Radtouren A bis Z - Fahrradbücher - Fahrrad-DVDs - FahrradwitzeLinks - Bahn + Rad - E-Bike - Home

Bei sandigen oder gepflasterten Wegen wie links in der Lüneburger Heide genau so wie bei Gegenwind 
(Bild rechts: auf dem Oder-Neiße-Radweg) erleichtert der elektrische Anschub das Fortkommen 
erheblich - vor allem, wenn viel Gepäck an Bord ist.


Erfahrungen eines Pedelec-Fahrers bei Touren quer durch Deutschland seit 2010

Wind und Bergen trotzen mit
der elektrischen Schiebehilfe

Der wachsende Anteil älterer Menschen, die, noch fit und unternehmenslustig, Radtouren unternehmen, schlägt sich auch in den Verkaufszahlen von Pedelecs und E-Bikes nieder. Damit lässt sich zum einen die ab 60 unmerklich nachlassende Leistungs- und Regenerationsfähigkeit des Körpers ausgleichen, zum anderen vergrößert die Unterstützung durch einen Elektromotor den Aktionsradius eines Radlers erheblich. Gegenwind und Steigungen sind mit einem Pedelec kein Kriterium mehr, um eine Radtour mit Jüngeren abzusagen. Ein Erfahrungsbericht über den Pedelec-Einsatz auf Ende 2015 schon über 21.000 Kilometern.

Spätestens am 60. Geburtstag beginnt auch ein begeisterter Tourenradler, der fast alle Flusswege in Deutschland mit seinem Fahrrad bereist hat, darüber nachzudenken, wie er seine Leistungsfähigkeit erhalten und den Spaß am Radeln erhalten kann. Spätestens die Radtour entlang des Inns im Jahr 2008 hat mir gezeigt, dass die Regeneration des Körpers nach anstrengenden Etappen länger braucht als noch mit 50. Als ich am neunten Tourentag so richtig platt war, reifte allmählich der Wunsch nach einem Fahrrad mit Elektromotorunterstützung. Nicht zuletzt deshalb, weil wir in der Schweiz mehrere solcher Fahrräder im Einsatz gesehen hatten.



Der Hessische Fernradweg R 4 führt von Alsfeld fast ständig bergauf bis nach Ulrichstein, Hessens
höchst gelegener Stadt mit eigenem Windpark (links). Rechts: Pedelec-Tour im Hochsauerland.

Keine Angst vor Steigungen

Ende April 2010 war es dann so weit. Ich konnte meinen neuen Flitzer beim Fahrradhändler abholen. Nach ein paar längeren Proberunden war klar: Jetzt musste das Pedelec sich bei einer längeren, steigungsreichen Tour erstmalig bewähren. So ging es über Himmelfahrt zunächst auf dem Leine-Heide-Radweg von Hannover ins Eichsfeld und anschließend über Duderstadt bis nach Herzberg im Harz. Besonders der Anstieg in die schmucke Fachwerkstadt mit dem markanten Rathaus, Duderstadt, stellte unseren Mitfahrer, der sich mit einem normalen Tourenrad getraut hatte, vor einige Probleme. Mit dagegen war nun klar: Künftig brauche ich bei der Tourenplanung Steigungen und Wind nicht mehr in dem Maße zu berücksichtigen wie zuvor.

Die zweite bergige Tour führte mich solo von Hannover über Teutoburger Wald und Eggegebirge Richtung Arnsberg an der Ruhr und dann quer durchs Sauerlandland und Oberbergische Land nach Köln. Auf der dritten Tour von Hannover nach Stuttgart, die unter anderem dem Hessischen Fernradweg R4 folgte, waren Vogelsberg und Odenwald zu bezwingen. Stellten hier Berge die größten Herausforderungen, so war es auf dem Oder-Neiße-Radweg von Zittau nach Ueckermünde der ständig blasende Gegenwind, der die Anschaffung des mit rund 3000 Euro nicht ganz billigen Pedelecs rechtfertigte.

Beim Kauf ist grundsätzlich zu entscheiden, ob man ein bei 25 km/h abregelndes Pedelec anschafft oder ein wesentlich schnelleres „offenes“, das bis zu 45 km/h schnell sein darf, aber dafür einige Nachteile bietet: Der Fahrer benötigt in der Regel einen Mofaführerschein. Das versicherungspflichtige Fahrzeug gilt folglich als Mofa, weshalb beschilderte Radwege mit den schnellen Flitzern nicht befahren werden dürfen. Probleme kann es ebenso bei Waldwegen geben. In der Bahn dürfen die schnellen Pedelecs mit Nummernschild ebenfalls nicht mitgenommen werden. Für mich kam daher nur ein abgeregeltes Pedelec in Frage.

