Radtouren A bis Z
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Autor: Dieter Hurcks Copyright 9/2009

Altmühlradweg und Altmühltalradweg. Eine Radtour mit historischem Flair.
In Rothenburg an der Tauber beginnt der Altmühlradweg, der sich bei Colmberg mit dem Altmühltalradweg vereint.

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Von Rothenburg an der Tauber nach Eichstätt

Während unserer großen Sommertour von Kassel zum Bodensee befuhren wir auch den Altmühltal-Radweg von Rothenburg an der Tauber bis nach Eichstätt. Wenn man es genau nimmt, setzt er sich aus zwei Radwegen zusammen: nämlich dem Altmühlweg und dem Altmühltal-Radweg. Denn die Altmühl entspringt ja nicht in Rothenburg, sondern beim Hornauer Weiher. Von dort führt der Weg dann weiter nach Colmberg und Gunzenhausen. Teil 1

Vom Taubertal geht es ziemlich steil hinauf nach Rothenburg, doch der Anstieg ist nicht besonders lang. Und am Fuße lockt vor der Anstrengung noch das einladende Gasthaus „Schwarzes Lamm“ zur Einkehr. Gestärkt geht es dann leichter hinauf. Natürlich sollte man unbedingt in dieser historischen Stadt übernachten und viel Zeit für einen Stadtbummel einplanen, evt. sogar noch einen Extra-Tag.

Malerisches Rothenburg.

Übernachten an der Tauber  Rothenburg

Denn Rothenburg ist nicht umsonst unter Ausländern ein Muss im "Besichtigungsprogramm Deutschland". So sieht man zwar nicht mehr so viele Japaner und Amerikaner hier wie früher, aber immer noch reichlich ausländische Gäste. Die Anwohner jedenfalls sind  großenteils in die umliegenden Neubausiedlungen geflüchtet, so dass in Rothenburg des abends nicht allzu viel los ist – außer natürlich in den vielen Gaststätten und in den Hotels und Pensionen. Wir nächtigten außerhalb der Stadtmauern in einem ordentlichen Privatzimmer zu einem passablen Preis.

An der Burgenstraße bei Colmberg
Vorbei an Neusitz und über die Höhe des Nordenberger Forsts radeln wir, mit einigen Schiebeeinlagen, aber dafür von Autos kaum behelligt, ostwärts durch den Naturpark Frankenhöhe. Wir passieren Dörfer wie Gunzendorf und Geslau und erreichen nach knapp 25 km das von einer Burg überragte Colmberg an der Burgenstraße. Dort, im Landkreis Ansbach, vereint sich der Altmühlradweg mit dem Altmühlweg und beide zusammen schwenken nun südwärts. Bis zum Quellweiher der Altmühl sind es ab Colmberg nur gut zehn Kilometer nach Norden.

Die Geschichte der Burg Colmberg liegt ziemlich im Dunkeln. Sie soll, wie der Homepage der Stadt zu entnehmen ist, schon zu Zeiten der keltischen Besiedelung auf dem 511 m über dem Meeresspiegel und 54 m über dem Talgrund liegenden Bergrücken als Befestigungsanlage entstanden sei. Der Überlieferung nach soll in der Karolingerzeit, um das Jahr 770 hier eine Befestigung errichtet worden sein. Die 1880 privatisierte Burg ist heute als Hotel und Restaurant ausgebaut. Quelle: www.colmberg.de

Von Colmberg radeln wir nach Leutershausen, das im Jahr 2000 sein 1000jähriges Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung feierte. „Der Marktplatz mit den ihn umgebenden Fachwerkhäusern und dem Röhrenbrunnen vor dem Rathaus sowie die erhalten gebliebenen Teile der alten Stadtmauer mit den zwei Tortürmen, bieten ein typisch fränkisches Stadtbild“, heißt es auf der Homepage. In Leutershausen befindet sich das Geburtshaus der Mutter von Henry Kissinger, dem ehemaligen US-Außenminister. Besonders ins Auge fällt das wuchtige „Obere Tor“, dessen obere bewohnbaren Geschosse einst als Türmerwohnung dienten. Davor steht ein schöner Brunnen: der Röhrenbrunnen mit seinem neugotischen Türmchen, der im Jahre 1852 durch König Maximilian II erbaut wurde. Wirklich ein Postkartenmotiv und Anlass zu einer kurzen Pause. Quelle: www.leutershausen.de

Leutershausen an der Altmühl ist übrigens nicht mit der nordbadischen gleichnamigen Handballhochburg zu verwechseln. Allerdings musste der dortige Bundesligaclub 2006 Insolvenz anmelden.

