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Autor: Dieter Hurcks Copyright 9/2012

DFR: 820 km von Aachen nach Bielefeld
Die Deutsche Fußball-Route nutzt auf ihren rund 820 km viele bereits bestehende Radwege. Diese Teil des Erfahrungsberichts beschreibt in mehreren Folgen die Strecke von Hattingen an der Ruhr bis Duisburg sowie lang durch das ganze Ruhrgebiet nach Münster und Bielefeld. Dabei werden einige bedeutende Fußball-Arenen besucht. Teil 3- Teil 2 - Teil 1
- Teil 5

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Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

DFR (4): Von Essen über Schalke nach Dortmund 

Quer durchs Revier zum Borsigplatz
 
Die ersten beiden Teile der Deutschen Fußball-Route haben die Tour vom Ausgangspunkt in Aachen über Köln, Leverkusen, Mönchengladbach, Düsseldorf und Wuppertal nach Hattingen an der Ruhr sowie über Duisburg nach Essen beschrieben. Der folgende Teil schildert die Erfahrungen des Autors auf dem Weg von Essen-Karnap quer durchs Revier über Gelsenkirchen und dann,  u.a. auf der Route der Industriekultur, nach Bochum und Dortmund.

Dieser vierte und vorletzte Teil des Erfahrungsberichts über die rund 820 km lange Deutsche Fußball-Route NRW schildert die an Sehenswürdigkeiten reiche Etappe von Essen nach Dortmund-Derne, die letzte dann berichtet von der Etappe über Ahlen nach Münster und den letzten Tourabschnitt nach Bielefeld. Gleich am frühen Morgen steht die Zeche Zollverein XII auf dem Reiseplan, die zum Wahrzeichen des Reviers und der Route der Industriekultur geworden ist.  

Von Essen nach Dortmund-Kirchderne

Das Zimmer war klein und muffelig und ab morgens 6 Uhr wegen des zunehmenden Autoverkehrs auch noch laut dazu. Deshalb radelte ich schon um 8.15 Uhr los. Gleich in der Grünanlage von Karnap fehlte, nach 4,5 km - ein Radwegweiser. Zum Glück sind die DFR-Einhänger beidseitig bedruckt, so dass ich ein Stückchen vom Schild der Gegenrichtung am leuchtenden Schwarzgelb erkennen kann und den richtigen Weg finde. Über Bahnlinie und Rhein-Herne-Kanal geht es bald rund 5 km südwärts.

Insgesamt ist die Beschilderung bislang gut, nur die kalten Metallbänke am Radweg, der ab Altenessen auf einer Trasse der ehemaligen Zechenbahn verläuft, sind arschkalt im wahrsten Wortsinn. DFR und Route der Industriekultur verlaufen nun lange parallel. 

UNESCO-Weltkulturerbe

Zunächst bestaune ich die riesige Kokerei Zollverein und anschließend die Zeche Zollverein XII in Katernberg, das Weltkulturerbe und der Stolz der Menschen im Revier. Es ist Sonnabend und der Radelverkehr auf der Zechenbahntrasse nimmt beständig zu.

Zeche Zollverein: Der Doppelbock von Schacht 12.

Die Zeche Zollverein war ein von 1847 bis 1986 aktives Steinkohlebergwerk in Essen. Sie ist heute ein Industriedenkmal. Gemeinsam mit der unmittelbar benachbarten Kokerei Zollverein gehören die Standorte XII und 1/2/8 der Zeche seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Zollverein ist Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur. - Buchtipp: Welterbe in Deutschland

Erstmals wurden hier zwei äußerlich gleiche Malakow-Türme über den Schächten als Förderanlage errichtet; dieses Beispiel eines Zwillingsbaus mit gemeinsamem Maschinenhaus zwischen den Schächten wurde später auf anderen Zechen beim Bau einer Doppelschachtanlage wiederholt.

Am 23. Dezember 1986 wurden alle verbliebenen Förderanlagen von Zollverein stillgelegt. Die Kokerei wurde noch bis 1993 betrieben. Schacht 2 und 12 blieben für die Wasserhaltung offen.

Im Nachhinein wurden die verbliebenen Tagesanlagen von Schacht 12, Schacht 1/2/8 und Schacht 3/10 für eine neue Nutzung und als Industriedenkmal erhalten.

Im Sommer 2009 zog das Ruhr Museum, bis dahin im Essener Süden als Ruhrlandmuseum ansässig, dauerhaft in die Kohlenwäsche ein. Die Ausstellungsräume wurden ab Oktober 2008 mit der Ausstellung goldvorschwarz der Schätze der Essener Domschatzkammer eröffnet.

