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Autor: Dieter Hurcks Copyright 8/2018

Von der Mündung in die Lippe zur Quelle 
Die rund 60 km lange Alme entspringt im Briloner Ortsteil Alme im Hochsauerlandkreis und fließt durchs waldreiche Bürener Land bis nach Paderborn, wo sie im Stadtteil Schloss Neuhaus in die Lippe mündet. Ein Erfahrungsbericht über eine abwechslungsreiche Radtour, die sie gut mit Touren an Werre, Weser und Diemel zu einer Radrundreise durch Westfalen verknüpfen lässt.

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Almeradweg

Erfahrungsbericht zur Tour Paderborn-Brilon
 
Der rund laut Homepage www.alme-radweg.de nur 70 km kurze gleichnamige Radweg beginnt vor dem alten Rathaus von Brilon und endet an der Almemündung in die Lippe in Schloss Neuhaus bei Paderborn – oder umgekehrt je nach Fahrtrichtung. Das Flüsschen selbst entspringt im gleichnamigen Briloner Ortsteil Alme und wird aus zwei Hauptquellen gespeist sowie vielen weiteren Nebenquellen. Dieser Radweg verläuft über weite Strecken parallel zur ehemaligen Almetalbahn und auf der Trasse der Paderborner Landroute, die ich 2012 einmal komplett abgeradelt habe, und erfordert eine gute Kondition und am besten ein E-Bike.

Auf den Spuren der Almetalbahn 
Die Trasse der Almetalbahn ist, wie man vom Radweg aus gut erkennen kann, weitgehend zugewachsen. Als Schüler sind wir auf dieser Strecke mal bei einem Klassenausflug nach Brilon gefahren und weiter ins Sauerland. Bei Wikipedia lesen wir: Die Almetalbahn war eine etwa 60 km lange, zumeist eingleisige Eisenbahnnebenstrecke von Paderborn über Büren nach Brilon. Heute ist nur noch der Abschnitt von Brilon nach Brilon Wald in Betrieb. Quelle und mehr

Immer mehr Schotterwege 
Meine Radtour von 2018 zeigte leider gegenüber 2012 einige negative Änderungen in Sachen Streckenqualität. Insbesondere der einst schönste Teil durch den Wald von Siddinghausen zum Multhäupter Hammer bringt heutzutage (Stand: August 2018) keinen Radelspaß mehr, da auch hier der vor sechs Jahren noch gute befahrene Waldweg gnadenlos geschottert wurde – teilweise mit grobem Material. Anscheinend ist Schotter gerade reichlich vorhanden und billig im Einkauf. So kostete eine Tonne grober Recycling-Schotter gerade mal ab fünf Euro.
1 Tonne RC-Schotter (Korngröße 0-32 mm) als Schüttgut

Schotterwege sind ein Trend, der mir auch auf anderen Touren schon zu schaffen machte wie dem Diemelradweg, den ich von Brilon aus ansteuerte, um dort entlang radelnd die Weser zu erreichen. Besonders das letzte Stück durch den Wald nach Helmarshausen fordert höchste Konzentration. Als Entschädigung ist der Deisler-Tunnel seit 2017 befahrbar, womit man auf abenteuerliche Weise eine starke Steigung vermeiden kann. Kommt man aus Richtung Trendelburg ist allerdings eine Schiebestrecke neben einer Treppe zu bewältigen.  

Aber lesen Sie nach diesem Ausflug an die Diemel nun den Erfahrungsbericht über meine Tour auf dem Almeradweg.

Start an der Mündung 
In der Nähe des Lippesees bei Paderborn-Sande mündet die Alme in die Lippe. Diese entspringt etwa 15 km entfernt Bad Lippspringe entspringt und bekommt von der Alme einen gehörigen Schub Frischwasser aus dem Sauerland und Waldkreis Büren. Vorbei an Elsen führt der Weg nach Süden. In Wewer wird der Radweg noch durch den Ort umgeleitet (bis Ende 2018). Bis hinter Borchen begleitet den Radler der Lärm der Autobahn 33. Als Entschädigung kommt er auf erstklassigen Wegen bei guter Ausschilderung flott voran. Kleine Ortschaften wie Niederntudorf und Alfen sind Farbtupfer in einer weitgehend landwirtschaftlich genutzten Region. Es fällt auf, wie sauber die Orte gehalten werden: Nicht ein Fitzelchen Müll ist zu sehen. Vorbildlich! Je weiter man nach Süden vordringt, desto stärker wechselt die Vegetation hin zu Baumbeständen und Wald.