Wenige Steigungen 
Abgesehen vom Anfang war die Tour bislang steigungsarm, so dass wir noch topfit und unternehmungslustig sind. Es radelt sich herrlich über Sachsen und Neunstetten nach Herrieden und weiter zum Altmühlsee und nach Gunzenhausen. 75 km haben wir schon zurückgelegt, Grund genug für eine ausgiebige Rast.

Der Altmühlsee wird vom Hochwasser der Altmühl gespeist und hat in etwa die Größe des oberbayerischen Königsees. Er ist 4 km lang und bis zu 1,7 km breit, aber nur zweieinhalb bis drei Meter tief. Einzigartig in Deutschland ist das Staubauwerk, wie bei Wikipedia nachzulesen ist: „Als Absperrbauwerk des Altmühlsees dient ein Ringdamm, der den See vollständig umgibt. Der Staudamm, der aus Sand und Lehm besteht, ist 3 bis 5,5 m hoch, und mit einer Kronenlänge von 12,5 km ist er die längste Stauanlage in Deutschland. In seinem Inneren befindet sich eine mehrere Meter hohe senkrecht in dem Erdboden eingerüttelte Dichtwand aus 6 bis 8 cm starken Stahlbohlen, die bis zu den wasserundurchlässigen Schichten reicht.“ Quelle

Gunzenhausen ist eine Stadt mit langer Geschichte. Bereits in vorgeschichtlicher Zeit war der Stadtbereich bevorzugtes Siedlungsgebiet, was zahlreiche Ausgrabungsfunde beweisen. Die Römer errichteten hier, wie auf der Homepage der Stadt zu lesen ist, „an der nördlichsten Seite des raetischen Limes ein Kastell und kontrollierten von dort aus bis zu ihrer Vertreibung durch einfallende Alemannen um 240 n. Chr. das Umland.“ Quelle: www.gunzenhausen.de

Bis Treuchtlingen sind es nur noch knapp 25 km, und da das Land flach und die Wege erstklassig sind, beschließen wir noch einen Abstecher von Graben ins bayerische Weißenburg zu unternehmen. Am Weg, der neben einer Eisenbahnstrecke herführt, liegt eine Besonderheit: der Karlsgraben.

Römisches Weißenburg 
Die erste Stadtmauer der Stadt Weißenburg stammt laut Wikipedia „aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert wurde nach Süden hin die Vorstadt mit dem Augustinerkloster durch eine zweite Stadtmauer einbezogen. Zusätzlich zur Mauer wurde noch ein 30 Meter breiter Graben um die Stadt angelegt, der im südlichen Teil mit Wasser gefüllt war bzw. heute noch gefüllt ist.“ Das mittelalterliche Stadtbild Weißenburgs ist heute noch gut erhalten. Das gotische Rathaus und das Ellingertor künden von der großen Zeit als Handelsstadt in der Nähe Nürnbergs.

Besondere Berühmtheit erlangte Weißenburg jedoch durch die 1977 begonnen  Ausgrabungen der römischen Thermen – auch Große Thermen genannt. Sie sind seit 1983 zu einem Museum ausgebaut. Quelle und mehr

Der historische Karlsgraben
Ein weiteres Highlight dieses Radeltages ist der Karlsgraben, auch Fossa Carolina genannt. Er war, wie bei Wikipedia nachzulesen ist, „eine Verbindung zwischen Schwäbischer Rezat und Altmühl und damit zwischen den großen Flusssystemen von Rhein/Main und Donau. Der Karlsgraben ist damit in gewisser Weise Vorläufer des Ludwigskanals und des Main-Donau-Kanals“ und musste die europäische Wasserscheide überwinden.

