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Es gibt auch Radwege ohne Beschilderung

Verkehrsregeln für Fahrradfahrer sind nicht immer bekannt

Kürzlich hat in unserem Ort, Burgdorf bei Hannover, die Stadtverwaltung entlang des Rings sämtliche verpflichtenden Radwegeschilder entfernt. Diese wurden auch nicht durch Fußwege-Kennzeichen ersetzt mit dem Zusatz „Radfahrer frei“. Der Streifen für Fahrräder ist gepflastert, der daneben für Fußgänger ist mit Platten belegt. Da hat sich manch einer gefragt: „Darf ich hier überhaupt noch fahren?“

Bedeutet das nun, dass dort nur noch Kinder bis zehn Jahren (evt. mit einem Elternteil), aber keine Erwachsenen Fahrradfahrer mehr fahren dürfen? Oder darf da nun jeder, auch gegenläufig, radeln?

Die Antworten zu dieser und weiteren Fragen gab mir Roland Huhn, Verkehrsreferent des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

„Wenn bei getrennten Geh- und Radwegen die Radwegschilder (Zeichen 241) entfernt werden, die getrennten Radwege aber weiter baulich vorhanden sind, dann sind es nun Radwege ohne Benutzungspflicht. Sie dürfen nur in Fahrtrichtung rechts befahren werden.

Die weiter vorhandenen Furten (die Straßenbemalung) machen deutlich, dass der Radweg weiter besteht und auch Vorfahrt hat. Wo rechts vor links gilt, darf es keine Furten geben. Sonst könnten Radfahrer fälschlich meinen, sie hätten Vorfahrt.“

Weitere Frage: Stimmt es, dass Signets auf der Fahrbahn wie das Fahrradsymbol oder eine 30 in Tempo-30-Zonen rechtlich allein keine Bewandtnis haben, sondern nur in Zusammenhang mit einem Schild?
Roland Huhn: Verkehrszeichen auf der Fahrbahn - ob farbig oder schwarz-weiss - sind allein unverbindlich und weisen nur auf vorhandene Verkehrszeichen hin.

Links: Fahrradstreifen ist zu schmal; rechts: eine Furt besagt, dass der Radler Vorfahrt hat; auch ohne 
Radwegeschild darf hier Rad gefahren werden, weil der Radfahrstreifen sich baulich vom Gehweg unterscheidet

Zu schmaler Streifen – radeln erlaubt?

Frage: Ich habe die Fahrradfurten fotografiert. Der Streifen am Berliner Ring (Bild links) scheint mir zu schmal (ca. 80 cm). Dann darf man da sicher auch nicht mehr radeln?

Dazu Roland Huhn: "Zwar sollen auch Radwege ohne Benutzungspflicht den Anforderungen der VwV-StVO entsprechen. Doch benutzt werden dürfen sie auch dann, wenn sie zu schmal sind.

Am Ostlandring weist die Furt auf die bestehende Vorfahrt für Radfahrer hin. Außerdem soll die Vorfahrt im Zuge einer Straße gleich geregelt sein ("stetig" nennt es die Rand-Nr. 8 der VwV zu § 8 StVO)."

 

 

Zusätzliches Vorfahrt-achten-Schild vor dem Radweg

Noch eine Frage: Bei uns in Burgdorf stehen seit längerem neun zusätzliche Vorfahrt-achten-Schilder zwischen Hauptstraße und straßenbegleitendem Radweg, und zwar an jeder Einmündung einer Seitenstraße. Aus meiner Sicht kann ein Autofahrer, der nach rechts in die Seitenstraße einbiegt, das direkt am Straßenrand stehende, in üblicher Höhe angebrachte Vorfahrt-gewähren-Schild überhaupt nicht sehen. Die Maßnahme erachte ich als sinnlos herausgeworfenes Geld an.

Antwort von Roland Huhn: Die VwV (Verwaltungsvorschrift) zu den §§ 39 bis 43 StVO (Straßenverkehrsordnung) enthält diese eindeutige Aussage in Rand-Nr. 2:
"Verkehrszeichen, die lediglich die gesetzliche Regelung wiedergeben, sind nicht anzuordnen. Dies gilt auch für die Anordnung von Verkehrszeichen einschließlich Markierungen, deren rechtliche Wirkung bereits durch ein anderes vorhandenes oder gleichzeitig angeordnetes Verkehrszeichen erreicht wird. Abweichungen bedürfen der Zustimmung der obersten Landesbehörde.