Die zwei Seiten eines Pedelecs

Der etwas sperrige Name, ein Kurzwort für „Pedal Electric Cycle“, besagt, dass das Fahrzeug zwar elektrisch angetrieben werden kann, aber nur dann, wenn gleichzeitig die Pedalen bedient werden. Sprich: Wer nicht tritt, kommt auch nicht voran. Eine intelligente elektronische Steuerung erkennt bei qualitativ hochwertigen Modellen, wann der Fahrer Unterstützung braucht und wieviel. Je schwerer der Tritt wird, desto mehr Energie liefert der Elektromotor zu. Tritt man dagegen kräftig ins Pedal, spart das also Strom und der Akku hält länger.

Wobei wir bei der Achillesferse der Pedelecs sind. Selbst die besten Akkus können nur eine begrenzte Unterstützung liefern. Akkus sind teuer und müssen pfleglich behandelt werden. Zum Glück gibt es bei den modernen Lithium-Ionen- bzw. Lithium-Mangan-Akkus keinen Memoryeffekt mehr, wie er von den Nickelcadmiumzellen bekannt ist. Er kann also jederzeit, zum Beispiel während der einstündigen Mittagspause, nachgeladen werden, ohne dass dadurch seine Ladekapazität verringert würde. Dass er mit der Zeit dennoch altert, hat andere Gründe.

 

Ob im hügeligen Mecklenburg oder beim Aufstieg nach Trendelburg an der Diemel: Hier ist
der elektrische Rückenwind herzlich wilkommen.

Exakte Energieplanung

Nach mehreren Radtouren unter schweren Bedingungen wächst die Erfahrung mit dem Energiemanagement von alleine. Wer einmal mit seinem schwer bepackten Pedelec den Akku vorzeitig leer gefahren hat, wird dies bei der nächsten Etappe zu vermeiden wissen. Denn ein Pedelec wiegt mindestens sechs bis zehn Kilo mehr als ein gewöhnliches Tourenrad. Dieses Mehrgewicht dann ohne Elektrounterstützung einen Berg hochzuwuchten, bedarf schon einer gehörigen Kraftanstrengung.

Deshalb habe ich mir tägliche Zwischenziele gesetzt. Die Energieanzeige bei meinem E-Bike, wie ich es lieber nenne, besteht aus fünf Segmenten. Wenn ich am Tage 120 Kilometer zurücklegen will, dann versuche ich, mit dem ersten Segment mindestens 45 bis 50 km zu schaffen, weitere 30 km mit dem zweiten Segment. Lassen am Nachmittag die Kräfte nach, dann sind noch drei Segmente vorhanden.

Aber Vorsicht: Nicht nur ich, sondern auch einige E-Biker-Kollegen haben festgestellt, das besonders nach Erlöschen des vorletzten Segmentes der Restenergiegehalt des Akkus nur noch für rund fünf bis sechs Kilometer reicht, während bei gleicher Topographie das erste Segment die dreifache Radelstrecke Unterstützung liefert. So sollte man im Zweifelsfalle sein Pedelec auch mal einen Berg hochschieben, was nicht nur dem Akku gut tut, sondern auch der Muskulatur des Fahrers.

Inzwischen gibt es schon Regionen mit einem besonderen Service für Pedelecfahrer: Im Schwarzwald etwa oder im Sauerland können leere gegen volle Akkus ausgetauscht werden. Und auch die Akku- und Antriebstechnologie hat sich seit 2010 erheblich weiterentwickelt. So sind heute 36-Volt-Antriebe Standard, und Akkus mit 18 Ah halten natürlich erheblich länger durch als solche mit nur 10 Ah.

 

Fazit: Willkommene Hilfe

Deutschland ist ein ideales Radelland. Das habe ich auf meinen Ende 2013 schon mehr als 100 Ferntouren immer wieder feststellen können. Aber Deutschland ist auch ein Mittelgebirgsland. Daher ist der Vorrat an relativ flachen Touren wie entlang von Weser, Main oder Elbe, bald erschöpft. Mit dem Pedelec hat nun jeder Radler die Möglichkeit, auch mal quer durchs Land zu fahren und neue, schwierigere Strecken zu entdecken.

Außerdem ermöglicht ein solches Elektrobike, noch viele Jahre Radtouren zu unternehmen, an die man sich mit einem normalen Rad gar nicht mehr heranwagen würde. Es erhöht den Aktionsradius, schont die Gelenke und erlaubt die Teilnahme an Gruppenradtouren, bei denen es wichtig ist, dass die Teilnehmer möglichst das gleiche Leistungsniveau haben. Andernfalls ist Frust auf allen Seiten die Folge.

Der Kauf eines Pedelecs hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Denn was ist schöner, als per Fahrrad umweltfreundlich durch Feld und Wald zu rollen und, wenn es gar zu anstrengend wird, den Gesang der Lerchen vom leisen Surren des Elektromotors begleiten zu lassen? Dieter Hurcks

 

Die Pedelec-Touren

Bergauffahrt bei Gegenwind: Hier kann das Pedelec zeigen, was in ihm steckt. Rechts: Nach
einem kräftigen Aufstieg bei Groß Umbach auf dem HR 4 Richtung Höchst im Odenwald.