Weiter heißt es: „Die gängige Theorie geht davon aus, dass Karl der Große im Jahr 793 bei dem heutigen Ort Graben bei Treuchtlingen einen etwa 3.000 m langen Kanal ausheben ließ. Ziel der Unternehmung war die Verbesserung der Verkehrssituation für die Händler, die den Weg über Rhein und Main nach Weißenburg mit ihren Schiffen befuhren. Der bequeme Handelsweg endete aber bis zum Bau des Kanals an der europäischen Hauptwasserscheide bei Treuchtlingen. Durch den Kanal war es möglich, dass Händler aus beiden an den Kanal grenzenden Flusssystemen in das jeweils andere gelangen und so ihren Handlungsradius ausdehnen konnten.“ Auf einer Schautafel am Kanal ist die Geschichte detailliert nachzulesen. Quelle und mehr

Nach den 24 Extra-Kilometern erreichen wir kurz hinter Treuchtlingen unser Quartier in Dietfurt. Es ist der Tag der Mittsommernacht, und oben auf dem Berg wird bald das Sonnenwendfeuer entzündet. Hobbyfußballmannschaften aus ganz Deutschland feiern dort gemeinsam – und wir gleich mit. Ein unvergesslicher Abend nach 125 Radelkilometern.

Nach Eichstätt 
Von Dietfurt bis in die barocke Bischofs- und Universitätsstadt Eichstätt sind es rund 40 km Radelstrecke - meistens direkt neben dem Fluss und fast ohne Steigungen. Da macht das Radfahren richtig Spaß, vor allem, wenn auch noch der Westwind zusätzlich schiebt. Nach zwei Altmühlschleifen erreichen wir das von der Burg überragte Pappenheim.
"Daran erkenn' ich meine Pappenheimer" - durch diesen Ausspruch aus Schillers Drama "Wallensteins Tod" ist der kleine Ort an der Altmühl berühmt geworden. Die ehemalige Residenzstadt der Reichserbmarschälle gehört zu Bayern und ist der einzige Luftkurort in Mittelfranken.

Die Burg Pappenheim ist die Stammburg der Erbmarschälle und Grafen von Pappenheim, wie wir der gut gemachten Homepage des Städtchens entnehmen. "Dieses Reichsministerialengeschlecht spielte über das gesamte Mittelalter eine bedeutende Rolle im “Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation”, denn die Erbmarschälle hatten eines der bedeutendsten Ämter des Kaiserreiches inne." Die Besonderheit: Hier handelt es sich um eine zweihöfigen Burganlage mit Vor- und Hauptburg, die den Bergfried beherrscht.
Auch für Pflanzenfreunde lohnt der Aufstieg, denn: "In der weitläufigen Burganlage erwarten Sie über 1200 heimische Gewächse, Blumen, Stauden, Sträucher und Baumarten und dazu ein Historischer Kräutergarten mit über 750 Arten." Quelle

Auf der Altmühl, einem Wassersportparadies, herrscht schon am frühen Morgen reger Bootsverkehr. Über Zimmern gelangen wir nach Solnhofen, einer kleinen Gemeinde mit 2000 Einwohnern.
Bekannt ist Solnhofen besodners wegen seiner Steinbrüche. Diese bergen rund 150 Millionen Jahre alte Fossilien. Aufsehen erregten die Funde von zehn Exemplaren des Urvogels Archaeopteryx. Diese sind im Museum im Solnhofener Rathaus ausgestellt.
Jedes Jahr strömen zahlreiche Hobbyarchäologen aus aller Welt in die Region, um selbst auf die Suche nach seltenen Fundstücken zu gehen.

Die Homepage der Gemeinde kündet von einer anderen Besonderheit: "Die Solnhofener Solabasilika, die Grabstätte des Mönches Sola, zählt mit ihren Säulen aus karolingischer Zeit zu den ältesten Baudenkmälern Deutschlands. Bei Ausgrabungen dort entdeckten Wissenschaftler von der UniversitätHeidelberg bis in die Mittelsteinzeit zurückreichende Siedlungsspuren." Quelle

Das Wahrzeichen von Solnhofen ist die Felsgruppe der Zwölf Apostel, einem der schönsten Geotope in Bayern.