Quelle: Wikipedia - schöne Bilder

 

Verfahren in Gelsenkirchen

Ich radele weiter, fasziniert von diesem riesigen Industriemuseum unter freiem Himmel. Die Zeche Zollverein X, der Mechtenberg und die Himmelsleiter sind weitere Industriedenkmäler. Nach 16 km verlässt die DFR die Route der Industriekultur (RDI) und führt nach Gelsenkirchen hinein, wo ich im "Dschungel der Großstadt" (256.000 Einwohner) prompt mitten in der City (Altstadt) trotz intensiver Suche und höchster Aufmerksamkeit die Radwegweisung verliere und mich per Karte und Kompass über die Grothusstraße zurück zum ausgeschilderten Weg durchkämpfe. Erst an der Kreuzung mit der Hachhorststraße finde ich die Beschilderung wieder. Ein Stück radele ich nun am Rhein-Herne-Kanal entlang, bis der Abzweig zur Veltinsarena auftaucht.

So viel zu Gelsenkirchen: "Auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Nordstern (Bundesgartenschau 97) befindet sich die Modellbahndauerausstellung Der Deutschlandexpress, bis 2001 die größte digitale Dreileiter-Modellbahnanlage der Welt; heute sind nur das Miniatur Wunderland in Hamburg und die Loxx Miniatur Welten Berlin größer.

Weiterhin gibt es in Gelsenkirchen einige Siedlungen, Aussichts- und Ankerpunkte der Route der Industriekultur. Die Gelsenkirchener Aussichtspunkte der Route sind die Halden Rungenberg und Rheinelbe. Ebenfalls in die Route wurden die Siedlungen Flöz Dickebank und Schüngelberg aufgenommen. Der Nordsternpark bietet Informationen über das ehemalige Zechengelände sowie über die industrielle Vergangenheit der Region. Er wird deshalb als einer der Ankerpunkte der Route bezeichnet."

 

Veltinsarena: ein Stadion der Superlative

Das Schalker Stadion ist schon sehr imposant. Dort kann bei Schlechtwetter die Decke geschlossen und sogar der Rasen komplett heraus gerollt werden, was man zum Beispiel im Winter für den Biathlonwettbewerb macht. 

Die Heimspielstätte des FC Schalke 04 bietet bei nationalen Fußballspielen 61.673 Gästen Platz, bei internationalen Spielen gibt es auf Grund des Stehplatzverbotes lediglich 54.142 Plätze in der Arena. Bei Konzerten hat die Arena sogar eine Kapazität von 78.437 Zuschauern. Das nach dem UEFA-Stadioninfrastruktur-Reglement als Elitestadion eingestufte Stadion ist von vielen, selbst weit entfernten Punkten im Ruhrgebiet aus zu sehen.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Veltins-Arena befindet sich ihr Vorgänger – das Parkstadion. Es wurde 1973 als Nachfolger der Glückauf-Kampfbahn eröffnet, die sich allerdings noch im Stadtteil Schalke befand, und war ein Jahr später ein Spielort der Fußball-Weltmeisterschaft 1974. Nach dem Abriss der Tribüne wurden dort zur FIFA WM 2006 ein Hotel sowie ein Reha-Zentrum gebaut.
Quelle und mehr

Nach Bochum

Zurück finde ich auf Anhieb zum Kanal. Am Hüller Bach heißt es rechts abbiegen und - an Wanne-Eickel und Günnigfeld vorbei - auf Zechenbahntrassen gen Bochum zu fahren. Unterwegs Pause bei dem laut einem Radler im Umkreis einzigen Gastro-Wagen an der Route. Über die Erzschwinge geht es zur Jahrhunderthalle nach Bochum, von dort durch die Stadt zum Bergbaumuseum
Mehr dazu in meinem Bericht über die Route der Industriekultur

 

Das Bochumer Stadion an der Castroper Straße.

Entlang der Castroper Straße führt die Route nun nach Norden. Aber plötzlich endet sie kurz vor der Autobahn im Castroper Hellweg, einer Schnellstraße. Eine DFR-Beschilderung habe ich seit dem Bergbaumuseum nicht mehr gesehen. Am Ende der Castroper Straße (schräg links in die Sackgasse) führt links ganz versteckt ein Weg hinter, unterquert die A 43 und führt weiter. Ich habe die Orientierung verloren und frage mich durch. Ein etwa 14-jähriger Junge kennt den Radweg nach Hiltrop, der bald den Castroper Hellweg kreuzt. Also hätte ich auf diesem auch geradeaus weiterfahren können. Jedenfalls geht es nun ein paar Mal bergab. Und oh Wunder: Auf dem Berg steht ein wunderschöner Wegweiser mit Ziel Dortmund und Bövinghausen.

