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Fahrräder und Roller mit Strom auf dem Vormarsch

Thema eMobilität auf der Hannover Messe wieder ein Schwerpunkt

Die Hannover Messe, die jedes Jahr eine unterschiedliche Anzahl von Teilmessen auf dem weltweit größten Messegelände vereint, präsentierte sich auch 2011 wieder als Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Auf vielen Messeständen stieß der Besucher auf E-Bikes, geballt fand er sie in Halle 25, der Heimstatt der Messe „MobiliTec – Internationale Leitmesse für hybride & elektrische Antriebstechnologien, mobile Energiespeicher und alternative Mobilitätstechnologien“.

Neben serienreifen Fahrzeugen waren viele Prototypen zu sehen, die erst in die Fertigung gehen, wenn die Philosophie der Hannover Messe erfolgreich umgesetzt ist: nämlich ein Podium zu bieten, das Entwickler und Industrie zusammen bringt, was letztendlich die praktische Umsetzung möglich macht und damit den technischen Fortschritt beschleunigt.

Das NaWaRo-Fahrrad: Rahmen aus Bambus

Beginnen wir unseren Messerundgang in Halle 2, wo man auf den Ständen von Universitäten und Forschungseinrichtungen einen Blick in die Zukunft werfen kann. Hier präsentiert Bastian Schulz von der Projektwerkstatt der Technischen Universiät Berlin  das NaWaRo-Fahrrad. Hinter dem Kürzel steckt der Begriff „Nachwachsende Rohstoffe auf zwei Rädern“: Es handelt sich also um ein Fahrrad, das zu einem großen Teil aus Naturmaterialien besteht.

Dem Rahmen sieht man sofort an, das er aus hierzulande gewachsenen Bambusstangen gebaut ist, die mit biologisch abbaubarem Kleber verbunden sind. Die Schutzbleche bestehen aus Flachs und Naturseidenfasern. Die am stärksten strapazierten Teile müssen derzeit allerdings noch aus Metall sein.  

Da sich das Fahrrad noch in einem frühen Entwicklungszustand befindet, steht die eigentliche Optimierungsarbeit an dem 10 bis 12 kg leichten Gefährt noch bevor. Bastian Schulz: „Wir können sicherlich noch 300 Gramm Gewicht einsparen“. Weiteres Ziel sei es, „weitere Fahrräder auf höherem technischen Stand zu entwickeln“, etwa Transporter oder Reiseräder. Nun sucht die Projektwerkstatt Partner aus der Industrie, die in der Lage sind Werkstoffe und Verfahren zu optimieren.

Infos: www.nawaro-fahrrad.de und www.nachwachsende-rohstoffe.de

Am Stand der Technischen Universität Dresden war wieder der Lastentransporter zu bestaunen, den ich schon in meinem Bericht über die Hannover-Messe 2010 ausführlich beschrieben habe.

Links: Kick-Boards; rechts: E-Scooter-Prototyp mit Wasserstoffantrieb 


Energielieferanten

Bei der Elektromobilität stehen die verfügbaren Energiespeicher im Mittelpunkt. So zeigte die ZOZ GmbH aus Wenden bei Siegen unter anderem einen wasserstoffgetriebenen Roller (Kick-Board) mit dem schönen Namen „H2Tank2Go“, der eine Reichweite bis zu 120 km möglich machen soll. Daneben präsentierte das Unternehmen Elektroroller wie den Iongo 1.0 mit Bleigel-Batterie, der auf der Homepage für für 1.199 Euro angeboten wird. Der elektrisch angetriebene Rollo isigo 1.0 kostet 299 Euro und erreicht laut Firmenangabe eine Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h bei rund 30 km Reichweite.

Info: www.zoz.de

Links die nur 85 mm breite Nabe, die in nahezu jede Gabel passt.


E-Bike-Umrüstsatz

Mit dem Umrüstsatz der Firma PSS aus Neuenrade lasse sich jedes serienmäßige Fahrrad in ein Pedelec verwandeln. PSS, von Hause aus ein Batteriehersteller, zeigte auf der Hannover Messe ein umgebautes Fahrrad der Marke Sundance. Der mit 1690 Euro nicht ganz billige Umrüstsatz besteht aus dem dreistufig regelbaren bürstenlosen Gleichstrommotor (350 W Peak, 250 W Dauer-Nennlast), dem Akku und diversem Zubehör. Als Akku kann wahlweise ein Lithium-Ionen- oder ein Lithium-Eisenphosphat-Akku eingesetzt werden.