Vor Wewelsburg muss man sich allmählich an den Schotterbelag gewöhnen, aber zunächst nur bei einer kurzen Walddurchfahrt. Wer zur bekannten Burg will, sollte den Aufstieg Richtung Ortsmitte wählen. Die Wewelsburg ist Deutschlands einzige Dreiecksburg in heute noch geschlossener Bauweise. Zwischen 1603 und 1609 wurde sie im Stil der Weserrenaissance als Nebenresidenz der Paderborner Fürstbischöfe hoch über dem Almetal auf einem Bergsporn erbaut. Quelle und mehr – auch bei Wikipedia

Einen Wegweiser zur Burg habe ich am Radweg selbst wohl übersehen und radle deshalb gleich ins Tal, zumal ich die Burg bereits auf früheren Radtouren besucht habe. In Ahden hat jemand mitten in einen schönen Garten ein großes Herz gestellt, hinter dem die Kirche zu sehen ist. Früher verlief hier übrigens die Kaiserroute von Paderborn nach Aachen. Doch die ist längst Geschichte, genau wie die Wellness-Radroute, die hier bis Büren verlief.

Selbstversorgung angesagt 
Im Tal unterhalb der Wewelsburg befand sich übrigens rechts des Weges etwas versteckt eine sehr schöne Pausegelegenheit: das Gasthaus Alte Mühle. Über 20 Jahre lang, bis 2015, war der Biergarten ein beliebter Ausflugstreff für Radler und Wanderer. Auch Vereine, Gruppen und natürlich viele Gäste der Burg nutzten die Gelegenheit zur Einkehr in der Alten Mühle. Heute ist dort noch eine Pension – schade um den schönen Biergarten am Wasser.

Überhaupt: Das Sterben der Gaststätten und Bäckereien hat auch vor dem ehemaligen Kreis Büren nicht Halt gemacht, wie dieses Beispiel zeigt. In Weine gibt es noch einen Bäckerladen, der leider keinen Kaffee zum Trinken anbietet. Die nächste Einkehrmöglichkeit ist, wie mir die Bäckersfrau sagte, erst in Alme. Man sollte also gut zu Essen und zu Trinken im Radlergepäck haben. Radelt man an einem Wochentag, hat man auch bei Gasthöfen tagsüber wenig Glück, da die noch vorhandenen meist erst um 17 Uhr öffnen.

Auf Höhe von Brenken sieht man rechter Hand die Überreste der Niederburg. - Burgruine Brenken

Marktplatz

Gelegenheit zum Einkaufen ist in Büren, wo ich einen Wegweiser zur Stadtmitte gesucht und nicht gefunden habe. Dabei liegt der Marktplatz nur einen Katzensprung vom Almeradweg entfernt. Hält man auf die Jesuitenkirche zu (Bauzeit 1754 bis 1773), wo man unbedingt mal hineinschauen sollte, kommt man rasch ins Zentrum.

Multhäupter Hammer 
Weiter geht’s nach Südwesten. Vor Weine wird es idyllisch. Direkt neben dem Radweg hört man die Alme rauschen. In Siddinghausen lohnt ein Blick in die Barockkirche St. Johannes Baptist. Die Kirche ist Johannes dem Täufer geweiht. Es handelt sich um einen einschiffigen vierjochigen Saalbau mit dreiseitig geschlossenem Chor in barockem Stil.  

Danach radelt man auf einem einst schönen und jetzt, wie schon erwähnt, geschotterten Waldweg zum Multhäupter Hammer und dann auf einem wegen besonders grober Schottersteine rutschigen Weg steil hinunter zu Straße, die nach Alme führt.

Was ist ein Hammer, frage ich mich. Wikipedia weiß es: Nachdem im Dezember 1612 ein Orkan im Ringelsteiner Wald gewütet und viele Bäume zu Fall gebracht hatte, wurde beschlossen, das Buchen- und Eichensturmholz zu Holzkohle zu verarbeiten. 1613 wurde in Ringelstein ein Schmiedehammer errichtet, in dem die produzierte Holzkohle Verwendung fand. Wasser, das der Alme durch Seitengräben abgezweigt wurde, trieb die Hämmer an. Das in Schmelzöfen hergestellte und von Schlacke befreite Roheisen wurde hier ausgeschmiedet und zum Beispiel zu Waffen weiterverarbeitet. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Eisengewerbe in Ringelstein eingestellt. 1881 wurde die Anlage zu einer Holzstofffabrik umgebaut. 1917 ging die Fabrik an den heutigen Besitzer Grafen von Spee über. Die im Gebäude eingerichtete Holzschleiferei gehörte zu einer Papierfabrik aus Alme. Heute wird im Multhäupter Hammer Strom mit der Kraft der Alme erzeugt. Quelle und mehr

Ein schönes Fotomotiv ist das historische Gebäude, das sich bei etwas Glück fotogen im Teich spiegelt. Kurz danach verlässt die Paderborner Landroute den Almeradweg, der nun auf einer an diesem frühen Mittwochnachmittag wenig befahrenen erstklassigen Straße nach Alme führt. Dort besteht die Möglichkeit zu einer Rast bei der noblen Schlossmühle, direkt neben der rauschenden Alme.