Abbieger müssen den Vorrang geradeaus fahrender Radfahrern nicht nach Zeichen 205 beachten, sondern aufgrund der Grundregel des § 9 Abs. 3 StVO. Oder wendet sich das Zeichen an die Radfahrer? Vielleicht machen zwei Fotos (von der Hauptstraße und von der Seitenstraße aus) die Situation deutlicher.“  

 

Wer rechts abbiegt, dürfte dieses 
Vorfahrt-achten-Schild (Zeichen 205) kaum sehen.

Zur Ausgangsfrage nach dem zusätzlichen Vorfahrtzeichen 205. Der Radweg neben der Vorfahrtstraße "Ostlandring" nimmt an der Vorfahrt teil. Ein Autofahrer, der aus der untergeordneten Straße kommt und den Ostlandring kreuzt, hat wegen des Verkehrszeichens "Vorfahrt gewähren" vor dem Ostlandring bei seiner Querung diese Vorfahrt zu beachten:

  • Vorfahrt von Radfahrern auf dem Radweg vor dem Ostlandring

  • Vorfahrt von Fahrzeugen auf dem Ostlandring (in beiden Fahrtrichtungen)

  • Vorfahrt von Radfahrern auf dem Radweg hinter dem Ostlandring

Ein Autofahrer, der vom Ostlandring nach rechts oder links in die untergeordnete Straße einbiegt, muss den Vorrang geradeaus fahrender Radfahrer nicht nach Zeichen 205 beachten, sondern aufgrund der Grundregel des § 9 Abs. 3 StVO.

Die Wiederholung von Zeichen 205 ist vor dem Radweg jenseits der Vorfahrtstraße unüblich und erst recht nicht vorgeschrieben. Nun kann man einwenden, es mache auf die bestehende Vorfahrt von Radfahrern aufmerksam und könne deshalb nicht schaden. Kann es aber doch: Was ist mit Kreuzungen, an denen diese zusätzliche Beschilderung nicht angebracht ist? Autofahrer könnten auf die Idee kommen, dass Radfahrer dort keine Vorfahrt haben.

Die Aufstellung des zusätzlichen Zeichens 205 ist wahrscheinlich gut gemeint, aber überflüssig und ein Anlass zu Missverständnissen an vergleichbaren, nicht so beschilderten Kreuzungen. Selbst wenn Burgdorf in seinem Gebiet einheitlich so beschildern würde, bliebe immer noch das Problem der Abweichung gegenüber angrenzenden Städten und Kreisen.

Schutzstreifen

Schutzstreifen für Fahrradfahrer oft zu schmal oder Straßenbelag beschädigt

Wenn die Straße zu schmal ist, wird es für den Radler oft gefährlich. Denn die Autofahrer tendieren dazu, immer bis an die gestrichelte Linie heranzufahren. Also: Falls nicht genügend Platz für einen Schutzstreifen vorhanden ist, dann ist es besser, gar keinen zu markieren, weil die Autofahrer dann einen weiteren Bogen machen. Übrigens: Eine nicht befahrbare Gosse gehört NICHT zur Fahrbahn und damit auch NICHT zum Schutzstreifen, darf also in die Gesamtbreite nicht einbezogen werden. Mehr auf der Homepage des ADFC Diepholz und bei Wikipedia

Radler-Symbol auf einer Ampel

Zum Foto mit der Ampel habe ich noch eine Zusatzfrage: Das Symbol mit dem Fahrradfahrer besagt doch, dass man über den Übergang fahren darf, oder? Das setzt aber doch voraus, dass zumindest auf der anderen Seite auch ein Radweg vorhanden ist. Oder muss auf beiden Seiten ein Radweg vorhanden sein? 

Bei diesem Übergang ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite nur ein Fußgängersymbol zu sehen.

Antwort von Roland Huhn: "Das Fahrradsymbol in der Streuscheibe einer Signalanlage sagt nicht, ob Radfahrer dort fahren dürfen, sondern nur, wann sie fahren dürfen (sofern sie sich auf einer Radverkehrsführung befinden, denn nur dann gelten - ab 2017 - die besonderen Lichtzeichen für den Radverkehr)."


Dieter Hurcks 12/2018

 

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