus dem späten 12. Jahrhundert und wurde 1223 das erste Mal urkundlich in einem Schutzbrief des Papstes Honorius III. für das Kloster Selbold erwähnt. Quelle und mehr

 

Zurück zum Vogelsberg

Wir verlassen Gelnhausen auf dem Kinzigtalradweg entlang der viel befahrenen Eisenbahnstrecke und der noch verkehrsreicheren Autobahn 66. Hinter Wächtersbach schwenkt der Bahnradweg nach Norden. Vorbei an Brachttal erreichen wir unser Tagesziel Birstein. Lobenswert sind die ausgezeichneten Informationen am Wegesrand. So stehen vor jedem größeren Ort Übersichtstafeln, u.a. mit Hinweisen zu Übernachtungsmöglichkeiten.

Wir quartieren uns im ruhig gelegenen Gasthof zum Mohren gleich neben dem Birsteiner Schloss ein, der von einem rührigen Bosnier und seiner Frau geführt wird. Nach dem reichlichen Abendessen suchen wir nach den Kleinoden der „Perle des Vogelberges“, finden aber außer dem mit alten Bäumen bewachsenen Schlosspark nur ein Relikt der Vogelsbergbahn, auf deren ehemaliger Trasse wir am letzten Tag weiterradeln werden.

In den Ortsteilen kann man den Vogelsberger Dom (Untereichenbach) und ein Feuerwehrmuseum (Untersotzbach) besichtigen.  

Das Schloss in Birstein.  

Tag 5: Von Birstein nach Lauterbach 55 km

Letzter Radeltag. Wir wissen ja schon, wo die höchste Stelle dieser Radtour liegt: in Hartmannshain waren wir schließlich am dritten Radeltag schon. Dort hinauf also, auf 465 m Höhe, geht es nun und weiter nach Lauterbach. Vom dortigen Bahnhof soll die Heimreise erfolgen.

Diese fünfte Etappe ist 55 km lang und bietet noch einmal „Bahnradweg pur“: tolle Wege, herrliche Ausblicke, meist sanfte, ab und zu auch heftige Steigungen, erfrischende Abfahrten. Es ist erheblich kälter geworden. Der frühe Sommer macht eine Pause. Vor allem in den Wäldern ist es wie im Kühlschrank. Wir waren halt etwas verwöhnt worden durch den frühen Wärmeeinbruch im April/Mai des Jahres 2011. Der Südbahnradweg führt vorbei an Windparks, durch kleine Bauerndörfer, durch Feld und Wald über Völzberg nach Hartmannshain zurück. Den Rest der Strecke über Grebenhain, vorbei an Herbstein nach Lauterbach kennen wir ja schon von der Hinfahrt. Nur die Teufelsmühle in Ilbeshausen hatten wir auf der Hinfahrt ausgelassen und besuchen sie deshalb jetzt. Am Radweg weist ein Schild dorthin, im Ort finden wir kein weiteres und fragen mehrmals die Leute nach dieser Mühle, hinter deren Namen sich eine Sache verbirgt.

Im Anschluss in diesen Ausflug in die Sagenwelt geht es zügig weiter. So erreichen wir nach 55 km den Bahnhof in Lauterbach und steigen um 13.15 Uhr in den Zug nach Fulda. Dort trennen sich unsere Wege gen Nürnberg und Hannover. Eine schöne Radreise durch eine sicherlich vielen völlig unbekannte Region ist zuende.

Fazit: lohnenswert und ein echter Geheimtipp! Die Menschen in dieser Region sind sehr kommunikativ, hilfreich und auskunftsfreudig. Aber das erleben wir als Radler eigentlich überall in Deutschland.

 

Etappen 
unserer Fünf-Tage-Tour (391 km im Mai 2011)

Bad Hersfeld-Geisa 56 km KZM
Geisa-Schlitz 78 km KZM
Schlitz-Altenstadt (Düdelsheim) 98 km KZM
Altenstadt-Birstein 94 km KZM
Birstein-Lauterbach 55 km KZM

Die KMZ-Dateien stellen die gefahrene und aufgezeichnete Route in Google Earth dar. Voraussetzung ist, dass die Software auf Ihrem PC installiert ist.

Radwanderführer

     


Weitere schöne Bahnradwege in Deutschland

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Trailer zum Bahnradweg bei YouTube



Blick auf Herbstein, das auf einem Vulkankegel liegt.

Bei Hartmannshain beginnt und endet die Schleife über Hanau am Main.

Das Schloss in Gedern. 

Toller Radweg: Entlang der Nidder bei Hirzenhain.

Kunst aus Bahnschwellen bei Selters.

Kirche in Düdelsdorf - 3 km vom Radweg entfernt.

Das Schloss Philippsruhe in Hanau.

Die Brüder Grimm: Nationaldenkmal in Hanau.

Gelnhausen: das Innere Holztor.

Relikt der Vogelsberger Südbahn.



Über Höhe und Standort wird ist der Radler dank guter Beschilderung immer im Bilde. 

Viele Windparks liegen am Wegesrand.

Kirche in Ilbeshausen.

Ende einer 400 km langen Radtour: Brücke kurz vor Lauterbach.



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