Laut Marketing- und Vertriebsleiter Holger Müller ist das Besondere an dem Umrüstsatz die geringe Einbaubreite des 1,6 kg wiegenden und 250 Watt leistenden Nabenmotors von 85 mm. „Dadurch passt er in jedes Vorderrad.“ Der neue fast fünf Kilo schwere Lithium-Eisenphosphat-Akku erlaube rund 1500 Ladezyklen – das ist drei Mal soviel wie bei einem Lithium-Ionen-Akku.

Ebenfalls bei PSS war ein faltbares E-Mountainbike zu sehen (2990 Euro). Das Besondere laut Holger Müller: „Dank einschaltbarem Freilauf kann es zusammengeklappt wie ein Einkaufswagen geschoben werden, ohne dass sich die Pedalen mitdrehen.“

Info: www.pss-battery.de

 

Foto links: Stephan Apel (li.) und Sven Glenzer von der Ostfalia-Universität im niedersächsischen Wolfenbüttel präsentieren 
das Velomobil Milan.
Foto rechts: "Schwierig, rein und rauszukommen" meint Autor Dieter Hurcks.

 

Windschnittige Rennmaschine

An der Wolfenbütteler Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften wurde das stromlinienförmige Velomobil Milan weiterentwickelt. Mit einem ähnlichen Modell hat der Fahrer Christian von Ascheberg nach Auskunft von Prof. Dr.-Ing. Falk Klinge von der Fakultät Maschinenbau über zwölf Stunden eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 55 km/h erreicht und dabei 664,97 Kilometer zurückgelegt. Diese und weitere Rekordfahrten fanden am 31. Juli und 1. August 2011 auf dem Lausitzring statt. 

Rekord-Fahrradathlet Christian von Ascheberg schaffte dazu zwei weitere Rekorde:
1000 Kilometer nach 19 Stunden und 27 Minuten, Durchschnittsgeschwindigkeit: 51,86 km/h !
1219 Kilometer gefahren in 24 Stunden, Durchschnittsgeschwindigkeit: 50,80 km/h !

Damit hat der Wolfenbütteler alle bisher aufgestellten Rekorde deutlich übertroffen. Möglich wurden die ultrahohen Geschwindigkeiten und das nahezu ermüdungsfreie Fahren durch die gekapselte, stromlinienförmige Verkleidung des Milans sowie durch den sehr niedrigen Rollwiderstand der Grand Prix-Rennreifen von Continental.
Auf dem Dekra-Testgelände wurde Geschichte geschrieben. Dabei konnte der Milan seine Stärken, nämlich den sehr niedrigen Roll- und Windwiderstand sowie seinen guten Geradeauslauf bei Seitenwind und die stabile Straßenlage, voll ausspielen.

Möglich mache dies neben dem Leichtbau die gelungene Minimierung des Luftwiderstandes durch eine aerodynamische Fahrzeugform. Interessant: Im Windkanal bei Volkswagen wurde festgestellt, das der Milan bei Seitenwind eine geringere Antriebsleistung erfordert als bei Windstille. Interessant: Im Windkanal bei Volkswagen wurde im Winter 2010/11 festgestellt, dass der Milan bei Seitenwind eine geringere Antriebsleistung erfordert als bei Windstille.

Vermarktet wird das Gefährt ausschließlich von der Räderwerk GmbH in Hannover. Stephan Apel, Student an der niedersächsischen Ostfalia in Wolfenbüttel: „Jedes Stück wird bislang noch ein einzeln aus GFK (Glasfaserverstärktem Kunststoff) bzw. CFK (Kohlefaserverstärktem Kunststoff) hergestellt. Wir versuchen nun, eine Form für ein Aluchassis zu entwickeln.“ Das werde auch einen günstigeren Preis ermöglichen. Ebenfalls umgesetzt wird ein Modell mit E-Motor-Unterstützung.

Infos: www.ostfalia.de und www.raederwerk.com

 

 

Der Elektroroller E-LiOn soll schon 2011 in die Produktion gehen. Bild rechts: Nabenmotor hinten.