Eifel-Tour 2015: Ideales Terrain für E-Bike-Fahrer. Das ständige bergauf-bergab macht den Stromantrieb besonders wertvoll. Die geschilderte Tour beginnt in Köln, führt an die Erft und quer durch die Eifel nach Trittenheim an der Mosel, von dort nach Koblenz und Rhein-abwärts nach Bonn. Reisebericht

Leine-Heide-Radweg: Zwischen Leinefelde und Hamburg verläuft der 2009 um den nördlichen Teil erweiterte Leineradweg, der folglich nun Leine-Heide-Radweg heißt und auf seinen 410 km auch die Lüneburger Heide durchquert. Insbesondere im Eichsfeld und Leinebergland sowie in der Heide freut der Radler sich über die Motorunterstützung. Reisebericht

Oder-Neiße-Radweg: Der deutsche Teil dieses grenznahen Radweges beginnt in Zittau. Bei Nordwestwind ab Stärke drei hat der Radler gut zu tun. Vor allem, wenn in Mecklenburg noch das hügelige Land das Vorankommen erschwert. Bis Ueckermünde sind immerhin rund 550 km zurückzulegen. Reisebericht

Hessischer Fernradweg R4: Landschaftlich und kulturell ein Highlight, aber nur für sportliche Typen – oder halt für Pedelec-Fahrer. Bis auf wenige Passagen wie im Schwalmtal oder in der Mainebene hält diese Tour jede Menge Steigungen vor. Es gilt, Hessens höchst gelegene Stadt Ulrichstein zu erklimmen und den Odenwald zu durchqueren. Von Bad Karlshafen an der Weser bis Hirschhorn am Neckar führt dieser 415 km lange Radweg bergauf und bergab durch eine faszinierende Landschaft. Hart aber herrlich! Reisebericht

Quer durchs Land: Eine steigungsreiche Pedelec-Tour wird unter diesem Titel beschrieben. Hier geht es nicht bequem durch die Flusstäler, sondern oft über Berge und Hügel: Teutoburger Wald und Eggegebirge, Möhnetalsperre, Sauerlandradring und Oberbergisches Land gilt es auf dieser 595 km langen Tour zwischen Hannover und Köln und weiter nach Hattingen/Ruhr zu bezwingen. Reisebericht 

weitere Touren hier

 

Akkuwechsel-Stationen

Wer im Internet recherchiert, findet schon eine ganze Reihe von Akkuwechselstationen. Allein 500 gibt es laut der Firma Biketech ("Flyer") in der Schweiz.
Weitere Rechercheergebnisse (Stand: 10.2.2011):

Schwarzwald:
http://www.ebike-schwarzwald.de/verleih.htm  Hier können sie den Akku Ihres geliehenen E-Bikes kostenlos gegen einen geladenen Akku austauschen oder den mit den E-Bikes der Firma Flyer kompatiblen Akku Ihres eigenen E-Bikes aufladen.
Im Aufbau:
www.hochschwarzwald.de/Entdecken/Aktiv-im-Sommer2/E-Bike2/Akkuwechselstationen-E-Bike

37 Verleihstationen in der RadArena Sauerland
Kahler Asten, Diemelsee, Hochheide – attraktive Ziele im mittelgebirgigen Sauerland, die jetzt mit dem Rad spielend leicht erfahrbar sind. Möglich macht es auch hier ein E-Bike-Projekt der Deutschen Sporthochschule Köln unter Leitung von Professor Roth und der Tourismusregion Sauerland. An immerhin schon 37 Verleihstellen lassen sich E-Bikes ausleihen. Darüber hinaus kann man an 23 Akkuwechselstationen den Akku des geliehenen E-Bikes kostenlos aufladen oder tauschen.

Radtourismus im Weserbergland - Mit dem E-Bike die Landschaft erkunden  Mit einer Innovation im Radtourismus startet der Weserbergland Tourismus e. V. in die neue Saison: der touristische Dachverband hat 10.000 Euro in die Hand genommen und macht das Weserbergland zur "movelo"-Region. Hierhinter verbirgt sich ein Konzept, das ein flächendeckendes Netz von Verleih- und Akkuwechsel-Stationen für Elektrofahrräder vorsieht. Die touristischen Partner des Vereins können sich am neuen Projekt beteiligen und damit direkt vom Trend der E-Bikes profitieren. Quelle: solar-driver online

Thüringen: Saale-Orla-Kreis least vorerst 29 Elektrofahrräder, um sie an Touristen zu verleihen  

Verleih- und Aufladestationen in Deutschland, Österreich, Italien, Spanien u.a. Ländern listet Movelo auf.

Home