 

 

Alles in Schwarzgelb: Brücken in Dortmund.

Ich bin erleichtert. Zügig radele ich nun durch eine ländlicher werdende Gegend gen Dortmund. In Merklinde grasen Pferde, es ist schön ruhig. Aber nicht lange: Denn bald führt der Radweg nur noch entlang von Straßen über Westrich, Rahm und Wischlangen nach Barop. Wieder heißt es klettern, um zum Dortmunder Station, dem imposanten Signal-Iduna-Park zu gelangen. Nebenan, im Stadion Rote Erde, spielt gerade BVB II in der dritten Liga vor 3500 Zuschauern, die aber gehörig Krach machen. Zum Biergarten gelangt man nur mit Eintrittskarte.

Ins Stadion einbaut ist das Borusseum, das Museum des Vereins. Auf der Homepage heißt es: "Tauchen Sie ein in die Welt des BVB. Folgen Sie den Spuren einer abwechslungsreichen Vereinsgeschichte und nehmen Sie Platz im Wirtshaus „Zum Wildschütz“, dem Gründungslokal der Borussia. Verfolgen Sie die abwechslungsreiche Geschichte der Stadien. Angefangen mit der „Weißen Wiese“ in der Nähe des Borsigplatzes und der Industrieanlagen der Hoesch-Hüttenwerke im Dortmunder Norden, über den Umzug in die Kampfbahn „Rote Erde“ im Dortmunder Süden bis hin zum weltberühmten „Westfalenstadion“, dem heutigen SIGNAL IDUNA PARK." mehr zum Borusseum

Deshalb will ich, Hunger und Durst quälen mich inzwischen, schnellstmöglich in die Dortmunder Innenstadt. Gar nicht so einfach: Über eine geschwungene Brücke muss ich erst auf die andere Seite, dann neben schnellen Autos durch einen langen Tunnel. Nach der Hohestraße biege ich auf den Rathausplatz und kehre beim ersten Bäcker ein. Geschafft! Hier kenne ich mich aus, denn in Dortmund habe ich die ersten 14 Jahre meines Lebens verbracht. Das verbindet!

 

Geburtsort des Ballspielvereins Borussia von 1909.

Nach der Stärkung besuche ich nun den Borsigplatz, die Wiege von Borussia Dortmund, wo ich auch aufgewachsen bin. Die Häuser haben sich kaum verändert, nur spricht man hier nur selten deutsch. Ich radele noch ein wenig durchs Viertel, natürlich einmal um den Borsigplatz und vorbei an meiner ersten Schule, der Hoesch-Schule. Doch dann geht es flugs entlang der Bornstraße und Derner Straße zu meinem Quartier in Kirchderne. Es liegt genau dort, wo einst die Zeche Gneisenau stand. Und auch hier pulsiert draußen der Verkehr. Dafür habe ich eine ganze Wohnung für mich alleine. Super! Und das für 25 Euro. Zum Essen radele ich - ohne Akku, da dieser geladen wird - nochmal zurück zur Pizzeria nach Kirchderne. Ohne Gepäck ist das kein Problem. Und morgen früh bin ich gleich wieder auf der nur 200 Meter entfernten Route, die mich nach Münster bringen soll.

weiter mit Teil 5 - Teil 3 - Teil 2 - Teil 1 

Gesamtübersicht DFR NRW

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Spickzettel
Route:
Detailangaben zur Deutschen Fußball-Route siehe Teil 1 - YouTube-Video

Nur in der Gegenrichtung beschildert: DFR in Essen-Karnap. Durch die Unterführung geht es weiter.

Kokerei der Zeche Zollverein.

Industrie pur: Kokerei Zollverein - einst die größte Europas.

Rückblick auf die Zeche Zollverein X.

Vom Bahnhof am Schalker Stadion führt dieser Weg zum Eingang der Veltinsarena.

Alles Fußball oder was? Sogar die Radwegweiser vor der Veltinsarena sind beklebt (Bild unten).

Tolle Brücken auf dem Weg nach Bochum: hier am Rhein-Herne-Kanal ...

... und auf der erstklassig zu befahrenden Erzbahntrasse mit ihren vielen Original-Brücken..

Glocke vor dem Bochumer Rathaus. 

Direkt ins Dortmunder Stadion wurde das Borussia-Museum integriert, das Borusseum. Eintritt: 6 Euro (8/2012).

Dortmunds Hauptfußgängerstraße, die Brückstraße, mit em Wahrzeichen der Stadt, der Reinoldikirche.

Beeindruckendes Industriedenkmal: Förderturm der Zeche Gneisenau in Derne.


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