 

Alltagsfahrzeuge

Fahrzeuge für Jedermann, die vor allem auf den Einsatz in Ballungszentren optimiert werden, waren beim ICM aus Chemnitz zu sehen. Das Institut Chemnitzer Maschinen- und Anlagenbau e.V. hat sich der intelligenten Verknüpfung von Elektroauto, IT-, Strom- und Verkehrsnetzen verschrieben. Ziel ist die „bezahlbare E-Mobility für Jedermann“. Das Projekt Innvelo - Innovatives Verkehrs- und Logistikkonzept - schließt dabei die Lücke zwischen Elektrozweirad und dem PKW in der Stadt. Neun Partner wirken daran mit, um aus der Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Der Elektroroller E-LiOn soll bereits 2011 in die Produktion gehen und etwa für 1300 Euro zu haben sein. Reichweite 25 km bei 20 km/h Höchstgeschwindigkeit. Info: www.innvelo.de  

 

   

Eine ganze Palette interessanter Elektrofahrzeuge waren bei E3Mobil zu sehen. Etwa das per Joystick zu steuernde dreirädrige Twike, das es mit (Modell Active) und ohne Pedalunterstützung gibt und das ab 23.000 Euro zu haben ist. Damit lassen sich laut Datenblatt 200 km erreichen sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h. Angegebene Ladezeit des Lithium-Akkus: unter vier Stunden (80 %). Von diesem Fahrzeug sind laut Bundesverband Solare Mobilität seit 1996 bereits mehr als 900 Stück ausgeliefert worden. Es verbraucht drei bis acht kWh auf 100 km.

Info: www.twike.com und www.bsm-ev.de

Das untere Ritzel enthält das Schmiermittel, das bis zu 2500 km halten soll.

Ständige Kettenschmierung

Die Firma Schunk bietet Systeme für die dauerhafte Kettenschmierung bei Fahrrädern und Motorrädern an. Beim Fahrrad wird ein spezielles Ritzel eingebaut, das den Schmierstoff enthält. Dieser wird während der Fahrt aufgrund der Reibung ständig an die Kette abgegeben – laut Firmenangabe sogar bei Regen – und verteilt sich dort gleichmäßig. Das 20 Euro teure Ritzel soll – abhängig von den äußeren Bedingungen - 1500 bis 2500 km durchhalten. Beim Motorrad erfolgt die Schmierung über eine etwa 400 Gramm schwere Schmierschiene, die 6.000 km halten soll.

Info: www.carbonforbikes.com

Durch Induktion lassen sich künftig E-Bike-Akkus nahezu überall aufladen. Vor Restaurants, beim Warten an der Ampel oder in der Garage - ganz ohne Kabelverbindung.  

Stromtankstellen

Bei SEW Eurodrive konnte man sich über die Ladetechnik für Elektroautos und Fahrräder informieren. Das Bruchsaler Unternehmen präsentierte ein System mit induktiver Aufladung über den ein- oder zweiarmigen Fahrradständer. Obwohl also keine Kabelverbindung zwischen Ladegerät und Akku besteht, soll dennoch – bei einem Wirkungsgrad von 90 Prozent - eine Ladeleistung von 80 Watt erzielt werden.

Für den E-Biker heißt dies in Zukunft: Fahrrad einfach auf die Induktionsfläche zum Beispiel vor einem Restautant stellen und während des Mittagessens den Akku nachladen. Der Ladestart erfolgt automatisch. Das System sei unsichtbar unter der Asphaltdecke zu montieren, damit unauffällig und „vandalismussicher“, wie der Hersteller betont. Ähnlich funktioniert das Ladesystem bei den Elektroautos. Der Strom wird jeweils über Solarzellen erzeugt, deren Energie für sonnenarme Zeiten zwischengespeichert werden kann.