Suche nach der Almequelle 
Nun will ich natürlich zur Quelle, folge großen Schildern an der Straße. Doch dann hört die Beschilderung auf, ich muss mich durchfragen. Leider ist der Weg zur Hauptquelle mit besonders grobem Schotter belegt und führt dazu auch noch leicht bergauf, so dass Radeln fast unmöglich ist. Ich gebe entnervt auf, will auch meine Reifen nicht unnötig malträtieren!

Bei Wikipedia erfahre ich: Der Quellteich der Alme – sowie die wenig höhergelegenen Einzelquellen – befindet sich auf einer Höhe zwischen 320,9 m und 322,5 m ü. NHN. Wenige Meter oberhalb des Teiches entspringen noch weitere Almequellen, darunter die Quelle Nr.1.

Die Hauptquelle ist ein künstlich aufgestauter Karstquellteich mit einem Durchmesser von etwa 30 m und einer mittleren Schüttung von 800 l/s. Quelle und mehr - Almequellen (Tourismus Brilon)

Von Alme geht es nun auf der Straße lang und steil hinauf. Hier merken Kopf und Beine, warum der Hochsauerlandkreis so heißt. Jede Menge Windenergieanlagen zieren die Berge. Nach 70 km Radtour ist die Kuppe erreicht und in der Ferne Brilon in Sicht. Ab Wülfte folgt eine flotte Abfahrt – Lohn für den mühevollen Aufstieg. Nach insgesamt 78 km sitze ich vor dem Alten Rathaus der Stadt, wo ein großes Schild den Anfangs-  bzw. Endpunkt des Almeradwegs markiert. Ich radle noch kurz durch die Altstadt. Hier gibt es allerhand zu sehen, wie auch der Homepage der Stadt zu entnehmen ist.

Sehenswertes Brilon 
Ein Textauszug: „Vor allem das Fachwerk-Ensemble am Marktplatz zieht Besucher sofort in seinen Bann. Umschlossen von den Resten alter Stadtmauern, sind in Brilons Stadtkern kleine Juwelen bewahrt geblieben. Das um 1250 erbaute Rathaus mit seiner barocken Front  ist eines der ältesten in Deutschland. Einst diente das Gebäude als Gildehaus und zeugt somit noch heute von der Bedeutung Brilons als Hansestadt.
Dahinter, ein wenig erhöht, ragt eindrucksvoll der mächtige Westturm der Propsteikirche mit seiner Barockhaube empor. Das Museum Haus Hövener, früher Wohnhaus einer Briloner Unternehmerfamilie, ist im klassizistischen Stil gebaut. Vor dieser Kulisse plätschert mitten auf dem Marktplatz friedlich der Petrusbrunnen mit der Figur des Apostels und Stadtpatrons.“ 

 

Start oder Ziel: am Rathaus von Brilon

Auf der Homepage kann man sich übrigens auch den Flyer vom Stadtrundgang herunterladen. Quelle und mehr

Bis zu meinem Quartier, dem Landhaus Gruß, muss ich allerdings noch ein paar Höhenmeter bewältigen. Es liegt über 500 Meter hoch Am Hängen und ist ein guter Startpunkt für die Weiterfahrt zum Diemelsee oder nach Willingen zur Diemelquelle (jeweils ca. 13 km). Ein abendlicher Spaziergang, den jeder Radler unternehmen sollte, um die Muskulatur wieder zu lockern, erlaubt einen herrlichen Blick über das Hochsauerland. Auch die Sturmschäden von Kyrill, der am 18. Januar 2007 ganze Hänge quasi abrasiert hat, sind nicht zu übersehen. Dieter Hurcks (8/2018) - Alme bei Wikipedia

Videos Almeradweg bei YouTube und

Almeradweg als Teil der Paderborner Landroute

500 km durch Westfalen - Übersicht

Links

Paderborner Landroute - vielfach trassengleich mit dem Almeradweg

Werreradweg

Diemelradweg

Weserradweg

Radwanderführer

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Spickzettel
Route:
Almeradweg
Start/Ziel:
Paderborn-Brilon 
Bahnanreise:
Paderborn
Länge der Radtour:
ca. 80 km
Schwierigkeit: im Hochsauerlandkreis geht es bisweilen etwas länger bergauf (siehe Bericht) 
Übernachten: Adressen siehe Homepages und im Radwanderführer
Internet:
www.alme-radweg.de - GPS-Datei
Radwanderführer: von Publicpress siehe unten

Der offizielle Radwegweiser

Kirche Niederntudorf

Relikte der Almetalbahn begleiten den Radler
 auf seiner Tour.

Blitzsaubere Ortsdurchfahrten wie in Ahden

Autobahn 44 bei Brenken

Die Jesuitenkirche in Büren

Am Multhäupter Hammer geht es auf Schotter steil hinunter zur Straße nach Alme.

Die Hammermühle produziert jetzt Strom.

Hoch hinauf ab Alme Richtung Brilon

Blick zur Abfahrt nach Brilon

Fast am Ziel: Brilon im Hochsauerlandkreis

Rathaus Brilon, eines der ältesten in Deutschland

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