Bald passieren wir nahe Mörnsheim das Altmühlwehr bei der Hammermühle. Hier ist der Fluss gut
40 m breit und wird durch im Wasser liegende Steinblöcke um etwa einen Meter angestaut. Seit dem Mittelalter betrieben die Fürstbischöfe von Eichstätt hier ein Eisen- und Hammerwerk, das noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Waffenschmiede diente und erst dann zu einer Mühle ("Hammermühle") umgebaut wurde. Quelle

Weiter geht die Tour nach Dollnstein. Von hier kann man durchs Rieder Tal und über Wellheim und Hütting nach Rennertshofen radeln. Die Steigung ist moderat und gut zu bewältigen. In Bertoldsheim (schöner Biergarten!) oder Hatzenhofen stößt man auf den Donauradweg - je nachdem, ob man nach Westen oder Osten radeln will.



Wir aber fahren von Dollnstein weiter entlang der Altmühlschleifen über Breitenfurt und unterhalb der Willibaldsburg nach Eichstätt, einem Zentrum des Katholizismus in Deutschland mit Katholischer Universität. Eichstätt hat knapp 14.000 Einwohner und gehört zum Regierungsbezirk Oberbayern. Hier endete unsere Altmühlradtour aus der anderen Richtung, als wir von Hilpoltstein aus in Kinding den Fluss erreichten. Von dort kann man entlang des Main-Donau-Kanals bis Kelheim an der Donau weiterradeln - in etwa sind das noch 55 km.

Was Eichstätt auszeichnet, beschreibt die Homepage der Stadt u.a. so: "Lichte Farben und Stein gewordene Sinnlichkeit vereinen sich zu Eichstätts Stadtbild, maßgeblich geprägt von barocken Baumeistern wie Gabriel de Gabrieli und Maurizio Pedetti. ... Der Dom ist der sakrale Mittelpunkt Eichstätts. Besonders seine Kreuzgänge führen in die Stille. Schlanke Säulen tragen die unzähligen Wölbungen der Decke. Kunstfertig schufen Steinmetze im Inneren des Doms ihre unvergänglichen Schönheiten wie den Pappenheimer Altar oder den Hl. Willibald, geschaffen von Loy Hering. Die Züge des steinernen Schutzheiligen von Eichstätt sind so scharf und lebendig gearbeitet, dass man seine Anwesenheit fast körperlich zu spüren scheint." 

Wahrzeichen der Stadt ist die schon erwähnte Willibaldsburg, ehemaliger Sitz der Fürstbischöfe und heute beliebtes Ziel für Fossilien- und Gartenbegeisterte. Quelle: www.eichstaett.info

Etappen
Rothenburg/Tauber - Colmberg 25 km - Gunzenhausen 75 - Treuchtlingen 100 - Dietfurt 125 - Eichstätt 165 - Beilngries 209 - Kelheim 253 km


Altmühl-Tour 1: Kinding-Eichstätt



Radreiseführer:

   



 

DVDs mit Bildern vom Altmühltal

 


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Spickzettel
Route:
Altmühltalradweg
Start/Ziel:
Rothenburg a. d. Tauber/Kelheim 
Bahnanreise:
Gunzenhausen/Ingolstadt
Länge: gesamt
253 km; Etappen
Schwierigkeit: im oberen Teil mittel, im unteren Teil leicht (siehe Berichte) 
Übernachten: Quartiere (weitere siehe Berichte)
Internet: offizielle Homepage - Wikipedia
Radwanderführer: siehe unten





Aus dem Taubertal geht es steil hinauf nach Rothenburg.

Berühmtestes Rothenburger Motiv: das Plönlein.

Das Rathaus von Rothenburg.

Burg Colmberg ist heute ein Hotel-Restaurant.

Leutershausen - Obertor und Röhrenbrunnen.

Am Altmühlsee lässt es sich trefflich radeln.

Markante Wegmarke: eine Solitärlinde.

Hier macht Radeln richtig Spaß.

Karlsgraben bei Treuchtlingen.

Abstecher nach Weißenburg in Bayern.

Mächtige Anlage: Burg Pappenheim.



Wacholderheiden: typische Altmühl-Vegetation. Die Altmühl ist ein Paradies für Wassersportler.



Ortseinfahrt nach Dollnstein, von wo aus man auf releativ kurzem Weg zur Donau radeln kann.



Bizarre Felsformationen - bisweilen stürzen auch schon mal ein paar Brocken hinab ...

Radeln im Altmühltal gen Eichstätt.


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