Info: www.sew-eurodrive.de

 

Ein Ladesystem für E-Bikes/Pedelecs zeigte auch das polnische Unternehmen Ekoenergetyka aus Zielona Góra östlich von Eisenhüttenstadt. Das Konzept für Fahrradverleiher funktioniert laut Maciej Wojenski so: Die Räder werden mit einem Zapfen angeschlossen (Bild rechts), über den zugleich die Ladung des Akkus erfolgt. Wer ein Rad leihen möchte, kauft beim Verleiher, zum Beispiel einem Touristenbüro, eine RFID-Chipkarte. Damit kann er als registrierter Anwender das E-Bike freischalten und losfahren. Ist der Akku fast leer, wird das Rad einfach an einer anderen Ladestation wieder angeschlossen und mit einem anderen weitergefahren. Wojenski: „Alle Ladestationen können per Internetverbindung konrolliert werden.“ So lasse sich schnell feststellen, wenn ein Rad gestohlen wurde oder ein Akku defekt ist.

Derzeit funktionieren die „bikePoint“-Ladestationen nur mit Rädern des polnischen Partners (ecoBike). Das System sei „reif für die Produktion“ und sei gemäß den Anforderungen des Kunden konfigurierbar, etwa mit Solardach zum Aufladen der Akkus und als größere Station mit Überdachung und Seitenwänden für Werbung. Für Autos gebe es bereits funktionierende Stromtankstellen in Dresden.

Info: www.ekoenergetyka.com.pl

Links: E-Roller aus Estland; rechts: E-Roller von emco aus Lingen.

Flotte Flitzer

Neben den Fahrrädern mit elektrischer Anschubhilfe waren auf der Hannover Messe 2011 auch Elektroroller und –autos zu sehen. Besonders ins Auge stach dabei der von der Firma Veloelektron OÜ aus Estland konzipierte E-Roller Neutrino MAX, der laut Datenblatt mit seinem 2-kW-Motor in sechs Sekunden auf sein Maximaltempo beschleunigt. Die verwendeten LiFePO4-Batterien ermöglichen bei einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h nach Herstellerangaben eine Reichweite von 50 bis 60 km. Angegebener Stromverbrauch für 100 km: 2 kWh. Die ca. 15 kg schwere Batterie soll 1000 bis 1500 Ladezyklen durchhalten.
Info: www.exo-bikes.eu und www.favor.ee  

Ebenfalls anschauen konnte man sich die flotten Flitzer von emco aus Lingen/Ems, die den Fahrer für einen halben Euro 100 km weit bringen und ab 1699 Euro zu haben sind. Je nach Akkutyp sind Reichweiten zwischen 65 und 90 km realisierbar.
Steuer- und zulassungsfrei, wartungsarm und bei geringen Betriebskosten dürften diese Fahrzeuge, für die ein Führerschein erforderlich ist, vor allem in unseren Städten bald häufiger zu finden sein.
Info: www.emco-elektroroller.de - Stromtankstellen unter www.lemnet.org  

Das Gocycle (links) ist leicht und faltbar; rechts: Ein E-Bikeboard-Fahrzeug mit Blaulicht, wie es laut Standmitarbeiter bei der amerikanischen Feuerwehr im Einsatz sein soll. Wohl 
eher ein Gag ... Bild rechts: Modellvielfalt am Stand von e-motion aus Karlsfeld bei München. Das Unternehmen hat schon viele Vertriebspartner in Deutschland.

Originelle Fortbewegungsmittel

Eine ganze Palette origineller Fortbewegungsmittel war am Stand der Karlsruher OrangeBikeConcept GmbH zu sehen. Vom Power Scooter über diverse E-Bikeboarder wie dem Freeliner und dem Allrounder bis zum Elmoto (siehe Bericht von 2010) hat die Firma E-Fahrzeuge diverser Hersteller im Programm. Genial das faltbare Gocycle, das durch einen 250-Watt-Motor auf bis zu 24 km/h beschleunigt und eine Reichweite bis 32 km verspricht.
Infos: www.e-bikestore.de 

 

Links: Leichtmofa A2B Metro (2.999 Euro); rechts: Das eSpire von Third Element mit 14-Gang-Rohloffnabe ist mit der
Antriebstechnologie von Clean Mobil aus Unterhaching ausgerüstet. Mehr unter www.clean-mobile.com 

 

Links: Akku aufladen ohne Kabelverbindung - per Induktion; rechts: der Autor im Milan.

 

Windschnittig und lieferbar: der Milan. Rechts: E-Klappräder. 

Copyright für alle Fotos dieser Seite: Dieter Hurcks

Weitere interessante Berichte finden Sie hier: Elektromobilität auf der Hannover Messe 2010

 

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